Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

engel, m.

engel, m.
ein durch das christenthum in alle neueren sprachen überführtes wort, weil für den himmlischen boten und geist kein heimischer ausdruck geeignet schien, goth. aggilus, ahd. angil, engil, ags. engel, engl. angel, altn. engill, lit. angělas, russ. angel″, poln. aniøl, böhm. angel, anděl, ir. aingeal, it. angelo, sp. angel, franz. ange. auch viele ahd. eigennamen sind mit angil, später engil gebildet, Engilbald, Engilberht, Engilgêr, Engilher, Engilhart u. s. w. und engel steht hier fast wie das heidnische alb und elb, genius, zumal beide, engel und elbe, in gestalt kleiner kinder gedacht wurden.
1)
unschuldige kinder heiszen vorzugsweise engel: ein paar engel von kindern. Lorenz Stark s. 158; kleiner engel! Gotter 1, 326; ein früher tod entrisz uns diesen engel. von alten leuten wird niemals engel gesagt.
2)
schöne und geliebte frauen: mein engel! mea anima;
rëhte als die engel sint diu wîp getân.
Walth. 57, 8,
doch reicht engel über das weib:
ëʒ ist ein engel und niht ein wîp.
Iw. 1690,
und nie redet ein mhd. dichter seine geliebte 'engel' an, das ist erst später aufgekommen und gemein geworden. 'einen engel!' pfui, das sagt ein jeder von der seinigen. Göthe 16, 24; mein engel (schatz) will heute dahin kommen;
wo du, engel, bist, ist lieb und güte,
wo du bist, natur.
Göthe 1, 79;
ach konnte ja . . . .
der ritter gar davon mit seinem engel gehn.
Wieland 22, 121.
auszerhalb der anrede: aus achtung für die ruhe des engels hab ich ihm mein herz nie entdeckt. Gotter 3, 88; wilhelm, ob er gleich nach der erscheinung jenes hülfreichen engels (der dame zu pferd) mild und sanft geworden war. Göthe 19, 50, in welcher letzten stelle die frau als ein höheres wesen dargestellt wird.
3)
nach einer tiefgreifenden vorstellung des alterthums ist jedem menschen ein engel beigegeben, der über ihn wacht und ihn geleitet, woher die ausdrucksweisen: das sprach sein engel. Lessing 2, 183. Schiller 485ᵃ; das spricht dein guter engel aus dir, das hiesz dich dein engel sprechen; das gab dir dein engel ein; du und dein engel! (vgl. personenwechsel s. 32). gleichergestalt folgen aber auch böse engel dem menschen und lauern ihm auf. es ist zuweilen von lichten und weiszen oder von schwarzen engeln die rede:
wer bist du, den sein böser engel mir
entgegen schickt?
Schiller 465ᵃ;
dann däuchte es mir, der schwarze engel hauche mich an und flüstre mir zu, stürze dich hinein, thor, du hältst es doch nicht länger aus. sieh nur, wie sanft das wasser rollt! ein augenblick und dein ganzes sein wird ebenso dahin wellen. der a. mann im Tockenb. 209.
4)
gute oder böse engel lachen und weinen über das was die menschen thun oder ihnen widerfährt:
eh ich dich auch abschmier,
dasz alle engel lachen.
Ayrer fastn. 113ᵈ.
5)
jung ein engel, alt ein teufel, spricht man. Otho krankentr. 88.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1859), Bd. III (1862), Sp. 472, Z. 26.

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Zitationshilfe
„engel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/engel>, abgerufen am 21.10.2021.

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