Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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entdecken

entdecken,
detegere, ahd. intdecchan, mhd. entecken, nnl. ontdekken.
1)
den leib oder leibestheile entblöszen, aufdecken, vgl. aufentdecken: was die natur verdeckt an allen orten, das sol der mensch auch also sich halten mit vernunft und solliche ding nit zuͦ endecken. Keisersberg Marie himelfart 11ᵃ; so vil ein mensch armuͦtseliger ist leibshalb, so vil er mer die selbige armuͦtseligkeit entdeckt und zeigt und die lüt dardurch bewegt. s. d. m. 14ᵃ; entblösze den fusz, entdecke den schenkel, wate durchs wasser. Es. 47, 2;
das houbt das duͦt man bald entdecken.
Brant 110ᵇ, 97;
in iren rathsröcken angethon, mit entdeckten heuptern. Felix Plater 190; item, dasz er (der fisch) ein sonder grosze begird tregt nach den bloszen entdeckten weiszen theilen des menschen. Forer 80ᵃ; es solle auch ein jede ehrliche warterin oder die müttern selbs ein fleiszige achtung geben auf die kinder, dasz man sie nicht entdecke oder entblösze. Würtz 469; der oberster mit entdecktem häupt wündschet den landsknechten einen guten tag oder morgen. Kirchhof mil. disc. 63; sprechen sie mit entdecktem haupt ein vatterunser. 203; mit entdecktem bloszen heupt. Reutter 49; vor dem namen seines heilands sich neigen und entdecken. Fischart ehz. 408;
rohr, säge, flamm, zuschlitzte wangen,
entdeckte lung, entblöszte herzen,
das war was Abas aug erquickte.
Gryphius 1, 133;
die warheit wird entdeckt und stehet nackt und blosz
viel heller als ein glas.
Tscherning 99;
Bojocal führe den beweis wider sich unter seinem helm, nemlich seine verstümmelten ohren, die möchte er nur entdecken. Lohenst. Arm. 2, 1547; bald entdeckete sie das antlitz nur halb. Philander 1, 90;
hierunter (die verschwundnen tugenden) zehlt sich auch die offenherzigkeit,
die nirgends sicher ist als wo man sie verstecket.
euch mägdgen nehm ich aus, indem ihr noch zur zeit,
versteht mich aber recht, ihr brustbild oft entdecket.
Günther 528.
2)
am morgen ehe dann die sonn aufgeht, so entdeck das geschirr und ker es wider um. Herr feldbau 14ᵇ; an etlichen orten wurden die strouwtächer entdeckt, und dasselbig verlägen strauw dem vich zur narung fürgelegt. Stumpf 2, 418ᵃ; folgends ward der tisch entdeckt (abgedeckt) und ein tapet aufgelegt. Garg. 163ᵇ; hierauf wurde der tisch entdecket und ein abendgebet gehalten. Ettners unw. doct. 483; über dem entdeckten tischblat. Lohenst. Arm. 585;
das schwert das ich anjetzt mit dieser hand entdecke.
Gryphius 1, 88;
den schild entdecket er und gläubet gar gewis,
dasz sie durch diesen schein zu boden fallen müsz.
Werders Ar. 4, 21;
so lange Lucifer entdeckt das klare licht.
Opitz 2, 287;
das meer
bedecket allen luft, entdecket den abgrund.
Weckherlin 63;
entdeckend kluft auf kluft.
248;
die erd ist sauber und beleckt
durch den gewünschten schein der sonnen,
ist ihres winterfells entdeckt
und wird vom himmel liebgewonnen.
S. Dach bei Albert 2, 11;
die schildkröte antwortet dem frosch, der sie von ihrer schale last befreien will:
du thor,
ehe mich entdeckst, so deck dich vor.
Fischart ehz. 46.
3)
da deine bosheit noch nicht entdeckt war. Ez. 16, 57; es ist aber alles blosz und entdeckt fur seinen augen. Hebr. 4, 13;
zu endecken
sein meinung, gemuet und sinn.
Teuerd. 114, 27;
bis der fall den schein entdeckt.
Günther 7;
gott, dessen name schon die fülle
vollkommner herlichkeit entdeckt.
9;
traust dem kiele,
womit die redlichkeit des herzens grund entdeckt.
575;
und stets ein gegentheil des andern kraft entdeckt.
740;
so werft den glaubensblick auf die entdeckte gruft,
seht, welch ein schöner strahl aus asch und moder schimmert.
Chr. Gryphius poet. wäld. 2, 187;
ach wüsten sie, wo ich gewesen bin,
ich will es ihnen wol entdecken.
Gellert 1, 160;
mein glück ist erst ein glück, wenn dein mund mirs entdeckt.
Rost schäferged. 5;
für uns hat die natur oft eine kunst verstecket,
und schlechten thieren nur entdecket.
der zeisig baut sein nest und flicht stets einen stein,
den er nur finden kann, in reis und moos mit ein,
dies hat ihn die natur gelehret,
damit man seine brut nicht findet und nicht störet.
Rost schäfererz. 35;
woll oder wolle nicht! er ist entdeckt,
der tolerante schwätzer ist entdeckt.
Lessing 2, 312;
ich bin entdeckt, ich bin durchschaut.   wie kam
der unglückselige auf meine spuren!
Schiller 432ᵇ;
die schändlichste verschwörung ist entdeckt.
433ᵇ;
bis die freude sie entdecket,
bis sich brust mit brust vereint.
54ᵇ.
4)
wer entdecken will, siehet sich gar genau um in dem gewimmel der dinge, so um ihn her sind, und siehet er darin etwas, das sonst noch niemand hatte gesehen, so hat er entdeckt. wer erfindet, setzt vorhandnes auf neue art und weise zusammen. Klopstock 12, 116; etwas erfinden ist ganz was andres als etwas entdecken. denn die sache, die man entdeckt, wird als vorher schon existierend angenommen, nur dasz sie nicht bekannt war, z. b. Amerika vor dem Columbus. was man aber erfindet, z. b. das schieszpulver war vor dem künstler, der es machte, noch gar nicht bekannt. Kant 10, 241; das geständnis seiner gedanken entdecken (ablegen). 2, 563.
5)
entdecken, excoriare, die haut abdecken. s. entdecker.
6)
sich entdecken:
alsbald die haube deckt das haupt, entdecken sich die sinnen,
die nicht, wie wann sie jungfern sind, die weiber bergen künnen.
Logau 3, 158, 19;
betrübtes wochenbett,
eh sich das kind entdeckt, ist schon der vater todt.
Chr. Gryphius 2, 240;
er meldete ihr also, auf was weise er von Delfi entflohen, wie er mit einem angesehenen Athener bekannt geworden, und wie sich entdeckt habe, dasz dieser Athener sein vater sei. Wieland 1, 48; bis er selbst für gut finden würde sich deutlicher zu entdecken. 2, 15;
zuletzt entdeckt des jünglings bangen augen
sich eine felsenkluft.
23, 28;
ein knie, das sich im wirbeltanz,
wie marmor weisz, der lüsternheit entdeckte.
Gotter 1, 258;
entdecket sich einst das physische bildungsgesetz der urgebirge unserer erde. Herder 3, 46; die begriffe, die man nur so bei gelegenheit findet, entdecken sich in keiner ordnung und systematischen einheit. Kant 2, 101.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1859), Bd. III (1862), Sp. 506, Z. 57.

entdenken

entdenken,
1)
sich bedenken: sie sollen sich dan entdenken, ob der müller also gethan habe, als es sich gebüret und der scheffen das weiset. weisth. 2, 583.
2)
sich wegdenken, entfernen:
entdenke dich einmal den allzu groben sinnen.
Withofs gedichte 1, 274.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1859), Bd. III (1862), Sp. 508, Z. 48.

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Zitationshilfe
„entdenken“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/entdenken>, abgerufen am 18.10.2021.

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