Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

fünfer, m.

fünfer, m.
1)
die zahl fünf, die gesammtheit von fünf einheiten als zahl. zuerst bei Serranus dict. u 6ᵇ, wo quinarius als subst. durch ein fünffer verdeutscht ist, was sich aber bei Dasypodius, dem Serranus sonst nachtritt, nicht findet.
2)
das zahlzeichen oder die ziffer für fünf. ein arabischer fünfer, 5. ein römischer fünfer, V. der fünfer ist kaum lesbar. vgl. fünfter.
3)
eine münze, welche die geltung von fünf kleineren zusammen hat. auff ein halben denarium, welchen die Römer vom wert ein fünffer, drumb das er fünff as oder zweintzig vierer galt und ein victoriatum oder sieggroschen hiessen. Mathesius Sarepta (1562) 249ᵇ; ein kreutzer ist das achte theyl eines alten denarii, das vierdte theil eines fünffers oder ein halber sestertius. ebenda. Im besondern heiszt fünfer
a)
im 16. jh. in der Schweiz eine fünf heller geltende münze. fünffer (der), ein müntz gilt fünff haller. Maaler 146ᵃ. später ein fünfkreuzerstück.
b)
in Süddeutschland eine scheidemünze mit der zahl 5, ein fünfkreuzerstück.
c)
der schwere batzen, der in dem Bambergischen, dann dem angrenzenden Franken und dem hennebergischen lande gangbar war und 16 gute pfennige oderfünf kreuzerim reiche galt.
d)
in Riga, überhaupt in Livland das preuszische oder sächsische zwölftel oder zwölftelthalerstück, weil dasselbe fünf ferdinge ausmachte. daher dort bildlich für etwas unbedeutendes in seiner geltung: das ist nicht einen fünfer werth. sie ist nicht für einen fünfer hübsch. dann auch blank wie ein fünfer sein, kahl wie ein abgeschliffener fünfer, ganz ohne geld, welche redensart daher rührt, dasz die ehemals gangbaren fünfer selten anders als ganz abgeschliffen umliefen. s. Gutzeit 1, 301ᵃ. auszerdem wird in Livland eine fünf kopeken an werth gleiche münze fünfer genannt, und man hatte silberne wie auch kupferne. s. Gutzeit ebenda.
e)
in Sachsen ein halber neugroschen, weil dieser gleich fünf pfennigen ist.
f)
in Straszburg ein fünfpfennigstück? fünfcentimenstück? Arnolds pfingstmontag 40. vgl. a) und s. pfennig.
g)
eine schwedische, fünf öre geltende münze.
4)
in Nürnberg einer der fünf rathsherren, die das policeigericht bildeten. das gericht der fünfer oder das fünfergericht (s. d.). vgl. auch fünf f. 3) u. fünf subst. im pl. Dieser und ähnlicher deutschen einrichtung und benennung gemäsz dann übersetzung des lat. quinquevir: ein fünffer oder der fünfften einer. Frisius (1556) 1169ᵇ und danach bei Maaler 146ᵃ, der noch hinzufügt ein oberkeit vor zeiten zuͦ Rom im brauch, als bey uns Zürych (lies zuͦ Zürych) die zwölffer in zünfften. wirde und ampt der fünffer, quinqueviratus. Maaler ebenda. quinquevir, ein fünffer. Weismann (1715) 1, 451ᵃ. vgl. fünferamt, auch fünfherr, fünfmann, fünfmänneramt.
5)
wein, der in dem fünften jahre des jahrhunderts gewachsen ist, in dem man lebt. s. oben sp. 555.
6)
östr. ein ungeschlachter, grober mensch, ein lümmel. auch bauernfünfer. Höfer 1, 254. Castelli 128. Loritza 46ᵃ. wol ursprünglich ein mehr als vierschrötiger mensch.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1869), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 559, Z. 75.

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Zitationshilfe
„fünfer“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/f%C3%BCnfer>.

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