Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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empfallen

empfallen,
excidere, mhd. enphallen, schreibt Luther verschiedentlich, doch in der bibel zuletzt nur entfallen: wenn ich sie angriffen habe zu bessern, sind sie zurück gelaufen und mitten im werk mir empfallen. 1, 88ᵇ; das ist nicht ein fester man, der sich so stark dünket, das ers nicht fülen wölle, so im ein guter freund empfellet. 5, 497ᵇ; wer dén trost nicht hat, der kan sich sonst nicht trösten, noch frölich sein, sondern so viel im des worts empfellet, so viel empfellet im auch des trostes. 5, 500ᵇ; es empfalt mir, mens effluit, es empfalt im das herz, cadit illi animus. Maaler 101ᵈ; dise ding sind mir empfallen, mihi ista exciderant. ebenda; gleich als sei es Christo empfallen, oder hab im traumet. Frank laster b i; diser stelt sich vor so greulich, als het er schon die lutherischen all ufgefressen, itzt ist ihm schon das herz empfallen. Alberus wider Witzel M 7ᵇ, aber L 7ᵇ steht entfallen; so einer den fischern wider empfelt, sollen sie sich vergraben. Forer 39ᵇ. mhd. enpfallen, nnl. ontvallen.
sie warf den lîp ûf die banc,
als er ir enpfallen wær.
Helbl. 1, 1207.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1859), Bd. III (1862), Sp. 421, Z. 48.

empfehle, f.

empfehle, f.
dasselbe: es soll mir nicht darauf ankommen, ihnen eines nach der art der abcbücher binden zu lassen und mit einer schriftlichen empfehle zuzuschicken. Lessing 3, 445.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1859), Bd. III (1862), Sp. 424, Z. 38.

empfehlen

empfehlen,
commendare, demandare, praet. empfahl, wofür einige, z. b. Möser oder Nicolai (Sebaldus 2, 114) fehlerhaft empfohl schreiben, imp. empfiehl, nicht empfehle, wie dennoch einreiszt, z. b. oft in Lichtenbergs briefen, selbst bei Göthe 35, 101. das wort ist mhd. selten (steht Nib. 2102), weder ahd. noch goth. vorhanden, da aber goth. anafilhan auch commendare ausdrückt, könnte aus anfehlen, das jedoch ahd. und mhd. ebensowenig erscheint, entfehlen und empfehlen verderbt sein. nnl. kein ontvelen, neben bevelen und aanbevelen. befehlen und empfehlen mögen oft einander vertreten, nur drückt empfehlen niemals mandare aus, ist also schwächer als befehlen. die fastnachtspiele, Keisersberg, Niclas von Wyle und die bibel von 1483 gewähren empfelhen verschiedentlich, Dasypodius hat 128ᵃ demandare entpfelhen, Frisius 256. 385 unter commendare, demandare nur befelhen, doch Maaler 101ᵈ empfelhen, die späteren setzen beide. bei Luther kommt empfelhen nicht vor, immer befelhen.
1)
den leib der erde empfehlen, terrae commendare, wie befehlen mandare (1, 1254), begraben;
ein teil
daʒ ward man so ze hand begraben,
daʒ was dem pharrer an schaden.
der ander teil der muoste ziehen
den esel, der nit mocht gefliehen
und in empfelhen do den raben,
daʒ was den wolfen ane schaden.
ring 9ᵇ, 13.
2)
in die hände, die gunst, die gnade empfehlen: vater, ich empfilh meinen geist in dein hende, in manus tuas commendo spiritum meum. 1483 Luc. 23, 46, wo Luther ich befelh meinen geist; man fängt sein testament gewöhnlich damit an, dasz man seine seele gott empfiehlt. Lichtenberg 1, 152,
so empfahl er gott die seele,
nahm abschied von seinen freunden
und empfieng das sacrament.
Herders Cid 65;
schlechter kerl, empfehle dich gott! denn du bist des todes. Göthe 35, 101; sie streckten ihre waffen und empfahlen sich in unsere gnade; aber ich empfilch mich dir und deiner trew. Wyle in der Lucretia; (der allerhöchst gethrönte), in welches ewige vatertreue wir uns empfehlen. Butschky kanzl. 72; die wir uns in dero freundbrüderliche gunsten empfehlen. 90; die götter würden ihre ehre nur in thörichte hände empfohlen haben. J. E. Schlegel 2, 561;
und beid empfahlen sich durch märchen sehr zu gnaden.
Bürger 104ᵃ.
3)
in dem stück 'von der bäume blättern' (altd. wäld. 1, 144—148) bedeutet 'wem es empfohlen wird' immer wem es zu tragen geboten wird, wer das bestimmte blatt oder laub als heimliches, verschwiegnes zeichen an sich stecken soll. geschrieben steht bald entfolen, bald empholen und das kleine denkmal fällt ins 15 jh.
4)
in ähnlichem sinne brauchen wir empfehlen für anempfehlen, ans herz legen, anrathen, einbinden: ich enpfilch es dir selb zuͦ betrachten. Keisersberg volk. mensch f; seine wundärzte empfohlen ihm nichts eifriger als ruhe und geduld. Lessing 6, 1; ich habe den auftrag, ihnen die äuszerste behutsamkeit zu empfehlen. Gotter 3, 26; ich empfehle dir stillschweigen.
5)
einen freund oder angehörigen dringend empfehlen, wobei gern gesagt wird 'sich empfohlen sein lassen', wie lat. commendatum sibi habere:
meister, lieber meister mein,
lat euch meinen herrn empfolhen sein.
fastn. 504, 21, und
das will ich mir empfolhen lassen sein.
484, 18;
lasz dir meinen sohn bestens empfohlen sein! er ist wol empfohlen, steht in voller gunst, commendatissimus est, ist übel empfohlen, schlecht angeschrieben:
die ganze riesenschar
war, noch vom Blaubart her, nicht wol bei ihr empfohlen.
Wieland 4, 15.
6)
sich empfehlen ist höflich grüszen, ich lasse mich ihm empfehlen, lasse ihn grüszen; diese höflichkeit geht, wie der grusz, einer weiteren bestellung voraus: lauf hin zu NN, sage, ich liesze mich empfehlen und mich erkundigen, wie er sich befinde, er solle doch das versprochne schicken.
7)
da man vorzugsweise beim abschied die gunst eines andern erbittet, so drückt sich empfehlen geradezu abgehen, weggehn aus: ich will mich ihnen empfehlen = verabschieden; empfiehl dich! entferne dich;
nein, denn sie fängt schon an sich bestens zu empfehlen.
Gellert;
nun denn, so empfehle ich mich ihnen. Göthe 14, 185; Philine sang ein liedchen, welches dem ankömmling nicht zu behagen schien, er empfahl sich. 18, 157; wenn aber zuletzt das sein mit dem scheinen sich zu empfehlen anfängt und der schein noch flüchtiger als das sein ist. 22, 40;
natürlich, dasz ich mich nach jenen schönen thaten,
so gut wie ihr, durchs fensterloch empfahl.
Bürger 110ᵇ,
ja man pflegt sogar den letzten abschied aus dem leben gemeinhin mit den worten zu bezeichnen 'er hat sich empfohlen', ist gestorben, mundo valedixit.
8)
sich empfehlen von speisen oder waaren, fr. se recommander: weintrauben empfehlen sich durch ihr aussehen, dieser sammet empfiehlt sich durch hohe und reine farbe. aber auch von handlungen: sein benehmen in dieser sache empfiehlt sich von selbst, bedarf keines lobes.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1859), Bd. III (1862), Sp. 424, Z. 42.

empfehlend

empfehlend,
se commendans, gratus: sein äuszeres hat etwas empfehlendes, viel empfehlendes; den werth dieser eigenschaften erhöht eine empfehlende gestalt.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1859), Bd. III (1862), Sp. 425, Z. 57.

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Zitationshilfe
„empfehlen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/empfehlen>, abgerufen am 18.10.2021.

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