Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

entfreien

entfreien,
liberare, befreien, entledigen, ein ehdem übliches, jetzt abgekommnes wort. Stieler 560.
1)
transitiv, einen seines gelübdes entfreien: soll Johann Soye etlicher nothsache halben seiner gelöbnis entfreit (ledig) sein. urk. von 1544 im archiv für die gesch. Liv- Esth- und Curlands. band 6. Reval 1851 s. 182; noch andere beispiele aus dem rechtsgebrauch sammelt Haltaus 322;
dein heulen, weinen und schreien
kan dich von uns nicht entfreien,
gott der ist dir feind und auch gram.
Strickers schlemmer 1584. k 8ᵃ;
rett mich von liebeszwang,
entfreiet mich der sorgen.
Val. Hausmann canzonette Hor. Vecchii. Nürnb. 1610;
mich zu entfreien und ein weib,
ja vil mehr ihren leib zu freien.
Weckherlin 490;
je freier ihre haar, je mehr sie mich entfreien.
214;
ein frischer, guter suf entfreiet mich der sorgen.
Elias Major;
was soll man anders thun an einem lieben tage,
als dasz man ganz entfreit von aller noth und klage
von herzen frölich sei.
Fleming 37;
der dienst der falschen ledigkeit
hat meiner freiheit mich entfreit.
523;
ich werd entfreit durch Anemonens herze
von aller noth.
539;
ein milder augenblick entfreit euch aller noth.
613;
seid mir gnädig nur gewogen,
dasz ich euch mach jetzt so reich
und entfreiet der todesseuch.
Reineke 1650 s. 182;
das land von krieg und streiten zu entfreien.
Chr. Knittel s. 150;
worzu dienets vor dem die flucht zu nehmen, welchen wir doch nicht ümgehen oder uns dessen entfreien können? Butschky kanzl. 894; das gott euch von aller dieser sorge entfreiet und entlediget. 883.
2)
refl. sich frei machen: hierdurch hat sich Suentipolk von aller ansprache der Polen entfreiet. Micrälius 2, 277;
als der, der sich entfreit von angst und ketten hält.
Gryphius 1, 51.
3)
das mnl. ontvrien bedeutete privare, berauben:
aldus souden sien ontvrien,
al slants en der voghedien.
Stoke 2, 1395.
das nnl. ontvrijen drückt aber aus einem die braut abfreien.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1859), Bd. III (1862), Sp. 521, Z. 77.

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Zitationshilfe
„entfreien“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/entfreien>, abgerufen am 21.10.2021.

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