Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

entbieten

entbieten,
imperare, mandare, ahd. inpiotan, mhd. enbieten, nnl. ontbieden.
1)
einem etwas melden, sagen lassen, zu wissen thun, zumal in der gruszformel: mhd.
hie enbiutet liep ein ander liep.
Parz. 55, 21;
dir enbiutet minne unde gruoʒ
mîn lîp.
76, 23;
iu inbiutet den dienest sîn,
rîcher kunic, meister Bendîn.
Reinh. 1873;
es sind bei inen zweene, durch dieselbigen kanst du mir entbieten, was du hören wirst. 2 Sam. 15, 36; der könig Alexander entbeut seinem bruder Jonathe seinen grusz. 1 Macc. 10, 18; der könig Demetrius entbeut seinem bruder Jonathe und dem jüdischen volk seinen grusz. 11, 30; 'hör hieher, wa kumstu von Koldingen? was entbüt uns dann der winter?' Ulenspiegel sprach 'der wil euch nit entbieten, er wil euch selber ansprechen'. Eulensp. hist. 16 s. 22; 'wilt dem von Bach nichts entbieten? diser geht hin den Schwelkendarm zu waschen'. Garg. 100ᵇ; und hat mir solchs Euphrates selbst entbotten. buch der liebe 217, 4; Hydaspes entbeut seiner lieben Persina alle freude, 'du solt wissen, dasz wir die Persen uberwunden haben'. 222, 3; dem allergütigsten könig entbeut Oroondates, des groszen königs oberster feldherr, sein unterthenigen dienst. 228, 1; damit Reinhart im entbieten möcht, wie es um Philomena stünde. 255, 2; ich wil, sobald ich immer in Portugal komme, euch entbieten, wie es umb mich stehe. 256, 1; doch sag ich nicht, dasz man unterwegen sol lassen, den leuten zucht und ehre zu entbieten. 291, 3;
wir lassen dem abt von St. Gallen entbieten,
Hans Bendix soll ihm nicht die schafe mehr hüten.
Bürger 67ᵇ;
der könig wollte mir
wahrscheinlich nicht durch sie entbieten lassen,
was sie mir sagen werden.
Schiller 281ᵇ;
was bringt er uns vom grafen Thurn? 'der graf entbietet dir,
er hab den schwedschen canzler aufgesucht'.
339ᵇ;
mit feinheit und verstellter lieb erschleichen,
was er in rührung mir schon halb entbot.
Tieck 3, 47;
dasz ich den jungen Ferdinand hier vermisse, der uns auch in der stadt seine dienste nicht entboten hat. ges. nov. 4, 356. wenn ein höherer und vorgesetzter entbietet heiszt das natürlich befehlen und gebieten: alles was du deinem knecht entboten hast, wil ich thun. 1 kön. 20, 9; und die eltesten theten wie inen Isabel entboten hatte. 21, 11; und entbot den klegern auch, das sie fur dir sagten, was sie wider in hetten. apostelg. 23, 30. das blosze entbieten wurde verschiedentlich auch in zuentbieten verstärkt: da entbotten wir in zuͦ (riefen wir ihnen fragend zu), von wannen sie schiften und wer sie weren? da antwort ir hauptmann, er wer ein mor. Frank weltb. 218ᵇ; dasz es gefärlich viel über land zu schreiben, maszen ihme neulich einer zuentbieten lassen, sobald er den herren ansichtig würde, solle er ihme seinen eigenen brief fressen müssen. Butschky kanzl. 63.
2)
einen entbieten, herbeirufen, zu sich befehlen: woselbst der markgraf eine ansehnliche schule gestiftet und dahin die fähigste ingenia entboten und aufgesuchet. Brandts ber. von Taubmann s. 18; churfürst Christianus und herzog Friedrich Wilhelm haben gar gerne Taubmann um sich gesehen und ihn oft nach Dresden entbieten lassen. s. 45;
dank,
dasz du, mein könig, mich zu dir entbotest.
Klopstock 9, 144;
er, der himmel und erde in ewigen kreisen herum rollt,
selber entbeut er mich her, dir den heiligen willen zu melden.
Bürger 248ᵃ;
wenn zum verhör dich der tyrann entbietet.
Gotter 2, 80;
bis sie (die todten) zu neuem leben einst erwarmen,
wann sie der morgenruf vor gott entboten.
Lenau neuere ged. 157;
so sammeln sich die schwalben auf den dächern,
enteilend ihren gastlichen gemächern,
wenn übers meer der süden sie entboten.
247.
3)
sich entbieten, sich anbieten, offerre se: hab ich ganz bescheiden nicht anders gesagt, denn ich wölle das weisen und war machen aus seinen worten und aus dem, das die notarien aufgeschrieben haben, entbot mich deshalb auf die herrn (berief mich auf ihr protocoll). Luther 1, 160ᵃ; darumb ich allen arzten rath, hüten euch vor den kranken, die sich herberg und der speis bei ihnen entbieten (die den ärzten herberge und kost anbieten). Paracelsus chir. schr. 627ᵃ;
als Aster, den man dort den besten schützen hiesz,
sich diesem könige zum dienst entbieten liesz.
Hagedorn 2, 59;
sich ihm zur führerin zu entbieten. Herder 15, 14.
4)
zuweilen steht auch entbieten, ohne beigefügten casus, für anbieten oder erbieten:
ich nahte mich ihm mit entzücken, dankte,
erhob, entbot, beschwor, nur einmal noch
die fromme kreatur zu sehen, die
nicht ruhen könne, bis sie ihren dank
zu seinen füszen ausgeweinet.
Lessing 2, 196.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1859), Bd. III (1862), Sp. 494, Z. 56.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
elsebeerbaum entgegennäseln
Zitationshilfe
„entbieten“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/entbieten>, abgerufen am 21.10.2021.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)