Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

entgästen

entgästen,
deformare, dehonestare, entgstalten, entstellen. Frisius 378ᵇ, Maaler 104ᵃ und Denzler 93ᵇ schreiben entgesten, das wort lebt noch heute in der Schweiz: dieser fleck entgästet die ganze schrift, schändet, verunstaltet, verunreinigt sie. Stalder 1, 426; damit nit die ungstalt miner ordenskutten den küniglichen hof und fürstlichen stand entgeste und unzierlich mache. Tschudi 1, 123. man darf es nicht mit Frisch 1, 346ᵃ aus dem lat. gestus, nur aus unserm gast herleiten. das mhd. engesten bedeutete nun discingere, dem gast sein reisegewand abnehmen und bequemes hauskleid darbieten (vgl. z. b. Iw. 326. Parz. 23, 1. GA. 2, 439); die sitte herschte so allgemein, dasz engesten überhaupt entkleiden ausdrückte (mhd. wb. 1, 487) und endlich den übeln sinn von berauben, entehren und verunstalten annahm. bei Stalder ist es auch betrüben, unfreundlich machen, grob behandeln, ganz das gegentheil von dem, was ursprünglich darin lag. in folgender stelle eines fränkischen weisthums von 1380 (3, 521) blickt die alte bedeutung durch: so mag ein herr zu Rineck ein steuer und bette an in heischen und die sal er glimpflichen von in nemen, das kein friman sein bette, sein pflug dorfe entgesten, d. i. seinem bette, seinem pflug etwas abziehen, entziehen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1859), Bd. III (1862), Sp. 525, Z. 75.

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Zitationshilfe
„entgästen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/entg%C3%A4sten>, abgerufen am 22.10.2021.

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