Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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engen

engen,
in angustias compellere, goth. gaaggvjan, ahd. engan, mhd. engen (wb. 1, 43ᵇ). um die verschollene wurzel aufzuspüren, wird es nützen, einige inlautend und dem sinne nach anklingende wörter herbeizuziehen. wie sich aggvus einem aus altn. þröngr zu folgernden þraggvus anschlösse, wurde schon sp. 469 bemerkt, þraggvus aber entspränge aus þriggvan þraggv, unserm dringen drang, von welchem sich drengen, þraggvjan ableitete, wie von winden wenden, goth. vandjan, von springen sprengen, von zwingen zwengen u. s. w. die transitiva drengen, wenden, sprengen weisen auf die starken intransitiven stämme dringen, winden, springen hin; galt ein schlusz von enden auf inden, so musz er auch von engen auf ingen zulässig sein. solch ein goth. iggvan, was auch sein sinn war, stechen oder stecken, fest, dicht, eng haften, könnte willkommnes licht werfen auf unsre ableitungssilbe igg, ahd. inc. zu stören scheint aber, dasz ein goth. stamm þreihan þraih, θλίβειν besteht, nicht þriggvan þraggv, und der verhalt beider formen untereinander, so wie unsers offenbar hinzu gehörigen drücken, erst aufgeklärt werden musz. nun fällt zücken zu ziehen, goth. tiuhan, bücken zu biegen, warum nicht drücken zu þreihan? vierte und fünfte ablautsreihe tauschen öfter. die nasale form dringen drang, mit dem ablaut erster reihe entfaltete sich nebenher, nach analogie des goth. bliggvan blaggv neben ahd. pliuwan plou, vielleicht briggvan braggv neben ahd. priuwan prou (2, 322). unter so gährenden wortelementen, wer getraute sich für aggvjan und engen die wurzel bestimmt anzusetzen? lautete sie iggvan aggv, so darf ihr auszer unserm engen auch ango cardo, angel aculeus zuerkannt und die bedeutung stechen beigelegt werden, da drücken eindrücken des stachels war und unserm engen noch geradezu der sinn von stechen beiwohnt (vgl. englein aculeus); in andern fällen dachte man nicht mehr an den stich, nur an den drang. unverkennbar stimmen lat. angere, gr. ἄγχειν, premere, stringere, der nasallaut hat den gewöhnlichen gang der lautverschiebung gehemmt, in aculeus ist er geschwunden. goth. stikan und stakjan erscheinen neben stiggan und goth. praggan premere, mhd. pfrengen, nnl. prangen liegt nicht weit ab von nnl. prik stachel, prikken stechen; engen, drengen, pfrengen, zwengen reichen, wie in den buchstaben so dem sinne nach, aneinander. Die bedeutung von engen ist
1)
vorherschend transitiv, premere, coarctare, engen und drengen, engen und irren stehen gern gehäuft, in der folgenden ersten stelle auch engen und stechen, einigemal hat es genau den sinn des franz. gêner, unseres genieren: der sînen næhsten mit sînen worten enget und stichet. Grieshaber 1, 16; sichst du denn an die mitte, so sichstu dich unrainen, daʒ dich die werlt druckt und engt und da pei irret. gesta Rom. ed. Keller s. 139; das ir auf unser und des reichs strasze nicht angreifent noch die engent oder drengent in dhein weise. urk. von 1434 in Aschbach gesch. der gr. von Wertheim 2, 245; so er aber urlop nimpt, so wainen das hausgesind. aber er lat sich das nit engen, er get hinweg für und für. Keisersberg pilgrim. Augsb. 1498 bl. 5; ein jeder der in bestanden zins wonet, der sol zu seinem bestanden zil, darauf im ausziehen gepürt, fürderlich und rechter zeit nach dem gedingten zil sein haus oder gemach rawmen und ausziehen, darmit ein ander, der nach im kompt, seinthalben ungeengt und ungeirrt bleib. reformation der stadt Nürnberg 1484 fol. (ohne signatur, in der ausg. von 1522 findet sich die stelle bl. 153ᵇ); ich underlasz hie zuͦ sagen, wie sie so gar nicht an diser reis irrt noch engt weder ungewitter, kelt, hitz, luft. Frank weltb. 101ᵃ; damit ir vil auf disen heiligen stuͦl möchten kummen und einer nicht lang die enget oder irret. chronik 291ᵇ;
da enget das thal der fels herüber ragend.
Klopstock 1, 260;
durch zieren nicht geenget
schlägt freier unsre brust.
Göthe 1, 131;
denn alle kraft dringt vorwärts in die weite
dagegen engt und hemmt von jeder seite
der strom der welt.
13, 185;
Eduard hörte mit entzücken, dasz Ottilie noch schreibe. durch die finsternis ganz in sich selbst geengt sah er sie sitzen, schreiben, er glaubte zu ihr zu treten, sie zu sehen. 17, 128; Fritz soll kommen wann er gerne mag, der herzog hat ihn lieb, wünscht ihn je eher je lieber, will ihn aber nicht engen. an Aug. Stolberg 14;
o warum bin ich hier geengt, gebunden,
beschränkt mit dem unendlichen gefühl!
Schiller 672ᶜ;
denn uns enget den raum das gewühl der wechsler und krämer.
Bürger 92ᵃ;
jenen engt an der kehle der buntgezeichnete riemen.
Il. 3, 371;
Jupiter engte nunmehr der urwelt ewigen frühling,
sonderte winter und gluten und herbstliche ungewitter
vom kurzbluhenden lenz und schuf vier räume des jahres.
Voss Ovid nr. 2, 28;
es engt die angst den athem mir.
Arnim schaub. 1, 87;
was unter ihm im staube liegt,
engt nicht das freie blut.
Körners leier und schw. 60;
die neue würde engt ihn. Macbeth act 1. sc. 3.
2)
reflexiv, sich engen.
dasz mit beginnendem lenze die bahn um so viel dir sich enget.
Rückert 269.
3)
intransitiv, eng sein oder werden: die schuhe engen (drücken);
wenn er ein volk anfällt, so durchströmt er die funkelnden augen
erst mit blut, und beleckt sich voll gier die dürstenden lefzen
mit der gezuckten zunge, darauf umschlingt er es, engt stets
mehr in der grausen umwindung und saugt.
Klopstock 7, 25.
wie engts einem hier! wenn ich dieses land ein jahr unter meiner herschaft hätte, es sollte anders sein. Klingers th. 4, 243. s. beengen, einengen, verengen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1859), Bd. III (1862), Sp. 478, Z. 56.

engert

engert,
entstellt aus êgert (oben sp. 34 und vgl. eingart sp. 184): von den weingarten, die in ängerten verlegen seind (quae longo situ exoleverunt), ist aller alten meinung, das sie die aller unartigsten seind, so man sie wider besetzen will. Herrs Columella F 4ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1859), Bd. III (1862), Sp. 480, Z. 71.

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Zitationshilfe
„engert“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/engert>, abgerufen am 26.10.2021.

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