Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

empfindlichkeit, f.

empfindlichkeit, f.
sensus. Maaler 102ᵃ. mhd. wb. 3, 319ᵇ.
1)
wahrnehmbarkeit: durch das angesicht wird die gegenwertigkeit in der schrift bedeutet oder die empfindlichkeit eines dings. Luther 1, 26ᵇ; auch wirt die erkentnus der verdampten eigentlich nit ein glaub genennet, sonder es ist ein erfarenheit und empfintlichkeit der pein. Melanchth. 1 Cor. 12;
dises leids empfindlichkeit zu singen.
Weckherlin 603.
2)
gefühl, empfänglichkeit, zärtliche empfindung: du empfindest das, dasz du mer liebe hast in deinem herzen und dein herz me berürt etwan ein hündlin, oder ein öpfel oder ein ander clain ding. wann aber ein semliche empfintlichkeit gegen got wer, so werest du dester besser. Keisersberg omeis 75ᶜ; als wir lesen, was ein junkfraw, die auf ein zeit in irem gebet was, und on iren anschlag und fürnemen kam ein semliche inbrunst und liebe in der empfintlichkeit zu got, das ir das herz zersprang. 75ᵈ; was bistu für eine art von menschen, dasz du keine empfindlichkeit der liebe durch so fröhlichen gesang bekommest. pers. rosenth. 2, 24; es stehet nun bei ew. maj., was die gesamten anverwandten vor eine empfindlichkeit aus diesem todesfalle tragen (welche gefühle sie an den tag legen) sollen. Weise freim. redner 595; eine glückliche empfindlichkeit entwickelte frühzeitig alle kräfte seiner seele. Wieland 7, 151; seine zuneigung, seine empfindlichkeit breitet sich über die ganze natur aus. 13, 129; da ich meinen adel in der empfindlichkeit meines herzens suche. J. E. Schlegel 5, 229; der einfall vergnügte unsern witz, aber die ausführung des einfalls empört unsere ganze empfindlichkeit (unser gefühl). Lessing 7, 161. 'ohne empfindlichkeit liegen' heiszt bei Ettner unw. doct. 224 ohne lebenszeichen, ohne empfindung, wie wir heute sagen.
3)
wieder übergehend in reizbarkeit: auch derjenige, dem allbereit die hitze vergangen und die empfindlichkeit abgeleget, hätte durch ihre gesellschaft müssen zur liebe wieder angezündet werden. pers. rosenthal 2, 28; hier kamen mir jene übungen gut zu statten, durch die ich meine empfindlichkeit abzustumpfen versucht hatte, ich konnte der (chirurgischen) operation beiwohnen. Göthe 25, 299.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1859), Bd. III (1862), Sp. 430, Z. 59.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
elsebeerbaum entgegennäseln
Zitationshilfe
„empfindlichkeit“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/empfindlichkeit>, abgerufen am 24.10.2021.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)