Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

entschöpfen

entschöpfen,
1)
in der älteren sprache deformare, verunstalten, wie schöpfen formare, bilden, gestalten. Dasypodius 78ᶜ; entschöpft deformatus, ungeschaffen. Diefenbach 170ᵇ; entschöpfen, formam alicui auferre. Frisius 140ᵇ, Maaler 105ᵈ gleichbedeutend mit entgesten; ir stirn was zimlicher breiti mit keiner runzel entschöpft. Wyle transl. (Lucretia); caninam convulsionem, welcher affect nicht allein den mund aus seiner form zeucht, krümbt und ungeschickt macht, sunder auch die nasen, augen und fast das ganze halbe theil des angesichts entschöpft. Thurneisser infl. wirk. 147.
2)
in der jüngeren, heutigen sprache exhaurire, exantlare, wie sich schaffen und schöpfen in beiden bedeutungen creare, formare und haurire begegnen:
wollen wir diesem grenzlosen meere
einige tropfen entschöpfen.
Messias 9, 214;
sie sahn, er entschöpfte
wasser zum trinken der mündung des quells.
14, 740;
du entschöpfest dem quell liebliches rosenlicht.
Hölty;
als sie nunmehr dem sprudel entschöpfete thaue gesprenget
auf die gewand und das haupt.
Voss Ovid nᶜ 4, 112;
wir haben es selbst dem brunnen entschöpft, das klare ungefälschte wasser. Tieck ges. nov. 2, 189; mit flacher schale der oberfläche etwas für dich zu entschöpfen. Stolberg 6, 358.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1859), Bd. III (1862), Sp. 610, Z. 18.

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Zitationshilfe
„entschöpfen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/entsch%C3%B6pfen>, abgerufen am 21.10.2021.

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