Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

entgöttern

entgöttern,
spoliare divina dignitate:
durch diese wirst du nun, elender tropf, entgöttert,
und wie ein schnoder stumpf zerspalten und zerschmettert.
Chr. Gryphius 1, 90;
wir wünschten aus wahrer wolmeinenheit gegen das beste der menschheit nichts weniger, als dasz es jemals einem Sokrates gelingen möchte, den Amor völlig zu entgöttern, ihn seiner schwingen zu berauben und aus der liebe eine blosze regelmäszige stillung eines physischen bedürfnisses zu machen. Wieland 2, 205;
entgöttert schleicht im hain, am rosenbach,
der musengott den schaferinnen nach.
5, 187;
ich bin dein sohn, du wolltest ja
dich mir zu lieb entgöttern.
Blumauers Aeneis 1, 155;
fühllos selbst für ihres künstlers ehre
dient sie knechtisch dem gesetz der schwere,
die entgotterte natur.
Schiller 22ᵇ;
doch so lang es (das herz) pocht, soll ringen
nach dem höchsten jeder schlag.
meinen heilgen kranz entblättern,
meine göttin mir entgöttern,
welche macht die das vermag?
A. W. Schlegel im musenalm. 1796 s. 117;
der himmel ist öde,
ein blauer kirchhof, entgöttert und stumm.
Heine romanzero s. 125.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1859), Bd. III (1862), Sp. 546, Z. 34.

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Zitationshilfe
„entgöttern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/entg%C3%B6ttern>, abgerufen am 19.10.2021.

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