Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

entscheiden

entscheiden,
nimmt nhd., gleich dem einfachen scheiden und andern zusammensetzungen mit demselben, das unorganische part. praet. entschieden statt entscheiden an. der diphthong ie gebührte von rechtswegen nur dem praet. ind. und conj., nicht dem part. praet. und ältere schriftsteller halten da noch das ei fest.
1)
sinnliches entscheiden, separare, sejungere, absondern, ausscheiden: derhalben soll man die gäns mit schranken entscheiden und gleich wie die hämmel und schaf von einander absondern. Sebiz 111;
auch schwebets (trutznachtigall) auf den weiden
und will bein hirten sein,
da Cedron kommt entscheiden
die grüne wiesen rein.
Spee trutzn. 4 (3);
dein und ihr beider haus entscheidet eine maur.
Gryphius verl. gespenst 7;
die gaststube, welche mit einer langen spanischen wand entschieden war. pol. feuermäuerkehrer 6; derselbe blitz ist das licht, der fähret in der hitze in die bittere qualität, da wird der blitz entschieden nach aller kraft. Jac. Böhme Aurora s. 133; allda stehet nun die göttliche kraft und bildet sich der göttliche glanz immer in das reine, davon wird entschieden das strenge aus der natur und machet der göttliche glanz das reine süsze. derselbe von den drei principien des göttlichen wesens 127; sonst würde nicht sein aufgehöret worden steine und erde zu gebären, so die fewrige art nicht wäre entschieden worden. ebenda 7, 30 s. 67; da gott das liecht von der finsternüs entschieden. 8, 8 s. 71. auch von trennung der ehleute: wie sie mein eheweib sein könte, weil sie von irem manne noch nicht entscheiden? Thurneisser nothg. ausschr. 1, 68.
2)
entscheiden, unterscheiden, distinguere: das gute vom bösen entscheiden. pers. baumg. 1, 26; diese tugend (die bescheidenheit) wird von dem unterscheide genennet, weil sie das gute von dem bösen fürsichtig und bedachtsam zu entscheiden weisz. Butschky Patm. 124;
die hälle sonn, die alle zeit entscheidet,
miszt stunde, tag und jar.
Rompler 34;
weiszgerber und lederer (hatten an ihren häusern gemählde), damit man diese handwerker erkennen und von einander entscheiden könne. Abele 3, 22.
3)
einen rechtshandel, insgemein das ungewisse, zweifelhafte entscheiden, bescheiden, dirimere: ein span oder zweitracht entscheiden oder zerlegen, dijudicare controversiam. Maaler 105ᵇ; die andern artzt können wenig der künsten, behelfen sich mit freundlichen, lieblichen, holdseligen worten, entscheiden (bescheiden) die leut mit züchten und schönen worten. Paracelsus 1, 261ᵇ;
ir leut ich will euch schon entscheiden.
Ayrer fastn. 132ᵇ;
er wird die völker umb und an,
wie recht und billich ist, entscheiden.
Opitz ps. 182;
er wird den weltkreisz weit und breit
entscheiden mit gerechtigkeit,
er wird der völker händel schlichten
und nach befindung billich richten.
s. 24;
ob jungefraw zwar nicht und jungfraw hoch entschieden (über diese formen nicht ausgemacht entschieden ist),
ist dem doch wol, der nam die, die das E vermieden.
Logau 1, 24;
ihr (der weisheit) preis, ihr werth wird nicht vom glück entschieden.
Hagedorn 1, 13;
lasz es die welt einmal entscheiden,
was nützlicher und besser sei:
ein pfaurad oder hühnerei?
Burmann fabeln s. 30;
gnädiger herr, da wart ihr bekümmert, es schien euch die sache
gar bedenklich zu sein und rechtlich schwer zu entscheiden.
Göthe 40, 158;
ihr sollt nicht entweichen,
bis die sache sich endlich entscheidet, dann wollen wir sehen.
40, 205.
4)
entscheiden, decernere, endlich bestimmen, beschlieszen: es ist alles, es ist noch nichts entschieden; dieser tag soll entscheiden; ein kleiner umstand entschied, gab den ausschlag; das kann ich nicht entscheiden; um den sieg gänzlich auf die seite der musen zu entscheiden; es ist entschieden, du bleibst;
dieser heerzug
entscheidet deines lebens glück und frieden.
Schiller ...;
mir ist feierlich,
so bang, als sollte dieser augenblick
ein groszes losz entscheiden.
...;
lang zauderte der könig,
den ehgemahl der tochter zu entscheiden.
215ᵃ;
nun ist kommen der tag, nun hat die braut ihm der himmel
hergeführt und gezeigt, es hat sein herz nun entschieden.
Göthe 40, 279;
nun ist die stunde gekommen,
ja er hat gefühlt und gewählt, und ist männlich entschieden.
ebenda.
5)
man stellte zum acc. der person einen gen. der sache: niemands aber da war, so die herzogin ihrer frag entscheiden kunde. Galmy 123, ganz wie bei bescheiden (1, 1554). bedenken hat der sächliche gen. ohne persönlichen acc.:
des mögen der Argeier jünglinge entscheiden.
Stolberg 11, 288.
heute, einen über etwas entscheiden, früher auch einen daraus entscheiden. Gefken beil. 56.
6)
sich entscheiden, einen beschlusz fassen, sich erklären, entschieden werden: es musz sich bald entscheiden;
erlaubet, dasz ich mich ein andermal entscheide.
Wieland 9, 64;
die sonne
gieng zweimal auf und zweimal unter, seit
das schicksal meines Karlos sich entschieden.
Schiller 268ᵇ;
sein mismuth nahm zu, sein widerstand entschied sich (war erklärt, entschieden). Göthe 24, 174. heute über etwas.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1859), Bd. III (1862), Sp. 596, Z. 16.

entscheiden

entscheiden,
evaginare, vom vorigen ganz abweichend, würde ahd. lauten intsceidôn, intsceidôta: das schwert entscheiden, aus der scheide ziehen; als Wilhelmi aufstund und einen degen suchte, welchen er auch endlich fand, entscheidete und Brandano hinaus forderte. Salinde 331;
um die achse gedrängt entscheidet der bergende kelch sich,
der zur höchsten gestalt farbige kronen entläszt.
Göthe 1, 327,
wie es lat. hiesz frumenta vaginis exeunt. Plin. 18, 3. eine menge von ähnlichen, gleichschönen ausdrücken gilt für den wachsthum und die entfaltung der pflanze.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1859), Bd. III (1862), Sp. 597, Z. 37.

entscheiden

entscheiden,
evaginare, vom vorigen ganz abweichend, würde ahd. lauten intsceidôn, intsceidôta: das schwert entscheiden, aus der scheide ziehen; als Wilhelmi aufstund und einen degen suchte, welchen er auch endlich fand, entscheidete und Brandano hinaus forderte. Salinde 331;
um die achse gedrängt entscheidet der bergende kelch sich,
der zur höchsten gestalt farbige kronen entläszt.
Göthe 1, 327,
wie es lat. hiesz frumenta vaginis exeunt. Plin. 18, 3. eine menge von ähnlichen, gleichschönen ausdrücken gilt für den wachsthum und die entfaltung der pflanze.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1859), Bd. III (1862), Sp. 597, Z. 37.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
entgegenneigen entzischen
Zitationshilfe
„entscheidet“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/entscheidet>, abgerufen am 24.10.2021.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)