Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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entwerfen

entwerfen,
delineare, adumbrare, mhd. entwërfen, nnl. ontwerpen, gilt
1)
von künstlern, die ein bild zeichnen und umreiszen, bevor sie zu mahlen anfangen, dann aber steht es für mahlen selbst: mhd.
swër mâlen wil, dër entwirfet ê
und merket wie sîn bilde stê.
Freidank 133, 25;
dô stuont sô minneclîche daʒ Siglinde kint,
sam ëʒ entworfen wære an ein permint
von guotes meisters listen.
Nib. 285, 2;
als uns diu âventiure giht,
von Kölne noch von Mâstriht
kein schiltære entwürfe in baʒ,
denn als ër ûfem orse saʒ.
Parz. 158, 15;
entwërfen ist ein spæher list.
minnes. frühl. 242, 13;
got hât wol gelîchet sich
einem wîsen mêlêre,
der nicht wil untêre (undære)
ein schône bilde machen,
in den sëlben sachen
entwirfet unde strîchet.
pass. H. 112, 41.
nhd. da reisz alles volk seine gülden ohrenringe von iren ohren und brachten sie zu Aaron, und er nam sie von iren henden, und entwarfs mit eim griffel und machte ein gegossen kalb. 2 Mos. 32, 4; und du menschenkind, nim einen ziegel, den lege fur dich und entwirf drauf die stad Jerusalem. Ez. 4, 1; entwerfen, die ersten hauptstreich (striche) mit einem reiszkolen thuͦn. Maaler 106ᶜ; ein angesicht entwerfen oder die hauptstrich machen, lineamenta deducere. ebenda; und wöllen wir die welt mit einer kolen nur entwerfen und bossieren, aber nit erschöpfen und abmalen. Frank weltb. vorr.; es brauchen auch die mahler diese kohlen, um damit zu entwerfen. Tabernaem. 313; die frugalität und gespärigkeit haben sie entworfen (dargestellt) mit einem oliven oder ölbaum. Spangenberg lustg. vorr.;
so scheinet es allein entworfen mit der kreiden.
Weckherlin 604;
bin ich schon dises orts kein ausgerüster tichter
mit hüpscher rednersfarb und bunter wörter zier,
ei, so entwirf ich doch und zeichen ietzund hier,
was künftig etwan mehr kan übermahlet werden.
Rompler 82.
2)
überhaupt animo concipere, in gedanken entwerfen, den plan zu etwas fassen, angeben: mhd.
sît entwarf dîn sëlbes hant,
daʒ der vriunt vriundinne vant
an dem arme sîn durch minne.
Wh. 456, 9;
dô Wetzel disen rât entwarf.
Ernst 3400;
guot wîp in eines jungen mannes muote
diu entwirfet dem sinne vil tugendlîche bilde.
MS. 1, 88ᵇ.
nhd. sie solten entwerfen, was sie der vollkommenheit zweier so groszer fürsten für mängel auszustellen hätten. Lohenst. Arm. 1, 160; der rath entwirft nur die geschäfte, der secretarius aber musz solche nach dem winkelmasz richten. Butschky Patm. 245; Omeis hat kurz und unvergleichlich alles entworfen, wie man zu einem dichter werden könne. Günther vorr. s. 2; nunmehr musz ich auch entwerfen, was ich unter glückwünschungsschreiben verstehe. Rabener 1, 153; ich habe meine gedanken darüber kürzlich entwerfen wollen. Kant 8, 209; einen brief, eine rede, ein gedicht, schauspiel entwerfen.
3)
einen hasz entwerfen, wie man sagt einen hasz auf jemand werfen:
die hëten einen alten haʒ entworfen.
MS. 2, 81ᵃ.
ahd. wiht ni forahtet ir iu, drof nintwërfet iuer muat.
O. V. 4, 38,
laszt den muth nicht fahren, wo intwërfan so viel als von sich werfen. das netz, die schlingen entwerfen, auswerfen:
gewahrend nun, dasz den entworfnen schlingen
schon im beginn des glückes beifall lacht,
schickt sie sich an, den frevel zu vollbringen,
eh man vereitle was sie schlau erdacht.
Gries Tassos befr. Jer. 4, 86,
wo in entwerfen zugleich noch die vorstellung des ersinnens liegt.
4)
entwerfen, entgegen, zurück werfen:
der abgrund an der see entwirft den widerschall.
postreuter 1631.
5)
entwerfen, verwerfen, abortiri: entwerfen spricht man auch vom väch (vieh), so es ein todne frucht birt. Maaler 106ᶜ.
6)
auch das reflexivum zeigt mehrere bedeutungen,
a)
sich entwerfen, auseinanderwerfen, trennen. ahd. sô intwurfe sih, dissociaret. Graff 1, 1030.
b)
sich aufwerfen, empordrängen, oder auch sich bilden:
sô diu maget beginnet schâren,
und entwërfent sich diu brüstel.
Ulrichs von Türheim Rennewart ed. Karl Roth s. 123.
zu schâren halte man schæren Parz. 424, 3. sich aufwerfen, sich erheben, einen plan fassen:
sich entwarf des nieman.
Lanz. 7808;
nie stunt mîn wille wider ir kiusche sich entwarf.
MS. 1, 2ᵃ
vgl. mit GA. 2, 91, 137
entwërfich wider ir kiusche iht nu,
wollte ich einen plan machen.
c)
sich bilden, abbilden, entgegen scheinen: wenn ich Christum höre, so entwirft sich in meinem herzen ein mansbilde, das am creuze henget, gleich als sich mein andlitz natürlich entwirft ins wasser, wenn ich (es steht er) drein sehe. Luther 3, 43ᵇ;
wie sich die sonn entwirft, wann sie die see bestralet,
so scheinst du auch, mein kind, nun du dich selbst gemalet.
Opitz 2, 434;
anbeten eine geistliche, unsichtbare, unbeschriebene, unendliche majestät, in welcher sich unsere tiefe gedanken vielmehr verlieren als entwerfen. Butschky Patm. 35.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1859), Bd. III (1862), Sp. 655, Z. 30.

entwerfen, n.

entwerfen, n.
adumbratio, informatio, entwurf:
der gedanke, das entwerfen,
die gestalten, ihr bezug,
eines wird das andre schärfen.
Göthe 3, 121.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1859), Bd. III (1862), Sp. 656, Z. 51.

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Zitationshilfe
„entwerfen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/entwerfen>, abgerufen am 22.10.2021.

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