Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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empören

empören,
excitare, aufbringen, aufregen, mhd. enbœren, mit langem vocal, Wilh. 316, 15. Neidh. 23, 18, wie schon bor auf kôr, trôr reimt (gramm. 1, 206), keine aus dem vorhergehenden empor = enbor zu leitende bildung, sondern, wie andere verba, mit en = ent zusammengesetzt, obwol dem sinne nach auch ein emporheben, erheben. im voc. theut. 1482 g 4ᵃ steht enporen, aufheben, levare, erigere.
1)
am seltensten erscheint intransitives empören für excitari, effervescere: die herzogin die rede sobald nicht vernommen hatt, alles ir geblüt von groszen freuden empören thet, ir herz von freuden sich aufbäumet. Galmy 83, wofern nicht zu lesen ist sich empören. A. W. Schlegel bildete den hexameter:
wieder zur ebene rollte der frech empörende steinblock,
(der sich immer aufrichtende, hebende).
2)
transitiv excitare, tollere, aufrühren, erheben:
die botschaft liebt kein mensch, die traurigkeit empöret
(erregt erweckt).
Opitz 1, 172 (179);
wenn Nauwach das pandor
läszt hören und mit ihm den künstlichen tenor,
da wacht mein Opitz auf, dasz er des künstlers stimmen
so hoch, wo über uns der leier sternen klimmen
durch seinen ersten preis die deutschen vers empört.
Fleming 59;
der wilde Main schosz hin. was war er als nicht zahm
der ungelehrte Rhein, als nur mein Opitz kam
und liesz den schönen ton erst ümm den Bober schallen,
so sagt man, hab es ihm so überwol gefallen,
dasz er sein schilficht häupt hat dreimal hoch empört,
und dreimal laut gejauchzt.
75;
bis die silberne Diane
zu dem leichten wagen kehrt,
und am blanken himmelsplane
ihr gestirntes häupt empört.
373;
doch jach, wie windeswirbel fährt
und rührig laub und staub empört.
Bürger 52ᵇ;
so rief sie und empörte mut und kraft
in jeglichem.
167ᵇ;
beute dürstend und blut empört er die segel.
Kosegarten;
diese schwerter, die wir hier empören.
Rückert 133;
wie sie jetzt die faust empören
im gebrauch aus alten tagen.
Lenau neuere ged. 31;
diesen von sehnsucht empörten busen. J. P. Hesp. 3, 68.
3)
zumal excitare ad rebellandum, in aufruhr bringen: die kritische philosophie empörte ihn. Kant 3, 405; die langsame vernunft kann den empörten witz nicht mehr begleiten. 10, 18;
so nehmet diesen trank.   'o nein, der schmeckt
abscheulich, er empört mir die natur'.
Göthe 9, 223;
er sprach, mein tisch empört dir nicht das blut.
11, 129;
wie oft lull ich mein empörtes blut zur ruhe. 16, 10;
weder das ganze volk ist mir, dem verhaszten, empöret.
Od. 16, 114;
weil keine lust
das matte blut in euch empöret.
Gotter 1, 222;
schwärmerein, die deinen geist empören.
2, 8;
ihr bettler aus Arabiens wüstenein,
die weder acker, pflug noch brot gekannt,
bis euch empört ein hochverfluchtes haupt.
Tiecks Genoveva s. 30.
4)
häufig, sich empören, sich auflehnen, erheben, surgere, rebellare: das will ich auch thun aller dieser bösen gemeine, die sich wider mich empöret hat. 4 Mos. 14, 25; die empöreten sich wider Mose. 16, 2; ein man vom gebirge Ephraim mit namen Seba hat sich empöret wider den könig David. 2 Sam. 20, 21; und seine knechte empöreten sich und machten einen bund. 2 kön. 12, 20; und die kinder werden sich empören wider ire eltern und inen zum tode helfen. Matth. 10, 21. Marc. 13, 12 (ahd. inti anastantant kind in iro eldiron); denn es wird sich empören ein volk über das ander (arstentit thiot widar thiotu). Matth. 24, 7; daher kompt, das sich kein aufruͦr empören (erheben) kan. Frank weltb. 103ᵇ; wie mögen sich dann krieg erheben und entbören? kriegsb. des fr. 56; sich aus klugheit erheben und entbören. 156; wurden sie alle, die sich desselben tags gegen den ritter empöret, nidergelegt. Galmy 138; das meer emböret sich. Petr. 107ᵃ; weil Archelaus zu Rom war, hat sich alles land emböret. Reiszner Jerus. 2, 94ᵃ; die juden haben sich gegen das römisch reich embört. 2, 106ᵃ; denn wenn sich die mechtigen wider den son gottes entpörn. Mathesius 86ᵇ;
ein baum so oft und viel des andern äste reibt,
dasz durch erhitzung sich der liechte loh empöret.
Opitz 1, 41;
die sonne, wann die nacht sich aus der see empört,
fährt schamroth unterhin und kompt doch morgen wieder.
2, 460;
wie sich durch die ganze stadt
ein geschrei von jauchzen hat
schnell erhoben und empöret.
3, 84;
zwar weisz ich nicht woher dein kummer sich empöre.
Tscherning 227;
kein gräslein kann sich so klein entpörn,
das sie nicht meisterlich wachsen hörn.
(a. 1665);
die hitze ist in gott ein liebliches wärmen, ein ausgang des lichts, der sich aus dem licht empöret. Jac. Böhme Aurora;
ein matter blick, der aus den blauen augen brach,
ein busen, welcher sich aus ungeduld empörte,
die sagten dem genug, der hier im busche lag.
Rost schäfererz. 47;
vom bloszen gedanken empört sich jedes haar
auf ihrem kopfe.
Wieland 4, 15;
fürwahr, empörte Jonas sich,
das weib speit wie ein drache.
Bürger 49ᵃ;
so wie der tön aufruhr sich empörete, klirrten die fenster
ringsum, dröhnte die stub und summt im klaviere der nachklang.
Luise a. l. h. 3, 2, 307;
die schottschen völker
empören sich und drohen abzuziehn.
Schiller 454ᵃ;
die metaphysik hat keinen grund sich wider die anziehung in die ferne zu empören. Kant 1, 80; dieses ist der punct, dawider die gegner am meisten sich empören werden. 8, 87; die vernunft empört sich gegen den irrthum.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1859), Bd. III (1862), Sp. 435, Z. 12.

empört

empört,
a)
emporgehoben:
aber so schön sie ist,
so empört auch ihr herz deinem gesange schlägt.
Klopstock 1, 109;
auf leichten flöszen gieng der kühne feldherr
bei nachtzeit über den empörten strom.
Körner 2, 109.
b)
iratus, irritatus, entrüstet, aufgebracht: empört über diese handlung;
gebietet eurem wild empörten blut.
Schiller 426ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1859), Bd. III (1862), Sp. 441, Z. 55.

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Zitationshilfe
„empört“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/emp%C3%B6rt>, abgerufen am 18.10.2021.

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