Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

entschuldigen

entschuldigen,
excusare, von schuld freisprechen, oft geschrieben entschüldigen, wie schüldig für schuldig. Frisius 498ᵇ hat entschuldigen, nnl. ontschuldigen.
1)
einen oder etwas entschuldigen: und wirst nicht entschuldiget sein. Keisersberg s. d. m. 20ᵇ; so wer diser entschuldiget. 32ᵃ; doch sind sie damit nicht entschüldiget. weish. Sal. 13, 8; da trat Lysias öffentlich auf und entschüldigt den könig. 2 Macc. 13, 26; ich bitte dich, entschüldige mich. Luc. 14, 18; nu aber können sie nichts furwenden ire sünde zu entschüldigen. Joh. 15, 22; item wie er sein bosheit mit andern flickt und entschuldiget. Frank weltb. 38ᵇ; die natur der anklag zuͦ entschuldigen. Uffenbach rosbuch 8; das gefiel mir zuͦ der selben zeit ubel, dasz du (Luther) das gottlos und toll wittenbergisch leben also entschuldigest und sagest, 'wir künnen ja nit engel sein'. Ickelsamer clag etlicher brüder a 4ᵇ; entschuldigen und weisz brennen. Katziporus X 2ᵇ; zum andern möcht ich gegen dem keiser, wo ich dermaszen von euch ritt, nit entschuldigt werden. Aimon p 1ᵃ; im widrigen fall wolten sie an so viel blutvergieszen, welches gewisse erfolgen würde, entschuldigt sein. Olearius beschr. or. inseln 1696 s. 151; viele gründe entschuldigen ihn;
doch diesen zwang entschuldigt
nur eines dritten gegenwart.
Schiller ...;
es kann dich nichts entschuldigen; es ist nicht zu entschuldigen. heute wird 'entschuldigen sie!' excusez, wie verzeihen sie! pardonnez, erlauben sie! permettez, als blosze, nichtssagende höflichkeit in die rede eingeschaltet.
2)
nach dem biblischen habe me excusatum! goth. habai mik faurqiþanana! sagen wir habe, halt mich (für) entschuldigt! lieber, halt mich als entschuldiget, excusatum habeas me. Maaler 105ᵈ; ich bitt euch fleiszig, mich entschüldigt zu haben, denn ich gedrungen von euch zu scheiden. Amadis 120; ich halte ihn für entschuldigt. Weise kl. leute 209;
welcher weise soll ich es enden? o habt mich entschuldigt!
Göthe 40, 33.
3)
sich entschuldigen: wer sich selbs mit worten entschuldiget trunken zu sein, der schuldiget sich seiner trunkenheit. Wyle transl. (haush.); sie entschuldigten sich als ir hören werden. Keisersberg s. d. m. 12ᵃ; das sie denn anfahen sich entschuldigen mit lügin. 16ᵇ; darumb, o mensch, kanstu dich nicht entschüldigen, wer du bist, der da richtet. Röm. 2, 1; dazu auch die gedanken, die sich unternander verklagen oder entschüldigen. 2, 15; als sie (Eva) gott fraget, warumb sie sein gebot ubersehen, entschüldigt sie sich und sprach, die schlang hett es geursachet. buch der liebe 292, 3; dann zur selbigen zeit war ein unübertrettenlich gesatz, dasz jede fraw oder jungfraw, so dergleichen ubel thet und begieng, sich vor dem tod nicht entschüldigen noch freien möcht. Amadis 26. 'sich entschuldigen lassen' meint heute gewöhnlich: wegen ausbleibens, nicht erscheinens.
4)
acc. der person und gen. der sache: damit wir uns solcher aufruhr entschüldigen möchten. apostelg. 19, 40; ihren herrn der beschehenen auflage zu entschuldigen. Melanchthon 3, 1049; Carlstads büchlin, darin er sich des aufruhrs entschüldiget. Luther 3, 108ᵇ; der siebent vers antwortet und entschüldiget sich der falschen anklage. br. 2, 482; wie sich eine fraw in ihrem todbette der bulschaft entschüldiget. buch d. l. 290, 4; diese ding entschüldigen sie der that. 233, 3; dasz ich mich meines versprechens entschüldigen und darvon abziehen wölle. Amadis 288; haben nichts weiter gehabt, sich der that zu entschüldigen. Forer fischb. 95ᵃ; einer entschüldiget sich des ungleichen verdachts. Butschky kanzl. 63; wiewol die nothwendigkeit sonderbarer amtsgeschäfte mich deren aus meines herrn schreiben ablesend gefaszten anklage genugsam entschuldiget. 58; und ist doch keine sache vorhanden, damit wir uns solcher aufruhr entschuldigen möchten. Claudius 6, 4. die letzte stelle folgt aber dem biblischen ausdruck, denn heute gebrauchen wir statt des gen. die praep. von, über, wegen. von begegnet schon früher: hiervon zu entschuldigen sein. Butschky kanzl. 16; im übrigen hat es nur an der zeit ermangelt, so mich von dem ungleichen verdacht hoffentlich entschuldigen wird. 65; hiervon sol mich meine arbeit entschuldigen. 137.
5)
durch, mit etwas entschuldigen: sie wurden zu rat, dasz sie wolten sich den moren ergeben, auch mit dem eid sich entschüldigen, dasz sie umb die flucht der person kein wissens trügen. buch der liebe 220, 2; er entschuldigt sich durch die umstände, mit den umständen; den begangnen fehler mit seiner jugend.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1859), Bd. III (1862), Sp. 611, Z. 1.

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Zitationshilfe
„entschuldigen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/entschuldigen>, abgerufen am 16.10.2021.

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