Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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enthaben

enthaben,
wie enthalten,
1)
sustentare, erhalten, unterhalten: aber in demselben tag gib im den lon seiner arbeit vor dem undergang der sunnen, wann er ist arm und von dem lon enthabt er sein sel. 5 Mos. 24, 15 nach der bibel von 1483, 95ᵃ (vulg. quia pauper est, et ex eo sustentat animam suam, bei Luther denn er ist dürftig und erhält seine seele damit).
2)
sich enthaben, abstinere: lâ dich genuegen, Margareta, daʒ du mir getân hâst, enthabe dich von mir! Diemers beitr. 1, 126; o muͦter, eʒ ist mir ein grôʒew pên, daʒ ich mich sô lange zeit sol enthaben von dem priester. gesta Rom. K. 116. beide stellen sind noch aus dem 14 jh., später zog man vor sich enthalten. vgl. Schmeller 2, 135.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1859), Bd. III (1862), Sp. 548, Z. 1.

entheben

entheben,
tollere, goth. andhafjan, ahd. intheffan, nnl. ontheffen.
1)
die goth. bedeutung von antworten, das wort nehmen oder erheben begegnet in den übrigen dialecten nicht.
2)
entheben mit dem acc. der sache ist wegnehmen, aufheben:
mein leben beinah ganz vergraben
hast aus des dots gruben enthaben.
Melissus ps. L 8ᵇ;
wenn wir unsre herden scheren
und entheben ihre woll.
Spee trutzn. 310 (282).
3)
entheben mit acc. der person, gen. der sache drückt aus entledigen, erledigen, überheben: damit die armen übriger last und beschwerung enthoben bleiben. Haltaus 327, wo noch mehr stellen; euch nit lang aufzuhalten und gegenwertiger unruh und aller ausred zu entheben. Garg. 217ᵇ; solcher unerträglichen last ihn zu entheben flehenlich gebeten. Erpach gegen Löwenstein 21;
also wer in dem büchlein hie
nicht weisz was er thu, was er flieh,
derselb des büchleins sich entheb.
Amadis s. 450;
die dichter würden dadurch des nachtheiligen und nicht immer vermeidlichen zwanges enthoben, sich einer menge von schicklichen wörtern und redensarten nur darum nicht bedienen zu können, weil sie nicht in die gewöhnlichen jamben passen. Wieland 4, xiii; nun ist dein vater aller sorge enthoben. Tieck 14, 297; die uns auf immer aller noth enthöbe. ges. nov. 10, 149;
er will mich gern entheben jeder schuld.
Platen 189;
er wurde seines amtes enthoben, entsetzt.
4)
statt des gen. dienen auch praepositionen: und wenn es schon dahin käme, dasz man ihn zu dem galgen führe und er schon den strick am halse habe, wolle er ihn dennocht wol vor allem leid entheben. Galmy 239.
5)
acc. der sache und dat. der person, oder acc. der person, dat. der sache:
als er solches geredet, enthub er die ehrene lanz ihm.
Od. 16, 40;
drinnen enthüb uns fröhlich gepäck und stäbe der gastfreund.
Voss 3, 139;
und huscht geschloszner augenlieder
hin, her des daches steilsten bug,
als hielte geistiges gefieder
enthoben ihn dem erdenzug.
Lenau n. ged. 236 (der nachtwandler).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1859), Bd. III (1862), Sp. 556, Z. 31.

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Zitationshilfe
„enthaben“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/enthaben>, abgerufen am 19.10.2021.

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