Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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entladen

entladen,
exonerare, gegensatz von beladen, ahd. inthladan, intladan (Graff 4, 1114), mhd. entladen (wb. 1, 926ᵃ), nnl. ontladen.
1)
ohne ausdruck der sache: entladete (für entluot) den helfant. Wigal. 291, 37; der dichter (autor) dis buchs entladet und entledigt sich vor dir, du allerheiligeste christenheit. verdeutschung von Gersons praecepta decalogi. Straszb. (1510) 7ᵃ (Gefken beilagen 36); also entluden sie die seumer. Aimon f 5ᵇ; also lieszen sie ire seumer entladen. ebenda; da gebot Reinhart das schif zu entladen. C 4ᵇ; denn nur itzt erklärte mir der kriegszahlmeister, dasz der könig alles niedergeschlagen habe, was wider mich urgieret worden, und dasz ich mein schriftlich gegebnes ehrenwort, nicht eher von hier zu gehen, als bis man mich völlig entladen habe, wieder zurücknehmen könne. Lessing 1, 579; entladet eure gewehre!;
göttin des dichtergesangs und der edleren rede der menschen,
die du mit wolthat begannst, als menschenleben erwachten —
endlich mit milde den greis,   wie der strahl der herbstlichen sonne
die entladene rebe, noch hegst und pflegst und erwärmest.
Bürger 92ᵇ;
wer dir vorangieng auf den pfaden,
nicht seine schuld wird dich entladen.
Rückert 397;
erst als er weg war, faszte die mutter, die ihre liebe [wie eine elektrisiermaschine] zu entladen suchte, Victors hand zärtlich an. J. P. Hesp. 1, 110.
2)
mit dem gen. der sache oder person: seines gebrestens entladen werden. Keisersberg post. 3, 107; der sorg entladen, curam adimere. Maaler 104ᶜ; het auch all sein vermögen gern dargestreckt, das er des entladen wer gewest. Aimon o 2ᵃ; dise seind aller ding frei, aller arbeit entladen, dienen niemand als underworfen. Frank weltb. 193ᵇ; einer nit geringen bürden entladen. Kirchhof mil. disc. 265; da er hort seinen gesellen seiner krankheit entladen. Galmy 41; aller furcht entladen. Melissus N 2ᵃ. T 1ᵃ; bis getrost, denn du in kürze aller sorgen entladen wirst. buch der liebe 236, 2; die ritter funden die Philomena ganz frölich und aller ihrer angenommenen krankheit entladen. 241, 4; ach dasz ich nicht in Frankreich blieben bin, so wer ich doch solcher groszen und schweren sorg entladen. 246, 4; gedachte, wie er in seiner kinder eins theils wolte entladen. 262, 4; so were sie der ding entladen gewesen. 291, 4;
barmherzigklich der straf entladen.
H. Sachs III. 1, 90ᵈ;
dardurch er wird vil ungemachs
entladen, so spricht Hans Sachs.
IV. 3, 93ᵇ;
die richter haben sich gesetzt:
'wer den andern hat verletzt,
lang dem andern das detzlin
und bring ihm drei gesetzlin,
uns auch auf den schaden
zwölf masz wein und zwölf fladen,
so seit ir aller ansprüch entladen'.
Garg. 94ᵇ;
ich liebe gott, was kan mir schaden?
mein herr regiert die ganze welt,
der kan mich aller last entladen,
die meinen geist gefangen hält.
Weise reife ged. 159;
herr doctor kommt, beseht den schaden,
könnt ihr der schmerzen mich entladen?
Hagedorn 2, 22;
eil, wie gottverlobte pflegen,
glaubensvoll dem herrn entgegen!
dasz er dich der sünd entlade,
gibt er heute gnad um gnade.
Klopstock 7, 218;
dich der sünde zu entladen,
gab er seines mahles gnaden.
7, 296;
das das sollte mein herz des heftigsten kummers entladen.
Bürger 234ᵇ;
sohn, dir geziemt der sorge das trauernde herz zu entladen,
nate, licet tristis animo deponere curas.
Virg. Georg. 4, 531;
die bäume stehn der frucht entladen
und gelbes laub verweht ins thal.
Voss 5, 7;
des kammerjunkerjochs komm ich sie zu entladen.
Gotter 1, 192;
man sprach endlich laut von der nothwendigkeit, den alten könig einer bürde, welche jüngere schultern erfordre, zu entladen. Wieland 7, 35.
3)
den gen. vertritt die praep. von: mhd.
in swëlher wîse sô si was
von ime entladen und beladen.
Trist. 35, 23;
daʒ rîche wol entladen
beide von unrehte und von schaden.
MS. 2, 131ᵇ.
nhd. du solt wissen, dasz ich mit einem schweren gedanken beladen bin, davon mich niemandts denn du oder der tod entladen magst. buch der liebe 240, 4;
der uns entledest von unsern abgesagten feinden.
Melissus T 1ᵃ;
reines gewand gab ihm der herr, und entlud ihn,
sünde, von dir.
Messias 20, 78;
wend ihrer krankheit bangen schmerz,
von ihm entladen ruh ihr herz!
Klopstock 7, 115;
liebe, scherze von verdrusz entladen.
Gotter 1, 84
lies Oberon, der bald von tiefem spleen entladen,
bald in die tiefste schwermuth wiegen kann.
1, 246;
von einem frevler doch will ich die welt entladen.
2, 123;
ach könnt ich doch auf berges höhn
in deinem lieben lichte gehn,
von allem wissensqualm entladen
in deinem thau gesund mich baden!
Göthe 12, 30;
die tugend von allem reichthum ihrer aus der beobachtung der pflicht zu machenden beute entladen. Kant 5, 380.
4)
reflexivisch
a)
ohne casus: ein gewitter hat sich gerade über der stadt entladen; sein (angesammelter) zorn entlud sich über den unschuldigen; mit einem kopfschütteln höherer art, das sich in gute betrachtungen würde entladen haben. Lichtenberg 3, 41; wie bei der geburt eines erstgebornen reichserben haben hundert schlünde sich dreihundertmal zu deinem preise entladen, die champagnerpröpfe flogen wie schlagröhren gegen die decke. Göthe an Zelter 404; die pistole entlud sich von selbst.
b)
mit genitiv: don Eugenio war darüber so erfreut, dasz er den augenblick kaum erwarten konnte, sich seines geheimnisses in ihren schwesterlichen busen zu entladen. Wieland 12, 55; uns dieser überlästigen mitbürger ungesäumt zu entladen. 20, 255;
(das sich) der bund des adels, der ihm furchtbar war,
in diesem fremden kriegerzug entladet.
Schiller 667ᵃ;
wo der delphin sich sein entladen,
der ihn gerettet uferwärts,
da wird dereinst an felsgestaden
das wunder aufgestellt in erz.
A. W. Schlegels Arion;
und sich der elenden englischen reimkunst entladen. Herder 18, 166; sich der furcht entladen. Gotter 3, 483; ich musz einen anlauf nehmen um mich der schuld gegen sie zu entladen. Göthe an Zelter 32; sich eines auftrags entladen. Klinger 10, 48; dasz man das gesetz der continuität annehmen müsse, wenn man sich nicht des gemeinen begrifs von der bewegung entladen will. Kant 8, 435.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1859), Bd. III (1862), Sp. 563, Z. 15.

entlieden

entlieden,
s. entglieden.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1859), Bd. III (1862), Sp. 572, Z. 36.

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Zitationshilfe
„entladen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/entladen>, abgerufen am 22.10.2021.

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