Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

entfremden

entfremden,
abalienare, mhd. enfremeden, nnl. ontvreemden.
1)
trans. fremd machen, berauben, nehmen, entledigen: und viel hin die unselig muter zu der erden, ward irer sinne empfrendet (so) und lage sam wer sie tod. Albr. von Eybe 49ᵇ; do er aber den adler nun ansahe, bat er in das er im seinen knecht nicht enpfremdete. Steinhöwel Esop (1487) 65ᵇ; bedenken ward, wie er dem herzogen die schöne fraw auch nemmen und entfrembden möcht. Bocc. 1, 92ᵇ; und sind entfrembdet von dem leben, das aus gott ist (goth. framaþjai libainais guþs). Eph. 4, 18; das wir gottes namen heiligen, ihm seine ehre, güter und alle ding von uns entfrembdet widergeben. Luther 1, 72ᵇ; güter so nicht entfrembdet sollen werden, res non alienandae. Frischlin nomencl. 433; und solte einmal eine seiten specks entfrembdet und unter seinem mantel heimgetragen haben. Kirchhof wendunm. 231ᵇ; dasz der gefangene kurz dafür seinem fähnrich hette heimlicher, diebischer weis das fähnlein entfremden, entragen und vielleicht den feinden zubringen wöllen. mil. disc. 261;
da soll wir dem nechsten sein gut
nicht entpfrembden oder abliegen.
H. Sachs I, 15ᵃ;
der welcher seinen gaist, herz, hand
von bosheit, von betrug, von schand
entfrembdet, reiniget, gefreiet.
Weckherlin 103;
neben dem befand sich auch ein vornehmer reicher Schweizer im bad, dem wurde nicht nur sein geld, sondern auch seines weibes geschmuck, der in gold, silber, perlen und edelgesteinen bestunde, entfremdet. Simpl. K. 704; die betäubung, worin unsre seele von sich selbst entfremdet liegen bleibt. Wieland 2, 140; seiner gattin beraubt, der lieblichen gegenwart des knaben entfremdet. Göthe 21, 129;
entfremdet war dir mein gemüt, o treflicher.
40, 401;
so ists, die diener tragen alle schuld,
die unser herz in bitterm hasz entfremdet.
Schiller 493ᵇ;
vor zeiten da die hunde noch
entfremdet von des menschen joch
nomadisch in den wäldern hausten.
Pfeffel.
er ist seiner familie entfremdet, fremd geworden; das entfremdet mich, kommt mir fremd vor, befremdet mich, gegensatz von anheimeln. Stalder 1, 397.
2)
sich entfremden, Haltaus 322;
mein son empfrembt sich aus dem haus.
Schmelzl verl. sohn 6ᵇ;
auch Ottilie entfremdete sich einigermaszen von Charlotten und dem hauptmann. Göthe 17, 145; dasz es euch beiden passender ist, wenn ihr euch mehr entfremdet. Tieck 3, 31.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1859), Bd. III (1862), Sp. 522, Z. 43.

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Zitationshilfe
„entfremden“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/entfremden>, abgerufen am 26.10.2021.

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