Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

empfindsamkeit, f.

empfindsamkeit, f.
so wie die rechte seite vor der linken den vortheil der bewegkraft hat, so hat die linke ihn vor der rechten in ansehung der empfindsamkeit. Kant 3, 119; empfindsamkeit ist ein vermögen oder eine stärke, den zustand sowol der lust als der unlust zuzulassen, oder auch vom gemüthe abzuhalten. dagegen ist empfindelei eine schwäche. 10, 255; die empfindungsfähigkeit aus stärke (sensibilitas sthenica) kann man zarte empfindsamkeit, die aus schwäche des subjects dem eindringen der sinneneinflüsse nicht hinreichend widerstehen zu können, zärtliche empfindsamkeit nennen. 10, 159; in dingen, die eine geübte empfindsamkeit erfordern. Wieland 13, 245; triumph der empfindsamkeit. Göthe 14, wo das wort öfter, s. 57 empfindsamkeiten vorkommt; und seine kräfte in tugend, wolthätigkeit, empfindsamkeit zerflieszen. 33, 29; da mag sie (die kunst) aus rauher wildheit oder gebildeter empfindsamkeit geboren werden, sie ist ganz und lebendig. 39, 349; du scheinst jetzo zufriedner mit dir zu sein, wolklang, wie du warst, als du dich deines verlustes, nur nicht mit empfindsamkeit, erinnertest. Klopstock gramm. gespr. 101; meine hypochondrische empfindsamkeit geht sehr weit. Lichtenberg 7, 310.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1859), Bd. III (1862), Sp. 432, Z. 18.

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Zitationshilfe
„empfindsamkeit“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/empfindsamkeit>, abgerufen am 16.10.2021.

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