Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

erdichten

erdichten,
confingere, effingere, sowol in gutem sinn ersinnen, erdenken, erfinden, als in üblem lügen:
wir kunnen auch ein sinn ertichten,
wie wir uns nach der sach auch richten.
fastn. 145, 19;
die hur hats auf mich erticht.
532, 16;
habt ir ein neuen siten erticht.
657, 7,
was du redest, das ist alls erdicht.
Teuerd. 96, 210;
wir hand im sinn
uch vorzespilen ein geschicht
von keinem menschen selbs erdicht.
trag. Joh. A 3;
den (babstlichen stand) die tüfel erdichtet hant.
Murner luth. narr 3017;
sie ertichten schalkheit und haltens heimlich. ps. 64, 7; und spielet auf dem psalter und ertichtet euch lieder wie David. Amos 6, 5; und durch geiz mit ertichten worten werden sie an euch hantieren. 2 Petr. 2, 3; da solches der gemeine man ersehen hat, hat er solche künst nit wöllen verlassen, darumb sie noch nützer sind dann die künst der erdichten arzt. Paracelsus chir. schr. 28ᵃ; erdichtet und zuͦhin thon (hinzugethan). Maaler 109ᵃ;
wol dem der den gotsdienst erdicht
und den gott Bel hat aufgericht.
H. Sachs III. 1, 154ᵃ;
dann wenn der mensch lang vil erdicht,
so kompt gott, der seins gfallens richt.
Ayrer 302ᵇ;
du bist der, so mit deiner falsch ertichten practik mich umb all mein ehr und gutes lob gebracht hat. Galmy 251; dasz der kläger solches nur ertichtet, auch alle weg warzumachen unvermöglich wäre. Kirchhof wendunm. 283ᵃ; andere mehr ertichtete, erstunkene fratzen. 887ᵃ;
wer rechte warheit vor nit weisz,
glaubt alln ertichten worten heisz.
448ᵇ;
dieselbige botschaften bisweilen ertichter geschäft sich anmaszen. mil. disc. 179;
durch dise wort war bald entgründet
des Rheins angst, so allein erdicht.
Weckherlin 348;
der Griechen fruchtbarer verstand
hat nicht mehr wunderwerk erdichtet.
367;
cardinal Bibienna, so die lustige comedien Caliandra erdichtet (gedichtet) hat. Opitz 1, 7ᵇ; den mannhaftigen und kühnen versen, die Alcaeus erdichtet hat. poeterei 61;
ein alter mann wird zwar veracht,
der aber doch der jungen lacht,
die ihnen selbst ein lied ertichten,
das man dann auch auf sie wird richten.
Logau 2, 121, 10;
wo endlich Christus nicht,
der liebe menschenfreund, das mittel hätt erdicht,
dasz er durch seine blösz des menschen blösze deckte.
Hanmann zur poeterei 248;
ich habe ihn blosz durch einen erdichteten brief auf andre gedanken zu bringen gesucht. Lessing 1, 285;
erdichte nur recht viel, es soll dir nicht gelingen.
du willst mich, denkt, wie schlau! nur um den vogel bringen,
nein, nein, die schäferin kriegt ihn gewis von mir.
Rost schäferg. 59;
doch Hüsterlo hört ich im leben nicht einmal
nennen, ebensowenig als Krekelborn. sollt ich nicht fürchten,
dasz du uns wieder belügst und solche namen erdichtest?
Göthe 40, 85;
es ist alles erdichtet und erlogen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1860), Bd. III (1862), Sp. 771, Z. 40.

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Zitationshilfe
„erdichten“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/erdichten>, abgerufen am 24.10.2021.

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