Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

empfindlich

empfindlich,
sensibilis, dehnt, gleich dem lateinischen wort, sich in passive und active bedeutung, galt ehmals mehr von sachen, später mehr von personen.
1)
percipibilis, franz. perceptible, was in die augen, in die sinne fällt: emphintlich experimentalis. Diefenbach 218ᵇ; wie wol ich und jederman sich billich solt verwundern, dasz man diesen artikel nicht für die allergewisseste, empfindlichste warheit helt. Luther 1, 405ᵇ; pferd und meuler sind nicht geschaffen, dasz sie solten begreifen die ding, die nicht empfindlich sind. 3, 7; wiederumb diese leibliche gemeinschaft kan nicht sichtbarlich noch empfindlich sein. 3, 74; Christus habe nie kein zeichen gethan es sei denn sichtbarlich oder empfindlich da gestanden. 3, 500ᵇ; mein fleisch wird wesentlich, leiblich, empfindlich, mündlich, fleischlich unter der gestalt des brots genommen und gegessen. Fischart bienenk. 80ᵇ; man könnte einwenden, dasz an diesem Herkules die theile vielleicht nicht empfindlicher und schwülstiger als an dem farnesischen vorgestellt worden. Winkelmann 3, 197; dasz sich die verbesserung der kunst mit einem starken ausdrucke und mit einer empfindlichen andeutung der theile an ihren figuren angefangen habe. 3, 218; eine empfindliche andeutung der gelenke und muskeln. 3, 219; um den gesuchten ausdruck und die empfindliche andeutung zu erhalten. 3, 221; des Anaxagoras sonne, welche die schüler wie ihre meister für einen stein hielten, wider alle empfindliche augenscheinlichkeit. 3, 418; da nun die weisze farbe diejenige ist, welche die mehresten lichtstralen zurückschicket, folglich sich empfindlicher machet. 4, 49; die besten ausgaben des Boileau, des Pope beweisen, dasz die schönsten stellen durch historische erläuterungen allererst empfindlich werden und ein vollkommenes licht gewinnen. Hagedorn 1, viii; alle einfälle bekommen, wenn mit der natürlichen artigkeit derselben noch die harmonie des sylbenmaszes verknüpft ist, einen besseren nachdruck und eine viel empfindlichere annehmlichkeit. J. E. Schlegel 3, 80; die erderschütterung, die im innern des landes nicht empfindlich war. Kant 9, 41; die kenntlichkeit der einzelnen sterne ist sogar dem sehrohre nicht mehr empfindlich. 8, 257 (a. 1755). empfindliche kälte, heftige, fühlbare.
2)
fühlend, zärtlich, empfänglich: da nun das wenige, mehr oder geringer, den unterschied unter künstlern machet und das wenige unmerkliche ein vorwurf denkender, empfindlicher geschöpfe ist. Winkelmann 1, 243; jeder wer eine empfindliche seele besitzt. Lessing 3, 138; und wenn mich alle orakel für den weisesten erklärt hätten, wäre es möglich ich würde den ruhm des empfindlichsten mit verlust aller meiner weisheit dafür eintauschen. 3, 303; er war ein dichter, kein wunder dasz er gegen die schönheit ein wenig zu empfindlich war. 6, 285; durch beide (gesetze und sitten) sind die gemüther milder, sanfter und gegen pflicht und anstand empfindlich geworden. Garve Cic. de off. 1, 135;
Gedor von sanftem herzen und gleich empfindlich der freude
und der traurigkeit.
Messias 15, 419;
das weib ist empfindlich, der mann empfindsam. Kant 10, 345; er überliesz sich der begeisterung, in welche dieses majestätische schauspiel empfindliche seelen zu setzen pflegt. Wieland 1, 27; niemals hatte ihn ein weibliches auge erblickt ohne die schuld ihres geschlechts zu bezahlen, welches für die schönheit so empfindlich gemacht zu sein scheint. 1, 31; ergieszungen eines für ihn allein empfindlichen herzens. 2, 185; Sebaldus kam dadurch in einen stand der ruhe, der ihn wieder zum genusse des lebens empfindlich machte. Nicolais Nothanker 3, 83;
der liebe tändeleien,
die ein empfindlich herz, so klein sie sind erfreuen.
Göthe 7, 7;
es ist ein närrisch ding um ein empfindlich herz.
7, 64;
bei deinem lebhaften, empfindlichen character. 10, 93; dabei ist sie für alles schöne, wahre, zarte empfindlich und unglaublich bescheiden. 29, 39; nie waren sie für ihre verfassung empfindlicher gewesen. Schiller 784ᵃ; wenig empfindlich für den wahren ruhm, lieszen sie ihren ehrgeiz entscheiden. 809ᵃ; der herzlose, für den ruhm allein empfindliche Condé. 997ᵇ;
wer gegen geld und schmeichelei
und adelsbrief und ordensbänder
und pferd und wagen und gewänder
empfindlich ist, ist niemals frei.
Gökingk 1, 35;
von jeher bin ich für schöne natur empfindlich gewesen (habe dafür empfunden). Tieck 9, 275. Klopstock setzt dazu noch den alten gen., die andern gegen und für.
3)
dies empfindlich steigert sich aber zu reizbar, irritabilis, stomachosus und in einzelnen der eben angezognen belege mag schon ein solcher übergang stattfinden: er ist ein empfindlicher, zu unlust und zorn geneigter mann; du bist aber auch empfindlich, was man thue reizt, verletzt dich, bringt dich auf. ich freue mich die beispiele vermehren zu können, welche die furcht vor verleumdungen einem empfindlichen geiste minder schrecklich machen, dessen stärkste triebfeder die ehre ist. Lessing 8, 380. empfindlich, zornhaft. Rädlein 236ᵇ.
4)
empfindlich, von sachen gebraucht, ist auch blosz das, was empfunden wird, wol oder übel,
a)
ich verursache ihm damit eine empfindliche freude (une joie sensible); dasz ihnen der zweite theil von Sebaldus Nothanker nicht minder gefallen hat, als der erste, macht mir empfindliches vergnügen. Nicolai bei Merk 1, 73.
b)
eine empfindliche, schmerzhafte botschaft; wie sehr dies Julien empfindlich gefallen. Bodes Tristr. Sh. 4, 69; deiner schwester fällt der tod ihres mannes sehr empfindlich, sie wird auch einsehen lernen, dasz er zu ihrem glück gestorben sei. Göthe an fr. von Stein 3, 308. ein empfindlicher verlust.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1859), Bd. III (1862), Sp. 429, Z. 17.

empfindlich, adv.

empfindlich, adv.
sensibiliter.
1)
fühlbar, merkbar: daraus werden rechte Christen, die Christum erkennen und empfindlich schmecken. Luther 1, 81ᵇ;
ein kus, es ist wol wahr, von schön und kleinen munden
thut oft empfindlich wol.
Günther 445;
des Cleons spanisch rohr, der rächer seiner ehre,
gab einem lästerer empfindlich unterricht.
Hagedorn 1, 94;
an den colossalischen köpfen ist dieser schwung noch deutlicher gezogen und empfindlicher angegeben. Winkelmann 4, 203; meine freunde können mir niemals empfindlicher schmeicheln, als wenn sie meinem alten vater in seiner schlechten kleidung eben die achtung bezeigen, die man einem angesehenen greise von stande schuldig ist. Rabener 3, 283; von meiner kindheit an konnte man mir nicht empfindlicher schmeicheln, als wenn man mich im scherze kleines fräulein hiesz. 3, 332;
sie scherzt empfindlich und doch fein.
Lessing 1, 75.
2)
gereizt, bitter, acerbe: er antwortete empfindlich.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1859), Bd. III (1862), Sp. 430, Z. 41.

empfindling, m.

empfindling, m.
was empfindler: der nicht, wie viele unserer heutigen empfindlinge, mit verzerrtem weinerlich aussehn sollenden gesichte, achselzuckend und ein fruchtloses lamentabile intonierend da stand, sondern stracks bereit war kräftige hülfe zu leisten. Siegfr. von Lindenb. 4, 200.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1859), Bd. III (1862), Sp. 431, Z. 17.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
elsebeerbaum entgegennäseln
Zitationshilfe
„empfindling“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/empfindling>, abgerufen am 14.10.2021.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)