Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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enke, m.

enke, m.
famulus rusticus, ahd. encho, eincho (Graff 1, 346) Bootes, der den kleinen himmelwagen treibende knecht, sonst auch ohsinâri (vgl. Diefenbach 79ᶜ); mhd. enke, wie scencho auf scanchio zurückgehend auf anchio, dessen zusammenhang mit lat. ancus, anculus und ancilla einleuchtet. diese lat. wörter hat man sehr unsicher von anus abgeleitet, gleich bedenklich ist die verwandtschaft von enke mit enkel (s. dort) oder mit altn. eckill viduus, eckja vidua, dän. enke. mhd.
ir bûliute unde ir enken,
die hieʒ si vaste gâhen
vogele würgen und vâhen.
Parz. 119, 2.
Frisch 1, 228ᵃ erklärt servus junior et inferior, qui agit equos arantes, der mänjung; in dem zu ausgang des 15 jh. vom küchenmeister Engelmann abgefaszten, durch Michelsen 1853 heraus gegebenen Erfurter buch werden s. 18 die ländlichen diener in folgender ordnung aufgeführt: der fürer, der inknecht (gedr. steht der fürer der inknecht, wonach letzteres gen. pl. wäre), oberackermann, underackermann, oberenk, underenk, heimknecht, kuehirt, schweinhirt, kesemutter und viehemeid, woraus erhellt, dasz der enke unter den ackermann, doch über den heimknecht und hirten gestellt wurde, nach Schambach 56ᵇ ist enke der dem groszknecht untergeordnete jüngere kleinknecht; einer der ein markstein wissentlich ausgrebt, den selben sol man in die erden graben bis an den hals und sol dan vier pferde, die des ackerns nit gewont sint, an einen pflug spannen, der do neu sei, und sollen die pferde nit mer gezogen und der enk nit mer geern, noch der pflughabe nit mer den pflug gehalten haben und im als lang nach dem hals ern, bis er im den hals abgeern hat. weisth. 3, 590;
ein junger bawrenknecht sich wolt
vermieten umb ein gwissen sold,
zu einem reichen meier kam,
derselb in bald von stund annam,
denn er bedörft eins starken enken,
der sich liesz keine arbeit krenken.
Waldis Esop 4, 74 s. 297ᵇ;
denn ich will ihm noch schenken
drei meisen, lerch und specht,
ich habs von einem enken,
von einem ackerknecht.
Spee trutzn. 219 (201),
was merkwürdig zur stelle aus Parz. stimmt und zeigt, dasz von altersher junge müszige ackerknechte den vögeln nachstellten, die vögel haben immer mit pflügern zu schaffen, der fink füttert seine jungen auf dem pflugrad (weisth. 2, 180), die lerche liegt in der furche und teuscht das 'dem pfluoc' (d. i. dem pflüger) zu essen tragende kind (cod. kol. 118. 119), hierher gehört auch, dasz die bachstelze ackermännchen heiszt (1, 174), denn sie geht pflügenden nach und sucht in den furchen ihre nahrung; ein quark, den der enke von der mistfuhre fallen lassen. Weise lustr. 453; wie unsere bauermägde zuweilen, wenn sie vor der hochzeit mutter werden, zu sagen pflegen, der teufel habe sie geritten, da es doch Hans, der klein oder groszenke oder ein anderer guter kerl leibhaftig gewesen ist. ehe eines weibes s. 211; auszerdem hätte der herr noch einen enken. Möser patr. ph. 2, 96; er sollte die fruchtbarkeit eines jeden thales ebensogut wissen als der enke, der es bepflügt. Bodes Tr. Sh. 8, 63. das wort scheint sehr verbreitet, doch zumal in Mittel- und Niederdeutschland (brem. wb. 1, 308), wo auch Enke ein gewöhnlicher eigenname ist. in Schwaben und in der Schweiz begegnet man ihm nicht, dasz es aus Thüringen und Franken nach Baiern vordrang, liesze jene stelle Wolframs folgern, Schmeller 1, 84 hat aus der Oberpfalz enkenbraud, abendbrot, was doch nicht zum schweiz. ankenbraut (1, 379) gehören kann. auch den Deutschböhmen mag der ausdruck geläufig sein, denn Jungmann 3, 229 erklärt pohuͦnek durch pflugtreiber, mähner (mener), mähnjunge, kleinknecht, unterenke, kleinenke, beitreiber, ochsenjunge, rosbub, was, gleich jenem Erfurter buch, die abstufungen des ländlichen lebens erblicken läszt.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1859), Bd. III (1862), Sp. 483, Z. 63.

enke

enke,
perspicue, certe, profecto, accurate, eine über ganz Althessen, namentlich die Fulda und Edergegend ins Waldeckische hin, dann auch in oberhessische landstriche von Marburg, Gladenbach, Biedenkopf, Rabenau, Homburg an der Ohm, Alsfeld sich erstreckende betheuerung. bei Grünberg, Gieszen, Battenberg hört sie auf, wird auch auf dem Vogelsberg und in der Wetterau nicht weiter vernommen. man sagt: er weisz es enke, ich weisz es ganz enke, gar enke, bin dabei gewesen, es ist enke wahr, sicher wahr, die genaue wahrheit; er sieht nicht enke, hört nicht enke; ich habe es enke gesehen. es wäre beleidigung zu zweifeln, wenn jemand sein 'ich sags enke' ausgesprochen hat. in Niederhessen gegen Niedersachsen hin beginnt die vollere form enkede. bei diesem enke darf an Ickelsamers teutsche grammatica bl. C 2ᵇ der ältesten ausgabe erinnert werden: 'item die Franken und Schwaben haben ein unteutsch wort, damit sie etwas leugnen und nein wöllen sagen, das heiszt nänke, da sein das n und k nicht die rechte buͦchstaben und kan auch dieses wort mit den buͦchstaben unsers abeces nicht erreichet noch geschriben werden, sondern ein frembder und newer buͦchstab wird da an stat des k gehöret, aus der gurgel getruckt, wie die kranken ächzen oder kreisten und wirt das n auch nit recht, sonder mangelhaft gehört.' auch in seinem büchlein 'die rechte weis aufs kürzist lesen zu lernen' Marburg 1534 kommt er A 3ᵇ auf dieses nänke und nennt es wiederum undeutsch. das verneinende nenke steht dem betheuernden enke deutlich gegenüber, doch hört man in Hessen nur dieses, nicht jenes, wie umgedreht Ickelsamer neben nänke kein änke gekannt zu haben scheint. der ihm des wortes deutschheit verdächtigende nasallaut nk weist allerdings auf Schwaben, wo heutzutage keine dieser partikeln verzeichnet wird, doch vgl. man nenz, nünz, nunz bei Schmid s. 404. in Thüringen (Ickelsamer, gb. bei Rotenburg an der Tauber in Franken, studierte zu Wittenberg) hat sich keine spur entdecken wollen. von enke gleich mehr unter enkede, enken, enket.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1859), Bd. III (1862), Sp. 484, Z. 56.

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Zitationshilfe
„enke“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/enke>, abgerufen am 28.10.2021.

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