Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

erbosen

erbosen, sich,
irasci, böse werden, zürnen, erst in der andern hälfte des 17 jh. aufgekommen und bei Stieler noch fehlend: sich über etwas erbosen. pers. rosenth. 1, 4; wird er theils wegen argwohn, theils wegen verdacht der conspiration erboset. 1, 45; zumal da Rosgen (Röschen) ganz erbost auffuhr. brautsuppe 1679 3ᵇ; es berichtet ein gelehrter mann, dasz alle teufel in der hölle zittern und zagen, wann man die glocken zur kirchen läutet: wie viel mehr müssen sie zittern und beben, erbossen und erschrecken, wann sie müssen sehen, dasz der herr sich im abendmahl mit seinen christen verbindet. Scriver selensch. 1, 515; das ist die art der kinder gottes, sie lassen sich durch die bitterkeit und bosheit ihrer feinde nicht erbittern und erbossen. 1, 779; solche drachen schauete man an bemeldten reuterfähnlein so künstlich gewirkt, das der leere schlangenkörper, wenn der wind zum maule eingieng, aufschwellete wie an einer erbosten (gedr. steht erborsten) schlange. Butschky Patm. 90;
erboster schlusz des himmels, der mich zwingt,
ich soll mein herz von ihrem herzen theilen.
Rottmanns lustiger poet 301;
komm, lasz mich in dem mörser stoszen,
komm, flicht die glieder um dein rad,
was gilts? du solt dich mehr erbossen,
wenn keine marter wirkung hat.
Günther 203;
ein andrer sei erbost, ich musz gezwungen lachen.
414;
sie droht nur und droht nur, sie will sich erbossen,
sie stemmt sich den angrif zurücke zu stoszen.
928;
ich bin, so bald sie mir die schüssel gleich nur weiset,
von dem geruche satt, und zeig ich mich erbost,
dasz es der teller fühlt, so faszt sie gleich den trost
und spricht wie jener koch, 'versuche nur und lecke,
hat es das ansehn nicht, so hat es doch die schmecke.'
980;
als einer unter uns den andern liebgekost,
wenn ihn ein tag vermist, der neid war sehr erbost.
1025;
das herz hat dich verdacht, die hand hat dich verstoszen
um wider sich den arm der rache zu erbossen.
1046;
Pluto erbost sich sehr darüber, dasz die geister sich die seelen rauben lassen. Wieland 26, 189; nur einer hat das unglück den erbosten feinden in die hände zu fallen. 6, 294;
nein, heute ist mir das glück erbost!
Göthe 2, 247;
es schreibt mir einer: den vergleich
von Deutschen und Franzosen,
und jeder patriot sogleich
wird heftig sich erbosen.
3, 164;
mein vater ist genug schon über dich erbost.
7, 50;
da begann der kater erbost zum wolfe zu sprechen.
40, 64;
hört wie sie sich voraus erbosen,
blechklappernd an einander stoszen.
41, 274;
was hilft es, dasz die feindin sich erbose?
Rückert 305;
ob ich lächle drüber oder mich erbose.
Platen 85;
nun mag dein schwert sich wider mich erbosen.
192;
der grimmig winter sich erbost.
Mörike der alte thurmhahn;
blutgierig all, der religion erbost.
Tieck 1, 228;
denn die menschen und die wölfe erbosen sich im frostwetter am stärksten. J. P. Siebenk. 1, 15. die meisten belege zeigen nur das reflexivum, es ist aber auch ein transitives erbosen, böse machen, erzürnen statthaft: am meisten erboste ihn Victors weigern. J. P. Hesp. 2, 74; was unsern medicus am meisten erboste war, dasz sie dem feinen und dem wolriechenden narren ihr die hand zu küssen erlaubte, ihm aber verbot. 2, 160; denn sie glaubte, wenn man ihn erbose und nicht bezahle, u. s. w. uns. loge 1, 60; er war fürchterlich erboset. flegelj. 1, 8; er war unbeschreiblich erboset. Tit. 1, 94. erbossen oder erboszen zu schreiben ist ein fehler.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1860), Bd. III (1862), Sp. 734, Z. 1.

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Zitationshilfe
„erbosen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/erbosen>, abgerufen am 23.10.2021.

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