Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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endursache, f.

endursache, f.
causa finalis, Stieler 1656, im gegensatz der causa efficiens, die am anfang steht: das productive vermögen der natur nach endursachen. Kant 7, 265; wenn wir die naturproducte nach der causalität der zwecke und endursachen ... als möglich vorstellen. 7, 286; jede veränderung in der natur und also auch in dem menschlichen körper hat ihre wirkende ursache und ihre endursache. Mendelssohn in Göckingks leben Nicolais s. 198; sollte wol die vernunft oder vielleicht besser der verstand, wenn er auf endursachen geräth, besser daran sein, als wenn er auf ein dictat des herzens geräth? Lichtenberg 1, 108; ich finde es recht lustig eine endursache der handlungen und begebenheiten zu werden. Göthe 29, 214; meine abneigung gegen die endursachen war nun geregelt und gerechtfertigt. 50, 53; die endursachen sind dem gemüthe zu denken so nöthig, dasz du aus den nichtendursachen erst eine rechte endursache machst. an fr. von Stein 3, 190.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1859), Bd. III (1862), Sp. 467, Z. 22.

ursache, f.

ursache, f.,

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erst im nachclassischen mhd. auftretende zusammensetzung von sache (s. d.) mit ur- C 4 c; als das einfache wort verblaszte, trat u. an seine stelle. mnd. orsake; mnl. orsake, ml. oorzaak, spätan. órso̜k, dän. aarsag, schwed. orsak sind in der hauptsache aus dem d. entlehnt. der zusammensetzung mit ur- C 4 c trägt die wiedergabe durch causa prima et praecipua (mnl. wb. 5, 2001), caput rei (Frisch [1741] 2, 409ᵇ), cosa principale Kramer (1702) 2, 1220ᵇ u. dgl. rechnung. in reflectierender sprachbetrachtung lösen sich einmal ur und sache wieder von einander: wo etwas für uns 'wirklich' ist, sehen und denken wir es in ursächlicher form, so wie wir uns selbst und unser tun als ur-sache empfinden und kennen Spengler untergang des abendlandes 2, 325. wie sache und ursache entsprechen sich ahd. saga (ratio) und ursaga. das verhältnis unsers wortes zu diesem ursaga, mhd. ursage (ratio, occasio) ist merkwürdig. zwar irrte Lexer, wenn er 2, 2011 an vier stellen der Hohenfurter Benedictinerregel ursage für ursache faszte (es ist ursage ratio, occasio, excusatio gemeint), aber ein zusammenfallen beider wörter hat in der that stattgefunden; mit ripuarischem wechsel von ch und g (Weinhold mhd. gramm. 223) erscheint ursachen (rationem): machen in dem von W. Grimm (Haupts zeitschr. 10, 1 ff.) herausgegebenen Marienlob 94, 23; und noch im frühnhd. kommt ursache = ursage 'erste ankündigung' vor:
kalt ist des tages ursach
'die morgenkälte verkündet zuerst den anbruch des tages' Hätzlerin 1, 1, 31;
welch ehalt straff mit zorn wil tempfen
und alle die wil uberkempfen,
von den man hat ursach ('ursprüngliche mittheilung') seinr scheden:
dy müssen mit in lassen reden
sog. Wolfenbüttler priamelhs. (d. t. des ma. 14) 22, 197.
schweizerische mundarten entstellen unsach in ursach Staub-Tobler 7, 120. wie sache wurzelt u. in der rechtssprache, die aber auch schon einwirkung des lat. causa erkennen läszt (in causa esse, causam quaerere, invenire, reperire, capere, recipere, dare, afferre, inferre, causa gravis, levis u. a. sind nachgebildet), theologische und philosophische literatur verstärken die abhängigkeit von causa und schaffen die voraussetzungen für den heutigen überaus wichtigen begriff. das wort scheint kaum einer mundart zu fehlen. vgl. grund IV C 5 e α, grundsache, grundursache. das geschlecht ist f., ein n. bietet Luther: das ursach, warum ... 8, 320ᵃ Jena, vgl. das sach. vereinzelt sind schw. formen: also er denne kummet zuͦ der ursachen diser dingen Tauler pred. 128, 8 V.; hätten sie keine ursachen Schweinichen 1, 347 B.; aus keiner andern ursachen Schupp schr. 537; aus der ursachen, weil ... Chr. Reuter Schelmuffsky vollst. 67 ndr. ein st. plur.: die uhrsache solcher tage ... können am selbigen orthe gelesen werden A. Olearius persian. reisebeschr. (1696) 165. ursach nom. pl. Luther 8, 176 W.; acc. pl. Scheit Grobianus 4603 ndr. die verkürzte form (Paul d. gramm. 2, 85), in mundart und poetischer spr. häufig, ist auch in der prosa nicht selten, z. b. Luther 16, 317 W.; 18, 100 W.; 19, 314 W.; 34, 1, 66 W.; 34, 2, 377 W.; Neumark lustwald (1652) ivᵃ; Heräus (1721) 23; Herder 5, 22 S.; Göthe 42, 1, 21 W.; Novalis 4, 198 M.; Schleiermacher I 5, 8; Solger Erwin 1, 135; Raumer Hohenstaufen 4, 140; Hegel 11, 303; Gaudy 13, 96; Mörike 1, 256; fürst Pückler briefw. 1, 311; Storm 4, 250; auch Frisch setzte im nouv. dict. (1730) 650 die verkürzte form an.
A.
rechtssprachlich im kampf- und streitverfahren, bes. vor gericht, durchweg dem wort sache entsprechend, mit dem es wechselt und von dem es sich oft kaum unterscheidet. das wort grund bedeutete nicht ursache, sondern nur boden, ursache noch nicht die schöpferische vorbedingung einer wirkung, sondern die veranlassung zu einem streithandel G. Freytag 17, 295. vgl. sache II 2.
1)
der eigentliche rechtsstreit, process, die streit- oder strafsache: wer ... ursach für ain weitere herrschaft zuge, die uns oder unserm probst zuegehörten, dieselben sein nit gestüft und sullen unser straff ungnädiklich gewartent sein (14. jh.) tirol. weist. 1, 96, 26; ain iede ursach soll ain clager haben österr. weist. 1, 68, 46; nachdem ... vermüg derselben beschreibung etlicher ursachen wegen der albmen bei der herrschaft S. gehandelt 6, 93, 16; ursachanzaig verfangen 5, 2, 748, 16; die eigentliche streitsache, ihr wirklicher grund, thatbestand, zweck, ziel (causativum litis thes. ling. lat. 3, 664, 29):
drey stück aus dem hie merket wol:
erstlichen, das ein richter sol
fleis und vürsichtikeit nit sparen,
ursach und umbstent zu erfaren
H. Sachs 22, 233, 27 G.;
darauf hätten die unterthanen beim keiser geklagt und sich die ursachen (streit, händel) also angesponnen Schweinichen 1, 389 B.; die rechtssprachliche bedeutung löst sich früh in die allgemeine bed. D auf.
2)
der eigentliche streitgrund, klagegrund, beschuldigung, schuld, vergehen. culpa Alberus (1540) n 2ᵇ; Frisius 349ᵇ. es kann auch ein erdichteter grund, ein vorwand sein (vgl. causa praetextus thes. l. lat. 3, 678, 76 ff.): item wie nu die oirsache (eigentliche beschuldigung) was, dat wir darin (ins gefängnis) qwaemen ... ind wie uns got usz half, was gar eyn wunderlich geschicht A. v. Harff pilgerfahrt 160 Gr.; ir solt ab dem groszen volk nicht erschrecken, denn unser ursach (eigentliche streitsache) ist von Jesu Christo b. d. liebe (1587) 333ᵈ. rechtmäsziger grund, rechtsgültiger anlasz: wan ainem sein knecht oder diern aus dem dienst gieng uber sein willen und ân ursach österr. weist. 11, 327, 21; vgl.(non) sine causa thes. ling. lat. 3, 674, 10 ff.; nicht an ursach A. v. Eyb d. schr. 1, 7 H.; Thomas v. Absberg 11 lit. ver.; uber das er ursach solichs annemens (Michel Adersdorfer war ins gefängnis gesetzt) nit wisse urk. z. g. k. Max. I. 4 Chmel; ausz was ursachen er den beschuldigten verdacht habe reichstagsabsch. 1512 iv 6;
wider ursach gen zuͦ kriegen
Murner schelmenzunft 22 ndr.;
dasz die satzungen ... mit eehafter ursach syind abgethon Zwingli d. schr. 1, 44; u. suchen, finden, geben, nehmen, fassen, haben u. dgl. (causam quaerere, invenire, reperire, capere, recipere, dare, inferre, habere thes. l. lat. 3, 667, 68 ff.; 669, 1. vgl. die verbindungen von sache II 2): dar umme sûchten si dise ursache mit vorrêtnisse, daʒ si in (Jesum) getôten mochten mystiker 1, 190 Pf.;
ich (Pilatus) vind kein ursach in disem man,
da mit ich in getoͤten kan
Mone schauspiele des ma. 2, 288;
ich vind nichts der ursach (variante zu nicht der sach) an disem menschen erste d. bibel 1, 319, 41 K.; so denn auch Keisersberg passion (1516) d 2ᵇ und Luther Luc. 23, 4, ähnlich passionssp. aus Tirol 89 W.;
damit wir nach seinem leib und leben
ursach finden genueg
ebda 64 W.;
ob sy ym (Fortunatus) etwas ursach oder unglympf gegen dem künig Soldan möchten finden Fortunatus (1509) 80 ndr.;
wir hieten ursach gehabt genueg
an falscher ler dye er trueg
Wackernell passionssp. a. Tirol 14;
so hab ich ursach zu Esopy gnueg
Sterzinger spiele 10, 455;
wir haben nit ursach und grundt gegen dir zu der rach H. v. Cronberg 34 ndr.;
da sprach das laub: was hab ich than,
das du kannst ursach zu mir han?
Alberus fabeln 31 ndr.;
16 ndr.; 40 ndr.; B. Waldis Esopus 1, 100 K.; Züricher bibel (1531) Luc. 11 E.; wir wollen bald eine ursach wider ihn haben Göthe (Götz v. B. 4) 8, 132 W.; er suchte ursach an die Philister richter 14, 4; Scheit Grobianus 2793 ndr.;
Blasi der fieng bald an zu fluchen
und thet nur immer ursach suchen,
das er an den Fritzen kam
B. Krüger sp. v. d. bäur. richtern 76 ndr.;
wie ich vernehme, so wollen dieselbige ursache an mir suchen und mich heute noch mit schlegen tractiren Riemer polit. stockfisch (1681) 245; als er (d. papst) nun ursache an ihnen (den Venedigern) suchte, begab sichs ... Chr. Weise kluger hofmeister (1688) 199. u. geben über einen schuld an seinem tode sein Staub-Tobler 7, 118; der war verdacht, sam er ursach geben hette, dasz abt G. vertriben were Stumpf Schweizerchron. 415ᵇ;
wer krieg fleucht, gibt dem feind nicht ursach an die hand
A. Gryphius trauersp. 155 P.;
(beim kauf eines gutes ist zu bedenken,) wann es mit der nachbarschaft irrungen hat, ... wer ursach darzu gegeben Hohberg georg. 1 (1682), 9. darüber der papst C. ... ursach wider den keyser gefasset Stumpf Schweizerchron. 221ᵃ; u. nehmen Meisterlin städtechron. 3, 82; der keyser nam ein ursache vom Michelauerland Hennenberger landtafel 28; Lohenstein Armin. 1, 42ᵇ. ursach, die für entheblich angesehen würden landgerichtsordn. 1521, 31, 2; rechtmäszige u. Lehman florileg. (1662) 1, 348; v. Fleming soldat 190;
da wollen wir denn beyd schon mit einander streiten,
und wer das glück nicht krigt auf seiner seiten,
bey deme wird man sehn, dasz er in ursach ist.
dies ist ein altes recht, das bleibt zu aller frist
Reinicke fuchs (1650) 288
(in causa esse, schuldig sein thes. l. lat. 3, 670, 58 ff.); nüt in u. sin nicht gelten Staub-Tobler 7, 119. diese rechtssprachliche bed. geht sichtlich in die heute allgemeine über (vgl. D 2 l): hiemit hat er den seeräubern die ursach, ihn zu töten, abgeschnitten Reinicke fuchs (1650) 170; ... voll verlangen ... zu wissen, wie und aus was ursachen ich in dieses gefängnisz gesetzet worden Zend. a Zendoriis teutsche winternächte (1682) 2; die ursache ihrer schmählichen gefangenschaft Klinger 3, 205; man zerbräche sich den kopf darüber (über den grund von Laubes verhaftung) ..., weil ich gar nicht zu passen schiene in die landläufigen ursachen der stadtvogtei Laube 1, 252. besser bewahrt das sprichwort (Wander 4, 1496 ff.) die alte bed.: wann man eim übel wil, so findt man bald ein ursach klugreden (1548) 153ᵇ; es mag leicht ein ursach sein, dasz der wolf die schaf friszt S. Franck sprichw. (1545) 1, 87ᵃ; ein ursach von eim hölzlin schaben Kirchhof wendunmuth (1565) 56; bes. eine u. vom zaune brechen; Staub-Tobler 7, 118;
ein bruder schont syns bruͤders nicht,
bisz er ein ursach abgebricht
ab dem zun und fahet in
Murner narrenbeschw. 15, 65 ndr.;
die welt bricht ursach ab dem zun
31, 97 ndr.;
auch blosz u. wider einen brechen 57, 15 ndr.; nodum in scirpo quaeris vischt auf einem eis, brichst ein ursach ab ainem zaun Aventin 1, 459, 2 L.;
bald brechen sie eine ursach abe
vom zaun
Hayneccius Hans Pfriem 979 ndr.;
Reinicke fuchs (1650) 344; 393; auch man bricht oft ein ursach vom baum oder biegt sie herbey Lehman florileg. (1662) 2, 872; eine uhrsache vom stokke brechen Schottel haubtspr. 1116; 'eine u. von dem zaune brechen im gemeinen leben, ungegründeten anlasz zu etwas suchen und nehmen' Adelung; immer brecht ihr eine u. vom zaune R. Benedix die zärtl. verwandten (1866) 11. Staub-Tobler 7, 118; Fischer 6, 1063.
3)
rechtmäsziger grund, eigentliche begründung, ratio, argumentum; ratio ein ursach oder vernunft oder ein rechnunge gemma (1508) 2ᵃ; argumentirn, mit glaubwirdigen ursachen gegen dem widersacher etwas bewaͤren Roth (1572) c 1ᵃ: doch ... vernyme, wie ich mit natürlichen, guͦten ursachen mein ere retten will Arigo decam. 251 K.; zum ersten wiset das gericht daselbst (zu Oberbessenbach) den grund (musz hier wohl befugnis, berechtigung heiszen) des stiftes zu Aschaffenburg, einen schultheiszen zu setzen und zu entsetzen, doch mit billigen orsachen (zu billigenden rechtsgründen) abzusetzen weisth. 6, 92; disser ... schalk wolte auch ursach und recht wissen, warumb der hausherr mit seynem gut handelte nach seynem willen Luther 18, 100 W.; ursach und rechenschaft geben 18, 386 W.; als habe ich meine ursach der recusation halben hiebey schriftlich J. Ayrer processus juris (1600) 25; ein fürstlicher rath wuste gute anschläg zu geben und die mit guten ursachen zu behaupten Zinkgref-Weidner 3, 57; ratio est anima legis ursach ist der recht kern und die seel des gesetzes Lehman florileg. (1662) 1, 296; wo einerley grund und ursach ist, da soll auch einerley recht seyn 2, 873; auch absicht und zweck können veranlassung des handelns sein: es haben die selben fürsten und herren (auf dem concil zu Constanz) nit vor augen und ursach gehabt, das man solt gottes wort ... underdrucken Dietenberger wider Luthers b. v. d. miszbrauch der messe (1526) b 4; ursachen seind geheimnussen und derohalben geheim zu halten, dann wer seine ursachen entdeckt, der gibt ursach zu zanken und vielem unrath Lehman florileg. (1662) 2, 873; einer sachen und geschäften ursachen kan man ... schwerlich im grund erforschen, bisz sie zu end gericht, da erscheint was man gesponnen 1, 302. ursach (ausgangspunkt, absicht; vgl. ratio legis), herz und sinn des gesetzgebers Körte sprichw. 357. veraltet.
4)
ursprünglicher rechtstitel, anspruch: das es (d. testament) giltig sei ... mit allen andern rechten, mitl und ursachen, durch welche es merers gelten und craft haben khann urk. 1319 bei J. A. v. Brandis landeshauptleute von Tirol 44; für alles das, was sy von meiner verlassenschaft ansprechen mechte, von ainicherlai ursachen wegen 38. veraltet.
5)
sache II 4-5 entsprechend, (rechts)geschäfte, negotia (thes. l. lat. 3, 685, 67 ff.). vgl. ahd. ursechida, negotia, neben ursochida, -suochida ahd. gl. 2, 100, 16: den jungen Thobiam hat sein engel hin und herwider gefuͤrt zum Gabel. derselb engel was des Thobie guͦter gefert und hat all ursachen desselben Thobie wol geordent B. v. Chiemsee 159 R. veraltet.
6)
wenn in neuerer rechts wissenschaft vorhergehende und nachfolgende, gerechte u. ungerechte oder schändliche ursachen unterschieden werden (Krünitz 202, 359), liegt übersetzung aus dem lat. vor.
B.
in die gemeinsprache scheint u., abgesehen von dem rechtssprachlichen gebrauch, auch durch die sprache der kirchlichen literatur und polemik gedrungen zu sein. das mnl., das unser wort wahrscheinlich entlehnt (Franckvan Wijk 477ᵇ), kennt nur diese verwendung in geistlicher und später literatur. die verbindungen entsprechen denen von sache und lat. causa.
1)
bed. A wirkt noch ein: du bist allein der lider, der lidene mit schulden ursach (strafe fordernde eigentliche veranlassung, A 2) nie gegab H. Seuse d. schr. 92, 10 B.; doch erbeut ich mich zum überflus, allhie oder anderswo öffentlich in eigener person alles des, so ich geredt hab, ursach und antwort zu geben (A 3) Luther 1, 114ᵃ Jena; ich ... höret im zu, was er für ursachen (einwendungen, praetextus thes. l. lat. 3, 678, 76 ff.) hette wider meine weyhe und consecrirn 38, 198 W.; denn gott hat im das vorteil behalten, das er zu einem iglichen heiligen ein ursach (A 4) und anspruch hat, das im niemand zu heilig ist, den er nicht könne mit recht verurteilen 36, 365 W.; da es theur im lande was, gab der könig dem propheten die schuld. das wort gottes must ursach daran seyn (in causa esse) 19, 314 W.; es sei dann, dasz ich mit der heiligen geschrift oder lauterer ursach (A 3) überwunden werde, wil ich nit widerruefen Schade sat. 2, 110, 7; wo aber das den nächsten verletzt oder ergeret, sol man das on ursach (volle berechtigung) nit essen Zwingli freiheit d. speisen 22 ndr.
2)
Tauler gebraucht u. für den begriff der occasio, der veranlassenden gelegenheit zur sünde (causa = occasio thes. l. lat. 3, 678, 76 ff.), die ursachen, die in in (den menschen) selber die súnden sachent pred. 203, 1 V.; 203, 3 V.; für ursache sagt er noch sache (Stehmanns glossar 486ᵇ). occasio i. mala vel iniusta causa ein bosz ursach oder gluck gemma (1508) 5ᵃ; causa, occasio, ansa, materia, licentia, seminarium mnl. wb. 5, 2001: der do sloffet, der ensúndet nút, obe ime joch zuͦ male ein boͤse sin in keme, es were denne das ime der mensche vor ursache geben hette darzuͦ Tauler pred. 14, 30 V.; huͤtent úch vor den ursachen, vor der geselleschaft und kurzewile der worte, der werk, der wisen 105, 6 V.; 157, 34 V.; 269, 11 V.; also lobestu der augen lust, der ursachen schetzestu nicht ackermann a. B. 30, 4 B. (vgl. zu 30, 5); wann was ich thuͦ, das thuͦ ich, das ich abhauwe ir ursach der, die do wellent die ursachen erste d. bibel 2, 134, 13 K.; wann die súnde hat entpfangen die ursach, durch das gebot sy wirkte in mir alle geytikeit 2, 31, 16; da nam aber die sünde ursach am gebot und erreget in mir allerley lust Römer 7, 8; ursach geben zuͦ sünden Keisersberg bilgerschaft b 3ᵃ; alle übung und ursach der sünde granatapfel 35ᶜ; durch ursach und ziehung zum ubel (per occasionem et attractionem ad malum) offenb. d. h. Birgitte 6, 23; Gebwiler beschirmung 31ᵇ; jedermanns jammerklage (1621) c 3ᵇ; do er (Christus) das volk in der wuͦste hat gespyszet ..., do nam er ursach (vgl. occasionem capere, captare, aucupari) zuͦ reden von dem liplichen brot und lert sye von dem geistlichen brot Keisersberg post. 3, 37ᵇ; B. v. Chiemsee 488 R.; die ergerliche gestalt, so solchen gedanken ursach gibt Luther 36, 661 W.; ... damit ungehorsam leut nit ursach haben, albeg mit heiliger kirch ze zanken B. v. Chiemsee 111 R.
C.
die sprache der philosophie und der wissenschaftstheorie vertieft die abhängigkeit von lat. causa und gewinnt schlieszlich einen mehr oder weniger fest umrissenen begriff der causalität (ursächlichkeit).
1)
den niederschlag mittelalterlicher philosophie geben die glossare, formulierungen, die z. th. bis heute nachwirken. oft wechselt in den glossaren hier wieder mit u. das einfache sache. Diefenbach gl. 108ᶜ f.; n. gl. 81ᵇ: wirkynde ursache causa efficiens, zustellende, zugebornde u. c. formalis, zureizende u. c. finalis Konrad v. Heinrichau (1340) bei Hoffmann fundgruben 1, 396ᵃ; causa efficiens ein wyrkende ursach, sicut deus; c. finalis ein entlich ursach, darum ein ding gemacht ist; c. formalis ein gestaltlich ursach als klein, grosz, dick; c. materialis ein materlich ursach, als erde, stein, holz gemma (1508) d 4ᵃ; c. naturalis eyn naturlich ursach Diefenbach gl. 109ᵃ; c. efficiens ein ... anhebend sach; finalis ein sach der ursach n. gl. 81ᵇ (causa causarum). ratio naturalis naturlich ursach, primordialis ewige ursach gl. 485ᵇ. in spätern wbb.: res efficientes die schaffenden ursachen Frisius 461ᵃ; caussa ein ursache, die da wirket Orsäus (1623) 11; wirkende ursache Kramer (1702) 2, 1221ᵃ; zeichen der würkenden ursache Chr. Wolff v. d. m. thun u. lassen (1720) 214; endliche u. Orsäus (1623) 13; vgl. endursache Kramer (1702) 2, 1221ᵃ; die stof- oder zeuggebende ursach ebda, gestaltgebende u. ebda. andere unterscheidungen, durchweg übersetzungen: c. exemplaris die vorbildende u., nach welcher etwas wird Krünitz 202, 356; universalis, particularis allgemeine, besondere 358; impulsivae antreibende, bewegende ebda; instrumentales behülfliche ebda; physicae natürliche 358; morales sittliche ebda; spontanae et liberae freiwillige 359; eigentliche und uneigentliche oder zufällige 356; gelegentliche 357; oberste, freie ebda; entfernte, mittelbare und unmittelbare 358 u. s. w. Zwingli d. schr. 1, 237 umschreibt: wenn nun ufgeopfret syn und gestorben oder getödt syn ein ursach oder werk (bewirkendes) habend, namlich das hinnemen der sünd ...; wirkende u. seit Wolff allgemein: Herder 22, 102 S.; die ursachende ursach Hegel 11, 303; denn jene äuszeren ursachen, welche richtung und geschwindigkeit des fortgangs ändern, fehlen in wirklichkeit dem bewegten niemals Lotze mikrokosmus 1, 39; die vier prinzipien sind: der stoff, die form, die bewegende ursache, der zweck Fr. A. Lange gesch. d. materialismus 88. auch in nichtphilosophischer verwendung: darumb ist die einbildung ein wirkende ursache vieler werk und ubung Nigrinus v. zäuberern (1592) 120; sie sehen ihn (den mond) für die wirkende u. der ebbe und fluth ... an Gottsched d. neueste 1, 42: scherzhaft: bleiben sie nur auch fein gesund, und die wirkende u. heiszt mir doctor Lessing 18, 280 M.
2)
ursache und wirkung (erfolg, folgen).
a)
lat. wird der ratio efficiendi der eventus gegenübergestellt (thes. l. lat. 3, 660); formuliert wird das verhältnis von u. und wirkung erst spät, die gemeinspr. nimmt überdies auf solche definitionen wenig rücksicht: jede ursach hat ihre gewisse würkung, die von ihr zuwege bracht würde, wenn sie allein wäre Leibnitz d. schr. 2, 48; 1, 453; wie oft sehen wir die gröszesten wirkungen durch die armseligsten ursachen hervorgebracht? Lessing 10, 79 M.; hat man uns nicht angeführt, bey jeder begebenheit auf die u. zu denken, jede u. gegen die wirkung abzumessen? 8, 24 M.; da die ursachen allezeit den wirkungen angemessen sind, so ... M. Mendelssohn 2, 15; die inneren ursachen dieser äuszern wirkungen Lavater physiogn. fragm. 1, 14; Zimmermann einsamkeit 1, 361; Klinger 3, 182; masz und beschaffenheit jeder wirkung wird durch ihre u. gegeben W. v. Humboldt ges. schr. 4, 48; 1, 330; Hölderlin 2, 131 L.; gleiche ursachen bringen allenthalben die gleichen wirkungen hervor Fichte 8, 11; Schleiermacher III 5, 420; die wirkung hat nicht nur eine u., sondern ist auch selbst u. Hegel 4, 234; ich machte die erste erfahrung von moralischer u. und wirkung E. Th. A. Hoffmann 10, 17 Gr.; Hebel 2, 9 B.; W. H. Riehl d. d. arbeit 55; in der geschichte begann Polybius ursachen und wirkungen in organischen zusammenhang zu setzen Lange g. d. materialismus 33; Mommsen röm. gesch. 2, 452; Moltke ges. schr. 2, 200; Jhering geist d. r. rechts 1, 37; das gesetz von u. und wirkung Boltzmann populäre schr. 321; u. heiszt etwas, insofern dadurch das dasein oder die entstehung von etwas anderm, der wirkung, bestimmt gedacht wird Meyers conv.-lex. 17⁵, 131ᵃ; Fichte 1, 311; u. und wirkung verhalten sich also wie bedingung und bedingtes Meyers conv.-lex. 17⁵, 131ᵇ. wirkung ohne u.: K. sah es zwar wohl ein, dasz man wirkungen ohne ursachen verlangte M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 1, 6; das phänomen ist eine folge ohne grund, eine wirkung ohne u. Göthe 39, 87 jub.-ausg.; vgl. R. Wagners erklärung des effects als wirkung ohne u.; so müssen wir nur vom erfolg auf die u. ... schlieszen Herder 12, 6 S.; Göthe 28, 239 W.; u. und folgen Bettine Günderode 1, 8; substanz und u. Dilthey einl. in d. geisteswiss. 1, 146; u. und effect (in allgemeinerer bed.): dasz ein einziger ... universalmotus ... fast aller wunderlicher effecten der natur ursach sey Leibnitz d. schr. 1, 267. vgl. den gs. eines ausgelassenen machtwillens und des wollens aus ursach (ex causa) 1, 412. bildlich: ketten von ursachen und wirkungen Lessing 9, 308 M.; Stifter 3, 6; die feinen fäden zwischen ursachen und wirkungen Wackenroder herzensergieszungen 65. persönlich:
da halten, durch ihn,
ursachen, wirkungen unabsehlichen reihntanz
Klopstock oden 2, 11 M.-P.;
die u. verklagt ihre wirkung G. Büchner nachgel. schr. 67. oberflächlicher auffassung des verhältnisses von u. und wirkung hat Göthe widersprochen: der eingeborenste begriff, der nothwendigste, von u. und wirkung, wird in der anwendung die veranlassung zu unzähligen sich immer wiederholenden irrthümern. ein groszer fehler, den wir begehen, ist, die u. der wirkung immer nahe zu denken, wie die senne dem pfeil, den sie fortschnellt; und doch können wir ihn nicht vermeiden, weil u. und wirkung immer zusammengedacht und also im geiste angenähert werden 39, 86 jub.-ausg.; das zurückführen der wirkung auf die u. ist blosz ein historisches verfahren, z. b. die wirkung, dasz ein mensch getödtet, auf die u. der losgefeuerten büchse II 11, 104 W.; II 11, 136 W.; der denkende mensch irrt besonders, wenn er sich nach ursach und wirkung erkundigt; sie beide zusammen machen das untheilbare phänomen 4, 250 jub.-ausg.; IV 33, 40 W. philosophische und physikalische forschung begrenzt den begriff der causalität oder verwirft ihn theilweise Brockhaus 10¹⁵, 40ᵇ f.
3)
causa causarum, causa sui, c. prima: (gott) ursache aller sache ackermann a. B. 34, 61 B.; (gott) ist die hochste ursach Murner badenfahrt 3, 59; ein unbekannter gott wird unter dem namen ursache der ursachen verehrt Peschel völkerkunde 257; gott ist c. sui (Spinoza); wie wol got aller ding die erste ursach ist, noch ist er kein ursach (effector) der sünd Keisersberg bilgerschaft b 5ᶜ; die zunft der weltweisen oder der untersucher der ersten ursachen Klopstock gelehrtenrepublik 17. vgl. die wahre u. in den dingen Leibnitz d. schr. 1, 266; dasjenige, welchem thätigkeit zugeschrieben wird ..., heiszt die u. (urrealität, positive schlechthin gesetzte realität) Fichte 1, 136;
ursach wird die freyheit von handlungen,
die der allwissende selbst nicht vorher mit gewiszheit sieht
Klopstock oden 2, 12 M.-P.
4)
über grund und u. s. th. 4, 1, 6, 727. in der wahrscheinlichkeitsrechnung werden u. und zufall geschieden: so fassen wir den zufall als ein gesetzlos wirkendes im gegensatze zu einem gesetzmäszig wirkenden, einer u., auf Czuber wahrscheinlichkeitsrechnung 1, 8; 171.
D.
allgemeinsprachlich setzt sich u. in der heutigen bedeutung, die G. Freytag als schöpferische vorbedingung einer wirkung umschreibt (s. o. A), erst langsam durch.
1)
über das vorkommen von ursache für ursage s. d. und vgl. oben.
2)
die unfestigkeit des begriffs zeigt sich im frühnhd. gebrauch anderer bedeutungen und begriffsschattierungen.
a)
ratio, argumentum, rechenschaft, erläuterung (A 3); ratio, ratiuncula Alberus (1540) n 1ᵇ; προσαπόδωσις i. redditio, anzeygung der ursachen n 2ᵃ; ex argumento, propter argumentum umb der ursach willen ebda; ursach, rechenschaft geben rationem dare Schönsleder (1647) L ll 7ᵇ; vgl. die verben sachen, ursachen. erst im 18. jh. veraltet:
sie haben faul ursach, damit si umbgan
hist. volksl. 163, 691 L.;
und furen so lose, faule ursachen, die viel ungewisser und finsterer sind, denn dieser text ist Luther 26, 453 W.; wie den solchs mit hellen und gewissen ursachen genugsam kan erwiesen werden bei Luther 6, 525ᵇ Jena; darumb hat ein jeder fromer christ wichtige, notige und helle ursachen gnug, das er dem bapst nicht gehorsam leiste 6, 527ᵇ Jena; dabey sol der preceptor ... fragen auch die kinder regel und ursach solcher declination 26, 238 W.; weyl unser bruͤder die romanisten ... so dick und oft durch guͦt gegründt ursachen überwunden Hutten 1, 383 B.; 2, 188 B.; hab ich mir fürgenomen allen kuͤnstbegyrigen jungen eyn anfang zuͦ stellen und ursach zuͦ geben A. Dürer messung (1525) a 1ᵇ; absünderung etlicher capitel ausz böden historien ecclesiastica und tripartita mit früntlicher ursach, worumb es beschehen sey Hedio chron. Germ. (1530) 1ᵇ;
das wol verstand und ursach geyt,
wi grosz uns an gehorsam leyt
Schwarzenberg Cicero (1535) 118;
ich habe ... ausz dem grund der h. schrift als andern ursachen ... darwider ... kollern gehöret Grimmelshausen 2, 512 Keller; weil seine thorheit weit mehr galt ... denn einige ursach und rathsames bedenken Bastel v. d. Sohle don Kichote (1648) 25; als wie sie (junge weidleute) vernünftige und geschickte ursachen von diesem und jenem geben Heppe lehrprinz (1751) 12; nichts ist anstösziger, als wovon wir uns keine ursache geben können Lessing 9, 281 M.; insbesondre 'berechtigungsausweis': so jemandt gezwungen wirt uber feld gon und ursach zaigt in geschrift von seiner oberkeit, soll er von jederman wol gehalten werden Eberlin v. Günzburg 1, 130 ndr.; wie argumentum inhaltsangabe eines theaterstücks: es ist der warheyt gemesser dan die tragedia, hat auch besser ursachen und weniger personen, dasz mans leichtlicher spilen kan Vogelgesang-Cochläus gespräch v. d. trag. Joh. Hussen 2 ndr.
b)
gelegenheit, occasio (B 2): er suͦchet ursach, wie er mit fuͦg jedermann dienet und guͦts bewisz S. Franck chron. Germ. (1538) 22ᵃ; die kostlichen gaben ... im zuͦ einer froͤlichen ursach (oder heiszt das 'veranlassung zur fröhlichkeit'?) dienten, als er in empfahung derselben zuͦ einem trucksessen erwoͤlt ward Wickram 1, 102 B.; personificiert:
der im nicht rathen leszt bei zeiten,
musz hinden nach den esel rheiten;
dem thut der rewel grosze qual,
denn die ursach ist hinden kal
B. Waldis Esopus 1, 42 Kurz.
c)
möglichkeit, ratio; vgl. sache 4 g. e.: so hette der faden kein ursach, dasz er usz der nadlen wüschet Eulenspiegel 79 ndr.; M. sagte zu ihr, dasz sie sich vor einem todten nicht förchten solte, er wolte ihn wol so weit tragen, dasz er kein ursach widerzukommen haben würde Prätorius glückstopf (1669) 10; vom haubtwerke, wie viel radices, stammwörter seind, hat man ursache im wortregister, welches sehr nötig, zu entdecken ... Gueintz rechtschreibung 8.
d)
wie sache 8 art und weise: die ietz gegebnen ursach der berung Österreicher Columella 1, 157.
e)
zweck, ziel, motiv (A 3):
geld und ehr
ist die ursach aller lehr
Lehman florileg. (1662) 1, 178.
f)
einwendung, vorwand (A 2):
er treib ein groszen ubermut
und liesz nicht bleiben bei eim helm,
sonder er hielt sich wie ein schelm,
das helm dem schelmen ursach gab,
das er bey hundert stemm hieb ab
Alberus fabeln 191 ndr.;
was man gern oder nit gern thuͦt, find der faul bald ein ursach und schlupfloch, da er hinauszwische klugreden (1548) 57ᵃ; man kan leicht ein ursach erdenken, etwas abzuschlagen Lehman florileg. (1662) 1, 5; so bald dieser hinweg, sendete das fräulein ... einen trometer ... in das lager und liesz den feldmarschalk fragen ..., was vor ursach er einzuwenden, dasz er unabgesaget ... sich so nahe vor ihre festung legte Buchholtz Herkuliskus 19; die gesandten sahen es vor gut an, vollend nach N. zu fahren, der schiffer aber wandte dargegen seine uhrsachen ein A. Olearius persian. reisebeschr. (1696) 39; zu nacht ... liesz ich ihn nicht herein ..., er möcht ursachen machen, was für er wollt O. Ludwig 2, 64. sonst nicht mehr schriftsprachlich.
g)
in seltsamer unbestimmtheit etwa 'das, was innerlich antreibt, zorn, grimm' (vgl. causa efficiens):
wann der starke löw im felde wird beschlossen
vor jägern oder auch in seinen leib geschossen,
dann rührt er erst den schwanz; die ursach seiner macht
ist stärker als zuvor ergrimmet und erwacht
Opitz opera (1690) 3, 316.
h)
wie argumentum, res (thes. l. lat. 3, 700, 62 ff.), hauptpunkt, hauptsache: ir müszt an euch haben vier ding: am ersten ..., das ander ..., die drit ursach ist senftmütig zu sein Pontus (1498) 61.
i)
ursprung, entstehung:
um unsz, her, litestu die schant,
... das du die pant
der hell zuprechst dem feygen
mit knackenden gelidern swach,
mit offner seyten, do der pach,
der suben sacrament ursach,
so folliclichen fürher prach
H. Folz meisterlieder 1, 289 M.;
die andern nahmen, damit man gott auch nennet ..., haben ursach yrgend von eim werk, das gott thut Luther 20, 570 W.; aber dieses nahmens ... weys man keine ursach noch ankunft anzuzeigen ebda.
k)
ursachen 'vorgänge': aber das ist wohl zu bedenken, dasz zu hofe viel ursachen sich eräugen, die einen von der tugendbahn können ableiten Reinicke fuchs (1650) 57; (die weiber,) welche zwar lange röcke tragen, doch kurze sinne haben, derentwegen sie sich nicht flugs auf alle ursachen bewust erzeigen oder vielmehr erzeigen wollen Prätorius philosophia colus (1662) 155.
l)
insbesondere ist in älterer zeit vielfach ein rest der bed. A (2) geblieben, der von uns als solcher nicht mehr gefühlt wird (vgl. oben); z. b. die erst ursach was die smach, die im der obgenant herre erzaigt hett Schiltberger reiseb. 32 lit. ver.; warumb wilt du dich dann an unschuldigem bluͦt versündigen, das du David on ursach tödest? Züricher bibel (1531) 1. kön. 14 b; ursach des streits der prediger und barfuͤser Fischart 1, 139 K.; der böse feind ist ein erzkünstler, er gibt dem, der da neidet, herrliche ursachen in den sinn, ... dasz er ihm in seinen gedanken beredet, wie er des hasses rechtmäszige und unzweifelige ursachen habe Moscherosch insomnis cura 32 ndr.; er wolte seines theils zu keiner hostilitet ursache geben Chemnitz schwed. krieg 2, 163; S. ... miszt dem S. die ursache bey, dasz die Chautzen ... überfallen worden Lohenstein Arm. 1, 2.
3)
im allgemeinen sprachgebrauch wird u. im sinn einer bewirkenden veranlassung erst im 15. jh. häufiger. noch vereinzelt steht im 14. jh. Hadamar v. Laber 140 Schm.:
swenn ich in herzen mache
mir ein wunschlich leben:
der sache ist ein ursache,
da mit ich eʒ muͦʒ enden und heben,
der fuoʒ;
sie ... sich wunderten des groszen geschrey ... doch die ursache palde vernomen hetten Arigo decam. 55, 22 K.; die armen ellenden, die nit ursach irer armuͦt geben haben A. v. Eyb spiegel d. sitten (1511) c 2ᵃ;
eh du kompst zur sachen,
soltu ein langen umbschweif machen
und durch neunzig ursach probieren,
dasz du die red wilt abbrevieren
Scheit Grobianus 4601 ndr.;
diesen ursachen musz ich die wunderbaren grimassen zuschreiben Göthe 19, 34 W.; kinder ... fragen ohnehin früh genug nach den ursachen 24, 43 W.; es ist, als sagte man: der sonntag ist die u. des montags Börne 7, 307; für ihn (den gebildeten menschen) ist das bewusztwerden der ursachen und kräfte, die so vielen und reichen erfolgen zu grunde liegen, an sich schon gewinn Liebig chem. br. 3, vorr.; es geschicht mancherlei geringes in einem leben und gerät zu solcher bedeutung, dasz nachdenklicher sinn es u. nennt Hans Grimm volk ohne raum 1, 322. redensarten: es hat seine ursachen Borkenstein bookesbeutel 24; vgl. aus u. 'aus begründeter u., mit grund'; montag über acht tage wird das trauerspiel des abbate M. aufgeführt, es ist ihm sehr bang, und er hat ursache Göthe IV 8, 122 W.; aber das hat seine ursachen Lenz 1, 22 T.; seine guten ursachen haben Lessing 10, 203 M.; Meisl quodlibet 1, 136; die ursachen lagen tiefer Häuszer d. gesch. 1, 133; Nitzsch d. studien 11; die u. ist einfach Mommsen röm. gesch. 2, 82; die ursachen ursachen sein lassen Hitler mein kampf (1933) 280; die u. der weiber, das darum Rädlein (1711) 1021ᵇ. sprichwörtlich (Wander 4, 1496 ff.): der todt wil ein ursach haben sprichwörtersammlung 1532, 47 Latendorf (Wander 4, 1234, 210; 1233, 192; 193); dr tud sucht sich ursache, dr tud will ursache huon, der tod sucht sich immer eine ursache Rother schles. sprichw. 121ᵇ; jedes ding musz seine u. haben und jegliches sprichwort einen zipfel, wo mans dabei anfaszt 133ᵇ;
barmherzigkeit sieht auf die not,
und nicht, was es für ursach hat
Eyering prov. 1, 168;
alle ding find ursach Petri h 5ᵇ; liebe wil ursache haben Grob dichter. versuchg. 29; ein ding will doch eine ursach haben O. Ludwig 2. 44; es hat alles seine ursachen Pistorius 4, 261; alle dinge haben ein paar ursachen Göthe 8, 38 W.; wie ein alt sprichwort ist: nichts ôn ursach Aventin 1, 175 L. (nihil sine causa Wander 4, 1496 f.; Klopstock oden 2, 11 M.-P.). bildlich: weliche ursach in ... in diser kalten nacht dohere getragen het Arigo decam. 63, 19 K.;
mein, sprach ich, lasz mich doch zufrieden,
die ursach wird nicht einem ieden
so auf die nase hingehenkt
Stieler geh. Venus 41 ndr.
von personen:
wann ir (d. frau) di ursache seit
aller meines herzen clage
meins belengenleichen siechtage
Syon 372 Merzdorf;
in des namen, der aller ding ein anfange, ursach und schöpfer gewesen ist Arigo decam. 16, 33 K.;
ich bin dins gangs ein ursach gsin
Murner entehrung Mariä 488;
Lessing 3, 331 M.;
unschuldig ist, bedarf es wohl betheurung?
doch vieler übel ursach dieses kind
Göthe 10, 328 W.;
Schiller 13, 404 G.; er war grund und ursach all dieser wirrnisse Fontane I 5, 84. mit dat. wie causa thes. l. lat. 3, 665, 66; 675, 48 ff.:
o du ursach unserm weinen
P. Fleming d. ged. 343 L.
vgl.e. mit präpositionen (vgl. c. ad und unten e): sie (d. knechte) sindt ursach (schuld) daran, dasz es (d. pferd) uns entkommen ist P. v. d. Aelst Heymonskinder 91; wir wären ursache an ihrer krankheit Chr. Reuter Schlampampes krankheit u. tod 128; causa morbi; vgl. unten b; Göthe 44, 77 W.; ich muszte die unschuldige u. zu seinem elende seyn Klinger 8, 43; ich selbst aber bin die u. von allem, was mir um ihrer selbst willen so weh thut fürst Pückler briefw. 1, 226; für unzählige greuelthaten wird eine frau als u. angegeben Scherer literaturgesch. 27. mit abhängigem satz (vgl. causa, quod): dasz ich ein ursach gewesen, dasz ein mensch ohne bereuung seiner sünden sterben müssen Grimmelshausen 2, 424 Keller; war ich u. (kommt mir das verdienst davon zu), dasz ein schade von mehr als 1000 scudi verhindert wurde Göthe 43, 334 W.; 43, 101 W. wenn nun noch eine übersicht über die verbindungen im nhd. sprachgebrauch gegeben wird, so ist zunächst wieder daran zu erinnern, wie in der geschichte des wortes die lat. verbindungen von causa eingewirkt haben. im heutigen sprachgefühl ist aber keine erinnerung daran mehr vorhanden.
a)
attribute. vgl. causa apparens, apta, bona, egregia, evidens, externa, falsa, gravis, justa, levis, patens, praecipua, privata, publica thes. l. lat. 3, 677, 61 ff.: gute, namhaftigste, merkliche, eehafte, vernunftige, offentliche, grosze, zufällige, leichte, sondere, geringe, treffliche, natürliche, erste, heiligste, hochwichtige, erhebliche, bedenkliche, rechte, dringende, sittliche, falsche, wahre, armselige, äuszerliche, triftige, politische, unerklärbare, tüchtige, gerechte, dunkle, beste, eigentliche, sichtbare, unschuldige, unbekannte, dreifache, veranlassende, wenig entwickelte, offenbare, materielle, mitwirkende, wichtige, unabsehbare u. dgl. ursache Arigo decam. 33, 24 K.; Hutten 2, 193 B.; Arigo 71, 29 K.; Steinhöwel ber. frauen 15 Dr.; Riederer rhetoric a 3ᵇ; Luther 10, 1, 1, 574 W.; Murner badenfahrt 1, 1, 35; Zwingli d. schr. 1, 114; Boltz Terenz 37ᵇ; theatrum diab. vorr. 1; Eppendorf Plin. 11; Ryff confectbuch d 5ᵃ; Sebiz feldbau 5; Thurneyszer m. alchymia vorr. 1; Grimmelshausen 2, 388 Keller; Opel-Cohn 30 jähr. krieg 51; Thomasius gedanken u. erinn. 1, 2; polit. maulaffe 48; discourse der mahlern 2, 67; Gottsched d. neueste 8, 855; Lessing 2, 17 M.; 2, 134 M.; 18, 297 M.; A. G. Kästner verm. schr. 1, 3; J. M. Miller briefw. 1, 54; Klopstock gramm. gespräche 58; Herder 13, 27 S.; 3, 79 S.; Bräker 1, 256; Klinger 3, 25; Göthe IV 1, 22 W.; 7, 158 W.; 48, 10 W.; Hauff (1890) 1, 31; A. W. Schlegel Athenäum 1, 11; Fr. Schlegel 4, 85; Justi Winckelmann 2, 1, 115; A. v. Humboldt ansichten der natur 1, 13; Raumer Hohenstaufen 4, 47; Gervinus gesch. d. d. dicht. 5, 11; Scherer literaturgesch. 40; M. v. Ebner-Eschenbach 1, 91.
b)
mit genitiv. die genitivbestimmung ist logisches object: sie ... erkanten, söliches in ursache sein würd pösen lebens und schantlich todes Arigo decam. 105, 28 K.; die ursach seiner zuͦkunft 157, 11 K.; ursach irs lachens H. Sachs 21, 263, 14 G.;
o du verfluchtes gut ... du uhrsach aller noth!
Rachel sat. ged. 23 ndr.;
die u. seines unfalls Bräker 1, 226, des krieges Herder 23, 28 S., seiner niedrigkeit Klopstock Messias 14, 486, seiner sonderbaren tracht Göthe 23, 30 W., der erscheinungen 45, 46 W., der blattgestalten II 6, 34 W., des todes Schiller 1, 54 (vgl.todesu.), der wunde br. Grimm sagen 2, 17, des festes O. Ludwig 2, 436, der eiszeit Nehring tundren u. steppen 2; wenn jedoch die reise durch einen unfall ... ungewöhnlich verzögert wird, so hat der versicherer den ... schaden in dem masze zu ersetzen, in welchem die verzögerung dessen u. ist handelsgb. 821, 3. wie lat. c. valetudinis, morbi: nach den ursachen der krankait Aventin 1, 175, 13 L.; die ursach der grimmen Gäbelkover arzneib. (1595) 2, 135; der schmerzen u. s. w. mit pronominalem gen. (vgl. handelsgb. 821, 3 oben): des ist mein swere krankheit ursach gewesen Arigo decam. 22, 30 K.; disen propheten Jona wollen ettliche halten ..., er sey der widwyn son gewesen zu Zarpath ..., nemen des ursache, das er hie sich selbst nennet eyn son Amithai Luther 19, 191 W.; dessen hab ich underschiedliche ursachen Opitz poemata 12 ndr.; dinge in der natur, deren wir keine ursachen finden können Moscherosch ges. 2, 280;
seit aus ursach dessen
ist die lieb ungemessen
Rückert 2, 417.
der gen. wird in den acc. umgedeutet: alle fürz woͤllen nit gern in der kelte sein, dann sie seind alle zeit in der werme, und das zuͦ ursach lassent einen furz, er gat uch bald wider in die nase, usz der woͤrme, da er uszkumen ist Eulenspiegel (1515) 83 ndr.; das ursach, dasz ... deshalb, weil Zwingli bei Staub-Tobler 7, 120; das hast du auch in der that nicht ursache Fr. L. Schröder dram. w. (1831) 1, 7; besonders es: schämen sie sich vielmehr ins herz hinein, sie haben es wahrhaftig ursache Gottschedin menschenfeind 4, 3, schaubühne 1, 303; ich weisz nicht, ob sich W. auch drüber ärgert, wenigstens hätte ers ursach Göthe IV 1, 230 W.; du hasts auch ursache gehabt 9, 105 jub.-ausg.; solche papiere hielt sie nicht sonderlich geheim und hatte es auch nicht ursache gute frauen 18, 10 lit. dkm.; ich habe nie einen menschen gesehen, der so von sich eingenommen war und es so wenig ursach hatte C. F. Bahrdt leben 2, 166;
sie fürchten noch ...
den neuen mitbewohner. — habts nicht ursach
Fouqué held des nordens 2, 109;
hochwürden, glaubt ihr daran? — warum solt ich sagen, was ich nicht glaube? — wohl, ihr hättet es nicht ursache Anzengruber 2, 13. selten ist die genitivische bestimmung logisches subject: die do verwústen die heuser der witwen in einer ursach des langen gebettes erste d. bibel 1, 171, 39 K.; ich sag, dasz sie es nit anders können, dann wann, wem (!) und wie viel ihnen von gott, aus ursach seiner majestät bewegende, verhängt wird quelle (1489) bei Körte sprichw. 186; sie selber sind ursach ires eignen ubels, sie suchen ursach der Türken Paracelsus op. (1616) 2, 620 H.; das glück ... mehrte seine (Roms) kraft durch die ursache dieser äuszersten gefahr Niebuhr röm. gesch. 1, 162.
c)
mit präpositionsbestimmungen.
α)
ursache zu, an, von, um. die verbindung mit zu (s. B 2) entspricht lateinischem causa ad. wird die bewirkende veranlassung als schuld aufgefaszt, so tritt an ein (s. schuld II 8); diese verb. ist im 18. jh. noch häufig (ztschr. f. d. wortf. 12, 57), wird aber von Heynatz antibarb. 2, 544 getadelt und ist heute nicht mehr üblich: ursach zuͦ sünden A. v. Eyb spiegel der sitten (1511) a 2ᵇ; aber dem Äsculapio ... hat das gold zu seinem todt ursach geben Bech Agricolas bergwerkb. (1621) 7; ob ... zu erfolgender beschwer nicht ursach möge gegeben werden acta publ. 1, 5 P.; das übrige hat mir ursache zur freude gegeben Göthe IV 8, 165 W.; 21, 79 W.; u. zum mitleid Iffland 1, 93, zur betrübnisz Caroline 1, 3 W.; dazu ich wohl einige u. hätte Mörike 3, 46; sie haben ... auch alle u. dazu M. Meyr erz. a. d. Ries 1, 166. mit an: ob R. an desz vogels worten ein ursach war b. d. liebe (1587) 238ᵈ;
wolt ir euch aber je thun rechn,
so must ir an uns legen händt,
als die an dem krieg ursach send
Ayrer dramen 1, 104, 9 K.;
wie gehet das zu, dasz sich bey mir schnurstracks das gegentheil ausgewiesen? ich weisz zwar wohl, dasz ihr mir werdet antworten: die ursach sey an mir, weil ich nicht daran glaubete J. G. Schmidt rockenphilosophia (1706) 1, 2;
was mag daran wol ursach seyn?
Brockes ird. vergnügen 4, 5;
wenn ich einen augenblick ... zauderte, so war die furcht ... allein daran ursache Göthe 21, 74 W.; dasz ich nicht früher dieser angelegenheit erwähnte, daran ist die vermuthung ursache, beide kisten würden an mich addressirt seyn IV 39, 35 W.
u.
von: die u. hiervon ist ganz einfach Zimmermann nationalstolz 196; die u. hiervon werde ich ... anmerken Hippel über die ehe 9; was ist die u. davon? Herder 17, 12 S.; Klinger 3, 126. vereinzelt u. um: Haberer bei Staub-Tobler 1, 119; er mochte so seine gewissen ursachen darum haben B. Mayr päckchen satiren (1769) 25.
β)
ohne (sonder, wider) u. vgl. on sach erste d. bibel 2, 50, 47 K.; H. v. Trimberg renner 5775 E. âne sache, Frankf. druck 31ᵇ ohn ursache Warlies 68ᵇ: wol gedachte, dasz sie in das on ursache nit geben het Arigo decam. 248 K.; 83 K.;
das ich sytz vornan in dem schiff,
das hat worlich eyn sundren gryff,
on ursach ist das nit gethan
Brant narrenschiff 4 Z.;
auch lach zu zeiten uberlaut
on all ursach, von heller haut
Scheit Grobianus 307 ndr.;
on eynige ursach Sebiz feldbau 209; Neumark lustwald (1657) 1, 376;
er ...
ist sonder ursach froh, ohn ursach auch betrübet
B. Neukirch ged. (1744) 175;
ged. (1744) 28; mit oder ohne ursache sollst du niemand in meinem hause schlagen Göthe 43, 274 W.
γ)
aus ursache (ursachen). vgl. ex, de causa thes. l. lat. 3, 672, 77 ff.; 23 ff.: usz obgemelten ursachen N. v. Wyle transl. 12, 14 K.; so aber die täglichen febres usz heiszer ursach oder von fasten, so schlag die hauptader an beyden armen Gersdorf wundarznei (1517) 16ᵃ; ausz feuchter ursach M. Herr feldbau (1551) 25ᵇ;
unsz ist verhaszt dasz christenbluet
ausz ursach, die euch woll bewiszt
Endinger judenspiel 27 ndr.;
ausz beweglichen ursachen Aventin 1, 250, 36 L.; ausz der ursach dann sprang er für forcht von dem beth Amadis 1, 23 K.; allein ich trug aus gewissen ursachen bedenken ... Liscow (1739) vorr. 17; ich freue mich aus mehr als einer u. nach hause Göthe IV 8, 208 W.; III 1, 316 W. mit genitiv: aus ursach göttlicher verhengnusz B. v. Chiemsee 2; scherz aus ursachen des namens Friedr. Wilhelm sprichw.-reg. c c y α; ungewöhnlich: so bitt ich dich, du wöllest mir die (gefangene jungfrau) widerumb schicken, dieweil ich aus ursach ihres vatters (um ihres vaters willen) widerumb sie erledigen wil b. d. liebe (1587) 228ᵃ; aus u. dieses mangels an anziehenden auszendingen ward ich um so weniger abgelenkt ... Seidel vorstadtgesch. 128. im prägnanten sinne 'aus gutem grunde': usz ursach thuͦ ich die ynred Murner adel 19 ndr.; wem soll dein kind sein not klagen, so es vilicht (usz ursach) dem bychtvatter nit trauwen bedarf Eberlin v. Günzburg 1, 29 ndr.; Wieland 19, 126 Gr.; etwas ..., das ich noch immer aus ursachen aufgeschoben habe Göthe 21, 281 W.; Brentano 6, 447; vgl. aus ihren ursachen 5, 4. die folgenden verbindungen sind veraltet: aus was ursach quapropter Frisius 1103ᵃ; Kramer (1702) 2, 1220ᶜ. in was steckt der umgedeutete gen. Paul d. wb.³ 642ᵃ. vgl. was ursach Manuel weinspiel 1682 ndr.; griech. dramen 2, 20 Dähnhardt; B. Neukirch (1744) ged. xvi: ist billich, die ding zubeschreiben ..., von wannen die narren geboren werden und ausz was ursach und ursprung Paracelsus (1616) 2, 175 b H.;
ausz was ursach kompstu in not?
H. Sachs 8, 118, 25 K.;
ausz was ursachen es beschehen ist Carbach Livius 1ᵃ; er thue es aber aus was ursach er wolle Reinicke fuchs (1650) 164. pleonastisch: von was ursach wegen H. Sachs 15, 461, 31 G. sogar mit flexionsendung: aus waser ursach Barth weiberspiegel (1565) b 7ᵃ. aus was für: ich weisz nicht aus was sonst für ursachen Göthe IV 9, 141 W. mit ellipse der präposition adverbiell: waz ursach haben dich dise wort in sölche gedenken geseczet? Arigo decam. 43, 21 K.;
was ursach ich euch boten sandte ...,
mit dreyn worten ich euch sagen musz
Gilhusius grammatica (1597) 1, 15;
was ursach aber sie umbkommn,
darvon hab ich noch nichts vernommn
3, 87.
vgl. Chr. Reuter ehrliche frau 2, 11, 25. aus ursache (ursachen), dasz, weil oder mit (innerlich) abhängigem satz: also daz dem menschen der glaub anzeyget, leydt und rewe seiner sunden zu tragen, ausz ursach, das seyn sunde gott leydt seind Jac. Strausz beichtpüchlin (1523) a 3ᵇ; und darumb heist daz ens spirituale, ausz ursachen, dasz der leib nichts in dem hat Paracelsus op. (1616) 1, 18 a H.; aus der ursach, dasz wir beyd in dergleichen fällen wohl der leuth auch etwa bedörften Götz v. Berlichingen 65 B., aus ursachen, dasz Hartmut v. Cronberg 33 ndr.; Weckherlin 1, 45 F.; aus ursache, dasz zu zeiten Franzens des ersten ihre sprache sich ziemlich zu verbessern angefangen Hoffmannswaldau vorr. ausz ursache, weil doch eine (sprache) die erste seien müssen Gueintz rechtschreib. (1666) 2; Schnabel Felsenburg 48 Ullrich; Hafner ges. lustsp. (1812) 1, 38. mit abh. satz:
aus ursach, sie betrüben ihn
B. Ringwaldt evang. B b 8ᵇ;
auch wann schon etwas ist unfletig,
das new erdacht ist und unnoͤtig,
so musz es doch sein schoͤn und frey,
ausz ursach, dann der fund ist new
und kommt von hoffleuten auf
und macht new ding ein guten kauf
Fischart Eulenspiegel 7646 H.;
dann unter den ufern kan in zeit der eiszfarth und geflute der fische sich nicht allein erhalten, aus ursachen, wann die wasser grundeisz setzen und dasselbe ganghaftig wird, so treibet es der strom unter die ufer, davon werden die fische herfür getrieben fischbüchlein 135; wäre der schmiedt nicht ein narr, der nicht arbeiten wolte, ausz ursachen, er möchte den hammer verderben? Chr. Weise erznarren 64 ndr. mit ellipse der präposition: item von wegen der notar und instrument halben ist fürgenomen, das die instrument in dem landrechten nicht gepraucht sollen werden noch kraft haben, ursach das der gemain man nicht darzue kan noch verstet tirol. weisth. 4, 558, 43; Egger 941ᵇ; ich meint, dein hantwerk solt von tag zuͦ tag besser werden, ursach dasz die lüt von tag zuͦ tag ie krenker werden und am gsicht abnemen, deszhalben man vil brillen bedarf Eulenspiegel (1515) 96 ndr.; Gebweiler beschirmung (1523) 10ᵇ; und ain boͤze sach gethon, ursach das er zu dem Luther gezogen reform.-flugschr. 1, 9 Clemen; Zwingli freiheit der speisen 40 ndr.; Schaidenreiszer Odyssea (1537) 36ᵇ; N. Manuel testament der messe 236, 22 Bächtold; die uberwunderbarliche molla, schlange oder wurm, ... welche ... umb die mosechten geschwebleten pfützen ... am meisten gefunden wird, ursach das diese schlang ... von dem metallischen und schwefelichen geruch ... nutrirt und erhalten ... wird Thurneyszer magna alchymia (1583) 4; anno 1635 ... (ist der ausschusz zusammengetreten), ursachen dasz die Püntner und Franzosen das Veltliner thal eingenommen Fr. A. v. Brandis ehrenkränzel (1678) 221. der ursachen dasz: B. Ringwaldt evangelia (1646) v 6ᵇ. vgl.f γ.
δ)
durch u.:
durch ursach ich das spil hart lasz
Forster fr. t. liedlein 74 ndr.;
S. ... mit einem solchen starken streich dem könig auf seinen helm schlug, dasz er als ein toller hund zu der erden fiel, aber durch ursach grooser hülf baldt wider zu rosz gesetzt ward b. d. liebe (1587) 121ᶜ.
ε)
von ursache(n) wegen: von etlicher ursachen wegen Lindener rastbüchlein 4 lit. ver.; von welcher ursach wegen sie bald alles das ... zuzurüsten verschaffet und befalch Amadis 1, 15 K.; vgl. von der ursach dasz Montanus 217, 14 B.
ζ)
ursache(n) halb, halben, halber: (die jungfrau) etlicher ursache halben in die kamern geschicket wurde Arigo decam. 132, 4 K.; 81, 12 K.; so wil ich sölich min translaciones yetz lassen uszgeen bis uf Boecium, den ich noch etlicher ursachen halb wil verhalten N. v. Wyle transl. 7, 25 K.; der ursach halben der ewigen weisheit betb. (1518) 140ᵃ, obgemelter ursachen halben Sleidanus reden 7 Böhmer; Pape bettel- u. garteteufel c 7ᵃ; Amadis 1, 254 K.; Albertinus Lucifers königreich 16 L.; seine fenster waren keiner andern ursache halber dem sant Nitglasz gewidmet Grimmelshausen Simplic. 7 Kögel. ursach halben dasz Keisersberg post. 2, 70ᵃ; Hedwiglegende (1504) a a 2ᵇ. ursachshalber aus gewissen gründen luxemb. wb. (1906) 452.
η)
um ... ursache(n), um .... u. willen, durch ... u. willen, durch u. willen dasz. zu den verschiedenen mischbildungen vgl. um th. 11, 2, 790, willen th. 14, 2, 166; 169: und hond ... das gethon umb dry ursachen A. v. Pforr b. d. beispiele 1 lit. ver.; umb erst gemelter ursach willen grillenvertreiber (1670) 7; Simrock volksb. 5, 7: gemeldeter ursachen willen; umb keiner anderen ursachen willen Amadis 1, 17 K.; J. Arndt Thomas v. Kempis (1631) 24; ich wählte nach W. zu gehn um mancher ursachen willen Göthe III 1, 95 W.; mit ellipse von willen: umb disser ursachen Hutten 2, 183, 26 B. um der u. willen, dasz: Terenz (1499) a 2ᵃ th. 11, 2, 790, 4; Bech Agricolas bergwerkb. (1621) 220. durch u. willen: durch mancherlei ursach willen Eulenspiegel 21 ndr.; schweiz. schauspiele des 16. jhs. 3, 27, 283 B. durch ursache willen, dasz Hedwiglegende (1504) c c 1ᵇ.
d)
u. warum, weshalb, weil, dieweil, dasz, wenn, um zu. causa quamobrem, cur, unde, quare thes. l. l. 3, 676, 79 ff., quod, quia, quoniam, ut, quominus, quin 3, 675, 82 ff. manche von diesen verbindungen begegneten schon unter B und C: die ander ursach, darumb sy also haiszent ... Mynsinger von falken 10 lit. ver.;
nun vernemt doch die ursach recht,
warum der held dem jägerknecht
seinen schaft liesz
Teuerdank 50, 97 G.;
er ... zeigt ursach warumb Paracelsus op. (1616) 2, 1 b H.; Hedio chron. germ. (1530) 1ᵇ s. o.; Dannhauer catechismusmilch 1, x 2ᵃ; Lehman florileg. (1662) 1, 58; gleichwie man zufrieden ist, wenn man die ursache erfährt, worumb die sach seyn müssen Leibnitz d. schr. 2, 57; Lessing 18, 77 M.; Göthe IV 9, 49 W.; 49, 49 W.; die u., darumb Hutten 2, 181, 21 B.; die u., weshalb ihr heute hier versammelt seid Seidel Hühnchen 209. (aus) ursache(n) weil (vgl. oben c γ und e):
jedoch mit nichten es erspreust,
ursach weyl gott sein hand zuschleust
H. Sachs 1, 285, 10 K.;
Trebellius narrenkappe (1683) 124; dasz soldthaten heutiges tags für den sold gar wenig thaten, ist ursach, weil sie eben gar wenig sold für ihre thaten bekommen Moscherosch gesichte (1666) 2, 551; in das dritte stockwerk sollen die neue a la mode jungfrauen ... gesetzt werden, ausz ursachen weil sie die natur umbkehren (1650) 1, 128; Gueintz rechtschreibung 2; Chr. Reuter Schelmuffsky 102 vollst. ndr.; ich habe es blos für gut befunden, mich seinen ewigen belehrungen einmal zu entziehen, aus ursache, weil sie mich leider nie belehrten Lessing 10, 413 M.; wenn er (Winckelmann) hierüber nicht bis zur klaren vollkommenen erkenntnisz gelangte, so geschah solches ... aus der zufälligen u., weil ihm zur zeit seiner reifern bildung keine günstige gelegenheit sich darbot Göthe 46, 77 W.; aus ursach weil Ph. Hafner lustsp. (1812) 1, 38. die ursach aber ist, dieweil die männlichkeit in unsern tagen gar sehr auf der neige steht maler Müller 1, 310. veraltet. u., dasz; vgl. mystiker 1, 190 Pf. oben unter A 2: villeicht übriger hicz des weins oder freude ursach gewesen was, das er ... gesprochen het Arigo decam. 42, 1 K.; das wyr aber williglich und gerne beychten, sollen unsz tzwo ursach reytzen Luther 8, 176 W.; 23, 375 W.; Fischart flöhhatz 18 ndr.; volksb. v. geh. Siegfried 64 ndr.; Schweinichen denkwürdigkeiten 152 Ö.; was vor eine u. bewog unsre groszen stammältern ..., dasz sie von ihrem schöpfer abfielen? Bodmer crit. poet. schr. 1, 3; Herder 12, 141 S.; die dämmerung ist u., dasz das auge völlig ausgeruht und empfänglich ist Göthe II 1, 24 W.; IV 9, 18 W.; was die schwarze farbe (des sees) betrifft, so mag es wohl damit nur die u. haben, dasz die dunklen tannen und berghäupter aus ihm wiederscheinen Stifter 1, 265. gelegentlich wenn, um zu:
fragst du nach der ursach, wenn
sterne auf und untergehn?
Müllner 2, 188;
blosz aus der ursache (der zweck kann als veranlassung gedacht werden), um ein freundschaftliches wort mit mir zu wechseln Castelli 10, 6. vgl. aus ursach, dann Fischart Eulensp. 7646 oben unter c γ.
e)
die verbalen verbindungen sind im wesentlichen dieselben, die in der früheren geschichte des wortes begegneten; s. bes. A 2 u. suchen, finden, geben, nehmen, haben. bed. C hat stark einschränkend auf den neueren sprachgebrauch eingewirkt, so dasz ältere verbindungen unüblich geworden sind; z. b. so im gelieben wirdt, würd er ein ursach nemmen (causam ceperit), dasz er mich in die müle stürze Boltz Terenz (1539) 7ᵇ; die fabel, die diesem sprichwort eine ursach gegeben, lautet also Reinicke fuchs (1650) 216;
allein, das weis ich wohl, dasz ich bin in dem bann;
wer hirzu ursach gab, dasz weis ein jedermann
285;
dies (ungesalzenes essen) nahm sie (d. magd) auch zur ursache wieder wegzuziehen br. Grimm d. sagen (1891) 1, 43. veraltet ist auch die dem lat. (vgl. P. Fleming 343 oben) nachgebildete verb. u. geben mit dativ: haben sie (die curtisanen) allen boͤsen hendlen und wesen ursach geben Hutten 1, 416, 35 B.; got ... gibt solhem fal kain ursach B. v. Chiemsee 142 R.; von der fastnacht:
thorlichem schimpf sy ursach git
H. R. Manuel weinspiel v. 25 ndr.;
dem ubel sol nicht ursach gegeben werden Fr. Wilhelm sprichw.-reg. h α. beliebt ist bis heute die verb. von u. haben, bekommen, finden, gewinnen, geben, nehmen, u. sein mit inf. (thes. 3, 675, 74 ff.), die z. th. schon bei Keisersberg und B. v. Chiemsee (B 2), Gueintz und Prätorius (D 2 c) belegt war: damit sie mere ursache hette, in pey ir ze behalten Arigo decam. 83, 23 K.; 39, 36 K.; alle dinge, die da ursach geben mügen, anders dann wol ze tuͦn 71, 6 K.; er hat ursach gehabt, so zu reden Luther 34, 2, 377 W.; auf das wir ursach gewinnen, gott zu suchen 16, 317 W.; Jac. Böhme (1620) 4, 4; dasz wier rechtmäszige uhrsache finden, ihren ruhm mit güldenen buchstaben selbst zwischen das gestirne zu setzen Zesen verm. Helikon (1656) 1, a 7ᵇ; rosenmând a 4ᵇ;
sie (die rose) hat mehr ursach hoch zu prangen,
dasz sie in ihrer schönsten arth
von lieber hand geraubet wardt
Königsberger dichterkreis 40 ndr.
später abgeblaszt u. haben (finden) = können, dürfen, müssen: vergnügen, auf welches ich stolz zu seyn u. habe Lessing 8, 5 M.; ich habe meine ursachen, nicht eher ausgelöset zu seyn als morgen 2, 366 M.; vielleicht wirst du ... u. finden, den tag ... unter deine glücklichen zu zählen Wieland Agathon 2, 48; Herder 15, 269 S.; ich habe die gröszte u., von meiner reise zufrieden zu sein Göthe IV 8, 230 W.; mittags ... fand ich mehrere frauenzimmer, die ich mit aufmerksamkeit zu beobachten u. hatte 33, 3 W.; deszhalb findet ein denkender literator alle u., jede kleinkrämerei aufzugeben 41, 2, 203 W.; gespräche 8, 200 B.; wir Deutsche stehen sehr hoch und haben gar nicht u., uns vom wind hin- und hertreiben zu lassen IV 27, 224 W.; da jeder ... Philinens unverdientes glück zu beneiden u. fand 21, 287 W.; am ende des jahres fand mein meister u. nach F. zu reisen 43, 34 W.;
ja,
der Österreicher hat ein vaterland
und liebts, und hat auch ursach es zu lieben
Schiller 12, 221 G. (Wallenst. tod 1, 5);
dem handwerker, der volle u. hat, auf seiner hände werk sich etwas einzubilden Holtei erz. schr. 1, 36; Ranke s. w. 37, vii; sie hatten nicht u., ihre wahl zu bereuen Fontane I 5, 233. u. nehmen mit inf. im wesentlichen kanzleiformel (vgl. oben B 2 ende): daher wir auch billig ursach genomben, solches gegen die chur- und fürsten ... bestermaszen zu recommandiren acta publ. 2, 26 P.; der Samojeden zu gedenken nehme ich ursache pers. reisebeschreibung 3, 3; darfür solle sich eine ... jungfraw wohl hüten ..., in ir eigen herze gehen ... und dadurch ursach nemmen, niemand zu tadlen Moscherosch insomnis cura 68 ndr.; er nahm daher ursach, diesem gespenst urlaub zu geben br. Grimm d. sagen (1891) 1, 82. mnd. wb. 3, 237ᵃ.
f)
adverbial, präpositions- und conjunctionsartig. veraltet.
α)
der ursache(n) als adverbialer gen.; Staub-Tobler 7, 119; mnd. der orsake wb. 3, 237ᵃ:
der ursach rathet weiter mir,
was forthin sey zu thun mit ihr
H. Sachs 2, 23, 5 K.;
welches der ursachen darzu geordnet worden Fronsperger kriegsb. 1, 45;
der ursach ich hab thun machen
disz loch in die kacheln hinein
Widmann Peter Leu 439 B.;
vgl. wie ... hette ich nun obberührter ursach solches unterwegen lassen sollen Neumark lustwald (1657) 1, 235. der ursachen, dasz Fischer schwäb. wb. 6, 302; Ringwaldt oben unter c γ. anders erscheint u. satzbildend: ursache genug, dasz ich ihn beibehalte Thümmel reise 1, 11.
β)
präpositionsartig, wohl unter einflusz des lat., theils concurrierend mit c γ: darumb ursache pöser wartung der kranken und grosze kraft der pestilencze willen warn ir so vil, die pey tag und nacht sturben Arigo decam. 6, 11 K.; (der ritter) wege reyte und der schönen frawen pote, auf dise nacht er nitt komen möchte, ursache groszer geschefte 62, 2 K.; aber das was kein wunder ursache der zeit und jare, die sich verloffen hetten 96, 12 K.; die stral der liebe in ganz verwundt ... ursach der groszen schöne Iphigenia Montanus 241, 23 B.; Paumgartner briefw. 219; Nas eins u. hundert 2, b 1ᵇ; ich mag nicht mehr leben, ursach meines alters und schwere krankheit b. d. liebe (1587) 178ᶜ; aber ursachen der einheimischen kriegen vermocht er nicht das verlediget herzogthumb einzunemmen Stumpf Schweizerchron. 8ᵃ; ursachen dann das(!) so unversönlichen wietens das volk ihn ainist überfallen Fr. A. v. Brandis ehrenkränzel (1678) 45.
γ)
conjunctionsartig. für entstehung aus der wendung aus u. dasz Behaghel synt. 3, 324; es dürften als vorläufer des gebrauchs auch fälle zu berücksichtigen sein wie: ursach ist die, der mensch widerstat nit Keisersberg schiff der penitenz 63; ursach ist, der schlüssel zuͦ dem mul der ist dir zenahe sünden des munds 52ᵃ. mit äuszerlich unabhängigem satz: ursach, die vernunft kan nicht anders Luther 32, 39 W.; ursach, sie (Maria) hat getragen und geboren den ... Gebweiler beschirmung (1523) 6ᵃ; 35ᵃ; sunst ist alles erlogen und erlestert, ursach, mesz halten ... kan nit gotslesterung und verleukung sein Dietenberger wider d. buch M. Luth. v. d. miszbrauch der messe (1526) b 2; die kilch mag nit irren, ursach, sy thuͦt nüt us irem mutwillen Zwingli d. schr. 1, 140; freiheit der speisen 13 ndr.; S. Franck chronica (1543) vorr. a 5ᵇ; weltb. vorr.; Knebel chron. v. Kaisheim 2; die betler sind den hunden feind und die hunde den betlern, ursach, sie seind bede eines handwerks klugreden (1548) 24ᵃ; 68ᵃ; 107ᵃ; 140ᵃ; 169ᵃ; Fronsperger kriegsb. 1, 164ᵇ;
unsere prob könt ihr nicht versagen.
ursach, ich, die Ehre, fordere euch
Weckherlin 1, 31 F.;
vor jahren hatte die gerechtigkeit nicht so viel anstösz erleyden dörfen als jetzund, ursach, es waren noch nicht so viel juristen Moscherosch ges. 1 (1650), 232; es ist kein gröszerer menschenfeind den ein geyziger und wucherer, ursach, er reiszt alles zu sich Lehman florileg. (1662) 1, 277. pleonastisch tritt noch eine begründende conjunction hinzu: man sol dem leib nit zuͦ vil entziehen, ursach, wann kümerlich mag man zu hilf kummen einem, der also geletzt ist Keisersberg eschengrüdel 70; ursach, dann unreyn ... seind bede klugreden (1548) 63ᵇ; ursach, dieweil Forster frische t. liedlein 3 ndr.; wir seyn noch viel ärger als die jüden, denn ursach, wir sind christen durch einander kipper und wipper (1621) a 3ᵃ. noch Adelung kennt als 'verbindungsarten des gemeinen lebens': er ist nicht gekommen, ursache, weil er krank war; ich konnte nicht kommen, ursache dessen, ich war krank. 'ursache dessen gehört zur handwerksburschenmäszigen schreibart. er war mir nicht gewogen, ursache dessen, weil ich nicht umsonst für ihn arbeiten wollen' Heynatz antibarb. 2, 544; von Campe als verwerflich bezeichnet. satzeinführend u. dessen 'daher'; u. dessen, dasz 'weil' Staub-Tobler 7, 119; Schmeller-Fr. 2, 210.
g)
keine ursache! seltener ohne u.! in höflichkeitsformeln. wie bitte! zur ablehnung des dankes in gewöhnlicher rede allgemein, auch in mundarten, z. b. Staub-Tobler 7, 118; Follmann 521ᵇ; Hofmann 247ᵇ; Ruckert Unterfranken 188; Schambach 148. ohnen ursach Martin-Lienhart 2, 319ᵇ. in der Schweiz sagt man beim abschied: adie wol, zürnend nüt, worauf die antwort: kein u. Staub-Tobler 7, 118.
h)
synonyme verbindungen, den verschiedenen bedd. von u. entsprechend. grund und u., u. und grund. s. grund th. 4, 1, 6, 727; Gottsched beobachtungen 125: grund und ursach (begründung u. vertheidigung) aller artickel d. Marti. Luther, so durch romische bulle unrechtlich vordampt seyn Luther 7, 309 W.; desz söllen wir nun grundt und ursach anzeygen ref.-flugschr. 1, 84 Clemen; Z. sich oft erboten vor jedermann siner predigen und leeren ... ursach und grund zuͦ geben Zwingli d. schr. 1, 116; i. w. tautologisch: ausz was ursachen und grund wir dich ... nicht wirdig ... achten Stumpf Schweizerchron. 330ᵇ; so hat das alte sprichwort seine ursachen und gewisse gründe Prätorius winterflucht 4; ein oftmaliges heiszes erröthen ohne grund und u. Stifter 5, 1, 354. vgl. die tautologische zss. ursachgrund (ε). ursache, grund, princip Eberhard syn. 6, 224; Weigand 1, 573; 3, 674; die u. ist der grund für die wirklichkeit eines dinges; es gibt auszerdem noch gründe der möglichkeit und der erkenntnis, diese können nicht ursachen genannt werden. der gegensatz von grund ist folge, von u. wirkung Lyon (1904) 863. fug und u., u. und fug. vgl. grund und fug: Staub-Tobler 7, 118 (1485); hätte man nit guͦte fuͦg und ursach zuͦ sagen ... Sleidanus reden 101 Böhmer;
so hastu zeit und guͦten fuͦg,
zu zürnen und ursach genuͦg
Scheit Grobianus 2517 ndr.;
das ich solches zu thun fug und ursach genugsam gehabt Puschmann meistergesang 9 ndr.; gut fug und ursach haben Bech Agricolas bergwerkb. (1621) 18; weil niemand sich darüber zu beklagen fug und ursach hätte Leibnitz d. schr. 2, 271. veraltet. ursprung und u.: mainent ..., das wir ain ursprung und ursach seien alles ubels Schaidenreiszer Odyssea (1537) 1ᵇ; alle volkummne creaturen ... ursach und ursprung hat von dem samen Ryff anatomi (1541) b 1ᵇ; Tschudi chron. 2, 708. ursache und quelle: wer einer krankheit oder eines dinges ursach und quell nicht weisz, der weisz auch nicht rath und mittel zu helfen Lehman florileg. 2, 872. bericht und ursach (aufklärung) Moscherosch ges. 2, 1. weg und u.: ward auch der statt S. Gallen wäg und ursach geben, sich gleychermasz zu versorgen Stumpf Schweizerchron. 374ᵇ. ursach und gelegenheit Lindener katzipori 69 L. ursache und bewegung: das ist die ursach und bewegung (was bewogen hat), worumb ich so hart widder dissen pestilentischen stuel gestoszen habe Luther 7, 6 W.
u.
und reizung: dazu ich dir dan auch ursach und gleich reyzunge gegeben habe Hutten 2, 186 B.
u.
und anlasz: ursach und anlasz geben Moscherosch insomnis cura 20 ndr.; v. Fleming soldat (1726) 276. vgl.ursach und anleitung geben Mathesius Sarepta (1571) vorr. 2ᵇ. viel andere ursachen und bewegnüssen ... erdacht werden Schupp (1663) 19. ursachen und triebräder Bodmer v. d. wunderbaren vorr. 3; u. und absicht Göthe 7, 158 W. im gs. erscheinen u. und wirkung (s. o.); u. und resultat Göthe II 2, 78 W.; ist das ein versehn oder hats ursachen? IV 3, 4 W.; u. und grund I 8, 148 W.;
was aber mag doch wol der schein
recht eigentlich, und was die ursach seyn?
Brockes ird. vergnügen 4, 403.
E.
zusammensetzungen.
einerseits z. b.
bewegursache, bewegungsursache
(s. diese),
brandursache
daseinsursache
endursache
(s. d.),
gelegenheitsursache
grundursache
(s. d.),
hauptursache
(Kramer [1702] 2, 1220ᵃ),
hilfsursache
krankheitsursache
kriegsursache
mitursache
(s. d.),
mittelursache
nebenursache
(Kramer 2, 1221ᵃ),
scheinursache
(Kramer a. a. o.),
todesursache
unfallsursache
urursache
(Kramer 2, 1221ᵃ),
weiberursache
(ratiocinatio, darum weils mir so gefällt Kramer 1221ᵃ),
wurzelursache
zweckursache
u. dgl. ursache.
anderseits: ursachbringend (ratiocinativae conjunctiones uhrsachbringende fügewörter Schottel haubtspr. 665, ursachgebende Antesperg: Leser fachwörter 68), -erklärung Scherer kl. schr. 1, 171, -finder H. Sachs 3, 81, 30 K., -fragen 20, 322, 6 G., -geber Paracelsus op. 1, 559 b H., -grund, m., tautologische zssetzung:
dasz du sonder ursachgrund, sonder witz und kunstvermögen
wider unsrer sprache glükk pflegest feindschaft auszuhegen
Harsdörfer gesprächsp. 5, viiᵇ;
ohn u. schauplatz 1, 304;
der ghilf, dern (den rehbock, der nur 69 pfund wog) gschossen
sollt bstehn sein ursachgrund hat,
K. Stieler ged. 3, 25 Reclam.
ursachmäszig Spengler untergang des abendl. 2, 378, -rührig, adj., vielleicht im wortspiel mit ehrenrührig: wie es selbs die jesuiter im truck haben lassen auszgehen, besorgend, andere möchten es mit ursachrhürigen glossen thun Fischart bienenkorb 22ᵃ, -schöpfer kammergerichtsordnung 1521 12, 2, -seyn Schopenhauer 1, 165 Gr., -thier, m., nach der scherzhaften bildung Lichtenbergs (s. ursachenthier): der mensch ebenso sehr ein ursach- als ein gewohnheitsthier Jean Paul 55/58, 111 H., -verkettung 49/51, 251. ursachsquelle, f.:
und stets aus ursachsquelle
flieszt wirkung well auf welle
grafen Stolberg 5, 269.
ursachenausspürerei Sallet 5, 282, -drei Jean Paul 27/29, 99, -folge Spengler untergang des abendlandes 2, 326, -gruppe Lueger 5, 586, -kette Fr. L. Jahn 2, 536 E., -komplex hwb. d. staatswiss. 7², 329, -krämer Bode Tristram Schandi 6, 125, -reihe Jean Paul 49/51, 274 H., -setzung Nietzsche 8, 97, -sinn 8, 285, -thier, m.: was ist der mensch? ein ursachenthier, sagt Lichtenberg. die andern thiere sind wirkungsthiere Gutzkow ritter vom geiste 9, 175, -trieb Nietzsche 8, 95.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 16 (1935), Bd. XI,III (1936), Sp. 2502, Z. 41.

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Zitationshilfe
„endursache“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/endursache>, abgerufen am 24.10.2021.

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