Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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erben

erben,
heredare, hereditare, nicht im guten, erst im mittelalterlichen latein, und dann it. eredare, fr. hériter; ebensowenig begegnet ein goth. arbjan, noch ags. yrfan, ahd. aber erpan, arpta, ich weisz nicht ob daneben erpên, erbêta. mhd. ist aber tr. erben, arpte (Lanz. 9376) von intr. erben, erbete zu scheiden (mhd. wb. 1, 340). nnl. erven, erfde, isl. erfa, schw. ärfva, dän. arve.
A)
transitivbedeutungen, in der ersten und zweiten erbt der erbe, in der dritten und fünften der erblasser.
1)
leute erben, beerben: der sohn erbt seinen vater, der bruder seinen bruder; und dein same wird die heiden erben (vulg. semen tuum gentes hereditabit). Es. 54, 3; ein vatter der zehen kinder hat, den erben sie alle gleich. Paracelsus 2, 205ᶜ; o dasz mein oheim stürbe und ich ihn erben möchte. Philand. 1, 475;
sein eltern sein nun auch fast alt,
wann sie sterben, erbt er sie bald.
Link spiel von Julianus D 3;
mein sollen sein dein beide sün,
mich erben wie mein leiblich kind
Thiebolt Joseph J 7;
herzliches mitleids
würdige, die nicht gattin umarmt, noch schmeichelnder anwachs,
die nicht erbet ein sohn, kein töchterchen liebet noch eidam.
Luise 3, 2, 141;
ich habe oft leute, die zu leben hatten und zu leben wusten, auf eine jämmerliche tröpfin niederschieszen sehen, damit die tröpfin ihre erben erbe. J. P. Hesp. 2, 29; aber ihr erbt sie doch (die base). Horn Schmiedjacob 2, 65.
2)
sachen erben: das land, das gut, den garten, das pferd erben;
desgleich verfüret (Eva) iren man,
sünd, angst und not erb wir zu lon.
Schwarzenberg 99, 2;
von Adam erb wir todes lon,
durch Christum werden wir erston.
127, 2. 148, 2,
und gewan die blater auf der zungen, die wir alle von ir (Eva) geerbt haben. Keisersberg s. d. m. 11ᵇ; darumb hond wir es von inen geerbt. 12ᵇ; denn die bösen werden ausgerottet, die aber des herrn harren, werden das land erben. ps. 37, 9; aber die elenden werden das land erben. 37, 11; Abraham war ein einiger man und erbete dis land. Ez. 33, 24; auch wird das verwesliche nicht erben das unverwesliche. 1 Cor. 15, 50 (goth. nih riurei unriureins arbjô vairþiþ); die solches thun, werden das reich gottes nicht erben (þiudangardjôs guþs arbjans ni vairþand). Gal. 5, 21; es klagt manch frommer Lazarus, wenn die ganze welt aussterben solte, so wüste ich doch nicht einen zaunstecken zu erben. getrost, das himmelreich ist dein. Otho krankentr. 1083;
die meisten hüten nur die sätze, die sie erben,
wie einen todten schatz, den niemand gröszer macht.
Hagedorn 2, 154;
ich weisz doch auch nicht, wie du Ottilien so hoch stellen kannst! nur dadurch erkläre ich mirs, dasz sie deine neigung zu ihrer mutter geerbt hat. Göthe 17, 20; er hat alle tugenden seiner eltern geerbt.
3)
man sagt etwas auf einen erben, vererben, mhd. an in, ûf in: wie wir denn unser eigen seele und gewissen ja nicht gern wolten für gott, mit misbrauch göttliches namens oder worts, in die höchste fahr setzen, oder auf unser kinder und nachkomen ein ander lere, denn so dem reinen göttlichen wort und christlicher warheit gemesz, fellen oder erben. Augsb. conf. bei Luther 6, 368ᵃ; dasz er trost an im erleben möcht und den schatz, so er samlet, samt allem das er hat, auf in erbe. tischr. 2, 85; darumb sind alle zeit von anfang der welt bei der kirchen gottes schulen und studia gewesen, disen edlen schatz zu erhalten und uf die nachkomen zu erben. Melanchthon anr. der lat. schul. Bonn 1543 a 3ᵇ; das darf sich niemand einbilden, dasz der krieg den augenblick sein ende haben werde. ich sorge vielmehr wir dürften denselben noch auf unsere kinder erben. Heilmans Thuc. 97; die mutter hat ihre tugenden auf die jüngste tochter geerbt; warum musz nun der alte mann sein ganzes vermögen auf einen fernen verwandten erben, den er im grunde nicht liebt?
4)
sich erben, forterben, verpflanzen: viele krankheiten erben sich auf die nachkommen; der aussatz risz unter ihnen ein und erbte sich durch viele generationen hinunter. Schiller 1014ᵃ; der glückliche finder dieser seelenerhebenden idee suchte sich nun unter denen, die um ihn waren, fähige subjecte aus, denen er sie als einen heiligen schatz übergab und so erbte sie sich von einem denker zum andern durch. 1015ᵇ;
es erben sich gesetz und rechte
wie eine ewge krankheit fort.
Göthe 12, 97.
5)
einen erben hiesz früher auch zum erben einsetzen, mit einer erbschaft ausstatten, bedenken: das Metze Flessern uf dem berge vor mir und den scheffen stuͦnt an gerichte und gab uf eindrechtecliche, rehtliche und redeliche den geistlichen frauwen des clostirs von dem throne nach irme tode, und hat sie geerbit mit zehen morgen wingarten. urk. von 1341 ausgestellt von Fridrich von Hutten landvogt zu Wetterau und schultheisz zu Frankfurt. mhd.
der alte hete gerbet
sîne süne mit sölhen urborn.
Wh. 383, 20;
al dâ mite Tankanîs
Îsenharten gerbet hât.
Parz. 51, 11
heute nicht mehr im gebrauch.
B)
intransitivbedeutungen.
1)
wenn der gegenstand der erbschaft unausgedrückt ist: denn dieser magd son sol nicht erben mit meinem son Isaac (vulg. non erit heres). 1 Mos. 21, 10; denn wir wöllen nicht mit inen erben jenseit des Jordans (vulg. nec quicquam quaeremus trans Jordanem). 4 Mos. 32, 19; darumb erbeten die kinder Simeon unter irem erbteil (vulg. possederunt). Jos. 19, 9; du solt nicht erben in unsers vaters land (vulg. heres esse in domo patris nostri non poteris). richt. 11, 12; stosz die magd hinaus mit irem son, denn der magd son sol nicht erben mit dem son der freien (vulg. non enim heres erit, goth. ni nimiþ arbi). Gal. 4, 30. denkt man sich aber einen ausgelassenen acc. hinzu, so wird das verbum transitiv, wie in der letzten stelle Ulfilas erben durch arbi niman ausdrückt.
2)
man sagt in die stämme erben, statt nach den stämmen; in die häupter und stämme erben, was den juristen succedere in capita, in stirpes heiszt. in die stämme erben hat schon der reichsabschied von 1521 §. 18. erben in den dritten theil, zum dritten theil.
3)
jenem transitiven erben auf einen entspricht ein intransitives, hereditate transire, transfundi: der gute wird erben auf kinds kind. spr. Sal. 13, 22; sein teil sol allein auf seine söne erben. Ez. 46, 17; der erste Bourbon, auf welchen deine krone erbte. Wieland 25, 173;
welches gesetz längst
von urahninnen erbt auf ahninnen.
Luise a. l. h. 156;
so sollte ich dem willen meiner eltern gemäsz, welche wünschten, dasz künftig diese gute pfründe auf mich erben möchte, ein handwerk lernen. Göthe 21, 21; der muth, der von seinen voreltern auf ihn erbte. Klinger 1, 267; eine grafschaft erbte von meinem vater auf mich. 1, 344. auch kommt der dativ vor: also ist ein viehische vernunft im menschen auch und erbt vom viehe dem menschen. Paracelsus 2, 326ᶜ. casus und praep. können ganz unterbleiben:
es erbt der eltern segen, nicht ihr fluch.
Göthe 9, 33.
s. anerben, auferben, auserben, beerben, enterben, ererben, forterben, vererben.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1859), Bd. III (1862), Sp. 715, Z. 65.

erbter, m.

erbter, m.
operarius, arbeiter: ein erbter der sich gerne volseuft, der wird nicht reich. Fridrich saufteufel E 1ᵃ. so noch thüring., sächs. vgl. erbeit für arbeit.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1860), Bd. III (1862), Sp. 742, Z. 11.

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Zitationshilfe
„erbter“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/erbter>, abgerufen am 28.10.2021.

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