entlehnen
Fundstelle: Lfg. 3 (1859), Bd. III (1862), Sp. 570, Z. 34
mutuari, borgen, ahd. intlêhanôn (Graff 2, 124), mhd. entlêhenen und gekürzt entlêhen (wb. 1, 997ᵃ), nnl. ontleenen. mhd. swër borget oder entlêhent, der sol daʒ gëlten. Schwabensp. Wackern. 11. auch nhd. zeigen ältere schriftsteller noch oft die gekürzte wortgestalt:
leich nicht gern, du sechst dan wem,
entlehen ungever vil von dem,
wan wer sich leihens trosten wil,
der jo verdirbt mit schanden vil.
ring 32ᵇ, 23;
kein piszedler (s. 2, 50) tet nie kein gut,
ich main, die iren adel schmehen
mit epruch, spil und gelt entlehen,
und zalen ein auf der grüen wiesen.
fastn. 381, 9;
entlehest vil auf borg und bitt.
H. Sachs I, 228ᶜ;
doch dringt bald das volle entlehenen, entlehnen wieder durch, nur sollte das hier wesentliche h nicht ausfallen, Maaler 104ᵈ schreibt aber: gält auf wuͦcher entlenen, ich find nienen kein gält zuͦ entlenen, argentum nusquam invenio mutuum; geschirr entlenen allein zuͦ besähen, rogare inspicienda vasa; ein entleneter gewalt, imperium precarium; am nachgenden tag entlenten (es steht entlonten) wir ein ros. Plater 72. Luther und die übrigen behalten das h: wenn jemand von seinem nehesten entlehnet und wird beschedigt oder stirbt, das sein herr nicht dabei ist, so sol ers bezalen. 2 Mos. 22, 14; und da einer holz fellet, fiel das eisen ins wasser und er schrei und sprach 'awe mein herr, dazu ists entlehnet'. 2 kön. 6, 4; laszt uns geld entlehnen auf zinse. Neh. 5, 4; dein vatter hat vor zeiten die sum gelts entlehnet. Brant bei Steinhöwel 145ᵇ; er wirt, saget Amadis, auf sein pferd entlehnen. Amadis 361; derhalben wolt er sie diebisch entlehnen. Garg. 150ᵃ; in derselben zeit die drei brüder ihrer alten gewonheit nicht abgiengen, on unterlasz entlehneten wo sie mochten. in demselben sie den glauben verloren und die inen geliehen hetten, an inen zweifelten. Bocc. 1, 49ᵇ; wer sein gesind will gehorsam haben, der entlehn kein geld von ihnen. Lehmann 122; dasz ich meine satteldecke so lange zum pfande für entlehneten unterhalt habe müssen stehen lassen. pers. rosenth. 1, 17; alles unser vermögen kömmt von gott, unsere kräfte sein nur entlehnt. Butschky Patm. 58; von jemand eine summe geldes entlehnen. 405;
ich will von der vernunft geduld und trost entlehnen.
Cronegk;
gehabt euch wol, sir! laszt es euch nicht leid thun,
dasz meine dankbarkeit den flor der nacht
entlehnen musz.
Schiller 420ᵇ.
Zitationshilfe
„entlehnen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/entlehnen>, abgerufen am 22.10.2019.

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