erbitten
Fundstelle: Lfg. 4 (1860), Bd. III (1862), Sp. 725, Z. 51
exorare, exposcere, goth. usbidjan, doch Röm. 9, 3 usbida für usbidja, ahd. arpitan, irpitan (Graff 3, 56), mhd. erbiten (wb. 1, 173), ags. âbiddan.
1)
mit acc. der person, an welche die bitte ergeht, einen durch bitten bewegen, dasz er gewähre: sind sie aber propheten, so laszt sie den herrn Zebaoth erbitten, dasz die übrigen gefesze nicht auch gen Babel gefüret werden. Jer. 27, 18; ich bit euch durch gottes willen, das ir mir helfent den keiser meinen herren erbitten, das er meinen brüdern und mir gnedig sei. Aimon v 6ᵇ; die herzogin Friedrichen den edelmann bei ir zu bleiben erbeten hett. Galmy 84. es heiszt auch oft: er ist endlich erbeten worden, er hat sich lassen erbitten, hat die bitte gewährt: Isaac aber bat den hern fur sein weib, denn sie war unfruchtbar, und der herr liesz sich erbitten und Rebecca ward schwanger. 1 Mos. 25, 21; denn sie schrien zu gott im streit und er liesz sich erbitten. 1 chron. 6, 20; er liesz sich nicht erbitten, blieb unerbittlich; sie läszt sich erbitten;
auch die spröden unsrer zeiten
können ewig spröde sein,
dennoch sagt und glaubet man,
dasz man sie erbitten kann.
Hagedorn 3, 56. 57.
2)
zuweilen ist doch die gewährung unsicher und kann auch unterbleiben, dann hat erbitten blosz den sinn von bitten oder ersuchen: der prediger liesz hierauf auch den andern nachbar zu sich erbitten. Scriver seelensch. 2, 362, d. i. zu sich einladen, wo wir heute einfaches bitten (zu kommen) verwenden; bald (nennt er) ein dutzend journalisten, die ihn alle zu ihrem mitarbeiter flehentlich erbeten haben. Lessing 1, 245, es braucht ihnen noch nicht zugesagt zu sein.
3)
den erbetnen gegenstand drückte die mhd. sprache neben solchen acc. der person im gen. aus:
got dër durch alliu hërzen siht,
dën möhte al diu wërlt niht
erbiten eins unrëhtes.
Freid. 3, 17;
ein gast, der alsô spâte
und alsô müeder kumt geriten,
dën mac man lîhte dës erbiten,
daʒ ër dës nahtes dâ bestât.
Iw. 5808;
dô ër dër bëte erbëten wart.
Gerh. 1118.
vielleicht haben frühere nhd. schriften noch solche genitive, heute sind sie wie beim einfachen bitten (2, 52) auszer gebrauch und die praep. um wird verwendet: lassent uns den keiser umb gnad erbitten. Aimon v 6ᵃ, gewöhnlicher um gnade bitten.
4)
vom acc. der gebetenen person zu unterscheiden ist der acc. des erbetenen gegenstandes (sache oder person), gleichviel ob er erlangt werde oder nicht. mhd.
si dûht, si hete Gahmurëten
wider an ir arm erbëten.
Parz. 113, 14;
dô Antênor erbat
daʒ bilde, kêrte er gegen der stat
zuo den Kriechen wider hein,
und seite disen fürsten zwein,
daʒ ër daʒ bilde hete erbëten.
tr. kr. 47627—31;
nhd. ich hab das angesicht des herrn nicht erbeten. 1 Sam. 13, 12;
du hast den tod
erbeten, Semele!
Schiller 18ᵇ;
und gern neben reflexivem dativ: sich eine gnade, eine frist erbitten; die erbetene frist wird zugestanden oder abgeschlagen; bis er zuletzt, als er sich das schlittenrecht erbittet, von der pritsche fällt. Göthe 25, 37. soll der um die sache angegangne bezeichnet sein, so geschieht es durch die praep. von: von dem fürsten eine gnade sich erbitten; er erbat sich von ihm öftere briefe;
ein thöricht mädchen deine Semele,
die von dem donnerer geliebet, nichts
von ihm erbitten kann.
Schiller 18ᵃ;
ich bin das weib, das hie bei dir stund und bat den herrn, da ich umb diesen knaben bat, nu hat der herr meine bitte gegeben, die ich von im bat, darum geb ich in dem herrn wider, weil er vom herrn erbeten ist (d. h. der herr um ihn gebeten wurde). 1 Sam. 1, 27. 28. früher galt auch um: das haben die alten rabi umb gott erbetten nach Christi geburt. Frank weltb. 153ᵇ.
5)
zuweilen hat erbeten den sinn von losbitten, freibitten: einen vom galgen erbitten; ich wolte sie verbrennen lassen, aber sie ward erbetten. buch der liebe 29, 1. wahrscheinlich auf ähnliche weise zu fassen ist Trist. 26, 28:
sîn angeborne sinne
die wâren von der minne
als wilde und alse unstæte,
als er se erbëten hæte,
als hätte er sie freigegeben, losgelassen, so dasz sie sich verwirrten, irre giengen.
Zitationshilfe
„erbitten“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/erbitten>, abgerufen am 18.11.2019.

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