Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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erbeisz, erbeis, f.

erbeisz, erbeis, f.
pisum sativum, ahd. araweiʒ, arawîʒ (Graff 1, 465), mhd. areweiʒ, ereweiʒ, erwîʒ, erbîʒ (wb. 1, 56ᵃ), arbaiʒ bei Megenberg 390, 1, nnl. erwet, erwt, ert, altn. ert und auch schwach erta, pl. ertur, schw. ärt, dän. ert, in allen diesen formen schlieszt eine lingualis, dem ags. earfe pl. earfan mangelt sie, was zum lat. ervum und gr. ὄροβος stimmt, engl. gilt pea, pease nach fr. pois, lat. pisum, die sl. lit. sprachen zeigen unverwandte wörter. nach araweiʒ liesze sich ein goth. arvaits aufstellen, die spätere erhärtung des w in b bestätigt auch das ags. f in earfe, und dasz die spirans älter war folgt aus dem lat. ervum. die wurzel liegt völlig in dunkel, man wollte in der auf dem acker gebauten hülsenfrucht anklang an arare und arvum finden. unsere spätere sprache hat, nachdem die zweite silbe von erbeisz tonverlustig ward, erbis, erbes und endlich erbse gebildet; unterm volk hört man oft noch erwes, pl. erwesen, wie nnl. erwt pl. erwten, nd. arften, vgl.arwet für arbeit. im 16 jh. behauptete sich gern noch die volle betonung und Henisch 910, 58 stellt erbisz, erweis, erbsz hintereinander, Alberus erbeisz, erbesz, erbs, Stieler 385 erbs, erbeis, wogegen schon Frisius 1007ᵇ, Maaler 108ᶜ erbs, Dasypodius 184ᵇ erbsz, Denzler erbs haben. mhd.
in einer blâsen drî erbeiʒ
jagent ein hunt vil manegen kreiʒ.
Renner 16510;
nhd. ein mensch der nit undergon will, mer allezeit embor schwimet zuͦ gleicher weis als bös erbeiszen in einem hafen mit wasser. Keisersb. selenparad. 92ᵈ; darumb wollen wir sie ausstreichen und derselben blasen, die mit iren dreien erbeiszen so greulich rauscht, einen widerstich bieten. Luther 1, 284ᵇ; der in auferweckt von den todten und zu seiner rechten gesetzt hat zu sein ein herr über alle ding, on zweivel auch über sünde, tod, teufel, helle, schweig denn über die papistischen schweinblasen mit iren dreien rauschenden erbeiszen. 2, 91ᵇ. br. 2, 166; da allein die seel on leib als ein kern on die schale, oder da das fleisch on haut als ein erbeis on hülsen sei. 3, 458ᵇ;
alle die erbeis die du gefressen hast.
fastn. 588, 21;
so wöllen wir ind erbeis gan.
H. Sachs V, 340ᶜ;
bawer, bawer. troll dich flugs,
oder ich thu dich in den ban.
'so müst ich in die erbeis gan'.
V, 353ᵃ,
heiszt das herumstreifen und auf den feldern erbsen essen? von den zwergen erzählt man, dasz sie unsichtbar in ihren nebelkappen auf die äcker der leute gehen und sich erbsen pflücken; anno 1551 ist bei Schippenbeil ein tischlergesell gewesen, der hat nicht gern erbeiszen gegessen u. s. w. Henneberg 422; der bawer hat nicht mehr korn, sondern erbeiszen auf seine ecker gesäet. Rivander 1, 281; diese erbeis sind reichlich aufgewachsen. ebenda; linsen mit den erbeisen vermengt isset. Abele 3, 111; korn, waiz, erbaisz, gersten und dergleichen victualien. Hohberg 1, 27. s. kifferbeis, erbes und erbse. arbeisz 1, 538.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1859), Bd. III (1862), Sp. 713, Z. 39.

erbeiszen, praet.

erbeiszen, praet.
ahd. irpîʒan (Graff 3, 239), mhd. erbîʒen, ags. âbîtan.
1)
mordicus frangere, aufbeiszen: eine nusz erbeiszen; mhd.
ër sprach, dâ muostu bœser nuʒ
von mir noch hiute erbîʒen.
GA. 2, 303
nhd. das harte brot ist nicht zu erbeiszen.
2)
morsu necare, todt beiszen, von thieren:
mhd. Reize wil dich erbîʒen.
Reinhart 1134;
nhd. ob sichs machte, das meins hern von Meinze hunde ein gans boben dem wasser erbissen. weisth. 3, 336; der wolf wirt von den hunden erbissen. Meurer forstg. oberherlichkeit 1561. 89ᵃ; der fuchs hat die hüner erbissen;
der tod hat den alten erbissen.
H. Sachs III. 1, 262ᵃ;
hat dich ein thier erbissen,
dasz du auf Ida jetzt von vogeln wirst zerrissen.
Opitz 1, 228;
ein junger hirte war zu schreien oft geflissen,
'kommt, brüder, helft, der wolf hat mir ein schaf erbissen'.
Tscherning 254;
nachdem das waldschwein auch den buhlen dir (Venus) erbissen,
hat eines jährlich dir geschlachtet werden müssen.
Lohenstein auserl. ged. 1, 265;
von wölfen erbissene schafe. Arm. 2, 197; wo mehrere poetische bologneserchen, die alle mit epigrammchen trächtig gehen, um solch eine grosze, finstere dogge herumklaffen, die eines nach dem andern erbeiszt. Ernst Wagner.
3)
bergmännisch: das gestein hat ihn erbissen, getödtet; sich die festen knauer erbeiszen lassen, wegen härte des gesteines von der arbeit ablassen, gleichsam wegbeiszen lassen.
4)
figürlich, wie lat. mordere, quälen, martern: es erbeisz sie und verdrosz sie. Keisersberg post. 2, 18. Stieler 129 hat die bedeutung altercando consequi.
5)
sich erbeiszen, herum beiszen: wie dann des Martis hitzige und truckene natur sich mit der krebsischen kelte und feuchte erbeiszet. Thurneisser infl. wirkungen 105; zu beiden backen wie ein cartheuserisch klosterkatz sehr magistraliter sich erbissen und erdisputiert haben. bienenk. 89ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1859), Bd. III (1862), Sp. 714, Z. 10.

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Zitationshilfe
„erbeisz“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/erbeisz>, abgerufen am 16.10.2021.

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