Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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enkede

enkede,
perspicue, certe, profecto, in Niederdeutschland, doch deuten die hernach anzuführenden formen des verbums enken und adj. enket auf hochdeutsche betheiligung, und die laute beider mundarten gehen hier zusammen. in Spangenbergs altem bruchstück von Susanna heiszt es 'gar enkete', ganz genau; enkede vornemen, genau vernehmen. Reineke 521; enkede sein, genau sehen. Arnold von Immesen 2054; love enkede, glaube sicher. 3892; nome wene du wilt, enkede bi sinen namen. richtsteig, Hom. 94, wo man die var. sehe;
mit watere he se drenkede
an allenthalven unde enkede.
Sassenchr. ed. Scheller 114,
er tränkte, überschwemmte sie mit wasser allenthalben und tüchtig; schedelike schichte der wi uns enkede vordechten. Lappenberg brem. geschichtsq. 55; dar stat die jare godes enkede inne. s. 63; dat it die biscop uppe deme slote to male enkede (deutlich) seen mochte. s. 70; dat mach men enkede bewisen. s. 117; also dat in deme veften boke unses stadesbokes enkede bescreven steit. s. 154. der teutonista hat enkede, ad punctum, stricte, cinctim, im westfälischen Slennerhinke liest man häufig enkede, wel enkede, profecto und in Niederhessen hört man wissen enkede, fürwar und enkede, enkede un wissen, daneben enken und enke. andere nd. mundarten ziehen enken vor (brem. wb. 1, 308. Schambach 56ᵇ), etwa wie naken für naked, nakend vorkommt, oder ist enken gekürzt aus enkende?, wie in Böhmers Kantzow s. 52 steht. auffallend die abwesenheit des worts im nl.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1859), Bd. III (1862), Sp. 485, Z. 11.

enket, enkede

enket, enkede,
conspicuus, certus. die bedeutung apparens ist gewährt durch Diefenbach 42ᵃ, der sie dem voc. ex quo latinosaxonicus entnahm; dann durch eine glosse zu Ssp. 3, 29, 1, wo es heiszt: als in de gravescap tu Mulinge und tume Billingishoge wol enkede is = sich zeigt. in folgenden stellen drückt es aus certus, accuratus: unde wêt des nên enket beschêt. Reineke 1533; eine enkede tit. Arnold von Immesen 3237; up eine enkede tit, binnen einer enkeden tit. Lübecker beichtbuch von 1485 in Gefkens beilagen 125; enkede teken. Detmar 2, 237; enkede warteken. 2, 240. dies enket steht nun, gleich unserm sicher und gewis, sehr häufig adverbial:
Reinke wuste enket up dat pas.
Reineke 1101;
dat ik enket vorstunt bi mi.
2198;
gi wetten enket der werlde stât.
4087;
also dat he nicht enket vornam.
4526;
ik love wol, gi wettent nicht enket: denket.
5299;
dit wêt ik vorware unde enket: denket.
5383;
dat wi dat aller enkedeste (aufs allergenauste) mit korten worden hebbet ghescreven. Lappenberg brem. quellen s. 55. Die bisherige ableitung von enket, enkede aus enkel, einzel (gramm. 3, 770) musz fallen. wie würde dazu der sinn von enken apparere, von enket apparens passen, wie sich die abwesenheit des l, das t, d an dessen stelle begreifen? und gesetzt, man wollte auf einz (sp. 348) zurückgehn, dem entel ênt unterlegen, warum entspränge dafür enk? die nl. mundart kennt enkel, einzel, doch kein enket, die nd. hat entel, einzel und daneben enket. freilich könnte die bedeutung sigillatim, singulatim der von accurate begegnen, nicht aber der von conspicue; wenn enkede daler, enkede gulden im sinne von entele vorkommt, so kann das spätere mischung sein oder zwischen beiden ausdrücken verschiedenheit eintreten, enkede daler sind speciesthaler, keine einzelne.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1859), Bd. III (1862), Sp. 487, Z. 42.

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Zitationshilfe
„enkede“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/enkede>, abgerufen am 22.10.2021.

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