Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

entohnen

entohnen,
liberare, privare, entäuszern, mhd. entânen (wb. 1, 41ᵇ), man sagt aber unschöner entohnigen und stellt dazu meistens den gen. der sache, oder auch die praep. von: sich des trunks, der gesellschaft entohnigen. Stieler 1385; ein tagelöhner wolte seiner arbeit lieber entohniget sein, wenn er sich sonst erhalten könnte. Scriver seelensch. 1, 419; sie leben im lande der trübsal und können der sorgen nicht ganz entohniget sein. 2, 137; es ist eine grosze sache, wenn ich meinen freund eines lasters entohnigen kan. Butschky Patm. 782, sol denn numehr die beiderseits so lang beliebt und gehegte vertreulichkeit aller vorigen treue entohniget sein? kanzl. 56; mein anrufliches bitten, das ich der bisher verspürten gemütsneigung möge entohniget sein. 73; (geblüt) so zu der zeit zum theil gestockt und all seiner natürlichen wärme entohniget ist. Mauriceau von zufällen und krankh. der schwangeren, verdeutscht Nürnb. 1687 s. 512; was der gestrenge und werthe herr an dieselbe aus liebe träget, empfänget und entohniget, das ist in lauter freude gehoft und verlanget. Weise lustredner 499; obwol nun mein patron seinen sohn auf die universität zu schicken nicht entohnigen kan. 503;
nicht aller furcht entohniget.
Brockes 4, 187;
entohnigt aller noth und über alle sünden
die gröszte süszigkeit nur immerfort empfinden.
Withof ged. 1, 8;
deiner ganz entohniget im innern.
1, 283;
wir können uns nicht des öftern feilens und der genauesten vorsicht entohnigen. Withofs vorr. bd. 1; und sie (die sprache) der grammatik gar nicht entohnigt sein kann. Niebuhr kl. schr. 1, 56; die arme sinnliche natur musz die schuld haben, sonst könnte man des ganzen cultus wol entohniget sein. Cl. Harms dasz es mit der vernunftreligion nichts ist. Kiel 1819 s. 92. dieses im mhd. entânen gegründete, wollautige wort klingt heute pedantisch und wird gemieden. schon Weises angezogne stellen legen es einem ungeschickten redner in den mund.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1859), Bd. III (1862), Sp. 577, Z. 13.

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Zitationshilfe
„entohnen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/entohnen>, abgerufen am 22.10.2021.

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