Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

erdapfel, m.

erdapfel, m.
das ahd. ërdaphul, ërdephil ist pepo, unter welchem lat. wie unter dem gr. worte πέπων eine gereifte und eszbare gurken- oder melonenart verstanden wurde, die noch heute in Baiern pfebe heiszt (Schm. 1, 304), man sehe Diefenbach 424ᵃ unter pepo, cucumer, es war gleichsam ein aus der erde, nicht am baum wachsender apfel. Megenberg 391, 6 hat: citrullus haiʒet ain erdapfel und ist nâhent gestalt sam die pfedem, die ze latein pepones haiʒent, aber der erdapfel ist grüen und die pfedem sint gel, iedoch nennet si diu gemain dick geleich (benennt man sie gemeinlich mit demselben wort). citrullus weist wieder auf malum citreum, citrone, eine apfelförmige frucht. man brauchte das wort aber auch von knollenwurzeln, die aus der erde gegraben werden. Bocks kräuterbuch 701 sagt: zu teutsch möcht man die öpfel mandragorae erdöpfel und hundsöpfel heiszen; 712 hat er waldrüben oder erdöpfel, cyclamen, und auch Alberus verdeutscht cyclaminus, tuber terrae, malum terrae, erdapfel. κυκλάμινος oder κυκλάμινον bezeichnete das sogenannte saubrot, wie es die säue aus der erde wühlen:
das ferklein murrt und blieb stracks stehn,
wolt sich nach ihm nicht ummesehn,
sondern da nach seinem vorhaben
zuvor ein erdapfel ausgraben.
froschmeuseler Cc 3ᵇ.
auch das ags. eorđäppel bedeutete sowol cucumis als mandragora, später entsprungen aber ist das isl. jardepli für solana tuberosa. denn als nun gegen den schlusz des 16 jh. die patate oder potato (solanum tuberosum) aus Amerika nach Europa verpflanzt wurde, wandte man den namen erdapfel passend auch auf sie an, anderwärts galt dafür grundbirne (entstellt in grumbire, krumbire) und kartoffel, welches letztere heute überwiegt. ich habe die americanischen putatos oder erdäpfel mit sehr gutem succes in Österreich gepflanzet, welche gutes brot, wein und brandwein geben. Joh. Joach. Becher 5, der also schon kartoffelbrantwein bereitete. heute sind erdäpfel oder kartoffeln fast zur allgemeinen speise der landleute geworden: sie hatten so ihren bauerntisch, suppe und fleisch, mit erdäpfeln und erbsen. der a. m. im Tockenb. 130. schweiz. und oberpfälz. auch herdopfel. Schm. 1, 103.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1860), Bd. III (1862), Sp. 745, Z. 21.

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Zitationshilfe
„erdapfel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/erdapfel>, abgerufen am 26.11.2021.

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