Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

entseelen

entseelen,
exanimare, tödten, nnl. ontzielen: exanimo, ich entseele. Dasypodius 9ᵇ, bei Frisius aber 492ᵃ exanimare entleiben, leiblos thuͦn; der entseelte leichnam, corpus exanime;
gans entsehlet und entleibet.
Weckherlin 150;
ich lobe meinen freien muth,
den mir kein dieb kan stehlen,
kein feuer nicht entseelen.
colica 311;
sonst werdet ihr mit nächsten erfahren, dasz ich von der heftigen liebe gegen euch entseelet worden. Plesse 3, 94;
mit fast stündlichem entseelen.
Brockes 4, 294. 7, 691;
du bliebest vor entzückung liegen
und sagtest, deucht mich, ohngefähr,
kind, dasz mich nicht der schöne tag
an deiner brust entseelen mag!
Günther 316;
er blieb vor widersachern sicher
und schrieb bis an den tag, da ihn der tod entseelt.
Gellert 1, 115;
ein herz, das wuth und hölle quälet,
und das der furien verdammte schar entseelet.
Joh. El. Schlegel 1, 13;
den gröszten hund, so stark er ist,
kann dein geweih mit einem stosz entseelen.
Lessing 1, 103;
von schrecken entseelet.
Wieland 16, 52;
halb entseelte.
16, 123;
der reim? wie, dieser zwang, der das gedicht entseelet?
Rabener 2, 88;
mitleidslose mauern, zwischen denen
sich die busze langsam selbst entseelt!
Bürger 95ᵇ;
ja, sie kehrten heim, und alles schöne,
alles hohe nahmen sie mit fort,
alle farben, alle lebenstöne,
und uns blieb nur das entseelte wort.
Schiller 22ᵇ;
gleich einem rinde, das der wilde berg gebar,
das unberührt vom joch, aus felsenhölen,
unfern dem meer, gestiegen war,
wird dich der opferstahl entseelen.
228ᵃ;
wo ist sie? mich entseelt die angst.
502ᵇ;
da liegt er entseelt,
hingestreckt in der blüte der tage!
507ᵃ;
o wär ich vor des hohen geistes kraft
entzückt, entseelt dahin gesunken!
Göthe 12, 81;
und der freude soll ich leben,
und das herz entseelt der gram?
Platen 2ᵇ;
entseelte! entseelte! entseelet hat mich
ein auge, das pfeile wie blicke verschnellt.
Rückert 339;
einem arzt, der doch öffentlich zu entseelen wagt. J. P. teutelsp. 1, 104; deine lungennerven sind entseelt. uns. loge 3, 56; als Rom entseelt ohne freiheit und sittlichkeit da lag. sphinxe 154.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1859), Bd. III (1862), Sp. 618, Z. 37.

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Zitationshilfe
„entseelen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/entseelen>, abgerufen am 18.10.2021.

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