Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

entwickeln

entwickeln,
explicare, nnl. ontwikkelen, entfalten, zuerst bei Stieler 2530, von Göthe oft gebraucht:
sie entwickelte dem trüben (aus dem tr. heraus)
ein erklingend farbenspiel.
3, 84;
unvorsichtig entwickelst du die falten deines herzens. 8, 266;
gar manche prüfung musz die neue schwester (acc.)
und ihren ganzen werth uns erst entwickeln.
9, 367;
dasz ich gern charaden und räthsel entwickele (löse, wie einen knäuel). 15, 262; das kind entwickelte bei dieser gelegenheit ein talent, was man an ihm bisher noch nicht kannte. 18, 235; einen alten verworrenen zustand zu entwickeln und die fäden auf einen knaul zu winden. 22, 105; mahler und zeichner entwickelten die gruppe (der bildhauer) zur fläche. 22, 166; da auch die hofnung ausgesprochen war, in einem ausgedehnten gebiete eine grosze anzahl bewohner entwickelt zu sehen. 23, 145; der reichste, gewandteste, berühmteste erzähler seines jahrhunderts unternimmt die geschichte seiner zeit zu schreiben. dabei entwickelt er nothwendig alle die tugenden, die er bereits in seinen früheren werken zu bethätigen wuste. 46, 233;
blüten, die die knosp entwickeln,
hüllt der lenz in zartes laub.
Salis 65;
ein völlig entwickelter, völlig entschiedener character. Gotter 3, 9; eine grosze pracht entwickeln. mathematiker nennen entwickeln: rechnungen, die an einem ganzen vorzunehmen sind, an dessen einzelnen theilen ausführen. reflexives sich entwickeln:
er streift des hofes lasterhaut wie eine schlange von dem rücken,
wenn sie aus ihrer höle kreucht, indem er sich des hofes stricken
entwickelt und entfleucht.
Haugwitz Soliman 3, 325;
soll die seele sich entwickeln und in rechter grösze blühn,
o so musz kein klügelnd meistern ihr die majestät entziehn.
Hagedorn 2, 15;
also sprachst du, und nie vergasz ich der wichtigen stunde.
deutend entwickelt ich mich an dem erhabenen wort.
Göthe 1, 318;
zu diesen gebrechen der despotie fügt sich ein anderes, wobei sich gewaltthaten und verbrechen entwickeln. 6, 206; wie aus einem löblichen jungen fürsten sich nach und nach ein tyrann entwickelt. 6, 206; in einem solchen dichterkreise entwickelte sich zugleich noch ein anderer sinn. 26, 139; ich näherte mich den gebirgen, die sich nach und nach entwickelten. 27, 13; doch sollte sich bei unserer trennung noch ein wechselseitiges verhältnis entwickeln. 31, 229; und so fand ich mich fast mehr gehindert mich zu entwickeln und zu äuszern. 48, 149;
doch wie zuletzt aus der caszrolle
ein söszchen sich entwickeln solle,
das ist mir nur allein bewust.
das kochen gibt mir essenslust.
45, 93;
mich schaudert, wie sich das entwickeln soll. Schiller 168ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1859), Bd. III (1862), Sp. 658, Z. 63.

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Zitationshilfe
„entwickeln“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/entwickeln>, abgerufen am 18.10.2021.

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