Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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eng, enge

eng, enge,
angustus, goth. aggvus, altn. öngr, ahd. enki, engi, mhd. enge, alts. engi, nnl. eng, ags. enge; schw. dän. engl. ist dies adj. ausgestorben, die Schweden brauchen dafür träng (altn. þröngr), die Dänen snever (altn. snæfr), die Engländer narrow (ags. nearo). wie in aggvus ableitendes u waltet, musz es in öngr aus dem umlaut des a geschlossen werden, nicht anders gilt es im lat. angustus und gr. ἑγγύς, ist aber ahd. zu i geschwächt. lit. bestehen anksztas und anksztus nebeneinander, die sich zum lat. angustus, wie auksztas zu augustus verhalten. altn. þröngr verräth uns ein nicht vorkommendes goth. þraggvus, ahd. drengi, dessen begrif unmittelbar anstöszt. geradezu verwandt ist bang, bange (1, 1104). über die wurzel mehr unter engen. Alle bedeutungen gehen vom raum aus und empfangen dann noch abstracte anwendung.
1)
sihe der raum, da wir fur dir wonen, ist uns zu enge. 2 kön. 6, 1; der raum ist mir zu enge, rucke hin, das ich bei dir wonen müge. Es. 49, 20; da gieng der engel des herrn weiter und trat an engen ort, da kein weg war zu weichen, weder zur rechten noch zur linken. 4 Mos. 22, 26;
'tuot ûf!' wem, wër sît ir?
'ich wil inʒ hërze hin zuo dir'.
sô gërt ir zengem rûme.
Parz. 433, 3.
das enge haus, die enge kammer; und uber disen kamern waren andere engere kamern. Ez. 42, 5; wir wend dir ein wäsen machen, das dir das hus zu eng musz werden. Plater 18;
zu Braunschweig die grosze faule metzen
aus lauter erz ist sie gegossen,
das du gar wol drein sitzen kündest
und gar kein engs ort drin empfündest.
Frischlins Julius redivivus p. 70;
kein platz war unserm lager enge,
kein zirkel unsrer lust zu klein.
Günther 183;
langweiliger besuch macht zeit und zimmer enger,
o himmel, schütze mich vor jedem müsziggänger!
Hagedorn 1, 87;
ach wenn in unsrer engen zelle
die lampe freundlich wieder brennt.
Göthe 12, 64;
denn das bette ist so enge, das nichts ubrigs ist, und die decke so kurz, dasz man sich drein schmiegen musz. Es. 28, 20.
2)
das grab heiszt das enge dunkle haus oder das enge bette, bei Ossian talla caol, die enge halle, gun leus, ohne licht;
sô man dich gar bevilhet enger klûse.
Frauenlob 41, 6;
du wirt in engem hûse.
41, 12;
sô dich die viere geschoben hânt in engeʒ hol.
41, 11;
düster ists im grab und enge.
Schmidt von Werneuchen 240;
bis zum engen, kalten hause. Gotthelfs kn. Uli s. 291;
ich kann sie nicht mehr suchen auf den bergen,
und so in engem stets und engerm kreis
beweg ich mich dem engesten und letzten,
wo alles leben still steht, langsam zu.
Schiller 525ᵃ.
3)
weil dir das gebirge Ephraim zu enge ist. Jos. 17, 15; in einen flecken Carnian, welchs im engen gebirge lag. 2 Macc. 12, 21; ein enges thal zwischen den bergen; eine enge schlucht; der weg ist steil und eng; ein enger, rauher pfad;
swër dër mâʒe brëchen wil ir strâʒe,
dem gevellet lîhte ein enger pfat.
Walth. 80, 7;
er eilet dem (wild gewordenen) ochsen nach, war hart hinden an im, wo er sich hinwandte, war er im auf der hauben, weg und steg eng zu machen. buch der liebe 227, 1; und es waren enge fensterlin an den gemachen und erkern einwerts. Ez. 40, 16; und waren enge fenster und viel palmenlaubwerks herumb. 41, 26; und die pforte ist enge und der weg ist schmal der zum leben füret (hvan aggvu þata daur jah þraihans vigs sa brigganda in libainai). Matth. 7, 14;
dort wo die Alster sich in engen ufern krümmt.
Hagedorn 2, 81;
die enge röhre hatte sich verstopft; die adern werden im hohen alter enger; nu er fresse mich, es soll ihm der bauch enge gnug darvon werden, das weisz ich. Luthers reformationshistorische deutsche schriften ed. Irmischer. Erl. 1830. 1, 275.
4)
enge, knapp anschlieszende hosen; den engen rock, tunicam et lineam strictam. 2 Mos. 28, 4. 29, 5. 30, 27; das kleid enger machen; enge, drückende schuhe; dasz sie nicht wissen, wie sie sich kleiden sollen, jetzt in lang, jetzt in kurz, jetzt in eng. Fronsperg kriegsb. 3, 183ᵃ;
mein ältster junge wächst heran,
sein wamms wird täglich enger.
Schmidt von. Werneuchen 287;
den vorgen engen stand darf ich jetzt von mir legen, so wie ein kleid. Tieck 1, 293.
5)
das thun die engen, einfeltigen kinderaugen. Luther 3, 316ᵇ; die augen seind euch noch gar enge und vol schlafs. herz. Heinr. Jul. 427; enger, beklommener athem; ein trank zu allen flüssigen schäden, so ein enger, kurzer athem darbei ist. Tabernaemont. 448;
der sich in enger brüste garten warf.
Frauenlob 19, 1;
in diesem aufzug gieng ich (in frauengewand) über die gasz und macht so enge schrittlein, als etwan Achilles gethan, da ihn seine mutter dem Licomedi recommendierte. Simpl. K. 315; er hat ein enges maul, angusti oris est. Stieler 379;
sieh freund, sieh da, was geht doch immer
dort für ein reizend frauenzimmer?
der neuen tracht vollkommenheit,
der engen schritte nettigkeit,
die bei der kleinsten hindrung stocken,
der weisze hals voll schwarzer locken,
der wolgewachsne schlanke leib
verräth ein junges artges weib.
Lessing 1, 46;
ein enger kopf, der wenig faszt, ein enges herz, das wenig aufnimmt: dieses schreibe ich nicht gelehrten und verständigen leuten, sondern engen zugeschlossenen köpfen. colica, vorrede; es wird mir von tage zu tage immer ärgerlicher, dasz ich einen menschen von so weitläuftigem kopfe und so engem herzen zum sohne haben musz. Engel Lorenz Stark s. 16.
6)
die vorstellungen des engen und nahen fallen oft zusammen, das nahe bedrängt und engt ein:
und ein enges nun das schmücket
die ihr haszt mit eurer kron.
Gryphius 1, 43;
in so enger (naher) zeit. Lohenst. Arm. 1, 29; er war sein engster (genauster) freund. Hippel 12, 187; den häusern und einwohnern sieht man, ich will nicht sagen mangel, aber doch bald ein sehr enges bedürfnis an. Göthe 16, 233; ein enger kamm, dessen zähne nah beisammen stehen.
7)
abstractionen. ein enges gewissen, im gegensatz zum weiten, wodurch, wie es heiszt, ein hochgeladener wagen fahren kann:
engers gwissens hört ich noch nie.
Ayrer fastn. 131ᵃ;
mein gewissen ist zu enge, dergleichen gut an sich zu bringen. Felsenb. 2, 336; die vorstellung, der begrif, ausdruck ist zu enge, befaszt zu wenig; wie wol das wort zu enge ist, aber ich habe kein anders. Luther 3, 239;
lasz einen engen (kurzen) brief mich lehren deinen willen.
Hofmannswaldau heldenbr. 76;
das enge (beschränkte) leben steht mir gar nicht an.
Göthe 12, 120;
ein edles herz, vom wege der natur
durch enges schicksal abgeleitet.
2, 150;
o glaube mir, ein selbstisches gemüth
kann nicht der qual des engen neids entfliehen.
9, 198;
der mensch bedarf in seinem engen wesen
der doppelten empfindung, lieb und hasz.
9, 199;
der enge erdensohn. J. P. lit. nachl. 4, 265; fürst Maria ... liesz den engen, bangen mann gar nicht ohne höflichkeit an. doppelheerschau s. 197; ihr gallischer, enger, weiblicher geschmack. kl. bücherschau 1, 68; die enge, eigenliebige und unvertragsame denkungsart der menschen. Kant 6, 387;
der engen pfaffenweise widerstand
der muthge geist.
Schiller 662ᵇ;
ein enger wirkungskreis. Gotter 1, 166; im engern freundeskreise; schickte der regente auch an uns übrigen vom sogenannten engern ausschusse. Felsenb. 4, 235.
8)
eng zu andern adj. tretend: seine stolze schupen sind, wie feste schilde, fest und enge in einander. Hiob 41, 6;
der ihm stund entgegen
mit seiner macht gar dick und eng.
Sprengs Aeneis s. 357ᵃ,
wie wir dicht und eng, gedrängt und eng verbinden, weil das dichte einengt.
9)
enge werden: denn dein wüstes, verstörets und zubrochens land wird dir alsdenn zu enge werden, drinne zu wonen. Es. 49, 19;
mir wird so eng!
die mauerpfeiler
befangen mich.
Göthe 12, 201;
den liebenden drin, nach gepflogener lust,
ward enger und bänger von ahndung die brust.
Bürger 34ᵇ;
mein gott, wie wird ihnen? 'heisz und enge'. Schiller 211ᵇ; da wurde die umarmung enger. J. P. Hesp. 1, 248.
10)
ins enge bringen, treiben, ziehen: der richter ward auf anhörung dieses gesprächs ins enge gebracht. pers. baumg. 4, 5; ich will die vermutung ungeäuszert lassen, dasz es vielleicht gar nicht einmal die rechte art sei, eine madame Freemann ins enge zu treiben. Lessing 7, 91;
verkannt von der menge
wie zieh ich ins enge
mich stille zurück.
Göthe 1, 42;
sie zog ihren haushalt ohne bänglichkeit ins enge. 17, 177; ungeachtet seiner manigfachen studien wuste er doch die hauptfrage nicht ins enge zu bringen (zu concentrieren). 25, 12; dasz darum zu thun sei unzählige erfahrungen ins enge zu bringen, sie zu ordnen. 30, 332; wir beriethen uns über den gedanken, die deutschen stücke, die sich erhalten lieszen, theils unverändert im druck zu sammeln, theils aber verändert und ins enge gezogen der neueren zeit und ihrem geschmack näher zu bringen. 31, 83.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1859), Bd. III (1862), Sp. 468, Z. 77.

eng, enge, adv.

eng, enge, adv.,
ohne aufhebung des umlauts, wie sie im mhd. adv. ange stattfindet, während umgedreht das a des adv. bange in das nhd. adj. bang zugelassen worden ist. etwas enge betrachten, genau erwägen; enge sitzen; enge in einander wohnen, anguste habitare; enge spannen, fest und straf anziehen: der heilige geist will nicht zörnen, ob eine metze (ein mädchen) einen knaben lieb hat und widerumb, also das sie lust haben ehelich zu leben. und hats lassen schreiben (Jacob, Rahel) umb der tollen prediger willen, die es so enge gespannet haben. Luther 4, 162ᵇ; es ist eben darumb geschrieben, das nicht jemand denke, es sei sünde, ob er mit der braut herlicher feret, denn sonst im gemeinen leben, das mans nicht so enge spanne, es ist nicht sünde. 4, 132ᵇ; Abraham (bei der fürbitte für Sodom) meinet er wolt es enge spannen und nur funfzig zelen. 4, 105. enge halten, knapp, kurz halten: darumb ward Floramene von ihren eltern etwas enger gehalten. pol. stockf. 271;
still und eng und ruhig auferzogen
wirft man uns auf einmal in die welt.
Göthe 1, 84;
da aber Aurelie in ihrer neuen wohnung sehr eng (eingerichtet) war, muste er den Felix bei sich behalten. 19, 225;
wiszt ihr, wies steht an diesem hof, wie eng
dies frauenreich die geister hat gebunden?
Schiller 423ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1859), Bd. III (1862), Sp. 471, Z. 18.

enge, f.

enge, f.
angustiae, nach den bedeutungen des adj.
1)
des orts: der engel stuͦnd in der enge zwischen mauren, darmit die reben warent geheft. Keisersb. s. d. m. 17ᵃ; die engen des Apennin. Lohenst. Arm. 1, 742;
entferne dich
aus meiner enge reingezognem kreis.
Göthe 9, 331;
ich sah sie (meine freundinnen) nun zum erstenmal in städtischen zwar weiten zimmern, aber doch in der enge, in bezug auf tapeten, spiegel, standuhren und porzellanpuppen. 26, 35; in welcher häuslichen enge ein allgemein beliebter deutscher schriftsteller sich behelfen müsse. 26, 114;
des weges enge wehret den verfolgern.
Schiller 544ᵃ;
erkenntnis der nothwendigkeit
soll des menschen freiheit sein,
als machte mir das den kerker weit,
dasz ich sehe seine engen ein.
Rückert 319.
2)
leiblich, enge der brust, der halsröhre u. s. w.; schwerer athem, keichen, enge, husten. Forer fischbuch 116ᵇ. engi engbrüstigkeit. Stalder 1, 343.
3)
ausdehnungen: weitläuftiger und eigentlicher zu schreiben hat mich nicht allein die enge der zeit, sondern auch sonsten allerlei ungelegenheit verhindert. Opitz poeterei vorr. 1ᵇ; unsere sprache auch ohnedisz in solche enge der wörter, wie die französische, nicht kan gebracht werden. s. 50;
und kehrt in dörfer ein, wo des gewissens enge
den handschlag sichrer macht als alles rechtsgepränge.
Hagedorn 1, 23;
eine verdrieszliche enge in der wahl der wörter. Kant 8, 13; und meist aus albernheit, unbegrif und enge. Göthe 16, 101; ich werde nicht den lobredner idyllischer rusticität und kleinbürgerlicher enge machen. Immermanns Münchhausen 1, 212; man stand auf, die enge (die Albano bei tafel fühlte) verschwand, sein eifer auch. J. P. Tit. 2, 41.
4)
in die enge treiben, in angustum cogere (vgl. das stärkere ins bockshorn treiben 2, 207 und das gleichbedeutige ins enge treiben):
der mensch das edle thier
wohnt fast gesund und frisch in seinem leibe hier,
so lange luft und blut behalten ihre gänge.
wo aber diese schon durch krankheit in die enge
getrieben worden sind, geht angst und keichen an.
Opitz 1, 39;
wodurch die vernunft in ihrem theoretischen gebrauche sehr in die enge gebracht wird. Kant 4, 85; seinen gegner in die enge treiben. 8, 126; durch hin und wiederreden in die enge getrieben gestand er. Göthe 23, 141. man sagt auch in die enge gerathen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1859), Bd. III (1862), Sp. 471, Z. 55.

engen

engen,
in angustias compellere, goth. gaaggvjan, ahd. engan, mhd. engen (wb. 1, 43ᵇ). um die verschollene wurzel aufzuspüren, wird es nützen, einige inlautend und dem sinne nach anklingende wörter herbeizuziehen. wie sich aggvus einem aus altn. þröngr zu folgernden þraggvus anschlösse, wurde schon sp. 469 bemerkt, þraggvus aber entspränge aus þriggvan þraggv, unserm dringen drang, von welchem sich drengen, þraggvjan ableitete, wie von winden wenden, goth. vandjan, von springen sprengen, von zwingen zwengen u. s. w. die transitiva drengen, wenden, sprengen weisen auf die starken intransitiven stämme dringen, winden, springen hin; galt ein schlusz von enden auf inden, so musz er auch von engen auf ingen zulässig sein. solch ein goth. iggvan, was auch sein sinn war, stechen oder stecken, fest, dicht, eng haften, könnte willkommnes licht werfen auf unsre ableitungssilbe igg, ahd. inc. zu stören scheint aber, dasz ein goth. stamm þreihan þraih, θλίβειν besteht, nicht þriggvan þraggv, und der verhalt beider formen untereinander, so wie unsers offenbar hinzu gehörigen drücken, erst aufgeklärt werden musz. nun fällt zücken zu ziehen, goth. tiuhan, bücken zu biegen, warum nicht drücken zu þreihan? vierte und fünfte ablautsreihe tauschen öfter. die nasale form dringen drang, mit dem ablaut erster reihe entfaltete sich nebenher, nach analogie des goth. bliggvan blaggv neben ahd. pliuwan plou, vielleicht briggvan braggv neben ahd. priuwan prou (2, 322). unter so gährenden wortelementen, wer getraute sich für aggvjan und engen die wurzel bestimmt anzusetzen? lautete sie iggvan aggv, so darf ihr auszer unserm engen auch ango cardo, angel aculeus zuerkannt und die bedeutung stechen beigelegt werden, da drücken eindrücken des stachels war und unserm engen noch geradezu der sinn von stechen beiwohnt (vgl. englein aculeus); in andern fällen dachte man nicht mehr an den stich, nur an den drang. unverkennbar stimmen lat. angere, gr. ἄγχειν, premere, stringere, der nasallaut hat den gewöhnlichen gang der lautverschiebung gehemmt, in aculeus ist er geschwunden. goth. stikan und stakjan erscheinen neben stiggan und goth. praggan premere, mhd. pfrengen, nnl. prangen liegt nicht weit ab von nnl. prik stachel, prikken stechen; engen, drengen, pfrengen, zwengen reichen, wie in den buchstaben so dem sinne nach, aneinander. Die bedeutung von engen ist
1)
vorherschend transitiv, premere, coarctare, engen und drengen, engen und irren stehen gern gehäuft, in der folgenden ersten stelle auch engen und stechen, einigemal hat es genau den sinn des franz. gêner, unseres genieren: der sînen næhsten mit sînen worten enget und stichet. Grieshaber 1, 16; sichst du denn an die mitte, so sichstu dich unrainen, daʒ dich die werlt druckt und engt und da pei irret. gesta Rom. ed. Keller s. 139; das ir auf unser und des reichs strasze nicht angreifent noch die engent oder drengent in dhein weise. urk. von 1434 in Aschbach gesch. der gr. von Wertheim 2, 245; so er aber urlop nimpt, so wainen das hausgesind. aber er lat sich das nit engen, er get hinweg für und für. Keisersberg pilgrim. Augsb. 1498 bl. 5; ein jeder der in bestanden zins wonet, der sol zu seinem bestanden zil, darauf im ausziehen gepürt, fürderlich und rechter zeit nach dem gedingten zil sein haus oder gemach rawmen und ausziehen, darmit ein ander, der nach im kompt, seinthalben ungeengt und ungeirrt bleib. reformation der stadt Nürnberg 1484 fol. (ohne signatur, in der ausg. von 1522 findet sich die stelle bl. 153ᵇ); ich underlasz hie zuͦ sagen, wie sie so gar nicht an diser reis irrt noch engt weder ungewitter, kelt, hitz, luft. Frank weltb. 101ᵃ; damit ir vil auf disen heiligen stuͦl möchten kummen und einer nicht lang die enget oder irret. chronik 291ᵇ;
da enget das thal der fels herüber ragend.
Klopstock 1, 260;
durch zieren nicht geenget
schlägt freier unsre brust.
Göthe 1, 131;
denn alle kraft dringt vorwärts in die weite
dagegen engt und hemmt von jeder seite
der strom der welt.
13, 185;
Eduard hörte mit entzücken, dasz Ottilie noch schreibe. durch die finsternis ganz in sich selbst geengt sah er sie sitzen, schreiben, er glaubte zu ihr zu treten, sie zu sehen. 17, 128; Fritz soll kommen wann er gerne mag, der herzog hat ihn lieb, wünscht ihn je eher je lieber, will ihn aber nicht engen. an Aug. Stolberg 14;
o warum bin ich hier geengt, gebunden,
beschränkt mit dem unendlichen gefühl!
Schiller 672ᶜ;
denn uns enget den raum das gewühl der wechsler und krämer.
Bürger 92ᵃ;
jenen engt an der kehle der buntgezeichnete riemen.
Il. 3, 371;
Jupiter engte nunmehr der urwelt ewigen frühling,
sonderte winter und gluten und herbstliche ungewitter
vom kurzbluhenden lenz und schuf vier räume des jahres.
Voss Ovid nr. 2, 28;
es engt die angst den athem mir.
Arnim schaub. 1, 87;
was unter ihm im staube liegt,
engt nicht das freie blut.
Körners leier und schw. 60;
die neue würde engt ihn. Macbeth act 1. sc. 3.
2)
reflexiv, sich engen.
dasz mit beginnendem lenze die bahn um so viel dir sich enget.
Rückert 269.
3)
intransitiv, eng sein oder werden: die schuhe engen (drücken);
wenn er ein volk anfällt, so durchströmt er die funkelnden augen
erst mit blut, und beleckt sich voll gier die dürstenden lefzen
mit der gezuckten zunge, darauf umschlingt er es, engt stets
mehr in der grausen umwindung und saugt.
Klopstock 7, 25.
wie engts einem hier! wenn ich dieses land ein jahr unter meiner herschaft hätte, es sollte anders sein. Klingers th. 4, 243. s. beengen, einengen, verengen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1859), Bd. III (1862), Sp. 478, Z. 56.

engert

engert,
entstellt aus êgert (oben sp. 34 und vgl. eingart sp. 184): von den weingarten, die in ängerten verlegen seind (quae longo situ exoleverunt), ist aller alten meinung, das sie die aller unartigsten seind, so man sie wider besetzen will. Herrs Columella F 4ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1859), Bd. III (1862), Sp. 480, Z. 71.

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„engen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/engen>, abgerufen am 24.10.2021.

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