Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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entragen

entragen,
eminere, prominere, hervorragen:
die thürme der verödeten abtei
entragen schauervoll im bleichen licht
dem wildernden gesträuch der felsenbai.
Matthisson 166.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1859), Bd. III (1862), Sp. 579, Z. 71.

entragen

entragen
steht im 16 jh. geschrieben für enttragen, und warum sollte nicht das eine der zusammenstoszenden t weichen?, zumal ahd. und mhd. noch viel öfter der auslaut von ent wegfiel. unser enttragen und ähnliches ist nur für das auge, nicht für das ohr.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1859), Bd. III (1862), Sp. 579, Z. 75.

enttragen

enttragen,
auferre, asportare, wegtragen, entziehen, entwenden, ahd. intragan (Graff 5, 497, der inferre und auferre mischt), mhd. entragen und auch nhd. früher noch oft entragen geschrieben, nnl. ontdragen: mhd.
sô der verwâʒene hunt
hât mir ettewaʒ brâht,
dâ ër mir die guͦten andâht
sciere mit hât entragen.
Diemer 315, 16;
dich des tiuvels râte entragen.
Barl. 79, 22;
diu (welt) in mit unmuoʒe entreit
den guoten willen und den muot.
89, 20;
diu (lêre) mich dem tiuvel hât entragen.
185, 25;
der schône kindere gewan
die mir die wilsêlde entrûc.
pass. K. 654, 5.
nhd. sie wolden entzweder sterben adir sein entragen (überhoben) sein. Rothe dür. chron. cap. 367; ich arme argkwone ouch, das er ushin gond etwas entragen habe. Terenz 1499, 67 (Eunuchus); aber er hat seiner trew vergessen und das noch ärger, dem keiser sein cron und schwert, auch uns die unsern entdragen. Aimon t 4ᵃ; das sie mir aber auflegt, das ich einigerlei enttragen oder abhendig gemacht, wird sie mir nicht beibringen mit warheit. Luther 2, 384ᵇ; dieweil solche handlung in dem ganzen reich erschollen und noch nicht entragen (entfernt, beseitigt). 3, 418ᵃ; welchs so ein ander heimlich genomen oder enttragen hette, müst er am strick erwürgen. 4, 402ᵃ; einer der iren hett uns ein wenig golds entragen. Frank weltb. 230ᵃ; weren sie niemant nütz, so were man doch gröszers schadens von in entragen (entledigt, überhoben). chron. 116ᵃ; das wir uns angenommen und gott als dieb entragen haben. baum des wissens 125; durch die menge nachtfeuer betrogen gehen etliche vom trosz in der feind läger, entragen also unwissend, was irer herschaft und sie bei sich haben. Kirchhof mil. disc. 132; wie sie aus dem feld entlaufen und sein geld diebischer weis entragen haben. 246;
da hat man ein in eisen gschlagen,
hat dem pauren ein huͦn entragen.
Thurneisser archid. 22;
da werden mir viel schuld entragen.
H. Sachs III. 3, 29ᶜ,
geld, das ich zu fordern habe, genommen;
entregt mir mantel, kandel und blatz.
III. 3, 30ᵇ;
das mir der stalbub vor acht tagen
ein altes wammes hat entragen.
III. 3, 38ᵈ;
het doch erlitten kein gefahr
von raubern, dieben noch schuld enttragen.
V, 408ᶜ;
er hat uns den barchet endtragn (so).
Ayrer fastn. 19ᵃ;
als hett er mir das gelt endtragn.
100ᵃ;
die für ihrs herrn wolthat und heil
ihnen das ihr letzlich enttragen
und ihm auf gut diebisch dank sagen.
Eyering 1, 67;
der dieb hab ihm sein geld enttragen.
1, 364;
nun hört von groszem wunder sagen,
man hat der alster ein ei enttragen.
Gartneri dicteria proverbialia 49ᵃ.
später ungewöhnlich und darum den wörterbüchern fehlend, erst zuletzt wieder aufgebracht, doch weniger im sinn des raubens und entwendens, als des erlaubten dahintragens, entfernens:
und den göttergleichen Sarpedon enttrugen die edeln
streitgenossen der schlacht.
Bürger 229ᵃ;
knecht und weiber enttragen die schätze des herbstes dem garten;
kaum gesagt, so enttragen die schenkel ihn.
Voss;
gelbmähnige löwen und tiger
führet die flut, nichts frommt die gewalt des blitzes dem eber,
nichts dem enttragenen hirsche der leicht gehobene schenkel.
Voss Ovid met. 1, 306,
ablato cervo, dem von der überschwemmung entführten.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1859), Bd. III (1862), Sp. 639, Z. 26.

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Zitationshilfe
„enttragen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/enttragen>, abgerufen am 22.10.2021.

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