Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

erwilden

erwilden,
efferari, ferocire, silvescere, ags. âvildan, mhd. erwilden, würde goth. usvilþjan gelautet haben. mhd.
sîn wîn ist âne süeʒe,
erwildet ist sîn rëbe.
MSH. 2, 387ᵇ;
der sin ist mir erwildet.
Helbl. 7, 260;
wan ër sô gar erwildet,
daʒ ër ze jungest wênic birt
und ër kein obeʒ tragende wirt,
daʒ edel unde nütze sî.
tr. kr. 18588;
dër valke was erwildet.
Schmellers Laber s. 177, 29;
nhd. dis volk ist mit der zeit durch die rauhe gelegenheit des lands erwildet. Stumpf 2, 296ᵃ; also das die leut in bergen wonend darinn etwan also erwildeten, das sie die wilden thier übertreffen. Frank weltb. 18ᵇ; so gar erwilden und zu beern und löwen werden. kriegsb. des fr. 189; bisz die Jüden erwildet und grimmig zur wehr gegriffen. Reiszner Jer. 2, 122ᵇ; dasz sie aus unbillicher schmach zu erwilden pflegten. Tacius b. Fronsp. 3, 239ᵇ; dasz der schade alt were und gar erwildet. Paracelsus chir. schr. 111ᵃ; und so es solt verhalten werden mit gewalt, so hets der luft dermaszen erzündt und erwildet (hier also tr.), dasz es hinder sich lauft. 346ᵇ;
im augenblick ich gar erwildet.
H. Sachs I, 311ᵇ;
jederman ist zum krieg erwilt.
III. 1, 251ᵇ;
erwilden, rauw und wild werden, degenerare in feritatem; mit sinnen und worten erwilden und ertouben, non consistere mente, lingua. Maaler 120ᵃ; kan ihme (dem weinstock) der häcker oder winzer so künstlich mit dem rebmesser schneiden, ihme zu wehren, dasz er mit ohnnützen ruten nicht erwilde, noch auf allen seiten zu geile sich ausbreite. aller weish. lustg. 168; wenn ein raune (wallach) draus gemacht ist, so horet er auf zu rinschen (wiehern) und zu erwilden (mutig zu sein). Comenius sprachenthür von Docemius 178; und erfolget leichtlich, das einer der dem wilde zu vil nachgesetzt, zuletzt selbst darüber erwildet. Butschky Patm. 833. heute ungebraucht.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1861), Bd. III (1862), Sp. 1064, Z. 6.

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Zitationshilfe
„erwilden“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/erwilden>, abgerufen am 14.06.2021.

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