Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

erhören

erhören,
mhd. erhœren, exaudire,
1)
mit dem ohr vernehmen, audire, hören, franz. entendre: mhd.
daʒ ër dem vater hete gesagt,
daʒ erhôrte ouch diu reine magt.
a. Heinr. 460;
da begunde ërʒ ane strîchen,
dâ bî wetzen. daʒ erhôrte,
dër ir fröude stôrte,
der arme Heinrich.
1221;
ûʒ süeʒem slâfe ein sælic wîp
vrâgete, dô si erhôrte
den wahter singen von dem tage.
MS. 1, 27ᵇ;
ër sprach, mîn esel hüete dich,
dër wolf dir schaden tuot,
erhœrt ër dich.
2, 174ᵇ;
nhd. da erhöret gott die stimme des knabens. 1 Mos. 21, 17; da werden harpfen erhört. Keisersb. volk. M. f 5; über die mauren des thurns sah, ob sie jemand erhören oder sehen möcht. Bocc. 2, 107ᵇ;
erhör ich um mich her vil vögelein süsz singen.
Weckherlin 759;
doch wir so ferr erhörens nicht,
weil wir die ohren sparen.
Spee trutzn. 166 (182);
was hab ich in der nacht nicht und am tag
erhört hier und erhorcht an diesen schranken.
Rückert a. a. o.;
suche nachher bei der aufwartung zu erhören, warum er wiedergekommen ist. Tieck 3, 320. man sagt: das ist oft, selten, schon, mehr erhört, nie erhört, unerhört, inauditum;
die alten sagten falsche wort,
von disem weib vor nie erhort.
Schwarzenb. 110, 1;
von der welt an ists nicht erhöret, das jemand einem geboren blinden die augen aufgethan habe (goth. fram aiva ni gahausiþ vas). Joh. 9, 32; ich bin gefragt worden um ein recht urtheil uber jetzt erhorte (eben vernommne) sachen. Reutter 64; nicht vil erhörter weis, modo parum audito. gl. schif, im titel;
dasz auf hohem stuele vielmal sitzt die thorheit,
ist erhört bei aller und nicht nur bei dér zeit.
Logau 3, 55, 96;
ehe die kunst bücher zu schreiben erhört war. Herder 1, 144; so was ist nicht erhört! Tieck 3, 282; büberei wie noch keine erhört worden! Schiller 200ᵃ; vor ein noch nie gehört gericht gestellt. 407ᵇ. vgl. unerhört.
2)
preces admittere, exorari, goth. andhausjan (verschieden von unserm enthören), it. esaudire, sp. escuchar, fr. écouter. da man sich dachte, gott, in dessen ohr die bitte, das gebet dringe, werde darein willigen, so nahm erhören und selbst das einfache hören leicht den sinn des gewährens an. die bibel ist voll von belegen für diese bedeutung von erhören und einige stellen werden genügen: darumb das der herr dein elend erhöret hat. 1 Mos. 16, 11; dazu umb Ismael habe ich dich auch erhöret. 17, 20; und gott erhöret Lea, und sie ward schwanger. 30, 17; der herr gedacht aber an Rahel und erhöret sie und machte sie fruchtbar. 30, 22; und wenn ir betet, sollt ir nicht viel plappern, wie die heiden, denn sie meinen sie werden erhöret, wenn sie viel wort machen (goth. þugkeiþ im auk, ei in filuvaurdein seinai andhausjaindau). Matth. 6, 7; fürchte dich nicht, Zacharia, denn dein gebet ist erhöret (andhausida ist bida þeina). Luc. 1, 13; vater ich danke dir, das du mich erhöret hast (untê andhausidês mis). Joh. 11, 41; ich habe dich in der angenemen zeit erhöret (mêla auk andanêmjamma andhausida þus). 2 Cor. 6, 2; das sie allein blosze wort hersetzet, darin ich gar nichts erhöret bin, und ganz nichts auf mein schreiben und bitte geleret werde. Luther 1, 433ᵃ; und sollte nicht also viel lieb zum fried bei inen sein, das sie nicht ein wort erhören könnten von iren seelsorgern. br. 5, 667; einsi begär und bitt erhören, vota alicujus exaudire. Maaler 111ᵈ;
bei der göttlichen, die da wol sonst
so manch gebet erhört.
Lessing 2, ...;
ich will heut nacht zum schlosz von Villabella
mich heimlich schleichen, will versuchen ob
Lucinde mich am fenster hören wird,
und hört sie mich, erhört sie mich wol auch
und läszt mich ein.
Göthe 10, 219;
mein alter vater segnete uns, und eine nachkommenschaft von edlen tapfern söhnen quoll aus seinem gebet. du (Elisabeth) hast ihn nicht erhört, und ich bin der letzte. 8, 165; und die noth, bekannt mit ihr und von ihr erhört zu werden. Tieck 6, 271.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1860), Bd. III (1862), Sp. 855, Z. 49.

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Zitationshilfe
„erhören“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/erh%C3%B6ren>.

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