Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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entlassen

entlassen,
dimittere, remittere, ahd. intlâʒan (Graff 2, 305), mhd. entlân, nnl. ontlaten.
1)
die gemeine, versamlung, das heer entlassen, auseinander gehen lassen.
2)
der fürst entliesz den minister für heute; die dame entliesz ihre zofe; er entliesz uns zu bette. Göthe 31, 240; er wurde diesmal mit einem ernsten verweis entlassen;
wenn ich den spott verdiente
mit dem mich Saladin entliesz.
Lessing 2, 334;
mich euren boten wies man an die räthe
und die entlieszen uns mit leerem trost.
Schiller 530ᵇ;
doch jetzo bitt ich hoch und höchst,
für diesesmal mich zu entlassen.
Göthe 12, 74.
3)
aus dem dienst entlassen: der könig hat seine minister entlassen; er entliesz seinen kammerdiener.
4)
mit dem gen. der sache:
entlaszt mich immer meiner ahnenprobe,
ich will euch eurer wiederum entlassen.
Lessing 2, 288;
doch ich entlasse mich der mühe, meine zerstreuten anmerkungen zu sammeln. 6, 489; ich entlasse dich deines dienstes; so können wir die Lykurge und Solonen ihres amtes entlassen. Wieland 3, 349; ich entlasse sie aller pflicht für mein glück zu sorgen. 11, 126; wenn sie nicht selbst dieses versprechens mich entlassen. Schiller 316ᵇ;
und meldet meiner treuen stadt,
des eides gegen mich entlass ich sie.
455ᵇ;
Viglius wurde der präsidentenstelle im geheimen rathe zwar entlassen. 813ᵇ; er erklärte sich zugleich aller seiner versprechungen quitt und aller verträge entlassen. 858ᵃ; ich entlasse euch alles danks. Klinger 3, 98; einen des danks und lohns entlassen. 7, 255.
5)
mit dat. der sache statt der praep. aus hat etwas befremdliches: die gefangnen dem kerker entlassen; so entliesz ihn gott dem paradiese, seinem glücklichen thiergarten. Herder;
aber er selber entliesz nun wieder Aineien dem reichen
tempel.
Bürger 227ᵃ, nach Il. 5, 512, wo Voss besser:
auch den Äneias entsandt aus dem heiligthume des tempels.
6)
etwas entlassen: mhd. den gürtel entlân, weiter auflassen:
wëlt ir niht sitzen als ein gouch
so enlâʒet den gürtel umb den bûch.
Haupt 7, 174. vgl. 6, 492;
nhd. die senne entlassen, losdrücken;
wer hat also frech und stolz
die beschlossen senn entlossen
und entricht so scharfen bolz?
Spee 299 (271),
wo dem reim zu gefallen entlossen für entlassen;
aus dem samen entwickelt sie sich, sobald ihn der erde
stille befruchtender schosz hold in das leben entlaszt.
Göthe 1, 326;
um die achse gedrängt entscheidet der bergende kelch sich,
der zur höchsten gestalt farbige kronen entläszt.
1, 327;
die brust saugt die luft ein und entläszt sie wieder. Bettine tageb. 66; und bestrich damit, wie mit einer kanone, die nase seines gegners, worauf diese ein blut, wie der heilige Januar, entliesz. J. P. Hesp. 2, 56.
7)
eine merkwürdige intransitivbedeutung gilt in der Schweiz: entlassen, ubera demittere, so dem kuͦväch (kuhvieh) das uter grosz wirt, dabei man abnimpt, das es bald kalberen wil. Maaler 104ᶜ, d. i. herablassen, wo sich leicht 'das euter' hinzudenken läszt. Stalder 2, 158: wenn das euter einer kuh, welches bis auf einige zeit vor dem kalben immer kleiner geworden oder sich in den leib zurückgezogen hat, wieder zu wachsen oder sich hervorzulassen anfängt.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1859), Bd. III (1862), Sp. 565, Z. 76.

entlasz, m.

entlasz, m.
dimissio, vgl. antlasz remissio:
und freundlich gibt ihm beim entlasz
die seneschallin zu verstehen.
Wieland.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1859), Bd. III (1862), Sp. 567, Z. 29.

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Zitationshilfe
„entlassen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/entlassen>, abgerufen am 21.10.2021.

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