Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

etkum, m.

etkum, m.
zelus, synonym mit eifer, eifersucht, ein dunkles, schwieriges wort, das nur im Elsasz und in der Schweiz vorkommt: ein guͦter etkum und iferen eins bescheidnen, götlichen entbranten ernsts, der dir entspringt usz dem brant gotlicher und christenlicher lieb ... so hat er ein iferen, also das er nit mag geliden, das einer mit im gemein hat, das ist ifer oder etkum. Keisersberg bilger 136ᵇ; ein guͦter etkum und iferen gegen allem dem das wider got ist. 136ᶜ; usz dem schmerzen entspringt dann ein etkum, ein iniferen, ein inmaseren. 137ᵇ. wie eifersucht mit sucht, schiene etkum mit einem verlornen m. kum, ahd. chûm aegritudo, wovon noch chûmo aegre, nhd. kaum übrig sind, gebildet. die untergegangne nhd. form würde also lauten etkaum, und et aus der ahd. partikel ita, it, mhd. it, ags. ed zu deuten sein, was eigentlich wieder ausdrückt, dann aber blosz intensive kraft hat. bei kaum will ich einmal den gedanken an kauen wagen (vgl.saum und siuwen, floum und flöuwen, doch mit ou, nicht û), da auch ahd. itaruochan, ags. edrêcan ruminare dasselbe it und et zeigen; im kauen liegt etwas mühsames, krankheit, eifersucht kauen ihren schmerz gleichsam wieder. nur steht das in kaum waltende û für etkum noch keineswegs fest. wenn im voc. 1482 h 3ᵃ. Diefenbach 211ᵇ etkum für ethica d. i. hectica, schwindsucht genommen wird, so scheint dies zwar vermischung mit dem gr. wort, gemahnt aber zugleich an den schweiz. ausdruck ettig, ettik, ettika, der fressige ettika, heiszhunger (Stalder 1, 117), ettik m. tabes, schwindsucht, die schwinend sucht. Frisius 1285ᵃ. Maaler 121ᶜ, woran GDS. 468 sogar mythische vorstellungen geknüpft wurden. des Golius (auch eines Elsäszers) onomasticon lat. germ. sp. 262 und des Twinger vocab. bei Oberlin 1, 360 geben gleicherweise der ettike oder etkum hectica, den schweinenden ettikum haben, extabescere. gesetzt nun ettikum sei aus einem ahd. acc. ettichun, ettichon, dessen nom. etticho lautete hervorgegangen, wie andere acc. in den nom. traten, so müste die zusammensetzung mit kum aufgegeben werden und etticho, etticha könnte dennoch aus hectica geworden sein. nur streiten die folgenden composita etkumen und etkümig wieder für kum und Keisersbergs bedeutung zelus stimmt nicht zu tabes.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1861), Bd. III (1862), Sp. 1174, Z. 59.

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Zitationshilfe
„etkum“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/etkum>, abgerufen am 08.08.2020.

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