Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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erbiet, n.

erbiet, n.
für gebiet, territorium, sehr selten:
man sagt, das Galofron ankomm mit vielen leuten,
den könig Agrican aufs euszerst zu bestreiten,
der ihm sein königreich und angeerbt erbiet
ohn alle billigkeit und recht wil gönnen nit.
Werders Ar. 23, 126.
vgl. biet 3. erbbiet zu mutmaszen gestattet das vorangehende angeerbt nicht.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1860), Bd. III (1862), Sp. 723, Z. 8.

erbieten

erbieten,
offerre, profiteri, ahd. irpiotan, mhd. erbieten, ags. âbeodan.
1)
die faust erbieten, die hand bieten, darreichen: folgenden tags ritten i. f. gn. gen hofe, allda i. k. maj. i. f. gn. die faust erboten und sich gnedig erzeiget. Schweinichen 2, 126, wie es auch hiesz die faust bieten. sein angesicht erbieten, zeigen, darbieten:
die nur mit stummen sitten
und siegelfestem mund ihr angesicht erbieten
wie larven ohne hirn, die tügen nicht hieher.
Logau 2, 13,
wo dem reim zu gefallen erbitten geschrieben ist, wie auch bei Ayrer 208ᵇ erbittens für erbietens.
2)
ehre erbieten:
damit man uns frauen mag ere erpieten.
fastn. 744, 28;
ob sie euch mochten ere erpieten.
138, 18;
ein warer demütiger mensch ist allzeit in forchten, das man im glorie erbiete. Keisersb. selenp. 12ᵇ; ich habe nie kein edelmann so unzüchtig gesehen, dasz er für einem frauwenbilde hinritte oder gienge und nicht mit ir redet noch ir kein ehr erbiete. buch der liebe 263, 4; dasz ir jedermann ehr erbieten solt. 286, 2; wir haben gottes gebot, der heiszt uns die jugent zucht und ehre leren und dem alten sonderlich den priestern ehr erbieten und sich gegen sie demütigen. Luther 6, 110ᵇ; giengen sie im grosze reverenz und ere erbietende entgegen. Aimon D 2ᵇ. vgl. ehrbieten, ehrbietig, ehrerbietig.
3)
dienst, gunst erbieten: denn solch vertrauen und beifallen ist das recht anbeten und eigentlich der rechte gottesdienst, als s. Augustin leret, welcher keiner creatur sol erboten werden. Luther .., 453ᵃ. br. 1, 598;
da mit man mag frauen dienst erpieten.
fastn. 741, 19;
für solich mein müe und arbeit wolten sie mir eer, gunst hoch erbieten. Eulensp. vorr.
4)
schmach, hohn erbieten: ja im wer leid von herzen, das es imer ofenbar (es steht ofembar) würd, was im untreü, truck oder schmoh erbotten ist, dar zuͦ ist schweigen guͦt. Keisersb. selenp. 97ᵇ.
5)
auch zu mehrerm schein seins fürnemens wil er mich dringen, mein sermon zu erbieten auf erkentnis bepstlicher heiligkeit. Luther 1, 52ᵃ; etwas fürzunehmen, das wirdig sei e. f. g. zu erbieten. Luthers br. 1, 435; tausch erbieten, anbieten:
frevelvoll und voll von wonne,
selig im erbotnen tausche,
neigt sich die bethörte nonne
seinem schönen liebesrausche.
Platen 12ᵇ.
6)
es erbieten, wie es bieten (s. bieten 7), mhd. ëʒ bieten, ëʒ erbieten (gramm. 4, 337), weil man die gemeinte sache, nemlich speise und trank leicht hinzu denkt: wer in zuͦ haus lad und es im wol erbiet. Frank weltb. 135ᵇ; nach disen reden gingen sie zum essen, da thet ers inen überflüssiglichen wol erbieten. Aimon v 4ᵃ;
du aber richt uns zu auf heint
ein köstlich mal aufs allerbest,
wann ich wird haben ehrlich gest,
auf das wir ins erbieten wol.
H. Sachs II. 1, 30ᵈ;
das wirs dem adel erbieten wol,
auf das sie alle werden vol.
III. 3, 70ᶜ;
weil dann so stattlich leut da sind,
müsz wir es ihnen wol erbieten.
Ayrer 385ᵃ.
7)
sich erbieten,
a)
ohne casus: sei nicht wie die, so sich mit hohen worten erbieten und thun doch gar nichts dazu. Sirach 4, 34; warum erbeut sich denn gott? Luther tischr. 30ᵃ; so Hydaspes uns gnade beweisen wil, wie er sich dann erbeutet, so sol er uns mit gewehrter hand in die statt ziehen lassen. buch der liebe 219, 4; darnach opfere und erbiete dich weiters also. Spee g. tugendb. 232.
b)
mit dat. der person: so ir die züchtigung erduldet, so erbeut sich euch gott als kindern. Ebr. 12, 7.
c)
mit gen. der sache: wil ich in dahin bringen, das er sich des kampfs selbst erbieten musz. Galmy 272; wes ich mich erbotten. Mich. Neander bedenken s. 3; sich alles guten erbieten. pers. reiseb. 3, 4; erbeut er sich aller förderlichen dienste. Butschky kanzl. 69.
d)
mit auf: dieweil sich jene auf erkenntnis erbieten. Luthers br. 3, 467; und erbieten sich sehr gütig auf hendelung. 5, 771.
e)
mit zu:
ich kan mich erpieten zu allen sachen,
und in dem pett gar lieblich machen.
fastn. 106, 4;
erboten sich zu recht für jederman des ganzen landes. Luther 3, 33. ich erbiete mich zu allem, was du wünschest;
du sollst vergebens dich zu meiner freundin,
zu meiner schwester nicht erboten haben.
Lessing 2, ...;
er erbot sich zum eide, doch bald besann er sich anders.
Göthe 40, ...
f)
mit dem infinitiv: davon wenn sich einer vor einem richter erbütet zeschweren, so soll der richter nicht schnell schweren lassen ... du solt dich auch hüten, das du einen anderen nicht lessest falsch schweren, da dir einer schuldig ist, und er erbütet sich das recht darumb zethuͦn, und wil dir das abschweren, da du wissigklichen weist, das er falsch schwert, da solt du in nicht lassen schweren, wann du verderbest sein seel und dein seel. Keisersb. s. d. m. 21ᵇ; Jonathas bat auch den könig, das er ganzem Judea und den dreien vogteien in Samaria und Galilea den schosz erlassen wolt und erbot sich umb dise freiheit zugeben drei hundert centner golds. 1 Macc. 11, 28; Reinhart, seine brüder und Magis, die erbieten sich, behaltnus ires lebens, in ewer gnad zu ergeben. Aimon v 4ᵃ; ich hab mich auch erpotten .... e. k. maj. und derselben heusern Osterrich und Burgundi und iren nachkomen anzuhangen. schr. landgr. Philipps von 1547 in Dullers beitr. s. 95;
mehr aus galanterie als vom gefühl gezogen
läszt er vor ihr aufs linke knie sich hin,
bewundert, bedaurt, erbeut sich sie zu rächen.
Wieland 4, 129.
s. bieten, anbieten, anerbieten, entbieten, verbieten.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1860), Bd. III (1862), Sp. 723, Z. 16.

erbieten, n.

erbieten, n.
propositio, anerbieten, man sagte oft 'des erbietens sein' für sich zu etwas erbieten: so wäre e. k. maj. gnedigs erbietens zu fördern und zu handeln. Melanchthon vorr. zur Augsb. conf. im corp. doctr. chr. B 3; mit neigen und mit allem höflichen erbieten. Wigalois Frankf. 1564 s. 28; darnach kam die ganze werde ritterschaft, der wol erbieten und wirdigs empfahen auch nit klein was. daselbst; ich bedank mich ewers erbietens. buch d. l. 33, 1; als die schöne Magelona des ritters erbieten hett verstanden. 34, 1; ich bin auch des erpietens, so mir anheim erlaubt wurde, so wolt ich e. k. maj. gisel setzen. Duller a. a. o. 95; ich hab mich auch erpotten und bin des erpietens u. s. w. ebenda; erbietens (proponendo), die memorialia, die er für sich aufgesetzt ... zu überliefern. Philand. lugd. 3, 155; erbietens, was er noch in einem vierteljahr finden würde, dasselbige zu restituieren. 3, 156;
ich will nicht fragen, ob Alhafi schon
bei dir gewesen, will nicht untersuchen,
ob dich nicht sonst ein argwohn treibt, mir dieses
erbieten freier dings zu thun.
Lessing 2, 282;
denn ein erbieten that ich,
for I have made an offer to his majesty.
Henry V. 1, 1.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1860), Bd. III (1862), Sp. 724, Z. 45.

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Zitationshilfe
„erbiet“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/erbiet>, abgerufen am 16.10.2021.

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