es
Fundstelle: Lfg. 5 (1861), Bd. III (1862), Sp. 1138, Z. 31
= eins, in der Schweiz, wie kes für keins: es chalb ein kalb, es kind ein kind (Stalder dialect. s. 90, wie mis chind, mein kind), daneben auch eis, keis. mhd. ëʒ, id wird gedehnt gesprochen ês, äs (Stalder s. 108). gerade umgedreht sollte für unum gedehntes, für id kurzes stehen.
es
Fundstelle: Lfg. 5 (1861), Bd. III (1862), Sp. 1139, Z. 39
in Baiern, Tirol, Österreich (nicht in der Schweiz noch in Schwaben) bis auf heute fortlebender nom. und acc. des alten dualis zweiter person, jetzt aber auch für den pl. dienend, geschrieben es, ees, ös, oder esz, ösz, mhd. ëʒ, ahd. wahrscheinlichoder îʒ und goth. jut, ags. git, altn. it, später þit, nordfries. jat, lit. judu. weitere vergleichungen und versuche über dieses merkwürdige wort, in dessen auslaut sichtbar die zweizahl enthalten ist, stehn GDS. cap. 39. der gen. enker, dat. enk wurden oben sp. 483. 487 angeführt. die nord. form þit erscheint auch hin und wieder im bairischen des, dös oder im niederhessischen de, und denselben eingriffen des demonstrativs begegneten wir vorhin bei das für es. mischungen des duals und plurals beider erster personen nachzuweisen würde hier zu weit führen. auch die verblaflexion der zweiten person des pl. berührt sich mit diesem es: es habts = ihr habt, dl. oder pl.; es vögerln, tragts mein grusz zu ihr = ihr vögel, tragt meinen grusz zu ihr; woher kömts es? woher kommt ihr?; gehts fort und holts! vgl. Höfer östr. wb. 1, 188.
es f
Fundstelle: Lfg. 5 (1861), Bd. III (1862), Sp. 1139, Z. 77
siehe esse.
es
Fundstelle: Lfg. 5 (1861), Bd. III (1862), Sp. 1126, Z. 5
lat. ejus, goth. is, ahd. mhd. is, ës, nhd. es, ags. is, fries. is, gen. sg. des pronomens dritter person, hochdeutsch aber auf das neutrum eingeschränkt, in den übrigen dialecten, sowie im lat. sowol dem masc. als neutr. zuständig. oben sp. 681 wurde die vermutung ausgesprochen, der goth. gen. is möge früher einmal ijis gelautet und sich vom nom. sg. m. is, welchem er jetzt gleich ist, unterschieden haben. is und ijis würden dann dem lat. is und ejus begegnen und dasz das genitivische is schwerer wog als das nominativische könnte aus den übrigen goth. nominativen ains, blinds neben den genitiven ainis, blindis bestätigung empfangen, gleichviel welcher vocal vor dem s des nominativs gewichen sei. Dies alles geht den uralten uns entrückten sprachstand an, hier scheint folgende bemerkung mehr zur stelle. die ahd. mundart hat von jeher, so lange wir sie rückwärts verfolgen können, den gebrauch des gen. is, ës verengt, wie namentlich aus dem unorganisch auf die unreflexive bedeutung ausgedehnten gebrauch des possessiven sîn hervorgeht, wo goth. alts. ags. richtiger der gen. is, his waltet. das reine, organische is des gen. sehen wir hochdeutsch blosz in aussterbenden spuren des neutralen gen. ës gehegt, während jenes nominativische is zu ër wurde. umgekehrt wandelte sich, nach dem lautverschiebungsgesetz, das ita des goth. nom. acc. sg. n. in ahd. mhd. ëʒ und parallellaufend nahmen nun auch die meisten übrigen pronomina und alle adjectiva die flexion -er für den nom. sg. m., -eʒ für das n. an. solange diesaufrecht blieb, war der schade gering und sämtliche es, des, eines, blindes sonderten sich in der aussprache von eʒ, daʒ, eineʒ, blindeʒ. als aber die nähe der laute s und ʒ unorganische schärfungen des letzteren in den ersteren herbeiführte, als man statt ʒ ein sz und s, dagegen statt s ein sz anhub zu schreiben, risz die verderblichste und ärgste störung ein. in unsrer pronominal und adjectivflexion ist immer ein zweifaches s enthalten, ein dem goth. des genitivs entsprechendes und ein das goth. t des nom. acc. sg. n. vertretendes ganz unterschiedenes. eine menge goth. s sind uns zu r geworden, eine menge goth. t zu s. die lautverschiebung hat im hochdeutschen sichtbares unheil gestiftet, vorzüglich unter den lingualen. wie rein und unverfänglich stehen in allen schwestersprachen s und t von einander ab, bei uns beginnen lauteres s und das aus th hervorgegangne ts in manigfacher stufe sich zu mengen; je nach anlaut, inlaut und auslaut erscheinen z und ʒ, heute z, sz und tz unterschieden, s wird mit ʒ gemischt, ss mit ʒʒ, die verwirrung nimmt immer zu. den unterschied zwischen ës und ëʒ, zwischen blindes und blindeʒ nicht zu wahren wäre mhd. noch ein grober fehler gewesen; allmälich liesz die abgestumpfte lautempfindung zu, s mit sz auszudrücken, umgekehrt sz in s zu verdünnen, inlautendes sz in ss zu wandeln, wie alles unter den betreffenden buchstaben im einzelnen dargethan werden soll. bei 'das' hält uraltes a (goth. þata, ahd. daʒ) den zusammenfall mit 'des' ab, doch alle neutralen nominative blindes, gutes lauten uns wie ihre genitive. zu abhilfe solcher mischungen und wenigstens theilweise zu herstellung des früheren zustandes gleiten vorgeschlagne besserungen, wo sie noch eintreten könnten, ab an verwöhnung oder gleichgültigkeit der sprechenden wie schreibenden und beiderlei pronominale es laufen unverstanden durcheinander. ihr unterschied läszt sich nicht verdeutlichen, ohne beispiele aus der gleichfalls erschütterten syntax zu holen, weil der lautverfall zugleich einem unverkennbaren trieb der jüngeren sprache begegnet, lebendige, leise genitive durch stärker auftretende, allgemeinere accusative zu verdrängen; in dem einen wie in dem andern zeigt sich wechselwirkung. Grund des genitivischen es können substantiva, adjectiva und verba sein, für alle drei fälle verleihen ihm in derselben fügung daneben auftretende kennbar ausgeprägte genitive anderer pronomina, substantiva und adjectiva gewähr. aus jedem mhd. dës mag, auszer im gleich anzugebenden fall der einfachen abhängigkeit, sicher ein ës, aus jedem nhd. des oder dessen ein genitivisches es gefolgert werden. das s der verschwisterten sprachen ergibt einen grund für den gen., ihr t für den acc. dasz sich bei anlehnungen unsere beiden es, mit aphärese des vocals, in bloszes s kürzen bedarf kaum der erwähnung.
A)
es bei substantiven. ein rechtes gebrechen unserer sprache ist es doch, der natürlichsten anwendung dieses genitivs verlustig zu gehen, wir können ihn nicht mehr von dem bloszen substantiv abhängen lassen. was lat. pater ejus, nomen ejus, goth. atta, fadar is, namô is, ags. his fäder, his nama, ja engl. its father, its name lautet, das wurde schon ahd. unlogisch mit dem possessiv sîn fatar, sîn namo, wie noch heute mit sein vater, sein name ausgedrückt, und ein ahd. ës fatar, ës namo wäre unerhört, ein heutiges es vater, es name vollends unverständlich. das musz in der that auffallen und läszt sich nur aus dem eignen weg, den unser pron. dritter person einschlug, begreifen; das franz. son père, son nom stehn auf demselben abweg. ausnahmsweise erscheint dies verschwundne ës mhd. durch ein ihm paralleles dës vertreten, z. b.
got sëlbe und dës kunst.
Tit. 104, 2;
si gienc ouch dâ dër wirt saʒ
und dës wîp diu burcrâvin.
Parz. 34, 9;
an dës hant spranc Elêne.
Neidh. 31, 39;
nhd. durch ein dessen: der mann und dessen frau; der könig und allerhöchst dessen gemahlin; das schlosz und dessen umgebung; der gebrauch des hier angemessensten es ist uns abgeschnitten (gramm. 4, 342). neben substantiven also gestattet einen solchen gen. die hochdeutsche sprache blosz dann, wenn das ihn regierende subst. einem verbum vergesellschaftet gleichsam das einfache verbum ersetzt, z. b. acht haben, dank haben ist so viel als achten, danken; es gehört nicht hierher zu erörtern, in wie fern der auch vom einfachen achten, danken abhängige gen. seinen grund mit dem durch acht und dank verursachten gemein habe. diese haftenden, ihr schon verdunkelten alten genitive strebt nun die spätere sprache auszerdem noch in accusativische (den umständen nach nominativische) es, deren echte gestalt ëʒ sie nicht mehr davon unterscheiden kann, zu wandeln. alles dies werden die wichtigsten beispiele klar machen.
1)
ahd. gouma, cura, gouma nëman ës, curam habere ejus, gouma nâmi dûs, curam ejus habuisti. ohne zweifel galt auch, wofür keine belege da sind, goth. mik ist kara is, mir ist darum sorge; ni kar ist ina þizê lambê, diese lämmer kümmern ihn nicht. mhd.
einer ist hie heime
nimet sînes vater goume.
fundgr. 63, 6;
dës nam man guote goume.
Alex. 1199;
dës nam ich rëhte goume.
Hartm. 1 büchl. 706;
dâ wart dër edeln geste vil bœse goume genomen.
Nib. 2019, 4;
goume tuon:
nu tuot is goume.
fundgr. 53, 19;
wie die burgære
ir letze tâten goume.
Parz. 205, 19.
2)
ahd. ahta, mhd. ahte, nhd. acht, cura, ratio, notitia: eines dinges acht haben, wissen, geben, nehmen, es in acht, obacht nehmen; mhd.
daʒ ich niht ahte wiʒʒen kan
mîner süntlîchen schulde.
Greg. 2785;
wër kunde dës wiʒʒen aht.
Gudr. 1444, 3;
done kunde niemen wiʒʒen wol dës volkes aht.
Nib. 1316, 2;
nhd. ich wills acht haben; ihr sollt es gute obacht haben, darauf achten;
lert sölcher zeichen haben acht.
Schwarzenberg 157, 1;
wie nun der frosch ir (der maus) nit hat acht.
Alberus 17ᵇ;
wolt ich, das adel und landschaft des spiels ein acht hetten. Luther 6, 8ᵃ.
3)
ahd. wara, cura, mhd. war, nhd. wahr, eines war nëmen, tuon: wara ne tuot ër gotes, deum non curat; ne tuont ës nieht wara, achten nicht darauf. nhd. ich nehme es, nehme dessen, der sache wahr. aber auch mit deutlichem acc. ich habe ihn nicht wahr genommen, er nahm das kind wahr.
4)
ahd. wuntar, mirum: mih ist ës wuntar, ich wundere mich darüber;
sie was ës filu wuntar.
O. IV. 7, 6;
ni sî thih thës wuntar.
I. 22, 13;
mhd. wunder mich dës hât.
Nib. 901, 1;
dës hete michel wunder die recken küene und guot.
1521, 4;
die gar gelêrten leiebæren pfaffen,
die singent, dës mich wunder hât.
MSH. 3, 55ᵇ;
si beide hât dës wunder.
Bit. 4832;
vil wunder mich dës hât.
10330;
michel wunder si dës nam.
Roth. 693. En. 248, 3;
den künec nam dës wunder.
Nib. 81, 1;
mich nimet dës michel wunder.
153, 1;
daʒ ës den harpher wunder nam.
Trist. 92, 21;
nhd. des er sich wunder nam. Steinhöwel dec. 175, 18; dessen nimmt mich wunder, es nimmt mich wunder, mich hats wunder, mich solls wunder nehmen, in welchen s, es die spätere sprache den gen. nicht mehr fühlend nominative erblickt, folglich auch das nimmt, hat mich wunder gestattet.
5)
ahd. niot, alts. niud, gaudium, desiderium: mih ist ës niot, ich sehne mich danach, freue mich darauf; ahd.
thës ist sie iamer filu niot.
O. V. 22, 7;
thës thih mag wësan wola niot.
V. 6, 14.
alts. mit dat. der person: was im thëro wordo niud. Hel. 41, 22. 47, 19.
6)
nhd. lust, mut, wille: ich habe es lust, habe dessen lust; ich habs mut, bin dazu entschlossen. Schmeller 2, 654;
nim dirs ein muͦt.
Uhland 523.
7)
ahd. firiwizzi, nhd. fürwitz, vorwitz, neugier:
thiô armilîchûn wizzî was thës thô firiwizzi.
O. III. 20, 41,
die armen geister (ingenia) waren darauf neugierig; in (den Nero) was furewizze allëro iro lido (seiner mutter glieder). N. mhd. bietet sich blosz mich ist firwitz ohne gen. dar.
8)
ahd. hâlî secretum, negatio, occultatio begegnet nicht, ist nur aus dem mhd. hæle, nhd. hehl zu schlieszen. mhd. mich nimt ës hæle, ich hehle es, halte es geheim:
dër boteschaft nam in hâle.
Eilharts Trist. 5796;
dës nam in michel hâle.
En. 158, 8;
ës nimet dich michel hâle.
281, 17;
dës nam si michel hâle.
287, 1;
nimts iuch niht hæl? (ists nicht euer geheimnis?)
Parz. 467, 20;
dës nam in niht hæle (das hehlte er nicht).
Tit. 158, 2.
gleichen sinn gibt ich hân ës hæle:
si het ës vaste hæle.
Nib. 1311, 3;
hæle het er dës genuoc.
Bit. 2188;
swër dës tiuvels wërc begât
und ës hælde niht enhât,
den hân ich für ein engel niht.
Freidank 70, 13.
nhd. ich habe es kein hehl; ich wills gar kein hehl haben; warum sollte ich es hehl haben? dessen hehl haben? aber auch schon das. Luther setzt nominativisches das: für einen fremden thu das nicht, das dich kein heel hat. Sir. 8, 21; ir wesen hat sie kein heel, und rümen ire sünde (vulg. agnitio vultus eorum respondebit eis). Es. 3, 9.
9)
ahd. lougna, mhd. lougen, leugnung:
thës nist lougna nihein.
O. II. 3, 1. III. 20, 89;
mhd. daʒ dës niht haben lougen die Kriemhilde man.
Nib. Holzm. 1890, 3.
10)
mhd. zwîvel, nhd. zweifel:
dâ vliuʒet noch der brunne, dës ist zwîvel dëhein.
1013, 3;
nhd. dessen, darüber, daran ist kein zweifel; es, das ist kein zweifel.
11)
mhd. ërnest, nhd. ernst, serium: mir ist ës ërnest, mir ist ernst damit;
ob ës iu âne valschen list
ërnest wirt oder ist.
Iw. 7903.
nhd. es wird, das wird jetzt ernst.
12)
nhd. ehre, ruhm, spott, hohn, jocus, risus, irrisio:
die gecken hettens fürwar kein er.
Uhland 506;
aber die Ulmer haben es ruhm,
das sie so steif gehalten.
Adrian mitth. 128;
ich habe es meinen spott, spotte darüber;
die übermüthler achteten das wenig,
und hattens ihren spott.
Musaeus kinderkl. 111;
so läuft er was er kann, die liebste zu erretten,
der riese het indes es aber seinen hohn.
Werders Ar. 11, 20.
13)
macht, vollmacht, recht: ich habe es macht, macht dazu; ich habe es macht zu lassen und habe es macht wider zu nemen. Joh. 10, 18, vulg. nur potestatem habeo, goth. valdufni haba; ich habe es alles macht, es frommt aber nicht alles. 1 Cor. 6, 12. 10, 23, wo das erste alles mhd. alles, das andere alleʒ wäre; warum sollten sies nicht macht haben?; leute die es macht haben. Weise sittenl. 105; mein herr hat es gute macht (erlaubnis). Ettners unw. doct. 3; du hast es alle, volle macht, vollmacht;
o lieber sommer, ich gib dirs recht.
Uhland 29.
14)
gewalt. ahd. sie ne habent iro gewalt. N. ps. 54, 24; mhd.
dër aller wunder hât gewalt.
Parz. 43, 8;
swaʒ ich sorgen ie gewan,
dër hât si gar gewalt.
Neifen 3, 15.
15)
gewinn, schade: nhd.
lasz faren dahin!
sie habens kein gewinn.
Luther, ein feste burg;
lasz fahren, kind, sein herz dahin,
er hat es nimmermehr gewinn.
Bürger 13ᵇ,
keinen vortheil davon.
16)
dank, gratia: mhd.
sô hân ichs doch vil hôhen dank.
Walther 62, 24;
ër wândes haben danc.
Reinh. 277;
dër danne jage beste, dër sol dës haben dank.
Nib. 874, 3.
nhd. habe dank! habs dank! (habe dank dafür); du sollst es schönen dank haben; ich weisz es dir dank, keinen dank; sie sollten mir es noch dank wissen. Lessing 2, 400; ists noch kein dank? (wird mir kein dank dafür? ist noch nicht zu danke?) Felsenb. 4, 248; gott sei es dank! Lessing in der eben angezognen stelle meinte wol schon den acc., wie sich aus folgender ergibt: wer wird ihm diese kleine üppigkeit nicht vielmehr dank wissen? 6, 478.
17)
bescheid haben, wissen, thun, geben: du hast es jetzt bescheid, deinen bescheid, der sache bescheid; ich weisz es keinen bescheid, bin davon nicht unterrichtet; ich will dirs bescheid sagen, thun; hiermit nahm Eckhart ein glas wein und brachte es dem amtmann zu, welcher es bescheid that, wie auch die andern. unw. doct. 143. mit offenbarem acc. aber: trank ich meines herrn vaters gesundheit, welche mir der herr pfarrer und meine liebste bescheid thäten. ehe einesmannes 130; ich thue dir schon ein gläschen bescheid.
18)
rath:
ahd. want ës rât thô ni was.
O. III. 21, 15;
mhd. mir ist, wirt ës rât:
iu ist dës nichein rât.
En. 3989;
iedoch nis ës ander rât.
bei Ettm. 117, 12;
dës wirt danne guot rât.
Iw. 944;
sô wurd ës dëste beʒʒer rât.
1643;
ob ës niht rât wære.
6910;
dës enwas niht rât.
Nib. 32, 2. 613, 2;
dës was deheiner slahte rât.
53, 4;
dës wirt wol alles rât.
1689, 2;
daʒ wirs ûf der strâʒen haben guoten rât.
1219, 3.
nhd. es ist, wird kein rath; ich weisz es keinen rath, weisz mir in der sache weder zu rathen noch zu helfen; denn irer plage ist kein rat. Micha 1, 9;
hüte dich vor der that,
der lügen wird schon rat;
es (dazu) kann rath werden; des ist schon rath geworden.
18b)
wort: er will es nicht wort haben, nicht eingestehen; es in abrede sein (1, 87), leugnen, vgl. lougna, unter 9. doch es in abrede stellen enthält den acc.
19)
busz, ahd. puoʒ, mhd. buoʒ, gleicher bedeutung mit rath und hilfe, ehmals sehr verbreitet, heute erloschen, vgl. 2, 570. ahd. thës warth imo sâr buoʒ. Ludwigsl. 6, dafür ward ihm schnell rath und hilfe; mhd.
dës im nimmer mêre
nie ne sal wërden buoʒ.
En. 105, 31;
ës ne mac niht wërden buoʒ.
117, 13;
mir ist mîner swære buoʒ (meinem leid abgeholfen).
Walther 20, 1;
doch wart im sëlten kumbers buoʒ.
Parz. 12, 24;
ir tuot mir site buoʒ.
315, 17;
als im dës dânâch wirdet buoʒ.
Wh. 188, 28;
daʒ ir alle iuwer nôt,
die iu durch sînen übermuot
der grâve Aliers lange tuot
und noch ze tuonne willen hât,
dër wirt iu buoʒ und rât.
Iw. 3407—13 nach der ersten ausg.,
denn in die zweite nimmt Lachm., der attraction 'alle — die' keine rechnung tragend, 3412 eine andre lesart auf;
zwischen gellen zwein wirt vil sëlten nîdes buoʒ.
MS. 2, 144ᵇ;
dir wirt dër sorgen buoʒ.
Barl. 18, 1;
ës wirt dir lîhte buoʒ.
17, 25.
nhd. kaum noch im 15. 16 jh.: sintmal man seiner krankheit möchte busz finden. Bocc. 1, 107ᵇ = Steinh. dec. 132, 29 (orig. 2, 8 in quanto pure alcun modo si trovava al suo scampo);
und wirt im sorgen nimmer busz.
Morsheim C 3ᵇ.
20)
ahd. lapa, refectio, recreatio: mir ist ës laba, ich werde dadurch erquickt; ër tuot dir is laba, recreat te, ergetzt dich dafür. N. ps. 36, 5;
wanta ës nist laba furdir.
O. V. 19, 15.
21)
noth, ahd. mhd. nôt: mir ist, wirt, tuot, gêt ës nôt, opus est eo: ahd.
nu ist ës nôt.
O. IV. 30, 31;
thës was nôt.
I. 3, 10;
ni sî thir ës nôt.
I. 27, 7;
ni was imo ës nihein nôt.
II. 4, 42;
harto wirdit iu thës nôt.
IV. 26, 32;
thër hungar duit imo ës nôt.
II. 4, 33;
ist is io doh nôt. Boeth. 201; dës ist nôt. 207; mhd.
und ruowet hînt, dës tuot iu nôt.
Parz. 35, 11;
dës enwas niht nôt.
Nib. 69, 2;
dës wære lützel nôt.
560, 2;
zornes was im nôt.
2152, 3;
zwâre, vrouwe, dës ist nôt.
Iw. 1931;
dës in zem lîbe was nôt.
3343;
daʒ ërn sluoc, dës gie im nôt.
2050;
dës vreut si sich, dës gienc ir nôt.
5388;
dës gie in wærlîchen nôt.
Nib. 71, 4;
dës gie dem helde nôt.
460, 1;
dës gêt mir wærlîche nôt.
864, 4;
dô gie ir trûrens nôt.
1722, 1;
dës gêt mir grôʒiu nôt.
2151, 3;
dës gât in michel nôt.
2175, 3.
nhd. eines aber ist not, ἑνὸς δέ ἐστιν χρεία. Luc. 10, 42; es ist nicht noth; gar keine noth ist es davon zu reden; es war nicht noth, dasz er kam; es thut noth, grosze noth, in welchen allen aber das heutige sprachgefühl accusative annimmt, wie man auch sagt: das ist, hat, thut noth, keine noth, statt dessen. unter eines Luc. 10, 42 meinte Luther, der vulg. gemäsz, wahrscheinlich unum, denn er schreibt wiederum apostelg. 4, 35. 28, 10 was im not war, nicht wes. solch ein mhd. ëʒ oder daʒ tuot mir nôt gibt Pfeiffers Boner in eilf (schon gramm. 4, 249 verzeichneten) stellen, die frage ist ob mit recht. den 'es' der hss. liesz sich nicht ansehen was gemeint sei, ës oder ëʒ, für des aber scheint 'daʒ' besserung des herausgebers. bedeuten musz die phrase: noth (nom.) thut mir dessen (dazu), und nicht noth (acc.) thut es mir, doch ein adjectivisches nôt, necessarium, wäre zulässig.
22)
ahd. durft, nôtdurft, necessitas, goth. þaurfts:
thurftî sint ës harto.
O. I. 23, 57;
ës sint uns harto thurftî.
V. 12, 55;
ës wârun in thô thurftî.
IV. 5, 2;
zispëri eines ist nôtthurft, unum est necessarium (mithin gegen die vulgata). T. 63, 4. mhd.
ob mirs durft wâre.
Alex. 3896 (Weism. 4093);
dës ist undurft (keine noth).
anegenge 34, 29;
sô durft enwart mir râtes nie
noch hëlferîcher lêre.
tr. kr. 17864;
dës dir kein durft wære. Leyser pred. 72, 32; ob des durft. stelle aus Frisch, schon wb. 2, 1730 angeführt.
23)
alts. tharf, ags. þearf, necessitas, ahd. darba. Schmeller zu Heliand verzeichnet zehn stellen, in welchen mit is (est) oder was (erat) tharf der gen. verknüpft wird: was im âtes tharf. 36, 19; thës is tharf mikil. 133, 16; us is thînoro huldi tharf. 47, 24; nis thës tharf nigiean (eo non est opus). zumal gern der gen. pl.: was im is hëlpôno tharf. 35, 18. 92, 12; nu is im thînoro hëlpôno tharf. 64, 1; was im bôtôno tharf. 70, 8. 109, 1; us is thînaro lêrôno tharf. 116, 20. genitive neben ags. þearf erscheinen eben so häufig.
24)
ursache, causa: ich habe es ursache, grund dazu; er hatte es alle ursache; ich bin oft eifersüchtig auf sie gewesen. 'du hasts auch ursache gehabt'. Göthe 14, 255; ich habe dessen gute ursache; er hat seines zurücktritts die scheinbarste ursache. eben so bei anlasz und schuld: ich bin es schuld, habe, trage es die schuld; mhd.
daʒ ist dës schult.
MSH. 1, 65ᵇ.
25)
ende. es, des geschwätzes ist, wird kein ende. ahd. ist unende sînero micheli. N. ps. 144, 3; tëro wâno ist unende. Arist. 238; iro neist nio solih unende. Boeth. 211; wirdet wunderônnes ende. 209.
26)
zeit. mhd. ëʒ ist zît, fr. il est temps; ës ist zît, il en est temps, es ist zeit dazu, nhd. ich habe dessen zeit; jetzt ist zeit des handelns; mhd.
dô slâfennes zît wart.
Iw. 383;
nu was ouch slâfennes zît.
5866;
nu kom ein bote, dës was zît.
Wigal. 23, 7;
nu ist ës zît, nu kêre zuo!
Trist. 225, 11.
ähnlich bei jahr, monat, tag. mhd.
ës sint nu wol zëhen jâr.
Iw. 260;
ës (s. l.) ist noch niht vol ein jâr.
Neidh. 42, 14.
nhd. aber auch: das sind nun zehn jahre, so dasz in es sind zehn jahre es der nom. wäre.
27)
herr, meister: ich bin es herr, j'en suis le maitre; du bist es herr und meister; ahd.
al gizungilô thaʒ ist,
thû druhtîn ein ës alles bist.
O. I. 2, 23.
28)
wicht. viele genitive hängen ab von goth. vaihts res, alts. ahd. mhd. wiht, zumal in dessen verbindung mit der negation, goth. ni vaihts, alts. ni wiht, wozwischen ahd. noch die partikel io (unquam) zu treten pflegt, iowiht, später ieht aliquid, niowiht, nieht, nihil, mhd. iht und niht: goth. ni vaiht ubilis, nihil mali; ni vaiht mis vulþris ist, vulg. nihil mea interest. Gal. 2, 6; ni vaiht aljis hugjiþ. 5, 10; jah eis ni vaihtai þis frôþun, vulg. nihil horum intellexerunt. Luc. 18, 34; ni vaiht is, nihil ejus, wofür nur kein beleg zur hand. alts. is (thës lithes) ni was farlêbid wiht huergin an themo hûse. Hel. 61, 11. ahd. ni wëssun ës nieht (wusten nichts davon). Diut. 2, 286ᵃ; sie ne tuont is aber nieht. N. ps. 18, 9;
ist iaman hiar in lante,
ës iawiht thoh firstantê.
O. I. 17, 24;
ni zawêta imo ës niawiht.
II. 5, 12;
oba ir hiar findet iawiht thës.
ad Salom. 7;
ist thar wiht sô sarphes
odo iawiht ouh sô gëlphes.
I. 23, 25;
thar nist gallûn ana wiht,
ouh bitteres niawiht.
I. 25, 27;
ni fand ih in iu wiht guates.
V. 20, 206;
ni wâri dëse fon gote, ni mohti tuon thës iowiht, ni esset hic a deo, non poterat facere aliquid. T. 132, 19; ëno was iu iowiht thës wan, numquid aliquid defuit vobis? 166, 1; inti in themo tage mih iowiht ës ni frâget, et in illo die me non rogabitis quidquam. 174, 6. mhd.
wan man geloubt imes niht.
Iw. 1730;
sît ichs niht haben sol.
7313;
dës ich niht geantworten kan.
2972;
dës si niht verlâgen.
3044;
daʒ ër sîner arbeit
iht (niht) âne lôn belîbe.
a. Heinr. 21;
sine mugens niht erdenken.
Parz. 1, 17;
frouwe, dës enweiʒ ich niht.
11, 23;
sîn geslehte im dës niht louc.
41, 12;
dune darft mir dienstes danken niht.
49, 11;
ich hân mirs sëlbe niht erdaht.
53, 26;
dës engërte se keinen wandel niht.
56, 27;
von sîner hant ës niht geschiht.
60, 14;
dër (quorum) ich genennen niht enkan.
Nib. 10, 4;
jâ geniuʒet sis niht.
2312, 1;
duͦstu dës nicht, du bist entwicht.
Muscatpl. s. 118, 64.
überall ist hier das genitivische ës abstehend von dem accusativischen ëʒ und anderes bedeutend. wie beim verbum häufig ein partitiver gen. findet er sich auch hier beim subst., mit dem sinn davon, darüber, franz. en, während der acc. die ganze sache ausdrückt. 'ich tuon ës niht' heiszt ich thue nichts davon, goth. ni tauja vaiht is, fr. je n'en ferai rien; 'ich tuon ëʒ niht' dagegen, ich thue die sache nicht, ni tauja ita, je ne le fais pas. nhd. hat der schon durch vergröberung der laute unmöglich gewordne unterschied auch deshalb erlöschen müssen, weil unser 'nicht' in eine unlebendige negation übergegangen ist, welche anfangs nur dadurch verstärkt wurde. das s in unserm siehstus nicht, thustus nicht? ist barer acc., ohne partitive beimischung. man vgl. nicht und nichts.
B)
es bei adjectiven. auch hier erscheint der, übrigens noch die regel bildende genitiv nicht anders als im geleit von einem verbum, meistens von sein, werden, bleiben. den acc. lassen doch einzelne, späte fälle gewahren. dem gen. entspricht auch der griechische, das latein hat dafür den abl.
1)
frei. goth. frijana brahta mik vitôdis fravaurhtais jah dauþaus. Röm. 8, 2, bei Luther: hat mich frei gemacht von dem gesetz der sünden und des todes; ahd. tiu den man dës frîen duot, daʒ er niomannes scalh ne ist. N.; mhd.
hërre got, nu schaffe mich ir vrî.
MS. 1, 98ᵇ;
ich bin dës mærs noch vrî.
Parz. 672, 23;
swem si missevellet, dër ist ougen vrî.
MS. 1, 25ᵃ;
nhd. sie liesz sie der leibeigenschaft frei. Münster 774; sie hielten einen frei der ürten. Kirchhof wendunm. 344;
und mach mich alles kummers frei.
Gryphius;
als ich frei aller noth an meiner Mulden lag.
Fleming 190;
vergnügt und aller sorgen frei.
Canitz.
wir sagen heute ich bin frei davon, nicht mehr ich bin es frei, an dessen früherem bestand die andern angeführten genitive nicht zweifeln lassen.
2)
ledig. mhd.
dër künec mîn bruoder mehte
dës itewîʒes unde mîn
mit êren lëdec und âne sîn.
Trist. 39, 12;
daʒ Isôt dirre mære
lëdec und âne wære.
278, 18;
daʒ ër sîner aventiure
an sorge und an triure
lëdec und âne gesaʒ.
398, 19.
nhd. des leibes bist du ledig,
gott sei der seele gnädig.
Bürger 15ᵇ;
warum nicht auch: ich bins wieder ledig?
3)
los. mhd.
swie tugende lôs ër sî.
Trist. 292, 33;
nhd. du bist aller schuld los; ich bins los. im letzten sah die neuere sprache einen acc. = ich bin das los, wie sie auch sagt: ich bin das fieber glücklich wieder los; wir sind den kerl endlich los; ich wäre es (das briefchen) gern los. Lessing 1, 543; so bald ich das (geld) los bin! 1, 544.
4)
verlustig. ich bin des geldes verlustig geworden; er ist, geht seines amtes verlustig; wir sinds nun verlustig.
5)
quitt. nhd. so aber das weib dir nicht folgen will, so bistu dieses eides quit. 1 Mos. 24, 8; geben sie dir nicht, so bistu meines eides quit. 24, 41; kurz von der sache zu kommen, meiner freundschaft sind sie quitt. Lessing ...; wir sinds quitt. häufig auch ohne beigefügten gen.
6)
bar. mhd.
si wurden abe mit den swërten
zehouwen schiere also gar,
daʒ si ir bêde wurden bar.
Iw. 1028;
daʒ si der schilde wâren bar.
7142;
ir hërze was trucken gar
und beidiu ougen saffes bar.
Wh. 69, 28;
dër walt ist niuwes loubes rîch,
dës machete in der winter bar.
MS. 2, 233ᵃ;
nhd. des laubes, des geldes bar, aller hofnung bar.
7)
blosz. mhd.
diu klôs was freuden lære,
darzuo aller schimpfe blôʒ.
Parz. 437, 17;
nhd. des laubes, der kleider blosz stehn.
8)
leer. mhd.
was iender boum dâ sô grôʒ
daʒ ër stuont, dër wart blôʒ
und loubes alsô lære,
als ër verbrennet wære.
Iw. 661;
daʒ sîn voller zuber swære
wart aber waʒʒers lære.
Wh. 190, 10;
nhd. der becher ist weines, der beutel geldes leer. üblicher leer von wein, geld.
9)
voll. goth. banjô fulls, ulceribus plenus. Luc. 16, 20; fulls varþ daunais, voll vom geruch der salbe. Joh. 12, 3; mhd.
wan wir daʒ wiʒʒen wol,
daʒ du bist bitters eiters vol.
Iw. 156;
ouch gienc der walt wildes vol.
3272;
nhd. der lag fur seiner thür voller schweren. Luc. 16, 20; die wiese steht voll wassers, aber auch voll wasser, voll von wasser; der beutel ist voll geldes, voll geld; die strasze ist voll volks, voll volk. solche zulässig gewordne flexionslose nomina können nicht für acc. gelten, da nie gesagt wird voll das wasser, noch weniger voll das, voll es. voll des, voll dessen ist gerecht;
ich bins voll zuversicht: am ende
der laufbahn wird das kleinod mir.
Klopstock 7, 294.
10)
satt. ahd. sanges satêr, satur modis. N. Boeth. 179; mhd.
ine kum niemêr von dirre stat,
ine mache uns alle strîtes sat.
Parz. 359, 12;
ër wurde gërne schatzes sat.
Flore 4774;
dô ich alsô trûric saʒ,
ungâʒ, gedanke sat.
3185;
nhd. ich bin des honigs übersatt; er wurde des spiels bald satt, des lebens satt; ich bins satt; ich hab es satt. accusativisch, ich bin das satt; wir sind den mann satt; sie war ihn schon lange satt; ich habe mich sie satt gesehen = an ihr s. g., ihrer s. g.
11)
müde. ahd. wart dës wînis muodi. Diemer 122, 5, ward von dem weine trunken; denchennes muodiu. N. cap. 115, wie vorhin gedanke sat; mhd.
ës (ejus) wæren müede zwêne smide.
Parz. 537, 27;
nhd. der könig und die kaiserin
des langen haders müde.
Bürger 13ᵃ.
doch des weines müde könnte uns bedeuten sowol müde, schläfrig davon als müde ihn zu trinken. accusativisch, nur in letzterm sinn, ich bin den wein müde, ich bins müde, bin das müde, ich sehe mich die sache müde, an der sache, ich sehe michs müde. bei Wieland: wie er mit der ganzen sammlung fertig war, fieng er wieder von vorn an, ohne es müde zu werden, 11, 24 weisz man nicht, welchen casus er meint.
12)
überdrüssig, ahd. urdruʒi, noch im 16 jh. überdrüsz. ahd. urdruʒiu dises lîbes; verdruʒʒe wortenêr dërô friskingô bluotes. Graff 5, 249. nhd. entzeuch deinen fusz vom hause deines nehesten, er möcht dein überdrüssig und dir gram werden. spr. Sal. 25, 17; meine seele ist feind ewren newmonden und jarzeiten, ich bin derselbigen überdrüssig, ich bins müde zu leiden. Es. 1, 14; die es (ejus) bald überdrusz werden. Luther 6, 34ᵃ; das wir aller creaturen, sie sei so. edel als sie immer wölle, müde, satt und überdrusz werden. Agricola spr. nᵒ I. A 4ᵃ; des langen sitzens, gehens wurde er überdrüssig. accusativisch, das bin ich nun schon überdrüssig;
ein mensch der sich die welt nie überdrüssig sah.
Lichtwer 1, 18;
ihr werdet das eine sowol als das andere überdrüssig. Lessing 1, ...
13)
sicher. mhd.
jâ ist ër niht gar ein heiden, dës sult ir sicher sîn.
Nib. 1201, 5;
nhd. ich bin es sicher, bin dessen sicher.
14)
gewis. mhd.
ob ir dës gewis sît.
nhd. ihr seid hier leibs und guts sicher und gewis; ein christ sol seines sinnes und glaubens gewis sein, oder je darnach streben, das ers gewis werde. Luther 6, 18ᵇ; ich liesz mir bleistift geben und papier und zeichnete das ganze bild so dämmernd warm, als es in meiner seele stand. sie hatten alle freude mit mir darüber, empfanden alles was ich gemacht hatte und da war ichs erst gewis. Göthe an Kestner in Göthe und Werther s. 114.
15)
gewahr. mhd.
dô ich dîn hinden wart gewar.
Walther 101, 12;
daʒ ës ir kein wart gewar.
Iw. 102;
daʒ ër ir niene wart gewar.
3472;
daʒ dës niemen wart gewar.
7806;
daʒ man des wuofes wart geware.
Nib. 977, 3.
nhd. ich bin es gewahr; ich ward dessen gewahr; ward er gewar seines gelds. 1 Mos. 42, 27; ich ward gewar eines nerrischen jünglinges. spr. Sal. 7, 7; sie war meiner bald gewahr. Lohenst. Arm. 1, 489;
ich werde neuer lust gewahr.
Hagedorn 3, 130.
sehr oft mit dem acc., ich bin ihn schon gewahr; er wurde die sache gleich gewahr; allenthalben sah ich mich um, konnte ihn aber nirgends gewahr werden; ohne dasz sie es gewahr wurde (acc. oder gen.?). Wieland 2, 152.
16)
ansichtig. wurde schon gramm. 4, 756. 757 behandelt und nachträge stehen wb. 1, 461. 462. hier zeigt sich, besonders bei trennung des sichtig von der partikel an, der acc. ziemlich frühe und scheint eben dadurch veranlaszt.
17)
bereit. ich bin es bereit, dazu bereit. wb. 1, 1498.
18)
beichtig, confitens (1, 1360 nachzuholen), ahd. pigihtîc: ih wirdu ës pigihtîc, ës alles pigihtîc; ih wirdu gote bigihtîc allërô mînëro suntônô; derô ih gihtîg pin worten. N. Boeth. 188. nhd. ich werde es beichtig.
19)
geständig, eingeständig. der dieb ist seines verbrechens geständig; bist du der rede geständig; er war es eingeständig; will nichts geständig sein. aber auch mit acc.: ich bin ihm die schuld nicht geständig; er war das alles eingeständig. darum die heutigen es zweifelhaft.
20)
gedenk, eingedenk. wofern sie mein will ingedenk sein. Weise liebesalliance 35;
jener verschwundnen
sind die verbundnen
fröhlich gedenk.
Göthe 1, 120;
ich chromatischer prüfungen eingedenk. 31, 231; ich bleib es immer eingedenk. beispiel eines acc. oben sp. 185.
21)
zufrieden, ein unorganisch aus zu friede, zu frieden entsprungnes adj., bei welchen meistens der gen. ich bin es zufrieden, des, dessen zufrieden steht; er war des titels zuͦ friden. Münster 1208; des waren die burger wol zuͦ friden. 1220; war dessen zufrieden. unw. doct. 935. man hört jedoch auch: ich bin das zufrieden, bin das alles zufrieden, bin diesen tausch zufrieden.
22)
eins, einig, stets mit voranstehendem gen. wir sind des handels eins; des handels einig geworden; ich wurde des handels einig. Leipz. av. 2, 160; mit welchem ich des handels bald einig wurde. Felsenb. 1, 448; wir sinds lange schon einig; der wahl, des schlusses einig (oben sp. 208, 6); des kaufes, der sache eins.
23)
froh, mhd. vrô, gemeit, geil:
dës was ër vrô.
Reinh. 50;
dës bin ich vrô und gemeit.
317;
dës wart Isengrîn unvrô.
1453;
dës trôstes wurden si vrô.
Iw. 4803;
dës wart dër künec Artus vrô.
7603;
diu wær vil lîhte eins schimphes vrô.
Parz. 515, 6;
dër knappe dës roubes was gemeit.
132, 25;
diu frouwe was ir gastes geil.
33, 12;
ieslîcher was sîns ortes geil.
51, 29;
dër hërre in sîme muote was dës vil gemeit.
Nib. 290, 1;
ahd. ër was thës aphules frou.
O. II. 6, 23;
joh fuar si sînes wortes frô thô heimortes.
III. 11, 31;
nhd. ich bins herzlich froh; lebensfroh; des sind wir alle froh; der botschaft konnten sie nicht froh werden.
24)
mächtig, gewaltig. mhd.
diu ist gar gewaltic mîn.
MS. 1, 26ᵃ;
nhd. sie vergessen, dasz sie nur éines armes mächtig sind. Lessing 1, 520; ich will hoffen, dasz du deiner mächtig genug warest. 2, 137; bis ihr eurer glieder mächtig werdet. unw. doct. 367; ich bins wol mächtig; er war keines hellers mächtig.
25)
habhaft. sie konnten seiner nicht wieder habhaft werden; ich bin es nun habhaft.
26)
gewärtig, erwärtig. ich bin deines winks gewärtig; ich war mir eines so frühen befehls nicht gewärtig. Lessing 2, 121; wir sinds erwärtig (oben sp. 1046).
27)
werth, goth. vairþs, ahd. wërd. nist meina vairþs. Matth. 10, 37; akran vairþata idreigôs. Luc. 3, 8; vairþs auk ist vaurstvja mizdôns seinaizôs. 10, 7. ahd. dës wërd ne sint. N. ps. 87, 12; wërt dës diskesideles. W. 3, 10; mhd.
doch ichs unwërt sî.
Karajan denkm. 48, 14;
dës was ër wërt und was im nôt.
Iw. 6552;
dës sît ir weiʒgot wol wërt.
7564;
guot man ist guoter sîden wërt.
Walther 44, 10;
ëʒ was wol drîer marke wërt.
104, 11;
ëʒ was ouch niht anders wan gesteine unde golt,
unde ob man al die wëlte hæte versolt,
sîn wære minner niht einer marke wërt.
Nib. 1063, 3;
nhd. wer tods werd ist. 5 Mos. 17, 6; denn sie sinds auch werd. weish. Sal. 1, 16; die geste warens nicht werd. Matth. 22, 8; denn ein erbeiter ist seiner speise werd. 10, 10; entweder bin ich ir oder sie sind meiner nicht werd gewesen. Tob. 3, 20; hat gethan, das der streiche werd ist. Luc. 12, 48; er ists werth, dasz man ihn liebe; aller ehren werth; seiner freundschaft werth. Lessing 1, 516; ist dieser tag keiner freudigen aufwallung werth? 2, 139; ist ers nicht werther noch, weil er nicht will? Klopst. 10, 20. mit acc., einen zweiten schusz wäre er ja wol noch werth gewesen. Lessing 2, 151; diesen casus pflegen wir bei angabe von geldwerth gern zu setzen: zweihundert pfennig werd brots. Joh. 6, 7; einen thaler werth; keinen heller werth; dieser ring ist seine funfzehnhundert thaler unter brüdern werth. Lessing 1, 533. aber auch sonst sind beide casus gleich anwendbar: es ist nicht der mühe oder die mühe werth. ihr seid euch werth, setzt Göthe 55, 22, wo auch stehn dürfte euer werth.
28)
schuldig. ahd. ir bint imo is sculdig. N. ps. 134, 1; mit tëro nôte dës scazzes, tës ër sculdig was. Boeth. 21; thër ist sculdig duomes, thinges, hella fiures, reus erit judicio, concilio, gehennae ignis. T. 26, 1—4; sculdic ist tôdes, reus est mortis. 191, 3;
quad thës wâri wirdig, ioh harto filu sculdig.
O. IV. 19, 70.
nhd. des todes, der streiche schuldig; ich bins wol schuldig; wir wissen uns der that schuldig; der ist einer missethat schüldig. 3 Mos. 5, 1; der sol des bluts schüldig sein. 17, 4; denn er ist des tods schüldig. 4 Mos. 35, 31. wiederum bei geld der acc., was bin ich schuldig?; du bleibst noch éinen thaler schuldig; was ich von alters her schüldig gewest zu geben. 1 Macc. 10, 41; von wegen einer summa gelds, die er dem könig schüldig blieben ist. 13, 15; bis das er bezalet hat alles was er im schüldig war. Matth. 18, 34; ich schweig, das du dich mir selbs schüldig bist; einem mann, der in seinem leben keinen heller schuldig geblieben ist. Lessing 1, 512; ich wüste nicht, dasz er mir jemals etwas schuldig gewesen wäre. 1, 517; was können sie diesem mann mehr schuldig werden? 1, 556. der acc. geht auf die ganze phrase schuldig sein, werden, bleiben, der gen. auf das blosze schuldig, reus. dies scheinen hauptbeispiele, den einflusz der verbalkraft legen adjectivisch verwandte participia noch offenbarer dar, wofür ein paar belege hinreichen: er ist die gräfin hier nicht vermuthend. Lessing 2, 139; ich bin es fest entschlossen; ob sie es denn auch bekant (geständig) wollen sein öffentlich fur irer oberkeit. Luther 6, 18ᵇ; auch ohne dasz man sichs bewust ist. Wieland 2, 7; ich bin es mir bewust;
und da hieng ich und wars mir mit grausen bewust.
Schiller 64ᵃ.
vgl. gramm. 4, 735.
C)
es bei verben. da die fügung beider casus, des gen. wie des acc. zum verbum geläufiger ist, braucht nicht so weit in die syntax gegriffen zu werden, um die unterschiede zwischen ës und ëʒ erst an andern nominalformen zu erkennen oder zu bestätigen.
1)
vorzugsweise wird auf den genitiv zu schlieszen sein, so bald ein intransitives verbum und in der vorstellung etwas partitives vorliegt, das sich auch durch davon umschreiben läszt, während transitivbegriffe den bestimmteren acc. nach sich ziehen: ich habe es (gen.) noch, bewahre davon, mir ist dessen übrig, dagegen ich habe es (acc.) noch, bewahre die ganze sache. unter es geben, nehmen, essen, trinken und vielen solchen verstehen wir heute nicht mehr die theilweise, nur die volle einwirkung, doch mag ein beigefügtes 'viel' oder 'wenig' den alten gen. heben: gib mirs, nimm dirs ein wenig. in es kosten, versuchen u. s. w., intransitiv gefaszt, könnte er fühlbarer haften.
2)
ehmals hieng von walten der gen. ab (gramm. 4, 658. 659), wie er sich zu gewalt haben, gewaltig sein einstellt: ahd.
weltis thû thës liutes.
O. I. 2, 34;
mhd. daʒ ër rîches muotes wielt.
Er. 313;
nu solt ich mit iu beiden
alrêrst vröude walten.
Greg. 47;
die iwers râtes walten.
397;
hër lieʒ ës got walden.
En. 200, 34;
daʒ ës unfuoge walde!
Parz. 348, 30;
ich sol mîn lop behalten,
daʒ ës die wîsen walten.
509, 24;
ër lac und lieʒ ës walten
den dër hëlfe hât behalten.
568, 1.
in gleichem sinn fasse ich nhd. lasz es gott walten. Keisersb. bilg. 193ᵈ. Agricola sprichw. 415 und des walt got! Keisersb. gunkel ..., ja noch später:
des gröszern (schatzes) waltet
sein vater noch.
Lessing 2, 208.
allein derselbe Agricola, während er sprichw. 596 im text schreibt gott walt es! gibt die überschrift: das walt gott! meint also auch unter 'es' den acc. nicht anders Fischart Garg. 100ᵃ sogar mit doppeltem acc.: das walt sie der vatter! das walt sie der teufel!, so dasz unser heute oft vernommenes 'gott walts!' den gen. wie den acc. enthalten könnte und der sprachfehler: das walte gott! statt dessen walte gott! häufig und pathetisch begangen wird. bei Gryphius 1, 768: nu das walte der es walten kann! sind gleichfalls schon zwei accusative gemeint.
3)
gleiche unsicherheit schwebt über glaube mirs! glaubt mirs! nach dem alten brauch wäre der gen. auszer zweifel: ahd.
giloubet thës mir!
O. IV. 19, 53;
giloubi mir thës wortes!
V. 7, 4;
mhd. ër sündet swër dës niht geloubet.
MS. 1, 1ᵃ;
obe ir mirs geloubet.
Walther 74, 26;
geloubet dës.
Wh. 359, 12;
dâ von was im, geloubet mirs,
nâch dër vil clâren dëste wirs.
tr. kr. 15987.
doch auch schon ahd.
giloubu ih thaʒ giwisso.
O. III. 24, 23;
giloubent sie thaʒ kruzi.
V. 6, 31.
auf einen unterschied intransitiven oder transitiven sinnes lassen sich diese fälle kaum zurückleiten. heute entschiedner acc.
4)
ahd. danchôn mit gen.
thankës gote filu fram.
O. III. 20, 107;
joh thankônt ës mit worte Kriste themo wirte.
II. 10, 8;
thaʒ thû uns ës muaʒis thankôn.
II. 24, 38;
danchônt dës truhtene.
N. ps. 29, 5;
thaʒ thir ës got githankô.
O. II. 20, 6;
mhd. ich dankes mîme heile, daʒ ich dem tievel entran.
Nib. 1938, 4;
dune darft mir dienstes danken niht.
Parz. 49, 11;
si muosens eime walde danken.
Lanz. 6560;
dem sulns die miuse danken.
Renner 22208;
nhd. ich dank euch gern eurer tat.
fastn. 450, 1;
das schaf im dankt weiser lehr.
H. Sachs II. 4, 49ᵈ;
ei des musz dir der teufel danken.
IV. 3, 23ᵇ;
dank dirs der teufel!;
folge meinem rath, du wirst mirs (dafür) danken. unw. doct. 370;
gute nacht! 'danks! angenehme ruh!'
Göthe 7, 6,
welches letzte es freilich auch accusativ sein dürfte, wie wir ihn nun allgemein zu danken setzen: das dank ich meinem schöpfer; das danke dir der teufel!
das hätte
ich unaussprechlich dir gedankt.
Schiller 298ᵃ;
ich hatte ihm alles, mein ganzes glück zu danken; ohnehin dankt niemand den aufwand und die mühe. Schiller an Göthe 240.
5)
deutliche genitive geben sich kund in es denken, erdenken, gedenken, ersinnen, sich besinnen, erinnern, mahnen, vergessen, schweigen, geschweigen, gestehen, leugnen: mir gedenkts; es denkt mirs noch (wo das erste es nom., das andere gen.); noch so gedenkt es nie keinem mann. Keisersb. s. d. m. 2ᵇ;
man wird es noch gedenken.
Soltau 449;
sind sie sein diener? 'ja, so lang als mirs denkt'. Göthe 14, 83; mhd.
dër dës erdâhte.
Parz. 566, 23;
nhd. wenn ich michs jetzt noch besinnen kann. Wieland 11, 221;
nun mans (mahne dessen)
die kaiserlichen bund.
Hildebrand volksl. 2, 10;
ich besinns mich nicht mehr (besinne mich darauf);
verwundrungsvoll,
dasz ich daran noch nicht gedacht, erinnrichs
mich jetzo schnell, dasz Nathan, da er weggieng,
der zählung bücher trug.
Klopstock 10, 42;
du kannst dichs wenigstens von deiner kindheit her erinnern. 11, 121; ich erinnre michs sehr wol, wie du in seine arme liefst, die vom schwur herunter sanken. 8, 130; ich vergasz des ganzen handels bald; ich geschweige dieser ärgerlichen sache; du schwiegst es lange (davon); ahd. sol ih is lougenen? N. Boeth. 22; mhd.
sone lougen ich dës niht.
Iw. 4128;
dër mir dër rede gestê.
1034;
sô ins nieman gestât.
2476;
dër rede gestuont im Hagene.
Nib. 1138, 4;
swës Irinc begunde, si woldens alle im gestân.
1968, 4,
denn einem gestên ist ihm beistehn, helfen, hernach auch bekennen, nhd. ich gesteh es gern;
denn, gesteh ich es nur, nicht ruft die neue gefahr mich.
Göthe 40, 270,
was heute accusativisch genommen wird. denn fast überall allmälich sind neben diese verba acc. eingedrungen: das gestehe ich dir, er hat den mord gestanden.
6)
darben, bedürfen, entbehren, mangeln. das 'es' bei den subst. darba und durft rechtfertigt den schlusz auf die verba: ich darbe des brotes; ich bedarf es noch länger; ich entbehre es ungern. brauchen, indigere kommt vor mit gen. und acc. (2, 318), doch zu darben und mangeln hat sich später kein acc. gefügt, wol aber zu bedürfen und entbehren. jenem doppelten und verschiednen es in 'es denkt mirs' gleichen: es darfs aber wol, das der prophet disen tag so hoch rühmet. Luther 5, 68ᵃ; es brauchts nicht (ist unnöthig) dem leser zu berichten. Bodes Tr. Sh. 4, 73; es brauchts nicht eben just, dasz einer tapfer ist. Göthe 7, 69. mhd. deutlicher und reinlicher: ëʒ zerinnet, bristet mir ës.
7)
genügen, genug, viel, zu viel sein, mhd. beviln: ahd.
sô ist uns alles ginuag.
O. IV. 15, 28;
ës ist zi zellenne ginuag.
V. 1, 23;
sô filo is cnuocta. N. Cap. 14; irô ist filo. ps. 24, 11; ward irô filo. 106, 38; mhd.
jâ wære dës, wiʒʒe Krist,
dem künige Artûs ze vil.
Iw. 4787;
ës ist genuoc.
259;
sîns heres mich bevilte.
Parz. 214, 24;
dës sînen kampfgenôʒ bevilt.
719, 10;
swaʒ wîsen liuten wol behaget,
dës enlâ dich niht beviln.
tr. kr. 15043.
nhd. gilt zwar noch dessen oder sein ist viel, zu viel, genug, aber häufiger das ist zu viel, das ist genug, das genügt, so dasz uns es in gleicher lage nom. erscheint. allerdings könnten hier wieder beide casus neben einander stattfinden und mhd. die volle rede lauten: ëʒ ist ës genuoc, daʒ ëʒ michs bevilt, ës geht dann auf die sache, ëʒ ist das pronomen vor dem unpersönlichen ausdruck, jedes dürfte ausfallen.
8)
erbarmen, oben sp. 702. in gott erbarms ist gott acc., 'es' nom.; ebenso in wie möcht ir ein kälblein stechen, das die augen verdreht, erbarmts euch nicht? Garg. 241ᵇ euch acc., 'es' nom. dagegen in ich erbarme michs musz 'es' für den gen. gelten. dem dasz es einen stein in der erde erbarme steht gegenüber dasz sichs ein stein in der erden erbarmen möge. Ettners hebamme 839. hier kann leicht zweifel obwalten. bei Günther:
was gilts, nun wird dichs oft der frommen treu erbarmen
ist 'es' der zu wird gehörige nom. und wäre entbehrlich.
9)
erwarten leidet beide casus neben sich: ich erwarte dein oder dich (sp. 1044. 1045), doch das einfache warten, wenn es expectare ausdrückt, nur den gen.: eh ihr es euch verseht, ist ein buch fertig. Wieland 1, 252; da er sichs am wenigsten versah. 3, 292; dasz er ihnen erscheinen wird eh sie sichs versehen. Göthe br. an Leipz. freunde s. 166.
10)
wünschen, erwünschen hatten ehmals den gen., heute haben sie den acc.
11)
sich überheben zieht den gen. vor, einen einer sache überheben: ich überhebe michs, bin es überhoben; du sollst es überhoben sein.
12)
sich schämen, nothwendiger gen.: ich schäme michs; pfui, schäme dichs!; ich schäme mich sein; er schämte sich des bettelns.
13)
sich überzeugen, einen überzeugen, überführen: aber ich will sie es redlich mit ihren eignen worten überzeugen. Luther 6, 22ᵇ; überzeuge dichs vorher!; ich bin es überzeugt. immer der gen.
14)
einen eines dinges erwenden. sp. 1059.
15)
wo sich heute ein davon, dazu, daraus, daran, darüber an die stelle des es schickt, haftet der gen. fester und weicht dem acc. nicht. ahd. unser suëster ist noh wênag unde ne hât noh dër spunne niet. waʒ tuo wirs nu, sô siu hîrâtes scal gegruoʒet wërdan? W. 73, 1, was thun wir nun damit, mit ihr? die andere hs. tuo wir iro; mhd.
ës wæren gehêret driu lant.
Parz. 594, 7,
drei länder würden davon berühmt;
ës möhten starke velse wagen.
Wh. 37, 4,
starke felsen würden davon beben;
ës möhten lewen welf genësen.
40, 5;
ës möhte biben dës meres wâc.
41, 7;
ës solt diu stat laster hân.
114, 9;
nhd. der staub wird über alles land Egipten gon, wan es werden (werden daraus) blattern in den menschen. Keisersb. s. d. m. 2ᵇ; wozu dients, das wir sein wort hören und an in gläuben? was sind wirs (wir dadurch) gebessert, so wir in angst und not zu im seufzen ei. Luthers tischr. 2, 87; klagt aber einer uber der treiber tyrannei, der musz ein aufrürer sein, dem hawet man die zeune umb, verbeut im wasser und weide und allen gemeinen gebrauch. das gönnen denn die bauren dem pfaffen wol, die treiber lachens (lachen darüber) in ir faust, den herren ist ir mütlein gekület. Milichius schrapteufel O 3ᵃ;
ich bin dir es verpflicht.
Erk liederhort 249.
16)
die angeführten stellen erbringen, dasz bereits ahd. und mhd. die neigung da war, ës durch demonstratives dës zu geben und Wolframs 'dër künec und dës wîp' konnte das längst verschollene 'ës wîp' = alts. is wîf näher erreichen, als der gewöhnliche ausdruck 'sîn wîp'. wir sahen oben auch dem nom. ëʒ das demonstrative daʒ gleichgesetzt. sind ja doch altn. þat und þëss durchgehends an den platz des goth. ita und is getreten. um so sichrer dienten das und des = dessen den zweifel über nhd. es zu zerstreuen und in ihm bald mhd. ëʒ bald ës zu erkennen. aus dieser innigen verwandtschaft zwischen es und das, es und des, aus vertretung der ersteren durch die letzteren begreift sich umgekehrt die gleich häufige vertretung unseres artikels durch das persönliche pronomen, wovon gramm. 4, 368. 369 ausführlicher geredet ist. das mnl. dat wurde nnl. durch het gänzlich verdrängt (gramm. 4, 372). unserm sist wahr = es ist wahr (sp. 1105) und ins wasser = in das wasser liegen sichtbar verschiedene kürzungen zum grunde; dem sinne nach scheinen die mhd. eʒ hërze, eʒ buoch, eʒ beste = daʒ hërze, daʒ buoch, daʒ beste und schwächungen des a in e deʒ hërze, deʒ buoch, deʒ beste dazwischen gelegen, folglich keine ëʒ hërze, ëʒ buoch, ëʒ beste, obschon auch iʒ hërze u. s. w. geschrieben vorkommt. das nnl. het hart, het boek ist wirklich = ëʒ hërze, ëʒ buoch. man musz bei diesem vocalwechsel zwischen daʒ und ëʒ nicht vergessen, dasz neben goth. þata der gen. þis steht.
es
Fundstelle: Lfg. 5 (1861), Bd. III (1862), Sp. 1138, Z. 36
= sich. man nimmt eingeflickte, füllende, nichts sagende es und s an; genauer zugesehen haben alle flicklaute ihren wirklichen grund, sind nicht des klangs wegen erfunden, wie z. b. das eingeführte mühsame fr. a-t-il, a-t-elle nichts ist als at il, at elle, nemlich at aus habet herrührt, die schweizerische schreibung worde-n-ist, hah-n-ich für worden ist, hân ich unnütz irre führt. so wird sich auch das in volksliedern häufig neben pronomen und verbum eingeschaltete s oder es verständigen:
ei wer uns dieses liedlein sang?
ein freier reiter ist ers genannt.
lb. 1582, 138;
der uns das liedlein neus gesang,
ein landsknecht ist ers je genant.
Uhland 495;
Albrecht von Rosenburg ist ers genant.
376;
meister Paul ist ers genant.
Soltau 134;
Gilgenschein ist ers genant.
152;
Cristoffel Zell ist ers genant.
344;
Fridrich Wilhalm seind sies genant.
Hildebrand 12.
mhd. begegnet der mediale ausdruck hieʒ sich für hieʒ (gramm. 4, 36), kam sich für kam, was sich genant für was genant:
dër hëre was sich Morolt genant.
Eilh. Trist. 292;
in einer stede sâ ze hant,
diu sich Troie was genant.
Diut. 1, 405;
dër Bërner gegen ime kumen sach
einen ritter kleine,
dër was sich Bibunc genant.
Dietr. u. ges. Hagen 801.
was ist deutlicher, als dasz dieses sich zu s wurde? mhd. wird auch ein sich zu wörtern des redens gefügt: sprach sich (gramm. 4, 36) und wiederum lesen wir:
sprach es die jungfrau fein.
Uhland 861;
war es ein junger geselle;
kam es ein reicher grafe;
also wird:
ze Schwiz ist ers gesessen.
Uhland 405;
es reitets ein ritter durch haber und klee.
Ernst Meier 302;
wieder auf ein er sich zurückgehn, desgleichen:
es kann mich nichts schönres erfreuen,
als wenn es der sommer angeht.
Erks liederhort 27.
schwieriger scheint diese deutung für die erste und zweite person:
ich sitz und schau michs um,
als wenn ichs kaiser wäre.
Ditfurth fränk. volksl. 2, 247;
soldat bin ichs gewesen,
einen rock hab ichs getragen.
2, 217;
bis ichs endlich bei Leipzig
ganz schwer bin blessirt.
das.;
da bin ichs gelegen
auf leben und tod.
das.;
kann suchen, wo ichs bleibe.
das.;
jungfräwlein, wölt irs mit mir gan?
Uhland 146;
in Schwaben bin ichs erzogen.
237;
sinds ir der jung von Falkenstein?
296;
ach schätzchen, was hab ich erfahren,
dasz du es willst scheiden von mir?
Erk s. 28;
willst du es bei mir schlafen.
253;
doch wird man der gramm. 4, 319 angeregten allgemeinen beziehung des sich auf alle drei personen eingedenk sein. heiszt es wir setzen sich, wir freuen sich = uns, weil wir sich wieder scheiden musten = uns. Simpl. K. 587; so ist auch ein in Schwaben bin ich sich erzogen, dasz du sich = dich willst scheiden von mir, willst du sich = dich bei mir schlafen zulässig. nur bei Ernst Meier s. 407
ich bin es der jäger und du gehörst mein
nehme ich kein sich, sondern den nom. es an. unverkennbares sich liegt auch in folgenden stellen:
und wirt mir dann geschossen
ein schenkel von meinem leib,
so thuͦ ichs nacher kriechen,
es schadt mir nit ein meit.
Uhland 520;
ach schwesterlein! vater ist todt.
mein herz ist mir es betrübet,
wie ist mir der himmel so roth!
volkslied in Stillings jugend;
man löse auf: so thu ich mich nacher kriechen, mein herz ist sich mir betrübt. von sich blieb blos der anlaut s, woraus unverstand es machte, da ja auch angelchntes s offenbares es war. in der Schweiz sagt man si für sich. hin und wieder mag auch ein gen. es im spiel sein, z. b.
wenn ichs matt und müde bin.
Ditfurth 2, 221.
das in einem schlesischen liede schon bei Gryphius 1, 784 enthaltne sen:
dar ist sen in dem walde ein röslin roth,
das hat sen geschaffen der liebe gott,
gleicht dem einsen, einsi (sp. 291. 294) und ins (sp. 1104. 1105).
es
Fundstelle: Lfg. 5 (1861), Bd. III (1862), Sp. 1104, Z. 64
lat. id, goth. ita, ahd. iʒ, ëʒ, mhd. ëʒ, alts. it, nd. it, ags. hit, engl. it, mnl. nnl. het, altfries. hit, westfries. et, nordfries. hat, vgl. oben sp. 680. rechtfertigt die brechung ëʒ kühne schlüsse auf ein vorangegangnes ëʒa für iʒa? dann müste auch allaʒ, plintaʒ ein allaʒa, plintaʒa = goth. allata, blindata ahnen lassen, wogegen doch einwände gelten. sehr nachtheilig wurde die nhd. eingetretne verdünnung desin es (wie mhd. daʒ, waʒ, biʒ, alleʒ, blindeʒ zu das, was, bis, alles, blindes verdarb), wodurch heillose verwirrung, namentlich mit der genitivform entsprang, wie sich hernach unter es = ejus entfalten wird. daneben erscheint im 15. 16 jh. nicht selten noch die volle schreibung esz, isz, hin und wieder die überladen gedehnte ehs, ihs, ihes (z. b. weisth. 1, 581), ehsz, analog unserm eingeführten ihm, ihn; sogar essz begegnet und verstärktes etz (z. b. bei Soltau 112. 192), wie ditz, satz, schatz oder inlautend hetzen, setzen. genäseltes ins, îns für es hört man in der Wetterau: mo ins, mag es, mags sein; ins eas wor = és ist wahr; ins wills firdig brenge = es (der kerl) wills fertig bringen. Stalder (schweiz. landesspr. 108) gibt gleiches ins, inns nur für den acc. es, nicht üfr den nom., Gotthelf setzt ihns nur für betontes es im acc. von personen (mädchen). ges. schr. 2, 342. 350. 354. 216 u. o. Bei der anlehnung treten manigfache kürzungen ein. schon mhd. ichʒ, dûʒ, ërʒ, wirʒ, irʒ, sieʒ für ich ëʒ, dû ëʒ, ër ëʒ, wir ëʒ, ir ëʒ, sie ëz; mans für man es; ich binʒ, ich hânʒ für ich bin ëʒ, hân ëʒ; nimʒ, schrîpʒ für nim ëʒ, schrîp ëʒ; êst für ëʒ ist, wie dêst, deist für daʒ ist. nhd. ichs, dus, ers, wirs, ihrs, sies; ich bins, ich nehms, schlags u. s. w.; gibs, nimms, thus für gib es u. s. w. nach partikeln obs, wenns für ob es, wenn es, in volksliedern auch dasz, bisz für dasz es, bisz es, wovon Hildebrand s. 309 stellen beibringt. est für es ist wird nhd. gemieden. dagegen schwindet der anlaut in sist für es ist, welche aphaerese mhd. unstatthaft war, in den verwandten sprachen aber noch gröszeren umfang hat, engl. tis, twas (man schreibt häkelnd 'tis, 'twas) für it is, it was; nnl. tis (geschrieben 't is) für het is. int oog, int water (geschr. in 't) = in het oog, in het water entspricht aber unserm ins auge, ins wasser = in das auge, in das wasser. Dasz in ita, ëʒ, in þata, daʒ, im lat. id ein dem allata, blindata, allaʒ, blindaʒ unmittelbar identisches element walte, ist offenbar, kann aber hier nicht näher entfaltet werden; dem aus dem acc. in den nom. vorgetretnen skr. neutrum am, lat. um, gr. ον gleicht das slavische o (to ist þata, daʒ). von vielfachem zusammentreffen unseres es = ëʒ, ita mit das = dasz, daʒ, þata wird die folgende abhandlung zeugen. Dies wörtlein es erfüllt heute, gleich dem artikel, unsere gesammte rede und ist allenthalben anzutreffen, sein gebiet hat sich, wie hernach auseinandergesetzt werden soll, durch mischung mit dem genitivischen scheinbar noch erweitert. im ganzen Ulfilas, soviel wir dessen noch übrig haben, steht ita nicht mehr als siebzehnmal, welch ein abstand! einzelne ahd. denkmäler geben freilich gar kein ëʒ, wozu ihrer armut der mechanisch verdeutschte text nicht anlasz bot. O. und N. gewähren beispiele, im ganzen sparsame. mhd. hatte sich der lebendige gebrauch längst entschieden und nirgends war der ausdruck mehr zu entbehren.
I)
der nominativ es. In der alten sprache ist das subject des satzes entweder durch das nomen selbst oder ein pronomen an dessen stelle, meistentheils aber durch die verbalflexion, d. h. jenen sie bildenden, heimlich in ihr steckenden pronominaltheil ausgedrückt. das dem nomen überhaupt eingeprägte dreifache geschlecht bleibt in dieser flexion ungeschieden; doch participia, die dem verb. subst. einzelne tempora der vergangenheit oder zukunft umschreiben helfen, nicht anders ihm zugesellte adjectiva, sondern in ihrer nominalgestalt auch die geschlechter. an amat wie an amatur ist nur die person, an amatus est sowol geschlecht als person bezeichnet. möglich, dasz späterhin das frei vorstehende particip auch ein vorgeschobnes pronomen heranführte, z. b. das romanische egli è amato, il est aimé. hier ist nun das geschlecht zweimal, an egli und amato (il und aimé) ausgedrückt, im praes. egli ama, il aime nur einmal, das lat. amat und amatur lieszen es unangedeutet, in amatus est genügte einmaliger ausdruck. das allmalich dem verbum vortretende pronomen verhält sich wie der auch vor das nomen rückende artikel, beide gereichen der abgeschliffenen oder geschwundnen flexion zu hebel, stütze und ersatz, bieten sich aber auch zu feinen nebenbestimmungen dar. Das neutrum (οὐδέτερον) ist eigentlich kein wahres, entwickeltes geschlecht, sondern nur dessen keim und andeutung, diese unbestimmtheit macht es schmiegsam und die beiden andern geschlechter zu einigen oder vertreten geschickt. zwar kann es auch unausgedrückt neben der baren flexion sich syntactisch geltend machen, doch mehr sagt ihm die äuszerlich hervorgehobne pronominalform zu. aus diesem grund spielt in unsrer sprache das neutrum und das neutrale pronomen eine grosze rolle und erreicht was der älteren nicht in solcher weise möglich war; romanisch schadet gerade das erlöschen der neutralform, obgleich sie in der männlichen nachwirkt. die slavische bedeutsamkeit des neutrums gewährt uns wichtige aufschlüsse und bestätigungen. Wir haben zunächst das persönliche es, dann das unpersönliche, das erzählende und das vor dem praedicativen nomen eintretende zu untersuchen, endlich auch die analogie der demonstrativen pronomina zu erwägen.
A)
persönliches es. von ihm gilt was von den beiden andern personen, mit welchen es gleiches recht und gleichen umfang hat, ein nomen desselben geschlechts, worauf sie sich beziehen, musz ihnen unmittelbar vorausgegangen sein oder in der nähe stehn. die gothische, wie die lat. und gr. sprache, lassen diese persönlichen pronomina meistens weg und setzen sie nur, wo ein nachdruck darauf fällt. Matth. 7, 25 liest man: jah vaivôun vindôs jah bistugqun bi þamma razna jainamma, jah ni gidraus, ohne ita, was sich auf razn bezöge, wie auch in der vulg. zu non cecidit kein ea im bezug auf domus gefügt steht. ahd. heiszt es aber T. 43, 1: inti bliesun wintâ inti anafielun in thaʒ hûs, inti iʒ fiel, bei Luther: stieszen an das haus, da fiel es. hier sind noch andere beispiele des neutralen nominativs: oba thaʒ hûs wirdig wirdit, thanne quimit iuwer sibba ubar thaʒ, oba iʒ wirdig ni wirdit, iuwer sibba zi iu wirbit. T. 44, 8; mhd.
daʒ vierde dier ein evir was,
iʒ haviti îsirne clâwin.
Anno 237;
waʒ entrinnet iwerm kriege,
ëʒ flieʒe oder fliege?
Parz. 293, 4;
ûfʒ pfërt ër saʒ,
ëʒ truoc in kûme fürbaʒ.
534, 18;
wës mac sîn ors dâ bîten,
ëʒ erstrûche ouch über daʒ runzît.
536, 35;
enphâhent daʒ cleinœte hin,
ëʒ mêret iuwer magenkraft
tr. kr. 9206.
nhd. wan ein kind etwann unrecht thuͦt und man es fraget, warumb hast du das gethon? es fahet an leugnen und spricht ich hab es nicht gethon und lügt umb forcht willen, dann es förcht man schlahe es mit der ruͦten. Keisersb. s. d. m. 25ᵇ;
ein veilchen auf der wiese stand,
gebückt in sich und unbekannt,
es war ein herzigs veilchen.
Göthe 1, 180;
die welt wird nie das glück erlauben,
als beute wird es nur gehascht,
leis auf den zehen kommts geschlichen,
die stille liebt es und die nacht.
Schiller 47ᵃ;
und so zahllose mal allenthalben. dies es haftet, wie sich das verbum auch drehe: fiel es? truog ëʒ in? fängt es an? nur lied und erzählender ton gestatten sich seiner zu enthalten, z. b. Göthe hätte sagen können:
war gar ein herzigs veilchen.
dichter drücken zuweilen das subject vorher schon in gleichem casus namentlich aus und lassen das pronomen folgen.
und dein auge wie ists zu dem tode gerüstet?
Messias 5, 122;
das kind es denkt.
Göthe 1, 224;
das heer es kommt gezogen.
1, 129.
B)
unpersönliches es. das eben besprochne pronomen war auf ein schon feststehendes, ausgemachtes neutrum gerichtet, das es wiederholt vorbrachte, in lagen die für jedes geschlecht, jeden numerus und für alle verba gelten. allen sprachen sind aber auch verba eigen, die hauptsächlich in der dritten person des sg. gebraucht werden und wesentlich ein neutrum neben sich erfordern. durch dies neutrum soll angegeben werden, was sich nicht näher bestimmen läszt, sei es, dasz man mit dem vollen eigentlichen ausdruck zurückhält oder ihn überhaupt nicht weisz, unsre sprache setzt alsdann zu dem verbum ein 'es', und jedwedes verbum im grunde geht damit in einen unpersönlichen begrif über. im latein genügt verben dieser art die blosze dritte person, der meistentheils kein neutrum anzusehen ist, nur die mit participien gebildeten praeterita können der neutralbezeichnung nicht entrathen, also z. b. neben itur, eurritur musz gesagt werden itum, cursum est. günstig erzeugen die slavischen sprachen ein praet. activi mit dem verb. subst. und ihrem part. praet. activi auf l, welches dabei noch flectierbar bleibt, das verb. subst. pflegt in der dritten person auszufallen. so heiszt z. b. poln. byl er war, byla sie war, bylo es war; pil er trank, pila sie trank, pilo es trank; böhm. byl, byla, bylo; pil, pila, pilo; serb. bio (= bil), bila, bilo; pio, pila, pilo. slavische impersonalia, als neutra dritter person, gehn demnach immer im praet. auf lo aus und gewinnen, da das poln. böhm. jest meistens, das serb. je oft, das russ. est' überall wegbleibt, den schein einer gefügen verbalflexion. dies neutrale suffix o entspricht, wie man sieht, dem praefix es unsrer unpersönlichen verba, welchem der vorzug beiwohnt, praes. und praet. kennbar zu machen, während das lat. um, sl. o nur praet. oder fut., nicht praes. bezeichnen kann. den romanischen sprachen, da ihr neutrum untergegangen ist, musz der männliche artikel auch vor dem unpersönlichen verbum, wenn sie ihn ausdrücken, dienste leisten, das wesentliche neutrum vermag darum nicht so gefühlt zu werden, wie im deutschen oder englischen. sprachen aber, denen mit dem genus insgemein das neutrum abgeht, wie die finnische, ungrische, sind der unpersönlichen verba eigentlich unfähig, ihre dritte person des sg. musz unverändert und ohne praefix für alle geschlechter ausreichen. Die hauptarten dieser impersonalien sind folgende,
1)
sie drücken das geisterhafte, gespenstige, unsichtbare, ungeheuere aus, wobei fast immer eine räumliche beziehung stattfindet oder leicht hinzuzudenken ist: es geht hier des nachts um, es wandert um, es geht irre im haus, es spukt, es wabert, wafelt; dort in der ecke ists nicht geheuer; bair. es weizt, da weizts. Schm. 4, 206; es ruht nicht, kommt auf dem saal gar nicht zur ruhe; in der kammer läszts noch heut niemand ruhen. Bange thür. chron. 276; die Barettobalma in einem isolierten thal der Vareinaalpen, eine kleine, helle und trockne höle, ist zu rufe gekommen, weil sie wie manche ähnliche stets wie ausgeblasen ist und nichts verunreinigendes, wie laub und moos, darin liegen bleibt. 'es läszt nichts darin', sagen die hirten. Tschudi alpenwelt 239; es leidet in dem und dem orte kein weisz vieh, es druckt es stracks, dasz es morgens früh ganz breit gedruckt dort liegt. rockenphil. 5, 3 (wo nur die beiden ersten es, nicht die beiden letzten hergehören); drauszen giengs thür auf thür zu mit gräszlichem gepolter und nun kams auch ans schlafgemach. es drehte rasch am schlosz, versuchte viele schlüssel, bis es den rechten fand. Musäus volksm. 4, 60; heunt hats wieder im hause die thüren auf und zu geworfen, die öfen eingeschmissen; es hat sich schon zwei nächte angemeldet; es pocht, klopft (in der wand, ein unheimliches geschöpf). mhd. von der gespenstigen Berhte:
'ëʒ ist sô griulîch getân,
daʒ ich dirs niht gesagen kan,
wan wër dës vergiʒʒet,
daʒ ër niht vast iʒʒet,
ûf den kumt ëʒ und trit in'.
dô sprach daʒ kint 'veterlîn,
ist ëʒ klein oder grôʒ,
ist ëʒ rûch oder blôʒ,
ist ëʒ ein si oder ein ër,
oder wie kumt ëʒ geslichen hër,
oder wie ist ëʒ geschaffen?'
GA. 3, 34;
man hœret dâ niwan wê wê!
schrîen die langen naht.
dës tages ist ëʒ âne braht
und alles schalles lære.
ëʒ hâtʒ getriben wol zëhen jâr,
dës nahtes sô verbrinnet ëʒ gar
und stêt iedoch dës tages dâ.
Wigal. 113, 6—14,
wo doch das persönliche übergeht in örtliches. gleich diesem 'es' gilt 'was' oder 'etwas', die auch mit es in der rede wechseln: 'mein herr fürchte sich nicht, wenn etwan des nachts was kommen und ihn aufwecken möchte'. nicht über zwei stunden kam etwas an die thür, steckte einen schlüssel ein und wollte aufmachen, weil es aber nicht konnte, so pochte es dreimal an, endlich gieng das ding fort. unw. doct. 400. 'das ding', das wicht (vaihts), der geist, gerade wie bei Shakespeare Hamlet 1, 1: 'what has this thing appeard again to night?', nun ist das ding heunt wiederum erschienen?, 'look, where it comes again!', sieh wies da wieder kommt, 'looks it not like the king?', siehts nicht dem könig gleich?, 'it would be spoken to', es möchte angeredet sein, 'tis gone and will not answer', fort ists und will nicht reden. glücklich hat Voss Od. 20, 88
τῇδε γὰρ αὖ μοι νυκτὶ παρέδραθεν εἴκελος αὐτῷ
übertragen:
eben ja ruht es wieder bei mir ganz ähnlich ihm selber,
wo das unpersönliche 'es ruht bei mir' die traumerscheinung noch besser mahlt, als das, wie εἴκελος zeigt, auf ein männliches δαίμων bezogne παρέδραθεν. böhm. zde strašj, da spukts, strašilo, es spukte; poln. straszy, praet. straszalo; serb. utvorilo mi se, es erschien mir (wie ein gespenst); kroat. na obloku kučilo, es klopfte ans fenster.
2)
sehr nahe liegt die anwendung auf heimliches geräusch und berühren, tappen und schleichen überhaupt: es raschelt im stroh; dort flüsterts in einer ecke; als ich über den langen gang daher gieng, zupfte michs am ermel;
stille! was schlüpft durch die hecken
raschelnd mit eilendem lauf?
rief es von ferne nicht leise
flüsternden stimmen gleich?
Schiller 47ᵃ;
und als er still harrend am liebesbaum sasz,
da säuselts im laube, da schlich es durchs gras.
und eh es ihm zugeflistert ein wort,
da zog es mit sammtenem händchen ihn fort,
es führt ihn allmälich mit heimlichem tritt.
Bürger 33ᵃ;
hier flimmert ein lämpchen, es zog ihn entlang,
beim schimmer des lämpchens, den heimlichen gang.
33ᵇ;
es packt ihn, wie mit krallen an
und schüttelt ihn wie fieber
hinüber und herüber.
52ᵃ
bei 'es packt, rüttelt, reitet mich' denkt man sich dämonische krankheiten, deren name lieber ungenannt bleibt, dem 'es schlüpft, zupft' u. s. w. liegt ein ich weisz nicht was unter.
3)
dahin gehören auch euphemismen. 'es ist einem genommen' geht auf den verlust der mannheit, auf das ausschneiden: wanns einem genommen ist worden. Gabelkhover arzneibuch 1599. 1, 363; es war ihm von bösen leuten angethan, eine krankheit, die verschwiegen bleibt oder nicht anzugeben ist, ein angezaubertes weh. 'es beiszt mich am kopf' Garg. 47ᵃ meint das auch sonst 'ungenannte' thier; es beiszt mich was, etwas.
4)
naturerscheinungen.
a)
es tagt, diescit, lucescit; es nachtet, noctescit; mhd. ëʒ taget, ëʒ nahtet; ëʒ betaget (1, 1692), ëʒ ertaget (3, 1027), ëʒ benahtet (1, 1464); ëʒ âbendet, vesperascit, ëʒ morgenet, dilucescit. umschrieben, es wird tag, morgen, abend, nacht: mhd.
ê daʒ ëʒ wurde tac.
Nib. 945, 3;
ëʒ wirt tagende, âbende, nahtende, morgende; ahd. iʒ wirtit zi taga:
thô iʒ zi dage wart.
O. III. 8, 21;
mhd. ëʒ sîget ze dem âbende.
nhd. es geht gegen tag, morgen, abend, in den abend; auf den tag, auf die nacht; als es gegen tag gienge. Philand. 2, 621. es grauet, lichtet, dunkelt, schimmert, nd. schummert. Schambach 187ᵃ. Danneil 189ᵇ. abend so wie es schummert. oeuvr. de Fréd. le grand 30, 345; es ist gestirnt (stehn sterne am himmel), ahd. sô iʒ kestirnet ist. N. Boeth. 51, lat. stellatum est. es jahret, ist, wird ein jahr, wird jährig; es sommert, wintert, herbstet; es wird sommer, winter, frühling, herbst; mhd.
wanne ëʒ sumeret.
Gudr. 260, 3;
êst ein winder.
Neidh. 52, 21;
es maiet (vgl. sich ermaien sp. 910); es merzt in den april, es aprilt in den merz;
ëʒ meiet.
Neidh. xxxv, 25;
ëʒ meiet hiure aber als ê.
7, 11. MS. 2, 84ᵇ.
b)
es ist, macht wetter, vgl. fr. il fait beau temps; mhd. ëʒ tuot wëter:
wie daʒ wëter tuo.
MS. 2, 228ᵃ;
ëʒ witeret:
wie ëʒ witer ze aller zît,
ir güete mir die freude gît.
frauend. 505, 31:
ëʒ witer sus, ëʒ witer sô,
si tuot mich ze allen zîten vrô.
519, 12.
aber nhd. es wittert bedeutet es zieht ein wetter, gewitter auf; es wetterleuchtet, fulgurat, blitzt in der ferne; goth. lauhatjiþ, ἀστράπτει, ahd. iʒ lohazit, coruscat, nd. it leiet, ags. hit ligeteđ; ahd. iʒ plëcchazit, ags. hit bliceteđ, mhd. ëʒ blichzet, nhd. es blitzt, fulgurat; es schlägt ein, fulmine icitur, es schlug ein, ictum est; im ganzen busche ist kein baum, in den es nicht éinmal eingeschlagen hätte. Lessing 1, 487. es donnert, tonat, ahd. iʒ donarôt, ags. hit þunrađ, altn. þat þrumar; landschaftlich es dröhnt, es grommelt (fr. noch grommeler entro ses dents, murmeln, murren), es grommelte, poln. grzmialo, böhm. hrjmavalo. es scheint (sonne, mond), es ist hell, heiter, es klärt sich, heitert sich auf; es nebelt, es wolkent, bewölkt sich, es schattet, wirft schatten!
ëʒ begunde schatenen.
Gudr. 56, 1.
es regnet, goth. rigneiþ, praet. rignida, ohne ita, rignida svibla jah funin us himina, ahd. iʒ rëganôt, mhd. ëʒ rëgenet, ëʒ was sëhs mânôt und driu jâr ungerëgent, hatte so lange nicht geregnet, hier liesze sich ein ahd. iʒ was girëganôtaʒ, ungireganôtaʒ denken. lat. pluit, praes. und praet., it. piove, hin und wieder egli piove, ha piovuto, sp. llove, a llovido, port. chove, tem chovido, fr. il pleut, il a plu; es gieszt, gieszt vom himmel, es gosz wie mit mulden, böhm. lilo (von liti), poln. lalo (von lać); es plätscht, platscht, klatscht, trätscht, es trätschte die ganze nacht, nocte pluit tota; es trieft, treuft, tropft, träufelt,
sist noch nicht lang, dasz es geregnet hat,
die bäume tröpfeln noch;
es fisselt, regnet dünn, schwach. es thaut (für taut) rorat. mhd. ëʒ touwet, nnl. het dauwt, ags. hit deávad, engl. it dews, altn. þat döggvar, schw. det duggar, dän. det duer. es reift, roreift. es schneit, ningit, goth. wol sneiviþ? ahd. iʒ snîwit, praet. snei, altn. þat sniôar, schw. det snöar, dän. det sneer, böhm. sněžj ningit, sněžilo ninxit. es hagelt, grandinat, nnl. het hagelt, engl. it hails; nhd. es schloszt. es friert, gefriert, ahd. iʒ friusit, mhd. ëʒ vriuset, nnl. het vriest, schw. dän. det fryser; es backt, klebt fest (1, 1065); es gerinnt; es eist, es setzt eis (3, 364), heunt hats ein eis gemacht; es brückt, macht über den strom brücke (2, 416); es glatteist. es abert, liquescit, solvitur (1, 32); es thaut (für daut), thaut auf, fr. dégele, ags. hit þavađ, engl. it thaws, nnl. het dooit, bei uns schädlich zusammengeworfen mit thaut rorat, worüber die rechte schreibung beider sich unverwandter wörter abhanden kam; es schmilzt, es flieszt, rinnt, strömt; es quillt, springt, entspringt, sprudelt, sprützt; es kocht, siedet, wallt; es verrinnt, versiegt; es wogt, es flutet, es ebbt, altn. þat fiarar; es rauscht, murmelt, klingelt. es weht, es athmet, es haucht, es bläst, es saust, säuselt, es pfeift, zischt; es heult, es stürmt, es tobt, es toset, mhd. ëʒ diuʒet. es glimmt, es funkelt, es funkt; mhd. ëʒ ganeistet, gneistet, es knistert, prasselt, es sprüht, es glüht, es geht an, es flammt, es flimmert, es strahlt, es brennt, es erlischt, es verglimmt, es geht aus. es duftet, es brenzelt (riecht brandig), es riecht, es raucht, es schmeckt, es muft, müffelt, müfzet, es stinkt. es sandet, es stiebt, es staubt. es beklebt, bekleibt, gr. κρατεῖ, es keimt, es geht auf, geht an, es grünt, frondet, serb. listalo, fronduit, mhd.
ëʒ gruonet an den esten.
Neidh. 4, 21;
es wächst, es treibt, es schieszt, es schlägt aus, wirft aus, es laubt, ahd. loupazit; es blüht, es trägt, es zeitigt, es reift; es welkt, es steht ab, es fault, es verweset.
5)
erschallende laute,
a)
von menschen: es ruft, es rief, böhm. volalo, clamatum est; es rief zu den waffen, conclamatum est; es rief feuer, böhm. křičelo že horj; es schreit von dorther; es weint, es winselt, es seufzt, es stöhnt, es jammert, es wimmert, es ächzt, krächzt, es wehklagt; es lacht, jauchzt, jubelt; es flüstert, es lispelt; es klopft an, pulsat, böhm. tluče, es pocht, es hat gepocht, böhm. tlauklo.
b)
von thieren: es heult, es bellt, es wiehert, es grunzt, es brüllt, es brummt, es muht, es blökt, es kräht, es singt, es pfeift, es zirpt, es summt, sumst, es schwirrt, es zischt, es quakt.
c)
aus werkzeugen: es läutet, es schlägt, es schallt, es stürmt, es leiert, bimbelt, klingt, klingelt, es knallt; es bläst, es bläst zur tafel, es wird geblasen, es trompetet, es wird, hat trompetet, cum bucinatum est. Varro RR. 2, 4; es trommelt; es posaunte dreimal.
5b)
menge von menschen, thieren, sachen, übergehend in getöse, gewirr und geräusch, wozu sich das goth. hiuhma halten läszt: es wimmelt, scatet, von ungeziefer, ameisen, würmern, fr. il fourmille, it. formica, sp. hormiguea, aber auch von menschen:
dër wart sô vil, daʒ (dasz es) wider einander wimelet
ûf dër rëhten strâʒe gein helle.
Lohengr. 277;
es wimmelt in dem buch von fehlern; es gribelt, kriebelt, krabelt, gramselt, vgl. die würmer gramseln. Gotthelf erz. 3, 320; zwischen dem Knubel und Rosebabisegg wimmelte und gramselte es von füszen und beinen. 1, 304; gramselte ihm in allen gliedern. 3, 259; sie fühlte es gramseln im gehirne; nnl. het wiemelt, het krielt. man sagt auch es flimmert mir vor den augen wie es wimmelt, krimmelt, kribelt, krabelt; es wimmelte, flimmerte alles von gold. die sl. sprachen haben dafür auch ausdrucksvolle wörter.
6)
abstracte zustände und ereignisse: es ist, es sei; es wäre, wäre es auch; es wird, würde es; nun, wirds bald?; es hat, es hat daselbst, da hat es, fr. il y a; es gibt (gramm. 4, 230); es geht, ergeht: mhd.
ëʒ ergie den Niblungen zen grôʒen sorgen.
Nib. 1467, 2;
es kommt, kommt vor, fr. il arrive;
wie kommts, dasz du so traurig bist?
Göthe 1, 96;
nun ist es einmal so gekommen; es geschieht, fit, es geschah, factum est; es folgt, sequitur, es erfolgt, es begegnet; es scheint, videtur, es schien, visum est; ahd. alsô iʒ nu skînet. N. Boeth. 5; alsô iʒ nu veret. 12. es hebt an, beginnt, endet, hört auf, es beginnt zu dunkeln, incipit vesperascere, es hört auf zu regnen, vgl. goth. du Rumônim, du Galatim ustauh, explicit. eine menge mit dem verb. subst. und adjectivischem praedicat gebildeter: certum est, clarum est, aequum est, dulce est, licitum est, es ist gewis, es ist klar, billig, es ist süsz, es ist erlaubt, wo auch die sl. adjectiva auf neutrales o ausgehen. ahd. könnte ebenfalls noch neutralflexion vorbrechen: ëʒ ist giwissaʒ, mir ist beʒʒerâ, ist dir danne guotlîchôrâ, erit tibi utilius. Matth. 20, 28. den meisten stehn lat. einfache verba zur seite: constat, liquet, lubet, licet, praestat.
7)
gefühle und empfindungen, immer im geleit des dat. oder acc. eines persönlichen pronomens, das den bezug auf den innern menschen bewirkt.
a)
mit dat. und intransitivem verbum: es ist mir, wie ists dir jetzt? es war mir, als müste ich sterben; es wird dir wieder anders, besser; wie geht dirs jetzt?; es geschieht mir oft; ich wuste nicht, wie mir geschahe. Felsenb. 1, 60;
wenn die rosen wieder glühen,
weisz ich nicht wie mir geschieht.
Göthe 1, 64;
es gedenkt mir noch, es gedenkt mir nicht mehr; es scheint mir, es erscheint mir so; ich irrte, schien es mir; wenn mir recht ist, wenn ich nicht irre; es traumt mir, es hat mir getraumt;
ëʒ troumde Kriemhilte in tugenden, dër si pflac.
Nib. 13, 1;
es ahnte mir, schwante mir; es kommt mir so vor, in sinn; es fällt mir ein; es zweifelt mir noch: als aber meister Ulrich streng darwider prediget, zwiflet mir ie lenger ie mer. Plater 38; mir zweifelt nicht. Ettner hebamme 184; es wurmte mir; es graut, grauset mir, mir graulet. Lessing 10, 70, mhd. mir griulet. Walth. 30, 12; es schwindet mir, es geschwand ihr, sie wurde ohnmächtig; es schwindelte mir beim besteigen der leiter; es dottert mir (2, 1315); es ekelt mir, stöszt mir auf, mhd. mir unwillet. es fehlt, mangelt, gebristet, gebricht, entgeht mir; es ist mir entfallen, vergessen. mhd. ëʒ zerinnet mir (gramm. 4, 239), meist mit gen. der sache: ës zerinnet mir. es ziemt, geziemt mir, decet me; es gebührt, gehört mir, me oportet; es fügt mir, steht mir an, zu, es kommt mir zu, kommt mir zu statten. es frommt, nützt, hilft, gedeiht, gelingt, glückt mir; es schadet, misglückt, verunglückt mir; es ist uns allen übel gelungen, es hat ihnen damit nicht gelingen wollen. es behagt, gefällt, beliebt, geliebt, genügt mir. es gilt ihm, es ist ihm bestimmt, es war ihm so beschaffen, geordnet. es begegnet, widerfährt mir, es ist mir zugestoszen, aufgestoszen.
b)
den acc. nehmen zu sich meist transitive verba, wiewol sich die erstangeführten des gelüstens nicht als solche nachweisen lassen: es lüstet, gelüstet mich, ahd. alsô mih lustet, ex voluntate mea, N. ps. 27, 7; es durstet, hungert, schläfert mich (vgl. einschläfern); es brunzert, pissert, kotzert, scheiszert mich, cacaturio, micturio, es essert, trinkert mich, esurio, bibiturio; es friert mich, algeo, verschieden von es friert, gelat; es juckt, kitzelt mich; es brennt mich auf der brust; es schaudert, schauert, überläuft mich; es grimmt, reiszt mich im leib; es reut, gereut, erbarmt mich (3, 702), poenitet, miseret me; es rührt, bewegt, jammert, erschüttert mich; ahd. mih egisôt, mhd. aber mir eiset; es schreckt, erschreckt mich, terret me. es freut, erfreut, labt, erquickt, nährt, belustigt, ergetzt, entzückt mich; es betrübt, grämt, kränkt, kümmert, drängt, zwängt, zwingt, nöthigt mich; es dünkt mich (und mir), es wundert, verwundert, befremdet mich. mhd. mich betrâget, mich bevilt, taedet me; es mahnt, gemahnt, ermahnt, vermahnt, erinnert mich; es hebt, erhebt, empört, fördert, erregt, treibt, vertreibt, ergreift, bestimmt, verstimmt mich; es ärgert, ängstet, stört, hindert, beschämt, bestürzt, beleidigt, verletzt, versehrt, verwundert mich.
8)
der accusativ kommt auch bei andern impersonalien in betracht,
a)
das reflexive sich bei abstracten zuständen, die sonst häufig darohne ausgedrückt werden (vorhin 6): es gibt sich, es gab sich leicht; es hat sich wol, es hat sich was, ja es hat sich (Göthe 8, 175), es begibt sich, ereignet sich, es trägt sich zu; es verhält sich so; es macht sich auf diese art, es macht sich von selbst; es thut sich schon, thut sich nicht; es zeigt sich, schickt sich, findet sich; 'drum musz auch ein bürger immer in waffen geübt sein'. 'ja es übt sich, wer frau und kinder hat'. Göthe 8, 178. hierher gehören böhm. zdá se, es scheint, zdalo se, es schien, poln. dzialo sie, stalo sie, es geschah u. s. w.
b)
auszerdem lebendige accusative: es gibt einen mann der, est qui, es gibt leute die, sunt qui; es gibt einen vogel der golden aussieht; heuer gab es guten wein; es hat an dem ort schöne pferde, il y a de beaux chevaux; es macht, legt, setzt einen tiefen schnee; nu hett es ein groszen schnee gelegt. Bocc. 2, 98ᵃ;
und wenn es legt ein newen schnee,
so gschicht füchsen und hasen wee.
H. Sachs I, 425ᵃ;
es schneit tiefen schnee; es friert schon harte rinde über den bach; es regnet einen starken gusz, vgl.rorat imbrem bei Plinius 17, 16; es weht einen ungestümen wind; hier setzt es etwas, es setzte in diesem hause immer etwas neues; diesmal setzte es reiche beute; es setzt einen raub. Werth. ded. 1, 266; es setzt heute schläge ab; es setzt heute keine kramtsvögel. Lessing 2, 525; es gelte den versuch; es trieb manchen Hessen aus der heimat in die fremde. gute beispiele gewährt das altnordische: hana rak yfir fiörđinn, es trieb sie übers meer. Sn. 142; âleiđ nattina, es gieng, kam auf die nacht (vorhin sp. 1108); her hefr up sögu, buchstäblich hic incipit fabulam, hier beginnt es die sage; skortir mat, es fehlt an speise, skorti þar ok eigi dryck mikinn, es mangelte da nicht an trank; draum hefir mik dreymdan, es hat mich einen traum getraumt; skŷtr þeim skelk ok ôtta, es jagt ihnen furcht und schrecken ein; hönum skaut skelk î brîngu, es schosz ihm einen schrecken in die brust. überall, wie man sieht, ohne þat. lassen sich solche accusative umsetzen, so wird der unpersönliche ausdruck persönlich: ein ungestümer wind weht, ein starker gusz regnet, ein tiefer schnee schneit, fällt, mir traumt ein traum;
dem troumte ein troum.
Renn. 605,
hier hebt die sage an, incipit fabula, mit bestimmten subjecten. wir setzen dann auch es vor: es fällt ein tiefer schnee (nach C).
9)
den unpersönlichen passivischen ausdruck des lateins itur, itum est; curritur, cursum est; lavatur, lautum est, umschreiben wir zwar auf gewöhnliche weise: es wird gegangen, es ward gegangen; es wird gelacht, es wurde viel gelacht, es ist schon angespannt, es wird eben ausgespannt, wobei man nur bedenke, dasz unser es wird geliebt, das fr. il est aimé die gegenwart, das lat. amatum est aber die vergangenheit ausdrücken; auch mhd.
uns ist in alten mæren wunders vil geseit.
Nib. 1, 1,
meint dicitur, nicht dictum est. heute verwenden wir ist für das praet., wird für das praes. einzelne activa erlangen passivbedeutung: fit, es wird gethan, ahd. iʒ quidit, mhd. ëʒ kît, dicitur, nhd. es heiszt; es trompetet, es trommelt = es wird trompetet, getrommelt. reflexivisch, es wird sich gebadet, hier wird sich gewaschen, hier wird sich geschlagen, hic pugnatur.
10)
gleich dem persönlichen 'es' haftet auch das unpersönliche fast in allen lagen der rede, in der directen wie indirecten: es schneit, schneits?; es tagt, es hat getagt, tagt es? hat es getagt? o dasz es tage! tage es oder nicht; es steht damit besser, steht es besser?; es verhält sich nicht anders, verhielt es sich gestern anders? verhalte es sich, wie es wolle. zumal bleibt 'es' nach den conjunctionen dasz, ob, wenn, da: ich wünsche, dasz es tüchtig schneie; man weisz nicht, ob es gelingen könne; ich gäbe viel darum, wenn es geschähe; da es heftig regnete, wurde die reise verschoben. nur bei den passivischen, mit wird gebildeten (unter 9) pflegt heute bei drehungen des satzes das 'es' wegzufallen, man sagt: es wurde viel gelacht, es wird gleich angespannt, es ist uns gemeldet worden, es ist oft behauptet worden, es ist getanzt worden bis an den morgen; hingegen: ich weisz nicht warum gelacht wurde, wird schon angespannt? uns ist gemeldet worden, oft wird behauptet, würde behauptet, ich höre dasz getanzt worden ist, hier wird nicht geschossen, da wurde auf einmal an die thüre geklopft u. s. w. solche sätze gleichen dann den hernach unter C angeführten. allein früherhin mangelt auch das es nach der umdrehung nicht, z. b. da es ausgespannt wurde, cum equi disjungerentur. irrg. d. l. 265; es wird jedermänniglich hiermit bekannt gemacht, dasz es in der nacht vom 18 bis den 19 aug. 1732 durch gewaltthätigen einbruch folgendes räuberischer weise entwendet worden. Belli Frankfurt 2, 7; ganz wie auch fr. gilt. qu'il a été attelé, qu'il a été volé, qu'il en a été ri, qu'il a été dansé. doch sind für den deutschen brauch ältere zeugen vorzuführen. schon die ahd. sprache scheint zu schwanken, denn O. III. 17, 55 steht sô zam, uti decuit, III. 20, 55 sô iʒ gizâmi; N. Boeth. 218 keskihet ouh ofto, fit autem saepe, Arist. 244 sô geskihet ëtewen wâr sagen. die mit mir und mich gebildeten (unter 7) pflegen, sobald diese pronomina vor das verbum treten, das es wegzulassen: mir gefällt, mich gelüstet, uns scheint = es gefällt mir, es gelüstet mich, es scheint uns, wiewol ihm auch die stelle gegönnt wird; es dünkt mich = mich dünkt (engl. me thinks) = mich dünkt es. man hört sowol mich reut, als mich reut es, doch öfter ich weisz nicht, wie mir ist, wie mir geschieht, als wie es mir ist, wie es mir geschieht. ebenso mag 'es' unterbleiben, wenn dem verb. subst. ein adj. vorausrückt: wahr ist, recht ist = es ist wahr, es ist recht. dasz bei unserm inf. und imp., die gar keine person und keine dritte person bilden, vom es die rede nicht sein kann versteht sich.
11)
diese von 1—9 gegebnen beispiele der impersonalien mögen hinreichen und gern wurden ihnen entsprechende lateinische und slavische verba zugefügt, an welchen sich die identität der suffixe 'um' und 'o' mit dem vorangehenden 'es', das ja in unserm blindes, gutes gleichfalls suffigiert erscheint, verdeutlicht. nahe gelegt war nun verschiedentlich bei den unter 1. 2. 4 angeführten wörtern das im 'es' erblichene subject aufzufrischen und wieder auszufüllen; diesen weg einschlagend denkt man sich zu pluit, tonat ein Jupiter oder deus, welchem des regens, donners und blitzes ursprung beigemessen wird, wie auch das volk diese naturerscheinungen sich daraus deutet, dasz der alte vater mit seinem wagen über die wolken rolle und feuer schlage. die meisten fälle unter 1 lassen sich auf irgend einen dämon ziehen, dessen heimliches nahen auszusprechen gemieden wurde. allein es hat doch bedenken manigfalte phänomene sämtlich auf ein und dasselbe göttliche wesen und noch mehr die einzelnen auf besondere götter zu leiten; welche subjecte aber gewinnen wollte man für die unter 3. 5. 6. 7 enthaltnen unpersönlichen verba. lieber erläutere ich die ganze form aus dem bereich der sprache selbst. sie bediente sich des dem neutrum überhaupt eingepflanzten begrifs der unbestimmtheit, um das nur andeutbare, unbekannte oder geheime zu bezeichnen. der grund dessen, was unser inneres bewegt, erfreut oder traurig macht, kann ebenso versteckt liegen als die ursache einer äuszeren naturerscheinung, darum sagt dafür ein leiser unpersönlicher ausdruck zu, der ganz unterbleiben könnte und in andern sprachen unterbleibt. in dem 'es' ist kein leibhaftes subject gelegen, nur der schein oder das bild davon. erlangt die vorstellung mehr stärke und festigkeit, so wird das verbum persönlich, und statt es regnet, es scheint heiszt es dann die wolke regnet, die sonne scheint. beide redeweisen weichen dennoch von einander ab, weshalb unrecht wäre, dem unbestimmten pluit ein bestimmteres deus pluit gleichzusetzen oder unterzulegen. obenhin besagt es zwingt mich was die noth zwingt mich, genau genommen liegt im unpersönlichen ausdruck etwas weniger. wenn die annahme grund hat, dasz im lat. tonuit, folglich in tonat das unbezeichnende neutrum stecke, was in grzmiało und in es donnerte sichtbar ist, wie liesze sich der männliche name Jupiter hinzudenken? ihn im sinn hätte der Pole grzmial„ der Deutsche er donnerte gesagt.
C)
unpersönliches es als vorbote. unsre sprache that einen schritt noch weiter. nicht genug, dasz sie unpersönliche verba mit dem neutrum dritter person erzeugte, sie begann solch ein es dem verbum auch da vorangehn zu lassen, wo das wirkliche subject unmittelbar oder gleich hinterher folgte, jenes mochte noch ein bild, ein schein statt des gegenstandes heiszen, dieses ist ein bloszer schon vorausgeworfner schatte. hauptunterschied beider 'es' zeigt sich so, jenes steht blosz bei dem neutral aufgefaszten sg. dritter person, dieses vor dem sg. wie dem pl. dritter personen jedes geschlechts; dort fehlt das subject ganz, hier tritt es nothwendig auf und wandelt durch sein erscheinen den unpersönlich beginnenden satz alsbald wieder in einen persönlichen. sätze dieses es mit dem folgenden subject können gebildet sein gleich denen mit folgendem praedicat (unter D); eine probe gewährt auch, dasz bei der umdrehung das es in ersteren schwindet, in letzteren haftet, z. b. 'es ist ein gott' (es gibt einen gott) dreht um in 'ein gott ist', dagegen 'es ist ein gott' (das fragliche wesen ist ein gott) in 'ein gott ist es'. lat. in beiden fällen 'deus est'. In den classischen sprachen wird man nichts erwarten, was unserm es vor dem subject entspräche, und goth. oder ahd. ist noch keine spur davon. mhd. begegnen aber schon häufige beispiele, namentlich gern zu eingang oder im fortgang einer erzählung, daher ihm der name des erzählenden eignen könnte; nhd. sind sie ebenso gewöhnlich und alle märchen beginnen damit. ich sondere die stellung vor dem sg. und pl.
1)
vor dem sg. mhd.
ëʒ wuohs in Burgonden ein schœne magedîn.
Nib. 2, 1;
ëʒ wuohs in Îrelande ein rîcher künic hêr.
Gudr. 1, 1;
ëʒ was ein wilder grîfe, dër kam dar geflogen.
55, 1;
ëʒ was ein küneginne gesëʒʒen über sê.
Nib. 325, 1;
ëʒ was hie vor gesëʒʒen
ein heiden gar vermëʒʒen.
die heidin 1;
ëʒ was ein wolf grâwe
und ein man al wâre.
MSF. 27, 13;
ëʒ wart von ir gevidere
diu linde anderstunt bedaht.
Iw. 680;
ëʒ wart ûf al der ërden
sô tump kein ingesinde nie.
tr. kr. 8570;
ëʒ wart ûf al der ërde
sô kürlich rîche nie gesëhen.
8738;
ëʒ wart nie beʒʒer nâchgebûr
denn ein bewærtiu friuntschaft.
11252;
ëʒ fuor ein büttenære
vil vërre in fremdiu lant.
Neifen 44, 26;
ëʒ stuont ein frouwe aleine
und warte über heide.
MSF. 37, 4;
ëʒ weinte ouch manec meit.
Nib. 71, 1;
ëʒ verlôs ein ritter sîne scheide.
Neidhart xliv, 1;
ëʒ gruonet wol diu heide.
11, 8;
ëʒ hanget von eime aste
von golde ein becke her abe.
Iw. 586;
ëʒ kom gevarn ûf si ein rêch.
Ulr. Trist. 511, 15;
ëʒ mac der man sô vil vertragen.
MSF. 27, 34;
ëʒ hët dër künec Artûs
ze Karidôl in sîn hûs
zeinen pfingesten geleit
nâch rîcher gewonheit
ein alsô schœne hôchzît.
Iw. 31;
ëʒ hëte dër gebûre
ein ragendeʒ hâr ruoʒvar.
432;
auch nach der conjunction wan, vorzüglich bei Conrad:
wan ëʒ enwart nie man geborn.
tr. kr. 7626;
wan ëʒ im an sîn hërze gie.
8007;
wan ëʒ enkam nie mensche wider,
der nâch der wollen ie geranc.
9407;
wan ëʒ lëbte dannoch
sîn vrëcher sun Achillës.
11176.
nhd. es war ein mann im lande Uz, vir erat in terra Hus. Hiob 1, 1; es ist ein menlin empfangen, conceptus est homo. 3, 3; es ist schon die axt den beumen an die wurzel gelegt, jam enim securis ad radicem arborum posita est, ahd. giu ist acus gisezit. Matth. 3, 10; und es folgete im nach vil volkes, et secutae sunt eum turbae multae, ahd. inti folgêtun imo. 4, 25; es war einmal ein könig, der hatte drei söhne;
es was ein frisch freier reutersmann.
Uhland 341;
es war ein wacker megdlein wolgetan.
185;
es war einmal ein schuster.
726;
es ist ein schnee gefallen.
90;
es flog ein kleins waldvögelein.
179;
es blies ein jeger wol in sein horn.
240;
es hat ein könig ein töchterlein.
273;
es war ein könig in Thule.
Göthe 1, 187;
es war ein knabe frech genung,
war erst aus Frankreich kommen.
1, 181;
es war ein kind, das wollte nie
zur kirche sich bequemen.
1, 224;
es lacht der mai!
1, 232;
wie nach und, denn: denn es zerrisz mit gewalt vor ihr der anmutige schleier. 17, 319; denn es legte sich der sturm; und es schwieg die stimme; und es schlug drei uhr.
2)
vor dem pl.
ëʒ sint in mîme hûse unkunde dëgene.
Nib. 84, 2;
ëʒ fuorten scharpfe gêren dîe rîter ûʒ erkorn.
74, 2;
ëʒ giengen ze dem hûse die iwer dëgene.
2270, 2;
ëʒ sâʒen helde in einem sal.
Ecke 2;
ëʒ wâren tiure vleisch mit den vischen.
Iw. 6215;
ëʒ liefen kreiierende hie
behender garzûne gnuoc.
7106,
wo Lachm. gegen alle hss. lief schreibt, der pl. aber sich mit gnuoc gut verträgt, zumal dem von einem gen. pl. begleiteten;
ëʒ wâren die tôten reine
in zwêne marmelsteine
herte schône geleit.
Ulr. Trist. 585, 23.
nhd. es giengen drei heilge frauen.
Uhland 832;
es giengen zwo gespilen gut.
260;
es leuchten drei stern am himmel.
168;
es waren zwei königes kinder;
es ritten drei reiter zum thor hinaus;
es waren einmal drei brüder; es waren drei gebrüder königsön.
es waren einmal drei brüder;
es waren drei gebrüder königsön.
sch. u. ernst 1550 cap. 148;
es lebten in einem lande zwei schwestern;
es hausten auf dem gebirge zwei riesen;
es gehen viel schafe in éinen stall;
es laufen genug bettler herum;
es brachen diebe ein.
3)
hier auch nl. beispiele für sg. und pl.
desen cop makede Vulcanus,
het brachtene ut Troien Eneas.
Floris 676;
het enhadde noit volc sulke ghere.
Stoke 4, 944;
het quam ên grote aerdbevinghe.
lekensp. 2, 200;
het voer een ridder jagen.
Willems 169;
het viel een hemels dauwe.
415;
het waren twee coninx kinderen.
142;
het gingen drie ghespeelkens goet.
176;
het quamen drie ruiters ghelopen.
239.
die heutige sprache zieht örtliches daar oder er dem het vor, wie die englische there dem it: er was eens een koning, er leefde eens een knapje; there was once, there were two brothers, doch hört man auch it was once. there is no body at home, es ist niemand zu hause; there is no purgatory, es ist, gibt kein fegfeuer.
4)
gleich dem latein setzt die it. sp. sprache das reine verbum ohne pronomen: erant rex et regina, fu gia una vedova, fueron tres niñas. fr. aber musz das vortretende il, welches wie bei impersonalien unserm es entspricht, aus deutschem einflusz geleitet werden, altfr. il estoit jadis uns rois, il estoient jadis dui frere. Meon 3, 393; heute nur vor dem sg. il était une fois un roi und nicht mehr il étaient deux frères. fast häufiger ist der praedicative ausdruck mit aveva, habia, il y avait.
5)
die vorhin wahrgenommne einstimmung des slavischen -lo zu unserm es hört aber hier auf, d. h. das participium richtet sich in genus und numerus jedesmal nach dem subject des satzes, z. b. böhm. byl otec, byla vdova, byli tři bratři; unstatthaft erschiene bylo otec, bylo vdova, bylo t. br. nach unserm es war ein vater, es war eine witwe, es waren drei brüder. doch merkwürdig lassen zuweilen russische märchen einen unbestimmten, neutralen ausdruck dem das subject enthaltenden unmittelbar vorangehen: byvalo da shivalo, shili byli starik'' da staruschka = es war und lebte, es lebten, waren ein alter und eine alte. das scheint lebendig und dem epischen ton sehr angemessen. byvati ist iterativ von byti.
6)
wie bis auf heute in gewissen fällen das persönliche pronomen vor dem verbum unterbleiben kann (gramm. 4, 218), lassen auch Keisersberg und andere schriftsteller des 15. 16 jh. in solchen erzählenden sätzen manchmal das anhebende 'es' fort: spricht da ein arzet, das mer sterben von dem frosz denn von dem schwert. s. d. m. 11ᵇ; waren arme fischer und er ist selbs arm gewesen uf disem erdreich. 17ᵇ; was in Probant ein frauw, die was besessen mit dem bösen geist. 24ᵃ; spricht der weis man. 42ᵃ. doch beginnen Paulis erzählungen in schimpf und ernst stets mit 'es war', oder bei umdrehung des satzes mit einem nomen; die in selentrost mit 'it was', 'dat was', 'dit was'. Spreng setzt hin und wieder ein bloszes 'sprach', z. b. Il. 143ᵇ. 340ᵇ, doch nicht für es sprach, sondern er sprach, und auch im heutigen balladenton ist das er ausgelassen, nachdem ein es vorangieng:
es war ein knabe frech genung,
war erst aus Frankreich kommen.
Göthe 1, 181
d. h. er war erst. anderemal fehlt augenscheinlich 'es':
sah ein knab ein röslein stehn.
1, 17;
hat der alte hexenmeister
sich doch einmal wegbegeben.
1, 237;
war einst ein riese Goliath,
gar ein gefährlich mann.
Claudius Wandsb. bote 3, 170;
war einst ein jung jung zimmergesell;
war mal ein alter zecher,
der sasz am vollen fasz.
auch die prosa des 17 jh. liefert hin und wieder beispiele, in Ettners hebamme s. 754: sprach der prior für es sprach. auf sprachs, schriebs kommt die rede hernach II, D.
D)
es in sätzen mit praedicativem nomen. an sich musz jeder satz ein subject und praedicat enthalten. in den unter C behandelten sätzen lag nun das praedicat im verbum, das subject im nomen, es war einmal ein könig besagt: ein könig war seiend, lebend. häufig aber findet sich das subject im verbum eingeschlossen und das nomen tritt als aussage hinzu, es war ein könig soll ausdrücken: der, von dem die rede ist, war ein könig, trug in sich die königswürde. zwischen beiderlei sätzen tritt der bereits angegebne unterschied in bezug auf das 'es' ein, dasz es beim umdrehen dort ganz wegfällt, hier bleiben musz. dort also: ein könig war einmal, oder fragweise: war einmal ein könig? hier: ein könig war es, fragweise: war es ein könig? bei der drehung aber legt sich das praedicat ins es, das subject ins nomen. so sind alle folgenden beispiele zu fassen.
1)
goth. steht in solchen sätzen niemals ein ita, sondern wie im latein nur das verbum. beide arten sind folglich im ausdruck ununterschieden, blosz nach dem sinn zu unterscheiden.
2)
ahd. taucht eine stelle auf: iʒ wâren aber die wârhafto, die turrem zimberotôn. N. Boeth. 174.
3)
mhd. gibt es viel beispiele, und wie unter C zeigt sich das ëʒ vor dem sg. und pl.
a)
sg.
ëʒ was ein man bôse,
niht dës engels rât,
dër iuch betrogen hât.
Maria 186, 13;
ëʒ wære ein unmanheit.
Iw. 633;
si giht, ëʒ sî ein lüge.
Walther 67, 25;
ëʒ ist sîn vërh und unser sëgen.
Wh. 31, 29;
ëʒ wære wise oder sât.
56, 12;
ëʒ wære tal ode bërc.
111, 6;
ëʒ was iedoch ein sünde.
113, 18;
ëʒ ist Wilhalm dër markis.
123, 27;
ëʒ sî vogel oder tier.
Parz. 592, 9;
ëʒ was wol mitter morgen dô.
40, 21;
ëʒ ist noch vil hôher tac.
51, 19;
ëʒ ist site dër nahtegal.
MSF. 127, 34;
ëʒ ist ein klage und niht ein sanc.
207, 1;
êst wunder daʒ ich niht verzage.
112, 10;
ëʒ ist ein wunderlich geschiht.
tr. kr. 8630.
b)
pl.
ëʒ sint zwei jâr.
Diut. 3, 110;
ëʒ wurden hundesfliegen.
fundgr. 2, 101, 27;
ëʒ wârn niht küneginne.
Parz. 341, 22;
ëʒ wâren meide als von der zît,
dën man diu besten jâr noch gît.
424, 1;
ëʒ wâren waʒʒersteine.
568, 28;
ëʒ sint alleʒ klageliet.
Neidh. xl, 7;
ëʒ sint guetiu niuwe mære.
MSF. 56, 1;
ëʒ wêren môre odr saraʒîn.
Crane 2846.
während für dieses ëʒ Wolfram belege darbietet, fanden sich keine aus ihm unter C, ich müste sie dann übersehen haben.
4)
nhd. ebenso häufig.
a)
sg. es ist ein groszes glück; es ist zeit zu essen; es war ein schlimmer streich; es war ein briefträger, der in die stube trat; es ist für uns ein harter schlag; es erscheint (das glas) angelaufen.
b)
pl. es sind drei stücke, die hierher gehören; es müssen drei sein; es waren zwei männer, die der krankheit zuerst erlagen; es waren Franzosen, die erschlagen wurden. und mit drehung: zwei männer waren es; diese gründe sind es, die mich bewegen; so sind sie alle die männer, filze sind es, bären sind es. Engel diamant 128, wo auch stehen könnte sind sie. wenn nun auch gleich in diesem falle die obern ränder dieser vierecke nicht horizontal erscheinen, so erscheinen es die untern desto mehr. Göthe 58, 313; sie geben sich nicht für meine feinde aus, aber sie sind es desto mehr.
5)
einer ersten und zweiten person kann das seinem begriffe nach die dritte person enthaltende es nicht vorangehen, bei dieser dritten ist es zulässig:
ëʒ sî ein sie, ëʒ sî ein ër.
Walther 96, 21;
wir pflegen aber allen personen des sg. wie des pl. ein praedicatives es nachzusetzen.
a)
goth. ik im, ohne ita, wie ἐγώ εἰμι, lat. ego sum; þu is, is ist, veis sijum u. s. w. gr. σὺ εἶς, lat. tu es u. s. w.
b)
ahd. aber mit angefügtem oder eingeschaltetem iʒ: ih bin iʒ. O. III. 20, 37; meistar jâ, ih iʒ ni bin. IV. 12, 84; ih bim iʒ. T. Matth. 14, 27; ëno ni bin ih iʒ? 26, 22; ëno bin ih iʒ? 26, 25; dû pist iʒ; ob thuʒ bist. Matth. 14, 28; ir sît iʒ, vos estis u. s. w. ebenso ags. ic hit eom, eom ic hit?; þu hit eart u. s. w., obwol das hit unterbleiben darf.
c)
mhd. treten jedesmal hinter dem ëʒ auch noch eigenname, appellativ oder ein andres pronomen zu:
ich pin iʒ Joseph.
Diut. 3, 110;
ich enbin ëʒ niht Christ.
fundgr. 1, 135;
ich bin ëʒ Iwein.
Iw. 2611. 7483;
ich bin ëʒ Minne.
3016;
dâ bin ichʒ diu maget.
Parz. 252, 11;
ich binʒ dër sun.
Walther 26, 30;
ouch bin ichʒ niht gotes sun.
cod. kolocz. 283;
ich binʒ ein ruofende stimme.
fundgr. 1, 136;
er sprach: ja bin ich ëʒ dër.
Helmbr. 805;
dû bist ëʒ dër bote frône.
Mar. 178, 40;
bistuʒ Iwein ode wër?
Iw. 3509;
bistuʒ Sigûne?
Parz. 252, 28;
ob duʒ dër marcrâve bist.
Wh. 86, 7;
ër sîʒ got, ër sîʒ dër almahtige got. Kelle spec. eccl. 172;
als ër iʒ wære got.
Diemer 131, 22;
sam ërʒ got solde sîn.
163, 11;
ër wær iʒ ein gartenære.
fundgr. 1, 182;
ob irʒ dër marcrâve sît.
Wh. 92, 6;
sît irʒ dër mich rach?
Parz. 307, 24;
sît irʒ Lähelîn?
474, 1;
in binʒ niht Lähelîn.
475, 4;
hër künec, sît irʒ dër beste.
Walth. 26, 32;
und jâhen, daʒ siʒ wæren Liudgêres man.
Nib. 821, 2.
spätere beispiele in den gestis Rom. K. verschiedentlich: ich pins der kaiser. 56, 60; ich pins der marschalk. 151, und ohne zweifel sonst noch.
d)
nhd. ich bin es, du bist es, er ist es, sie ist es, es ist es, wir sind es, ihr seid es, sie sind es. fragweise: bin ichs? bist dus? ist ers? sind wirs? seid ihrs? sind sies? der eigenname, das appellativ folgen nur selten: bist dus Heinrich?, wofern man in diesem Heinrich keinen vocativ sehen will: bist dús, Heinrich? ich bin es dein bruder; er ist es der könig. die praedicativbedeutung dieses es, wie der ihm nachfolgenden namen ist unverkennbar.
e)
mhd. fügt sich, bei ausgelasznem, aus der vorhergegangnen frage erkennbarem verbum, an das antwortendeund nein das blosze ëʒ, gleich jedem andern persönlichen pronomen: jâ ëʒ, nein ëʒ. nhd. musz aber dem es das verbum nachfolgen.
6)
fr. gilt in solchen praedicativen sätzen gewöhnlich kein il, wie unter C, sondern. das stärkere demonstrativum ce. doch sagt man: il est des personnes, il est deux ans, il est temps und in der drehung: est-il des personnes, est-il deux ans? est-il temps? man sagt aber auch o-il, nen-il.
E)
zur bestätigung und erläuterung alles dessen, was hier über das neutrum des persönlichen pronomens vorgetragen ist, gereicht schlieszlich, dasz auch die demonstrativen pronomina das, dies, jenes und die interrogativen was, welches in gleicher weise verwendet werden, worüber ich auf gramm. 4, 275—278 weisen darf. darum sahen wir unter B, 2 und 3 was oder etwas neben es, unter B, 4 altn. þat, schw. dän. det auftreten, und auch das schw. dän. märchen hebt mit det an. durch das engl. there, nl. daar, nd. dar wird die räumliche vorstellung des it. ci und fr. y = ibi ausgedrückt, das fr. il entspricht unserm es, nur dasz die männliche form zugleich für die neutrale ausreicht. dar, there, y passen eigentlich nur, wo der ort im satz unbezeichnet ist, und stehen überflüssig, wenn er selbst genannt wird. besonders zu beachten ist, dasz die Franzosen unser unpersönliches, ankündigendes es unter C mit il, unser praedicatives unter D mit ce wiederzugeben pflegen: es ist ein glück heiszt c'est un bonheur, ich bin es heiszt c'est moi, er ist es c'est lui, wir sind es, c'est nous; das für die dritte person passende c'est wurde auch auf die beiden ersten und den pl. erstreckt. aber statt c'est nous, c'est vous verlautet ce sommes nous, c'êtes vous, ce sont eux, wo der wahrhafte pl., nicht in beiden ersten personen der vornehme gemeint ist. in dem ce oder cela für il suchte die sprache einen schärferen, nachdrücklichern ausdruck zu erlangen, vgl. Diez roman. gr. 3, 88 der zweiten ausgabe.
II.
der accusativ es. Sein enträth die älteste sprache weniger als des nominativs, da dieser meist schon im verbum steckt, jener aber ein neutrales nomen zu vertreten hat, dessen ausdruck nicht leicht unterbleiben darf. deswegen begegnet auch ein goth. ita und noch öfter das ahd.des accusativs: jabai augô þein þata taihsvô marzjai þuk, usstigg ita. Matth. 5, 29, vulg. si oculus tuus dexter scandalizet te, erue eum; ahd. oba thîn zësuwâ ougâ thih bisuihhê, arlôsi iʒ thanne inti arwirph iʒ fon thir. T. 28, 2; ir birut salz ërdà. oba thaʒ salz arîtalôt, in hiû selzit man iʒ thanne? 24, 1; noh intprennent lioht inti sezzent iʒ untar mutti. 25, 2; thir tuontemo elimosinam, ni wiʒʒê iʒ thîn winistrâ. 33, 3. mhd. und nhd. accusative dieses pronomens anzuführen wäre überflüssig, da sie allenthalben vorkommen, und in den nachfolgenden bemerkungen belege genug enthalten sind. der romanische lautet nicht, wie der deutsche, dem nom. gleich, sondern seiner männlichen form halben abweichend, it. lo, sp. lo, fr. le, gegenüber dem nom. egli, el, il.
A)
oft könnte auf den ersten blick zweifelhaft erscheinen, ob in einem anhebenden ëʒ der nom. oder acc. vorliege; für den acc. entscheidet der sinn in folgenden beispielen:
Meginza ist ein kastël,
iʒ gimêrte manig helit snël.
Anno 504;
die schînint uns von himele,
als iʒ sibin sterrin nahtis duont.
571;
dô iʒ Romære gesâhen,
vil harte si irquâmen.
kaiserchr. 477;
ëʒ gefriesch ouch Siglint des edeln küneges wîp.
Nib. 52, 1;
ëʒ reiten sîne liute.
51, 2;
ëʒ habent die kalten nehte getân.
MSF. 64, 26;
ëʒ tuont die vogele schîn.
64, 17;
ëʒ schuof ein unsælec tranc.
Trist. 583, 30;
ëʒ möhten niht mit guote
vergëlten alle künge rîch.
tr. kr. 9220;
als ëʒ gebôt der künste vlîʒ.
9561.
nhd. verwechseln sich leicht der acc. es mit dem gen. es, wovon hernach. gleich dem nom. es kann auch der accusativ zuweilen auf das männliche oder weibliche geschlecht, und auf einen plural bezogen werden: sie verachten des Racine gedichte, und ich sage ihnen aufrichtig, dasz sie es gar nicht zu lesen im stande sind. solche schriften zu lesen, dazu gehört mehr französisch, als sie verstehn. Gellert 3, 268. der form nach wäre 'gedichte' auch der sg., den pl. aber verlangt der sinn.
B)
grundlos ist Adelungs behauptung, der acc. es schicke sich nicht, seiner unbestimmtheit wegen, nach praepositionen. er gewährt einen nicht minder fühlbaren sinn, als die accusative der übrigen persönlichen pronomina und ohne anstosz sagen wir: ein theil der Schweiz hat grosze ähnlichkeit mit Schwaben und grenzt auch an es; das kind lag am tode, um es herum standen weinende eltern und geschwister; er erreichte das haus und war kaum in es getreten, so sank er zu boden; im zimmer steht ein bett, wer sich auf es schlafen legt, schläft anhaltend. ebenso die ältere sprache: do stuͦnd der altvatter für das bild und fieng an und schalt es und fluͦchet im und warf es mit steinen, und do es abend ward, da fiel er für es und bat verzeihung und das thet er alle tag, das er allweg an dem morgen stuͦnd für es und schalt und warf es, und wenn es abend ward, so bat er verzeihens. Keisersberg geistl. gunkel (1510) f 5ᵈ; Alexander hett ein pferd und wenn er kam und wolt uf es sitzen, so bog es die knü. sch. u. ernst cap. 326; man hat sich mit futer uf es versehen. Münster cosmogr. 1458. wenn diese an es, um es, auf es, vor es richtig sind, warum sollte bei Lichtwer 1, 14. Berl. 1758. s. 26
was um es (das lamm) stund, das ward verheeret
tadel verdienen? in allen diesen stellen klänge 'dasselbe' für 'es' steif.
C)
in einem andern wichtigeren fall läszt sich sagen, dasz das 'es' zugleich bestimmt und unbestimmt erscheine. dieser acc. insgemein kann zwar, ohne dasz ein subst. vorausgeht, worauf er sich unmittelbar bezöge, den gegenstand der rede bezeichnen, also vielen wörtern zugesellt werden. er pflegt aber gewisse verba gleichsam ständig und regelmäszig zu begleiten; formell hat er dann keine vortretende bedeutung, im grunde aber liegt eine nachdrückliche verborgen, wenn sie schon im verlauf der zeit erblaszt ist fast alle solche verba mit 'es' verlieren sich tief ins alterthum. gothisch sind sie noch gar nicht, ahd. nur in einigen beispielen aufzuzeigen, damit könnte es sich gerade verhalten wie mit dem unpersönlichen es des nominativs, dessen die alten sprachen noch entrathen. möglich wäre doch auch, dasz ihnen der ernst oder die dürre des textes keinen anlasz bot, das freiere pronomen an der stelle des gesetzten oder gar nicht ausgedrückten nomens vorzubringen. mhd. aber, seit der sprachgeist sich frischer regte, treten dergleichen verba öfter auf, nhd. sind sie groszentheils als dunkel oder roh wieder aufgegeben. sie scheinen von kampf, ritt, spiel, tanz, trinkgelag, gastmal, gesang, kleidung hergenommen, führen also unmittelbar in die anschaulichsten vorstellungen, deren sich jeder redende von selbst bewust war und deren sinn ihm nicht entgieng, wenn auch mehrere substantiva abwechselnd darunter liegen konnten. einzelne, nicht unähnlich den I, B, 1—3 angeführten nominativischen 'es' lassen sich auch als verhüllungen und euphemismen für das ungeziemende, nicht offen auszusprechende betrachten, wobei freilich unvermeidbar blieb, dasz, sobald sich dieser sinn festigte, sie selbst wieder unanständig wurden. das gilt vielleicht von unzüchtigen wörtern der sprache überhaupt: entsprungen aus natürlicher, eingepflanzter scham und zudeckend, erscheinen sie allmälich frechentblöszend. lateinisch und soviel ich sehe slavisch entsprechen blosze verba ohne zugabe des pronomens, was den oben vorangestellten fall zu begünstigen schiene; romanisch, sowol it., sp. als besonders fr. gibt es einige von lo und le begleitete; nl. mehrere mit het, engl. mit it, worin Johnson etwas scherzhaftes (ludicrous) sah. den nord. sprachen mangelt ein pronomen für unser es, und þat, det an dessen stelle dem verbum beigegeben findet sich nicht. häufig werden wir dem sächlichen es auch einen persönlichen dativ und ein localadverb zugesellt sehen. alle diese ausdrücke, obschon an ihrer stelle einzeln aufzuführen, sind hier einer sie beleuchtenden zusammenstellung werth. man hat das analoge 'eins' sp. 257—259 zu vergleichen.
1)
mhd. ëʒ rûmen, loco cedere, wobei man sich viele wörter denken kann, den platz, weg, stul, das land, haus, fasz:
ër muose ëʒ rûmen sâ.
Diemer 4, 25;
hungerjâre chômen,
Ysaac unde sîn wîp muosen iʒ rûmen.
Diut. 3, 72;
die hërren rûmten iʒ dar.
Roth. 4729;
ër ne woldiʒ ime rûmen.
Alex. 1709;
ër begundiʒ dar rûmen.
6336;
unde begundiʒ dar rûmen.
6613;
ich ne rûmen iʒ ime niet.
fundgr. 1, 229;
daʒ siʒ rûmen muoʒen.
Tund. 43, 4;
daʒ hërʒ schiere dô rûmte.
En. 1964, wo Ettm. 66, 21
daʒ hër daʒ lant rûmde;
ich gerûmeʒ niemer hie.
Greg. 3453;
nû rûmde man inʒ zestunt
ze einem wîten ringe.
Er. 754;
die verdrôʒ vil sêre dâ,
unde rûmten imʒ sâ.
2978;
heiʒ inʒ rûmen von dan,
dâ ër lît in dem walde.
5002;
unde rûmteʒ im ouch sâ.
Iw. 3313;
smorgens vor der veste
rûmdenʒ gar die geste.
Parz. 54, 7;
ê irʒ gerûmet hie.
Nib. 1396, 1;
ir sultʒ hie rûmen.
Gudr. 1345, 4;
daʒ manʒ den recken rûme.
1692, 3;
rûme ëʒ winter, dû tuost wê.
Neidhart 4, 35;
winder hât ëʒ hie gerûmet.
19, 34;
unde der ubile drache der muʒ iʒ hi rûmen. Grieshaber sprachdenkm. s. 13; daʒ dûʒ hi rûmis, daʒ dich niman mêre hi beschowe. s. 14. hier sind auch beispiele des volleren ausdrucks:
rûmt ime den stuol.
Rother 104;
nû rûmen wir den tan.
Nib. 887, 1;
dô rûmten sie die zarge.
Mar. 209, 28;
rûment den wëc dër mînen lieben frouwen.
MS. 1, 4ᵇ;
dô hieʒ er rûmen den rinc.
Iw. 6931;
alsô daʒ minne noch haʒ
gerûmden gâhes daʒ vaʒ.
7026;
dâ rûmet der haʒ
vroun Minnen daʒ vaʒ.
7038;
beide trûren und haʒ
rûmten gâhes daʒ vaʒ.
7492;
Albrechts von Halberstadt verwendung dieser redensart, blickt noch bei Wickram (Mainz 1551, 169ᶜ) durch:
jedoch die seln nit mögen sterben,
wann gleich schon ire fasz verderben,
und sie schon müssen raumen das,
so farend sie in andre fasz.
auch mnl. als een siele sal rumen tvat. lekensp. 1, 20, 22, mit het aber:
sine mostent rumen te haren scanden.
Stoke 8, 1012;
mostent dar rumen.
8, 1174;
en rumedent met haesten groet.
10, 543.
de Vries im glossar zum lekensp. s. 579 versichert, dasz het rumen noch im 17 jh. oft gesagt wurde. fr. gleicht le céder, weichen, nachgeben, céder le pas, la place. ahd. ist nur rûmen ohne unser pronomen aufzuweisen: wanda andere fugela rûment, sparo ist heime. N. ps. 107, 7; tû rûmest tëro naht. Mart. Cap. 155; denn beidemal konntedaneben erwartet werden.
2)
mhd. ëʒ bieten, erbieten, offerre (2, 6), denken läszt sich am ersten das brot, glas, vielleicht auch die hand, faust, den mund, es gilt zumal vom empfang des gastes, dem aber auszer speise und trank freundliches aller art erwiesen wird, dann auch von liebeszeichen:
daʒ ëʒ nie wirt mêre
sînem gaste baʒ erbôt.
Iw. 6560;
nie lieben gesten manʒ sô güetlich erbôt.
Nib. 734, 4;
dër guote gruoʒ dër vreut den gast, swenn ër in gât.
vil wol dem wirte, daʒ in sîme hûse stât,
daʒ ër mit zühten wëse frô,
und bieteʒ sîme gaste sô,
daʒ in dër wille dünke guot,
den ër engegen im kêret.
MSF. 25, 8;
ein waltman in güetlîch enphieng
in sîn hûs und bôtʒ im wol,
als ein wirt sîm gaste sol.
Bon. 91, 9;
ër woltʒ im bieten dennoch baʒ.
91, 24;
ein bidërber wirt sol umbe sên rëhte als ein valke
und sol ëʒ wol irbieten dem bidërben unde ouch dem schalke.
MSH. 3, 87ᵃ;
den gesten ër ëʒ wirdiglîchen bôt.
Suchenw. 12, 83;
dâ man ëʒ dicke erbôt
mînem lîbe rëhte als ich wolte.
MS. 1, 65ᵃ;
sol ëʒ mir wol erboten sîn.
das.;
dâ biutet si mirʒ sô rëhte schône.
1, 1ᵃ;
sô si dër künic ie gruoʒte und irʒ schône erbôt.
Gudr. 1047, 1;
daʒ si vor unsinne
ëʒ niemen wol erbieten mac.
klage Holzm. 3409;
er was gein mir dës willen ie,
daʒ ër mirʒ rîterlîche bôt.
Parz. 303, 19;
op du mirʒ wol erbiutes hie!
ich hôrte von dir sprëchen ie,
du erbütesʒ allen liuten wol.
304, 3—5;
ich erbiutʒ iu durch mîns bruoder bëte,
daʒ ëʒ Ampflîse Gamurëte
mînem œheim nie baʒ erbôt.
406, 3—5;
doch erbôt siʒ einem baʒ
mit gebærden.
Neidh. 70, 14;
ir erbutet mir ëʒ hie sô wol.
Trist. 40, 19;
ir redet und bietet mirʒ alsô.
40, 26;
daʒ siʒ mit rede Tristande bute.
479, 25;
mit worten und mit sinne
erbuten siʒ einander wol.
Wigal. 84, 3.
nhd. beispiele stehn 2, 6 und 3, 723.
3)
mhd. ëʒ bringen, afferre, von kampf, kleid, speise und trank:
swâ ër die durftigen gesah
nackit odir frostic
hungirc odir durstic,
den brâhter iʒ stille.
Aegidius 91;
wan iegelîcher danne tuot,
als in leitet sîn muot
und als ërʒ bringen (vollbringen) mac.
fundgr. 2, 111;
die frowen habent ëʒ alsô brâht,
daʒ ir von rëhte wirt gedâht
in der vordersten zal.
Er. 7776;
sus het ërʒ umb si alle brâht (verdient).
Iw. 2652;
si sint kumen durch strît,
wir wolenʒ in bringen ûf daʒ fëlt
mitten under ir gezëlt.
Herb. 1345,
gleichsam das heerzeichen, die kriegsfahne. nhd. häufig es bringen, den becher, das glas, den wein, vgl. 2, 386. es weit bringen, er hats weit gebracht.
4)
mhd. ëʒ heben, erheben, das spiel, lied, den tanz, kampf:
iʒ ist wol erhaben, sprach dër helt Rolant,
(Helbl. 6, 3)
nu gedenket dër swërte an dër hant!
Rol. 144, 11;
iʒ was vermëʒʒenlîche erhaben.
163, 5;
nu heven wirʒ in gotes namen!
277, 27;
lât ëʒ heben die Hiunen!
Nib. 1824, 3;
daʒ ëʒ erhaben wurde.
1817, 7;
nu heb ichʒ an mit schirmenslegen.
MS. 2, 1ᵃ;
disen dûhte die rede guot,
daʒ ëʒ mit schiffen wurde erhaben.
Herb. 4130;
ich wil ëʒ sô erheben.
2128;
als ichʒ erhebe, sô komet enzît.
gute frau 836;
an dër lieben Vriderûnen huop ëʒ Engelmâr,
dër ir spiegel nam.
Neidhart 78, 7;
wil aber ich von ir tugenden sagen,
dës wirt sô vil, swenne ichʒ erhebe,
daʒ ichs iemer muoʒ gedagen.
MS. 1, 66ᵇ.
nhd. gilt es heben, es erheben von gesang und stimme und
nun will ichs aber heben an,
so will ichs aber heben an
sind gewöhnliche liedereingänge (vgl.erhuop daʒ liet. Reinh. 249), allmälich drückte anheben, erheben ganz abstract anfangen, beginnen aus. vgl. oben sp. 843 und ein nuwiʒ irheben. gr. Rud. Bᵇ, 5. Cᵃ, 12.
5)
mhd. ëʒ tuon, in mehrfacher anwendung.
a)
von der heldenarbeit:
vier und zweinzic recken die wâren ûf den plân
komen under schilde, dô wart ëʒ wol getân.
Gudr. 184, 1;
dër was von rîterschefte wunt,
und hetʒ ouch dâ vil guot getân.
Parz. 46, 19;
die hetenʒ dâ vil guot getân.
50, 10;
nu lât siʒ alsô tuon.
726, 9;
hurtâ wieʒ dâ wart getân.
673, 10;
von den sinen wartʒ dâ sô getân,
solt ëʒ ein keiser gëlten,
sölhe soldier funde ër sëlten.
Wh. 385, 18;
dër het ëʒ vordës âne wân
alsô dicke wol getân.
Er. 2578;
dâ tët ërʒ rîterlîchen vor.
Greg. 1840;
und heten ëʒ ofte sô guot getân
an maneger rîterschefte.
Wigal. 234, 35;
diu maget tëtëʒ dâ harte guot.
280, 33;
wie siʒ dâ sô getæten,
daʒ ëʒ dâ sagebære
und wol ze lobene wære.
Trist. 18, 20;
dër ëʒ dës tages und an dër stete
ze wunsche vor in allen tete.
19, 18;
wie ëʒ dër helt stæte
dës sëlben tages tæte.
gute frau 1147.
b)
facere in re venerea: quare non facimus? Petronius cap. 87;
ne faciant vicibus.
Juvenalis 7, 240.
prov. lo far, fr. le faire, sp. hazerlo:
s'ab si us colga, faitz lo be.
Raynouard lexique 3, 261;
li quens ne li fist la nuit mes que xxx feiz.
Charlemagne 725;
dites mei, bele fille, ad le vus fait c feiz?
728;
il me le fit trois fois ou quatre. anc. théatre fr. 1, 372;
ich wolt euch treuten also schon
und wolts euch zu acht malen thon.
Keller erzählungen 306, 11;
'mein begehren ist', antwortet das weib, 'dasz ihr mirs noch einmal thun solt, die weil die thür noch zu ist'. Simpl. vogelnest 1, 12. in einem schwäbischen volkslied bei Meier s. 154
lieber nehm ich einen maurer,
der kann mirs vermauern.
c)
nhd. es thun, wie in das nest thun:
duostu in dein eigen nest.
Muscatbl. 44, 67;
böhm. dělati, dělati pod sebe = kaleti, sich verunreinigen, do hnizda nadělati, vgl.bethun, ↗sich bethun 1, 1704.
d)
man sagt auch es einem anthun von zauber oder krankheit; es einem zuvor thun, ihn übertreffen; es einem nachthun, ihn nachahmen. in 'es thuts, es thuts schon, es thuts nicht so' sind zwei es, nom. und acc.
6)
mhd. ëʒ nëmen, benëmen, auferre, intercipere:
dâ wâren sie mit ubile ze samine chomen,
ne hete iʒ in diu naht benomen.
Diut. 3, 81;
dër herte strît wërte unz inʒ diu naht benam.
Nib. 2022, 1;
diz wërte in grôʒen sorgen unz inʒ diu naht benam.
Gudr. 879, 1;
ër reit unz imʒ diu naht benam.
Er. 2475;
die sluogen ir noch âne zal, ê daʒ diu naht inʒ næme.
Lohengr. 281;
er bræht si, ob imʒ ungelück niht næme.
672;
dâ wæren si wol über komen,
iedoch hâteʒ in diu naht genomen.
livl. chron. 5090;
den bruodern ëʒ diu naht benam.
11765;
swër deme andris iht gehieʒe,
daʒ er daʒ wâr lieʒe,
iʒ ne benëme ime der tôt
oder êhaft nôt.
Roth. 4925;
êhaftiu nôt hât irʒ benomen,
wan si leider ûf der vart
von der reise siech wart.
Iw. 6042;
dâ si stuont an ir gebëte,
als si ze allen zîten tëte,
ëʒ benæme ir slâf oder maʒ.
Greg. 1749;
hæt ëʒ ime dër tôt niht benomen,
er wære sît hërwider komen.
Trist. 243, 1;
diu wunne het imʒ benomen.
kindh. Jesu 88, 66;
mnd. it ne neme ime echt nôt. Ssp. 1, 70. im Bacharacher weisthum (2, 213): da was er ime nachfolgende uf des schaiches fuisze mit wofin geschrei, mit glockenklange durch den düstern walt als lange bis in die swarze nacht benam (lies bis es im, oder bis im es die s. n. b.). wer nun hier accusativisches ëʒ bezweifeln und nominativisches (nach I, D) annehmen wollte, den widerlegen irʒ Iw. 6042 (wo freilich A. iʒ ir liest) und imʒ Lohengr. 672. kindh. Jesu 88, 66. an welche substantiva läszt sich aber als lebendigeren acc. denken? vielleicht an tag, licht, wo das subject nacht ist, an weg, fart, gang, wo noth. das ëʒ kindh. Jesu 88, 66 wäre allenfalls auf das kurz vorausgehende ungemüete zu beziehen. wir sagen heute voll: einem das licht, den athem, die freude, trauer benehmen.
7)
mhd. ëʒ briuwen, brauen, sieden, kochen, anstiften, zurichten, eigentlich einen trank, guten oder bösen, dann unheil, schaden:
nu habent ëʒ die jungen ûf gebrouwen.
MSH. 3, 287ᵃ;
wir suln ein niuweʒ briuwen,
dar nâch si die vinger kiuwen.
Neidhart 13, 35,
denn 'ein niuweʒ' läszt auf 'ëʒ' schlieszen. nhd. er hats ihm gebrauen (gebraut), auch von gift.
8)
mhd. ëʒ enblanden, miscere, admiscere, einrühren, in ähnlichem sinne wie brauen, meist aber abstract: es einen fühlen, empfinden lassen, es einem zumuten, auferlegen, einen bemühen:
wil ich iʒ mir enplanden.
Rol. 85, 7;
wurde iʒ in enplanden.
89, 23;
iʒ wart in harte enplanden.
96, 15;
iʒ wirdet in harte enblanden.
272, 3;
got éine mac in hëlfen hin
ob ër imʒ enblanden wil.
Iw. 6343,
sich die mühe nehmen, geruhen es zu thun;
nu muose imʒ enblanden.
Turl. Wh. 15ᵃ;
kint, lât iuʒ den reien wol enblanden.
Neidhart 13, 23,
laszt den tanz euch warm machen, das in den ausg. fehlende ëʒ scheint nöthig;
die habentʒ in, nu wiʒʒet daʒ,
enplanden vërre dëste baʒ.
Bit. 11352;
sie lieʒen inʒ enblanden,
als sie dës twanc diu nôt,
die swërt in ir handen
diu wârn von bluote rôt.
Rab. 599. 662.
statt des persönlichen dativs findet sich aber oft der leib oder ein glied ausgedrückt, dem es gleichsam angethan, zugemutet wird:
wan daʒ siʒ phlëgent enblanden
ougen unde handen.
Er. 5765;
wir müeʒenʒ starke enblanden
den armen unde den handen.
Iw. 6391;
daʒ volk von drîʒec landen
möhtʒ den ougen niht enblanden.
Parz. 231, 26,
hätte nicht so viel weinen können;
swër volget dem schilde, dër sol ëʒ enblanden
dem lîbe, dem guote, dem hërzen, den handen.
MS. 2, 29ᵇ;
swër mit schilden decken wil vor schanden,
der sol ëʒ dem lîbe wol enblanden.
2, 37ᵇ;
so enblandent sieʒ den ougen (weinen sie).
Flore 457;
doch enblienden sieʒ den ougen.
7757;
dër wërlte ze minnen
enblient ërʒ sînen sinnen.
Wigal. 9, 3;
do enblient ërʒ dem swërte.
Er. 3395.
9)
mhd. ëʒ tîchen, vorerst aus 'ein niuweʒ tîchen', nach analogie von ein niuweʒ erheben, ein niuweʒ briuwen zu folgern:
die vogele in dem walde
singent wünneclîchen,
stolze megde, ir sult ein niuweʒ tîchen.
Neidh. 25, 32,
das will sagen, euch zum tanz aufmachen, erheben. denn in demselben liede geht voraus:
dër linden wëlnt ir tolden niuwer loube rîchen,
dar wider lâʒent nahtigal dar tîchen.
25, 16,
und in einem andern:
die vogele, die der winder trûric het gemachet,
die singent wunniclîchen
ir gesanc,
wëlnt in aber tîchen
den sumer lanc.
19, 21,
das ist wieder den gesang anheben, mägde und vögel 'tîchent ëʒ', huldigend dem sommer. dies tîchen, teich scheint gestalten, bilden, schaffen, ursprünglich vielleicht in weicher masse bilden, teigen, ich verglich goth. gadikis und schlosz auf ein deikan, daik, πλάσσειν, das in deigan, daig übergeht, wie sich ahd. teic und teich = goth. daigs, massa findet (Graff 5, 377), teig aber mollis, fracidus ausdrückt. nun lesen wir:
ir vil guote knëhte, swër ëʒ mit ellen tuot
und mir ëʒ mit den vînden hiute hilfet tîchen.
Gudr. 1389, 3,
wo ëʒ tîchen gleichviel ist mit es schaffen oder ausrichten;
wieʒ Gîsel dâ mît tanze tîchen sol.
Neidh. 45, 14;
wie si ëʒ tichen ûf dem wal.
Ottoc. 158ᵃ;
wan daʒ siʒ ûf dem breiten mer paʒ chunden teichen.
46ᵃ;
die lëbenden daʒ tichen = schuofen, worhten,
daʒ die tôten wâren tôt.
Herb. 7900.
die scheinbar abweichende bedeutung von büszen erklärt sich aus ëʒ büeʒen:
da siʒ mit jâmer ân ende muosen tîchen.
MS. 2, 15ᵇ;
ich bin unsamft erstrichen
und hân daʒ wol ertichen = gebüszt.
wolf und geisz 413;
daʒ hât ër getichen.
Frauenlob Ettm. s. 16;
mnd. de sunde konde ik nicht dîken.
Zeno 906.
wie aber hiesze tîchen ruhig, gemächlich gehn?
gât ër gemach, so tîchet ër,
tuot ër lîse, so slîchet ër.
LS. 3, 328,
welches tîchen schleichen Stalder 1, 280, deichen schleichen Schmid s. 123 noch heute aus Ulm, deichen, dicheln, lento passu incedere Schm. 1, 351. 352 aus Baiern und Franken beibringen. weil der teig langsam, allmälich aufgeht, könnte tîchen diesen sinn haben. ertîchen, oben sp. 754 schlecht geschrieben erdeichen, ist erschleichen. den gesang tîchen, dar tîchen lân, hiesze demnach ihn ergehen, sich erheben lassen, ëʒ tîchen es schaffen, ausrichten, also jenes ein niuweʒ tîchen, es neu anheben, wenn man will einteigen, einrühren.
10)
mhd. ëʒ büeʒen. büszen, nach 2, 572. 573 war sinnlich erfaszt reficere, nähen, anzünden, heilen, ganz machen, den hunger, die lust, die sünde büszen, ëʒ büeʒen kann also manigfachen sinn gehabt haben und hat am häufigsten den von emendare:
ich solʒ in gërne büeʒen, swie sie dunket guot.
Nib. 1800, 1;
ich sol ëʒ aber dër süeʒen
beʒʒern unde büeʒen.
Trist. 132, 36;
als ëʒ got der rîche
enzît bedenken müeʒe
und ëʒ beʒʒer unde büeʒe.
373, 26.
meistens aber sind die vollen subst. dazu gesetzt. nhd.
eile! wenn du nicht eilest,
werden wirs theuer büszen müssen.
Göthe 12, 241;
du sollst es mir schon büszen.
11)
nhd. es einbrocken, interere, oben sp. 158. 159: ich hab dirs eingebrockt. mhd. dar brocken:
giengen siʒ dar brochen.
Diut. 3, 321.
11b)
nhd. es eintränken, dare bibere, oben sp. 326.
12)
nhd. es verschütten, effundere: das wasser, den brei, die suppe. Schmeller 3, 418. ich habe es bei ihm verschüttet; es bei den eltern nicht verschütten wollen. Ettner unw. doct. 41.
13)
mhd. ëʒ walken, subigere, eigentlich den filz, das fell, dann ictibus concurrere:
die andern tæten rîterschaft
mit sô bewander zornes kraft,
daʒ sieʒ wielken vaste unz an die naht.
Parz. 82, 7;
die kamerære bî der tür
wielken ëʒ mit starken slegen.
Wigal. 242, 27;
dër wielk ëʒ in dem mëlme
under sînem hëlme.
GA. 1, 120;
sie wielkenʒ hin unde hër.
2, 368;
sie begundenʒ rëhte walken,
alsô drî wilde falken
under den kleinen vögellîn.
Geo. 141;
nu lâ wir ëʒ walken!
Ottocar 512ᵈ.
man sagt auch engl. walk it, nnl. het walken.
14)
mhd. ëʒ rîben, terere, fricare. die haut, das holz, die fiedel:
dô gie gein im dër grâve Adân,
mit im sëhs videlære,
die wolden im sîne swære
mit ir videlen vertrîben.
dô begunden si ëʒ rîben
mit künsteclîchen griffen,
biʒ im gar was entsliffen
diu swære von dem hërzen sîn.
Wigal. 217, 15;
ër ist an dem tanze ein rëhter treibel,
gevuoclîch ër zispet,
mit dem fuoʒe ërʒ walket unde rîbet.
MSH. 2, 80ᵃ.
nhd. es einreiben, infricare, oben sp. 248:
si haintz noch nit ingeriben,
das si selber herren wolten si.
Appenzeller chron. 125:
ei ich wils ihm ein noch reiben.
Logau 2, 15, 41.
15)
ags. hit þrëscan, triturare: se þunor hit þrisceđ mid þære fŷrenan äxe, der donner drischt mit der feurigen axt. Salom. und Saturn. engl. thresh it.
16)
ëʒ wikîsen, tellurem pulsare pede, saltare:
ir brîset iuch zen lanken,
stroufet ab die rîsen,
wir suln ëʒ ûf dem anger wol wikîsen.
Neidhart 26, 1.
im Glarnerland fliegen die hexen nachts zu ihren tänzen, wuokisen, wukisen genannt. Blumerheer kanton Glarus. 1846 s. 318 und danach Rochholz Schweizersagen 2, 175. das wort ist noch dunkel.
17)
mhd. ëʒ rüeren, tangere, percutere, von kampf, trommel und saitenspiel:
si kundenʒ anders rüeren
mit den ecken.
Wh. 450, 26;
die vînde begundenʒ rüeren.
Gudr. 701, 2;
ahî, wie ër ëʒ ruorte in dem strîte!
Rab. 558;
wir süln ëʒ mit strîte vaste rüeren.
590;
aller êrest siʒ manlîchen ruorten.
741;
ahî, wieʒ Wolfhart dâ ruorte!
749;
si sulnʒ mit flatschen rüeren
den helden ûf den renden.
Bit. 8449;
ahî, wie sie ëʒ ruorten
ûf die hëlme mit ir slegen!
Dietr. 3418;
ahî, wie manʒ dô ruort mit strîte.
8854;
ahî, wie sieʒ dô ruorten mit den slegen!
9136;
und ëʒ Amor darzuͦ mit strîte ruorte!
Laber 151;
lûte rüeret ëʒ dër sumberslegge.
MS. 2, 57ᵇ.
auch wol nhd. am frühen morgen wurde es schon gerührt, die trommel angeschlagen.
18)
mhd. ëʒ klingen, strîchen lân:
der lieʒ ëʒ ouch mit strîte erklingen.
Rab. 730;
nahtegal ir hügen læt dar strîchen.
MSH. 3, 219ᵇ.
19)
mhd. ëʒ understrîchen, mit farbe:
si wurden rôt unde bleich
als ëʒ diu minne in under streich.
Trist. 300, 6,
vgl. nhd. es unterstreichen, linea distinguere.
20)
mhd. ëʒ trîben, agitare, instare, das spiel, den ball, handel:
dô si ëʒ vil lange getriben.
Er. 920;
ich trîb ëʒ kurz ode lanc.
Iw. 7792;
trîbet ërʒ die lenge.
Neidh. 50, 19
wil ërʒ die lenge trîben.
Eracl. 317;
ëʒ hâtʒ getriben wol zëhen jâr.
Wigal. 113, 12;
wënt irʒ iemer trîben.
MS. 1, 61ᵃ.
nhd. sie treiben es schon lange mit einander; er trieb es zu grob; auch von bösen dingen, zauber und wollust:
dmutter isch e hex.
smeidli solls gwis au scho tribe, dnochbere sages.
Hebel 266;
er treibts im traum mit pferden (träumt von pf.)
ὀνειροπολεῖ θ'ἵππους
Aristoph. wolken 16.
vgl.es eintreiben.
21)
mhd. ëʒ ziehen, stringere, schwert, waffen, von leder ziehen:
dû ziuhiʒ wîblîche
unde slâ manniclîche! (frumiclîche?)
wenn so bei Diemer 123, 8 zu bessern ist;
si zôch ëʒ von dër scheide.
Nib 2310, 1,
wo aber swërt eben vorausgieng, worauf ëʒ geht.
22)
mhd. ëʒ umbewërfen, circumagere, vertere, schwert, wagen:
ër warf ëʒ umbe in der hant.
Wh. 430, 28,
doch ist der bezug auf schwert ausdrücklich. nhd. er hats umgeworfen, den karrn, wagen.
23)
mhd. ëʒ in gerëmen, sustinere, cohibere, hemmen, das rad:
ër sol wiʒʒen, kumt ëʒ sô, daʒ ich imʒ in gerëme,
dâ den vînden sîn
wirt ir hërze von gesêret.
Neidhart 70, 6,
wozu Haupt s. 192 einremen bei Schm. 3, 85 und goth. hramjan figere hält, nur wäre dann geremen zu schreiben und der reim: vernëme unrein.
24)
nhd. es einlenken, flectere currum, equum: wie ich heut vom kronprinzen hinauffuhr und ich die Deutschhausmauern sah und den weg, den ich so hundertmal (kam), und es dann rechts ein in die Schmidtgasse lenkte. Göthe und Werther s. 69. kann auch vom einrichten des verrenkten glieds gesagt werden.
25)
mhd. ëʒ verhengen, habenam remittere, wo auch bloszes verbum steht:
Bucifale ër verhancte (den zügel).
Alex. 1727;
und ër nâch rîterlîchen siten
sîn ros ze rëhte ersprenget
und im daʒ wol verhenget
nâch sînem willen als ër wil.
Wigal. 216, 7.
für die bedeutung gestatten, geschehen lassen, steht lieber der genitiv:
wold ës dër künec verhenget hân.
Iw. 7334;
war umbe verhenget im dës got.
Greg. 165;
sît daʒ du dës verhenget hâst.
Trist. 64, 16;
unz daʒ dës verhancte got.
Helbl. 8, 1094.
dem nhd. es verhängen, über einen verhängen sieht man den casus nicht genau an.
26)
mhd. ëʒ undervân, cohibere, retinere, den kampf, den stand der dinge:
ëʒ wære umb iuch ergangen,
het ichʒ niht undervangen.
Iw. 3146;
daʒ ichʒ ie undervienc,
daʒ iuwer ende niht ergienc
dës wil ich iemer riuwec sîn.
3147;
unz ëʒ dër tôt undervie,
der alleʒ liep leidet.
Er. 2208.
ebenso ëʒ understân, es verhindern, dazwischen treten; ëʒ undertrëten:
wâ sint nu die wîsen alle, daʒ sieʒ undertrëten?
MSH. 3, 266ᵃ.
27)
mhd. ëʒ irren, impedire:
ir irret iʒ allen disen tac.
Rol. 54, 5.
28)
nhd. es halten, verhalten, continere, retinere, das wasser, den zorn: er konnte es nicht halten; es gab auch noch etliche, die es verhalten konten. Simpl. K. 484. es aushalten, perferre: ich hielt es endlich nicht länger aus.
29)
mhd. eʒ scheiden, bescheiden, entscheiden, decernere: den kampf, streit:
muget ir iʒ gesceiden.
Rol. 19, 5;
obe iʒ got sô gesceidet.
68, 26;
wilt duʒ noch sceiden.
289, 16;
eines nahtes ërʒ beschiet
wîsen Romæren zwein.
Greg. 2994;
ëʒ muoʒ under uns beiden
diu ritterschaft scheiden.
Er. 706;
und möhten siʒ in beiden
nâch êren hân gescheiden.
Iw. 7275;
got müeʒ ëʒ ze rëhte scheiden.
Walth. 16, 31;
daʒ si ëʒ niht genædeclîchen schiet.
MS. 1, 65ᵇ;
dër mirʒ nu schiede.
2, 100ᵇ;
wir mügenʒ noch wol scheiden.
Nib. 119, 3;
noch heten ëʒ gesceiden genuoge sküneges man.
825, 3;
ëʒ kan nieman gescheiden.
1823, 3;
dër hërre ëʒ scheiden began.
1831, 4;
si woltenʒ gërne scheiden.
1904, 2;
dô sprach vater dër Hilden, daʒ ëʒ gescheiden wære.
Gudr. 526, 3;
ouch möhten siʒ wol scheiden unz ëʒ wurde tac.
890, 1;
sô schiede ich ëʒ gërne.
1482, 4;
möhtet irʒ gescheiden.
1485, 2;
wir suln ëʒ hie mit handen
wir zwêne under uns beiden
in einem ringe scheiden.
Trist. 163, 14;
ëʒ müeʒen doch spër und swërt
under uns und iu bescheiden.
161, 31,
welches letzte ëʒ sich auch nominativisch fassen liesze. sô muoʒ ëʒ got scheiden mit kampfe under in. Schwsp. 219.
30)
mhd. ëʒ friden, placare, componere:
swie gërn ichʒ friden wolte, dër künec entuot ës niht.
Nib. 2073, 3.
31)
mhd. ëʒ süenen, placare, reconciliare:
dô sprâchen einen tag,
daʒ siʒ suontin.
Merigarto 98;
süene ëʒ, rîter küene!
Nib. 2273, 4.
32)
mhd. ëʒ enden, finire:
und wil dirʒ hëlfen enden, sô ich allerbeste kan.
Nib. 54, 3;
ich wil ëʒ hëlfen enden.
2230, 4;
besëht wie wir ëʒ mit in enden.
Lohengr. 268;
daʒ manʒ mit swërten endet in dem strîte.
279.
33)
mhd. ëʒ lâʒen, omittere, unterlassen:
dër wirt dër bat ëʒ lâʒen.
Nib. 37, 1;
dô muoserʒ doch durch vorhte lân.
Iw. 1703;
wan ich het ëʒ baʒ gelâʒen ê.
677;
daʒ siʒ mit êren mohten lân.
7355.
nhd. ich kanns nicht länger lassen; o lasz es! es läszts wol (wo das erste es nom., das andere acc.).
34)
ahd. ëʒ chôsôn, loqui, recitare: sô wio ih iʒ chôsôê. N. Boeth.; wio mac tër iʒ hevigôr chôsôn. Graff 4, 502; alts.
thaʒ ig iʒ côsân muoʒi de quodam duce.
leich von Heinrich;
mhd. ir decheiner doch bî mir nu lëbt,
dem ichʒ ze liebe kôse.
Wh. 387, 15.
ebenso ëʒ rûnen und nhd. es sagen.
35)
mhd. ëʒ lësen:
ein rîter, dër gelêret was,
unde ëʒ an den buochen las.
Iw. 22;
dër dritte hieʒ Deifebus,
als ichʒ an dër historje las.
tr. kr. 13251,
der früheren ausg., wo die neue 13260 das ëʒ, vermutlich nach Haupts Engelh. s. 211, tilgt hinter dem ëʒ steckt nicht mære, welches erst Iw. 30 folgt, sondern ein dem part. geschriben entsprechendes subst.
36)
solcher verba mit es wären manche noch anzuführen. es kam darauf an die wichtigsten zu geben und reichliche belege dazu, ohne welche nichts auszurichten ist. da der enger angeschmiegte, allmälich fast unentbehrlich gewordne acc. des pronomens überall aus einem ursprünglich frei und natürlich von dem verbum abhängenden subst. hervorgegangen scheint, so fällt unmöglich die grenze zwischen diesem zugesellten und dem gewöhnlichen pronomen genau zu ziehen. das letztere es hat den reinen bezug des verbums auf ein in der rede enthaltnes nomen auszudrücken, hinter dem beinahe nichts sagenden und wie überflüssig beigefügten es steckt ein dunkles nomen, dessen sinn nachhallt und mitvertreten wird. die classischen sprachen setzen hier immer ohne pronominalzugabe bare verba, denen gröszere kraft eigen ist, aber eine aus dem pronomen sich entwickelnde feinheit des ausdrucks entgehen kann, wie ja auch der artikel neben dem nomen ähnliche vortheile bringt.
37)
entsprechende nl. franz. und englische beispiele sind erst besser zu sammeln. auszer le céder, le faire auch fr. l'emporter, unser es davon tragen, l'oser es wagen, lat. nur audere. engl. hört man, wenigstens unter dem volk, auszer walk it auch fight it, course it, lavish it, saint it, lord it, porter it, sinner it, rough it = go through in spite of obstacle and bad weather.
D)
andrer art als die eben verhandelten fälle des es ist unser nhd. erst in den letzten jhh. aufgekommnes und von den dichtern, denen an einem einsilbigen, tönenden wort gelegen war, gern verwandtes sprachs, riefs für 'er sprach es', welches sprachs Buttmann (ausf. gr. sprachlehre 1, 565) sogar dem epischenfür ἔφη an die seite setzt. in stammbüchern und unter glückwunschversen schon des 17 jh. liest man: 'schriebs mit eilender hand' statt des schleppenden 'dieses schrieb, dieses setzte, wollte setzen' für schrieb es, und bei Luther begegnen gute kürzungen, wie: danket gott und brachs. Matth. 4, 19. apostelg. 27, 35, wo das accusativische es folgt, das anderemal vorausgeht:
sprachs und verschwand;
sprachs, und hemmte die nervichte hand an dem silbernen hefte.
Il. 2, 219;
sprachs, und gab in die hände sie ihm.
1, 445;
sprachs. da lächelte sanft die lilienarmige Here.
1, 594;
sprachs, und reichte das glas ihm gefüllt dar.
Luise 3, 547;
jener sprachs. doch Chryses erschrak und gehorchte der rede.
Il. 1, 33;
jener sprachs. da entbrannte der Peleion.
1, 188;
jener sprachs, und entliesz sie, die drohenden worte befehlend.
1, 325;
riefs, da er über die brach anrennete, drückte die hand mir.
Luise ausg. l. h. 80.
ebenso im praesens:
seits, und nimmt e sprung.
Hebel s. 35;
seits, und goht in wald und lueget an himmel und briegget.
s. 136;
seits und lachet, dasz dblätter zittret.
Corrodi prof. 31;
seits und lat en süfzger ab.
57.
unbedenklich stünden auch andre einsilbige praeterita im eingang des hexameters: nahms, gabs, thats und wo der sinn keinen acc. fordert gleich wirksam im vers sprach, nahm, gab. der ersten person sprach für dixi, dixeram fügt sich nicht so leicht ein s an, man setzt: ich habs gesagt, wie für ausus sum ich habs gewagt. steif aber: ich habe geredet.
es n
Fundstelle: Lfg. 5 (1861), Bd. III (1862), Sp. 1139, Z. 57
unio, monas, gleichviel mit as (1, 578), fehlerhaft geschrieben esz: es auf einem wurfel. vocab. 1482 h 2ᵇ; das es auf dem würfel, canis. Maaler 121ᶜ; das es im spiel, unio. Frischlin nomencl. 476; ses oder es, bischof oder bader. Henisch 934, 65; ses oder es, aut Caesar aut nihil. Stieler 388; gleichwie im bretspiel, so einer zwei es bedörfte, zwei ses darfür wirft, damit das spiel verspielet. narrensch. von Höniger 3ᵇ;
ich hab drei es, ich bin darvon.
H. Sachs III. 1, 219ᵈ;
wer rüttelt ein quatwer, es oder zinken,
so vil mal musz ers glas austrinken.
Schade sat. u. pasq. 1, 162;
nun wirt der wirfel han sechs ort,
das erst ort das sol sein ein es,
das wirt sich stellen uf die ses.
Gengenbach s. 375;
voll auf brettspiel oder das schön flüssen, es, daus, troi. Garg. 171ᵇ; zwei es oder zwei daus. Simpl. K. 254. mhd. galt esse:
dane viel daʒ esse noch daʒ tûs.
Amis 2484,
wo doch eine hs. das es nach dem tus;
dâ sie ir freunde wësse,
den warf sie liht zwei esse.
Helbl. 1, 1122.
Zitationshilfe
„es“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/es>, abgerufen am 16.11.2018.

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