Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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fürnehmlich, adj.

fürnehmlich, adj.
vorzüglich, hochansehnlich. fürnemlichste red, prothologus, sermo principalis. voc. inc. teuton. f 4ᵃ, wo aber auch furnamligeste, principalis. fürnemlich, principalis. Dasypodius 333ᶜ. 193ᵈ; praecipuus, furnämlich, furtrefflich. 191ᶜ und danach bei Serranus dict. t 5ᵃ fürnemlich. praecipuus, cardineus, cardinalis, specialis, specificus, singulus, sonderlich, furnemlich. Alberus dict. Ss 4ᵃ. sende menner aus, die das land Canaan erkunden, das ich den kindern Israel geben wil, aus jglichem stam jrer veter einen fürnemlichen man. 4 Mos. 13, 3; die alle fürnemliche menner waren unter den kindern Israel. 4; acht personen von jhren fürnehmlichen bürgern. Luther briefe 5, 798; gottes wort ist grösser und fürnemlicher, denn der glaube. dessen werke 4, 332ᵃ. später erlischt das adj., das überdies nicht häufig vorzukommen scheint (s. auch das adj. vornehmlich). weit üblicher dagegen und viel länger im gebrauch ist das folgende adv.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 780, Z. 65.

fürnehmlich, adv.

fürnehmlich, adv.,
das erst im 15. jh. erscheint und von dem vorigen adj. abgeleitet ist. mhd. würde es vurnæmlîche gelautet haben. furnemlich, intelligibiliter, principaliter. voc. incip. teut. f 4ᵃ. Bedeutungen:
1)
vorzüglich, vortreflich. furnemlich reden, meisterlich reden, autenticare, autorisare. voc. theut. v. 1482 i 7ᵃ.
2)
aus und vor allem, vor allem, vor allem zuvörderst, über alles, vorzugsweise. in dém sinne ein im 16. und 17. jh. geläufiges wort. praecipuè, fürnemlich, zuvorausz. Alberus dict. Ss 4ᵃ. denn es (das evangelium Christi) ist eine krafft gottes, die da selig machet, alle, die daran gleuben, die Jüden furnemlich und auch die Griechen. Röm. 1, 16, vgl. 2, 9; aber darumb ist mir barmhertzigkeit widerfaren, auff das an mir furnemlich Jhesus Christus erzeigete alle gedult. 1 Tim. 1, 16; im buch stehet furnemlich von mir geschrieben, das (dasz) ich thun sol gott deinen willen. Ebr. 10, 7;
doch wil ich ...
dir kurtz und warhafftig erzeln,
wie das die götter thetn bestelln,
fürnemlich dasz der götter gaben
auff erd die leut nit mögen haben
ohn sunder arbeit, müh und fleisz.
H. Sachs I (1590), 181ᵇ;
durch den (es ist ein platzregen mit sturmwinden gemeint)
die schiff zerstrewet wassen (waren),
fürnemlich der Locröer schiff.
V, 281ᵈ;
weils nun aber nicht simpliciter durchausz geschicht, sunder secundum quid von den fürwitzen predigkäutzen fürnemlich geschehen ist. Nasus Nasenesel 42ᵇ; eya da triffts fürnemlich die predigkautzen an. 43ᵃ. fürnemlich, praesertim. Mich. Neander bedenken 20ᵇ. fürnemlich, sonderlich, primo loco, praecipuè, in primis, prae ceteris u. s. w. Henisch 1302, 59. der apostel redet fürnemlich von der vorsorge für die seele. Schupp 188, aber sieben zeilen vorher da redet Paulus nicht vornehmlich von der vorsorge des leibs, wobei dasselbe gilt, was oben spalte 734 unter fürgehen 4) bemerkt worden ist; dasz das volck fürnemblich macht gehabt habe, tüchtige personen zu erwehlen oder untüchtige zu verwerffen. 643. noch Stieler 1364 hat das wort, ohne daneben vornemlich anzuführen, ebenso Dentzler, Weismann und Kirsch, während Rädlein und Nieremberger beide, fürnehmlich wie vornehmlich, jedes an seiner stelle, verzeichnen, Hederich und Crichton fürnehmlich oder vornehmlich ansetzen mit zahlreichen beispielen, in welchen blosz jenes erste vorkommt, Steinbach 2, 135 für-, vornehmlich mit beispielen für jenes wie dieses hat und Matthiä, gleich Kirsch, blosz fürnehmlich, doch in der dritten ausg. (1761) mit der bemerkung am schlusse, dasz vornemlich richtiger sei, was in der ersten ausg. (1748) noch nicht beigefügt ist. Frisch, sowol in seinem französischen wie in seinem teutschen wörterbuche, kennt nur vornehmlich, und Webers deutsch-lat. universalwb. (1770) 789ᵃ fügt zwar bei diesem worte bei siehe fürnehmlich, hat aber dieses selbst nicht besonders verzeichnet. in allen späteren wörterbüchern findet sich, wie bei Frisch, kein fürnehmlich mehr und Heynatz antibarb. 1, 435 erklärt ganz entschieden, es müsseschlechterdings vornehmlich heiszen“. aus alledem geht hervor dasz fürnehmlich sich in der ersten hälfte des 18. jh., wenn es auch manche nicht mehr erwähnen, noch neben vornehmlich erhielt, dann aber, nach der mitte des jh., rascher schwindet, bis es mit beginn des achten jahrzehnts, in welchem die drei ersten theile von Adelungs wörterbuch erscheinen, ganz verdrängt ist, weshalb es auch dieser nicht mehr anführt. S. vornehmlich.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 781, Z. 3.

vornehmlich, adv., (und adj.)

vornehmlich, adv. (und adj.),
s. fürnehmlich th. 4, 1, 1, sp. 780 und 781; relatio vornemlich befelchunge Diefenbach gl. 490ᶜ; prestans vornemelich nov. gl. 302ᵃ; vornemlich, principalmente Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 124ᵇ; für- et vornehmlich, maxime, praecipue Steinbach 2, 135; vornehmlich Adelung; Campe; nd. fürnamlik, fürnamelk, fürnämelk ten Doornkaat-Koolman 1, 543ᵃ; mnld. vorenemelike Verwijs-Verdam 9, 1043.
1)
zur schreibung: festgesetzt hat sich jetzt vornehmlich entsprechend vornehm, zu dem es gehört.
a)
häufig, besonders im älteren nhd., ist vornemlich: vornemlich aber soll man allen fleis ankehren Barth weiberspiegel (1565) c 8ᵃ; in der heiligen schrifft vornemlich erwenet Mathesius Sarepta (1571) 7ᵃ; was unsere teutsche sprache vornemlich angehet Opitz poeterei 8 ndr.; weiter Rist d. friedewünsch. Deutschl. (1648) 13; Schupp (1663) 17; Haller Usong (1771) 17; Sturz (1779) 2, 12; G. Forster (1843) 1, 64; Schleiermacher Platon (1804) 6, 18; K. L. v. Haller restaur. d. staatswiss. (1816) 1, 10; Zinkgref auserl. ged. 28 ndr.; Günther ged. (1735) 312.
b)
die schreibung mit ä beruht auf anlehnung an nämlich und name (s. auch unter c).
α)
die schreibung vornämlich hält sich bis in die neuzeit: vornämlich der augenschein Herder 23, 536 S.; weiter Gerstenberg Hamburg. n. zeitung 323 dt. lit. denkm.; Klopstock gelehrtenrep. (1774) 15; Schleiermacher Platon (1804) 2, 365; Niebuhr röm. gesch. (1811) 1, 229; Dahlmann gesch. d. franz. revolution (1845) 48; J. Grimm kl. schr. 6, 155; Hebbel br. 1, 346 W.; Mommsen röm. gesch. (1854) 2, 421; Nitzsch dt. studien (1879) 155; Shakespeare Romeo u. Julia 5, 3.
β)
seltener vornähmlich: vornähmlich begriffen Zesen beschr. d. stadt Amsterdam (1664) 300; Hippothous aber, welchem Anchialus vornähmlich nahe ging Bürger 267ᵃ; Schleiermacher (1834) I 3, 43; Fr. Schlegel pros. jugendschr. 1, 234 Minor; Hegel (1832) 6, 154;
da nun vornähmlich konnt es gar nicht fehlen
Freiligrath dicht. (1870) 2, 188.
c)
die anlehnung an name und namlich bringt formen mit a hervor, vgl. nld. voornamelijk und Verwijs-Verdam 3, 1043: principalis furnamligeste Diefenbach gl. 459ᶜ; endelich und vornamlich Bräker (1789) 1, 200.
d)
in älterer sprache wird hinter dem labialen nasal ein b geschrieben: vornemblich in zweyen stücken Kirchhof wendunm. 1, 43 Ö.; ist vornemblich in acht zue nehmen verh. d. schles. fürsten u. stände 1, 54 Palm; die seinen, vornemblich hauszgenossen Moscherosch insomnis cura parentum 22 ndr.; ferner Grimmelshausen 3, 386 Keller; Rollenhagen froschmeuseler (1595) a 5ᵃ.
2)
erweiterung des suffixes in älterer sprache: vornämlichen, dasz ifg secretari hinterstellig verblieben Schweinichen denkw. 99 Ö.
3)
bedeutung. im entwickelten nhd. ist das wort auf den adverbialen gebrauch eingeschränkt (s. aber unter a) und auch in diesem gegen früher eingeengt.
a)
das adj. erscheint in älterer sprache in verschiedener bedeutung; sich etwas herausnehmend, anmaszend: presumere furnemlich seyn o. werden Diefenbach gl. 457ᶜ (fehlt oben bei fürnehmlich, adj.). — vor anderem wichtig, sich hervorhebend u. ä.: dasz durch in und seinen rath und that ein vornemlichs vor den feinden auszgericht und geschehen sei graf zu Solms ursprung des adels (1563) 2ᵇ. — in der bedeutung besonders wichtig, hauptsächlich vereinzelt auch noch in neuerer sprache im superl. wie vornehm (s. dieses unter 4): dessen verwirklichung ... den vornehmlichsten inhalt der römischen geschichte bildet Jhering geist d. röm. rechts (1852) 2, 1, 135; die vornehmlichste sorge des marschalls Moltke schr. u. denkw. (1892) 3, 38. — hochstehend nach geburt, rang und stand (vornehm 5, vgl. vornehmlichkeit); heydnische vornehmliche geschlechter Prätorius bericht v. Katzenveite (1665) c 2ᵇ. — freier von unpersönlichem: auszgenomen dy sontage und etsliche vornemliche feyre Hedwigsleg. (1504) c 6ᵇ; under andern vielen und herrlichen dörffern ... hat disz landt zwei fürnemliche dörffer Braun beschreib. u. contrafactur d. vornembsten stät d. welt (1576) 2, 18ᵃ.
b)
auch im gebrauch des adv., worauf die neuere sprache eingeschränkt ist, bewegt sie sich unfreier als die ältere, worüber oben fürnehmlich zu vergleichen ist: vornehmlich kann nicht mehr in dem allgemeinen sinne von vortrefflich gebraucht werden (furnemlich reden, meisterlich reden th. 4, 1, 1, sp. 781); es bedeutet vorzugsweise, vor anderem, besonders, hauptsächlich, zuvörderst u. ä.
α)
es wird innerhalb eines satzes ein wort oder eine wortgruppe hervorgehoben: es hat sein sohn Carolus die stadt (Breslau) vornehmlich geliebt Rätel Curäi chron. v. Schlesien (1607) 284; bey den Griechen hat es Aristoteles vornemlich gethan Opitz poeterei 8 ndr. in beiden stellen wirkt die ältere, freiere bedeutung nach; es sind vornehmlich vier ursachen, warumb ich solches ... begehre Moscherosch insomnis cura par. 18 ndr.; der schauplatz ist Constantinopel und vornehmlich die käyserliche burg A. Gryphius trauersp. 17 Palm; um diese zeit, vornehmlich aber heut Grimmelshausen 3, 444 Keller; so kan dieses vornehmlich von Miltons gedichte gelten Bodmer abh. v. d. wunderb. (1740) vorr. 5; ich bitte sie, vornehmlich auf die letzten acht zeilen aufmerksam zu seyn Lessing 8, 47 M.; anwendung dieser aussicht auf neuere sprachen, die deutsche und französische vornehmlich Herder 1, 138 S.; mit diesem geist schrieb er alles, vornehmlich die geschichte der kunst Göthe 46, 99 W.; durch die ganze froschtonleiter hör ich vornehmlich krächzen moral, moral, moral Bettine Cl. Brentanos frühlingskranz (1844) 48; vornehmlich war es Shakespeare, der uns auf weg und steg begleitete Mörike 3, 92 Göschen; (er) bat sie, sich vornehmlich seinen erwachsenen töchtern zu widmen M. v. Ebner-Eschenbach (1893) 3, 232; dasz sich vornehmlich hier schlechte wetter sammeln Hans Grimm volk ohne raum (1928) 1, 301;
vornehmlich sieht das hohe Wien
die opfferflammen aufwärts ziehn
Günther ged. (1735) 128;
vornehmlich eine — grille, wenn ihr wollt,
ist ihr sehr werth
Lessing Nathan 1, 1.
β)
hervorgehoben wird eine durch den infinitiv bestimmte gruppe: da er doch vornemlich sucht, ein herr über ihrer mutter ducaten zu werden Grimmelshausen 3, 340 Keller; (der tambourjunge musz) vornehmlich ... einen würbel mit doppelt-prellenden stöcken schlagen lernen v. Fleming d. vollk. t. soldat (1726) 144; vornehmlich aber musz er den hund zum hirsch gewöhnen Heppe aufr. lehrprinz (1751) 6; der pfarrer habe es doch besonders bequem, da er vornehmlich nur zu denken und zu reden habe W. H. Riehl d. dt. arbeit (1861) 202.
γ)
vor einem relativsatze, wobei es zunächst auf ein verbindendes demonstr. bezogen werden kann, oder sonst zur hervorhebung eines satzinhaltes: dieweil vornehmlich zu befahren, dasz der feind diese niderlag nicht wird ungerochen vorüber gehen lassen Dilich ungar. chronica (1606) 176; vornemlich, wenn sie (die frucht) für sich selbst unwerth A. Gryphius Horribil. 60 ndr.; vornemlich in dem, dasz wir unsere muttersprache ... säubern Neumark neuspr. t. palmbaum (1668) 31; vornemlich wann ers (das mittel) braucht, ehe 24 stund ... vorüber lauffen Grimmelshausen 3, 338 Keller; also musz bei einer guten erziehung vornehmlich darauf gesehen werden, dasz junge leute mit geschmack ... lesen können Gellert (1839) 7, 117; begehrten sie, darum sie vornehmlich kommen waren, dasz er ihnen ein gaukelspiel vorbringe Grimm dt. sagen (1891) 1, 175; vornehmlich, weil du so still und fleizsig bei mir gearbeitet hast G. Keller (1889) 3, 243.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1937), Bd. XII,II (1951), Sp. 1360, Z. 70.

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fürnehmen
Zitationshilfe
„fürnehmlich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/f%C3%BCrnehmlich>, abgerufen am 03.08.2021.

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