Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

entsaugen

entsaugen,
exsugere, nnl. ontzuigen:
und scheint nicht jeden kus
sein kleiner mund dem ihren zu entsaugen?
Wieland 23, 115;
der biene gleich
entsaugest du der blume den himmelsthau.
Stolberg 4, 278;
wem wollust nie den nacken bog
und der gesundheit mark entsog,
dem steht ein stolzes wort wol an,
das heldenwort, ich bin ein mann!
Bürger 51ᵇ;
o dann saugt mit ihrem purpurmunde
himmelswollust unsre wunde,
sie entsaugt das gift,
das vom bogen dunkler schwermut trift.
Tieck 4, 116;
ach, er möchte wie ein quell versiechen,
jedem hauch der luft ein gift entsaugen
und den tod aus jeder blume riechen.
Platen 29ᵇ;
noch als dein tapfrer vater wie ein kind
kläglich erzählte meines vaters tod,
und zehnmal inne hielt zu schluchzen, weinen,
dasz, wer dabei stand, nasz die wangen hatte
wie laub im regen. in der traurgen zeit
verwarf mein männlich auge niedre thränen,
und was dies leid ihm nicht entsaugen konnte,
das that dein reiz, und macht es blind vom weinen.
that all the standers by had wet their cheeks,
like trees bedashd with rain. in that sad time
my manly eyes did scorn an humble tear,
and what these sorrows could not thence exhale,
thy beauty hath, and made them blind with weeping.
Richard III. act 1 scene 2.
Stieler 1691 setzt entsäugen für ablactare, entwöhnen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1859), Bd. III (1862), Sp. 594, Z. 16.

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Zitationshilfe
„entsaugen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/entsaugen>, abgerufen am 22.10.2021.

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