Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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entstehlen

entstehlen,
suffurari, entwenden, nnl. ontstelen: andern leuten das ihre entstehlen. Gefken beilage 97ᵃ;
wer ihn da hätt entstolen,
wer ihn getragen weg.
Spee trutzn. 66 (60);
o weib! und wolltest holen
und wolltest heben du
den körper, dir entstolen
aus seiner todtenruh?
69 (63);
hast du ihn nit entstolen?
dich zwar hab in verdacht,
sags an, ich ihn musz holen,
hab schon es oft gesagt.
70 (64);
und meiner jungen brust
entstahlen zwei nochwolgeborne diebe (al. triebe),
die löffelei und ehrsucht, bald die liebe.
Bürger 106ᵃ;
mit schlammiger, trüber,
undurchschaulicher flut, die du den wolken entstahlst.
Herder 10, 37;
wenn es doch wenigstens nur einen schleier hätte, das garstige laster, sich dem auge der welt zu entstehlen! Schiller 111ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1859), Bd. III (1862), Sp. 634, Z. 60.

entstellen

entstellen,
deformare, entstalten, verunstalten, aus der rechten stelle, fuge oder gestalt bringen, denn stellen = stehn machen ist mit gestalt und gestalten unmittelbar verwandt, wie unter diesen wörtern näher zu lesen sein wird. entstellen heiszt also auch verändern, anders gestalten und da die echte, erste gestalt für die bessere gilt, verschlechtern, verderben. nnl. ontstellen. vgl. verstellen.
1)
transitives entstellen: aber ze hand entpfand ich in aller angesicht sie entstellen (immutari). Terenz 1499. 153ᵇ (Hecyra); die liebe hat sie am leibe und gemüthe entstellt. Gellert;
so jammervoll, durch glaubenszwang entstellt,
gehüllt in öde finsternisse,
lag Deutschland einst.
Gotter 1, 426;
angst entstellt blick und gebärde.
...;
pfui, in seinem alter schon geizig zu sein! das entstellt seine jugend und erstickt den antheil, welchen seine glückliche gesichtsbildung im ersten augenblick einflöszt. Heinr. Leop. Wagner der wolthätige unbekannte. 1775 s. 38; zwei fuszpfade, die noch hinaufführten, haben wir dergestalt entstellt, dasz niemand als durch jenen ersten engen anweg zu dem zauberschlosse gelangen könne. Göthe 15, 323; die blattern haben das liebliche gesicht des kindes entstellt; entstellt bis zur unkenntlichkeit von noth und elend; der sache hergang erscheint völlig entstellt; den sinn entstellende druckfehler.
2)
sich entstellen, verändern, verunstalten:
her der wirt, nu hört unsern geprechen,
den wollen wir euch all hie aussprechen,
warumb wir uns also haben entstelt (vermummt, häszlich gekleidet).
fastn. 719, 6;
Polemo stolpert von abenthewr wegen hinein (in Xenokrates schule), die zuͦhörer wurden unwirs, Xenocrates entstellet sich nicht (gerieth nicht aus der fassung), liesz von der materi. Frank chronica 97ᵇ; entstelle dich nicht so sehr, dasz die adern an deinem halse vor unmut aufschwellen. pers. baumg. 4, 5; sie entstellt sich durch das schminken.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1859), Bd. III (1862), Sp. 635, Z. 54.

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Zitationshilfe
„entstehlen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/entstehlen>, abgerufen am 21.10.2021.

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