Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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fürrede, f.

fürrede, f.,
s. vorrede.
1)
einer handlung oder rede vorausgesprochene oder vorauszusprechende worte. fürreden, praemissae. Mones anz. 5, 85, 47, aus der zeit kurz nach 1424. prefacio in missa, fur vel for rede vor der stil mesz. Eychman qijᵃ.
2)
einem vortrage oder einer schrift vorhergehende vorbereitende rede.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 788, Z. 15.

vorrede, f.

vorrede, f.,

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vgl. fürrede th. 4, 1, 1, sp. 788; vorrede mhd. wb. 2, 600ᵇ; Lexer 3, 477; Jelinek 886; Schiller-Lübben 5, 422ᵇ; mnld. voreredene (vgl. ahd. redina) Verwijs-Verdam 9, 1059; prefatio, prologus ein vorrede gemma gemmarum (1508) t 7ᵇ; antiloquium ein vorrede b 2ᵃ; vorred Maaler 476ᵇ; vorred, prohemio Hulsius (1618) 271ᵃ; vorrede Reyher thesaurus (1686) o 3ᵃ; Stieler 1546; Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 1216ᵇ; Steinbach 2, 235; Adelung; Campe; vgl. Schmeller-Frommann 2, 54; schweiz. idiot. 6, 536. — vorrede ist dem lat. praefatio nachgebildet, ebenso wie ahd. forasprâhha (Graff 6, 385); aus nachbildung des lat. erklärt sich auch die glossierung proverbium forasprâhha Graff ebda, proverbium vorred Diefenbach gl. 468ᶜ; liber proverbiorum dasz buch der forrede der wisen nov. gl. 233ᵇ.
1)
im älteren nhd. ist die apokopierte form sehr häufig, die dann vom 17. jh. an unter mitteldt. einflusz zurücktritt: vorred, vorrede, thema, prohemium voc. inc. teut. m m 3ᵇ; prooemium ein anfang der red, vorred Calepinus dict. XI ling. (1598) 1171ᵇ; prooemium vorred Zehner nomencl. (1645) 11; vorred, prologus Dentzler clavis ling. lat. (1716) 337ᵇ; dü vorred diss buͦches Seuse dt. schr. 3 B.; ein vorred, anfang und bereytung Luther 2, 83 W.; und ende damit mein vorred Till Eulenspiegel 4 ndr.; vorred Jesuwalti Pickart Fischart bienenk. (1588) a 2ᵇ; vorred Dannhawer catech.-milch (1657) ):( 2ᵃ;
in der vorred da sagt
der verfasser ganz frei
Ditfurth volksl. d. bayer. heeres (1871) 151.
(oberdeutsch parodistisch:) und waisz es in der vorred zu ruhmen Schwabe volleingeschancktes tintenfässl (1745) a 4ᵃ. — Fischart bildet zu vorred (oder für vorredns?) einen genitiv vorreds:
daran ich hab vorreds gnug
Eulenspiegel 261 H.
vorher aber vorrede.
2)
die durch den zeitlichen sinn von vor bedingte bedeutung des wortes erscheint in älterer sprache in verschiedenen abwandlungen: nu kume ich wider an die vorrede, auf das früher gesagte zurück Königshofen dt. städtechron. 8, 332. — besonders früher beredetes, dann in engerem sinne vorverhandlung, abmachung, verabredung, vertrag u. ä. vgl. Lexer 3, 478; Jelinek 886; Schmeller-Frommann 2, 54; Schiller-Lübben 5, 422ᵇ; ein vorred, ee sich der krieg an vieng dt. städtechron. 2, 123 Nürnberg; und wolt mit der lantschaft ain vorred thain Füetrer bayer. chron. 239 Spiller; dar en hebbe he myt ome neyne vorrede van ghehad dt. städtechron. 16, 58 Braunschweig;
do mande
den gast der vörrede
de wert
Gerhard v. Minden 9, 23 Leitzmann;
auch von den einzelheiten, den bedingungen einer abmachung: mit den vorreden, ... als her nach geschrieben dt. städtechron. 17, 261 Mainz.auf die bedeutung vorbesprechung, vorhergehende abmachung gehen sprichwörter zurück: die vorreden sind besser denn die nachreden Petri d. Teutschen weiszheit (1604) r 5ᵃ; vorrede bewahrt nachrede, reservatio impedit lites Pistorius thes. paroem. (1715) 923; vorrede macht keine nachrede, ce dont on est convenu est hors de dispute Schwan nouv. dict. 2, 975; vörrede hett nenen striid Dähnert 531ᵇ; vgl. Wander dt. sprichw.-lex. 4, 1697.
3)
als rechtsausdruck der älteren sprache, erklärung auf die eine gegenerklärung erwartet wird Haltaus 1994 (15. jh.); schweiz. idiot. 6, 536 (14. jh.).
4)
einleitung einer gesprochenen ausführung: ein vorred thuͦn anfahen reden Maaler 476ᵃ; proloquium ein vorred, anfang einer red Calepinus dict. XI ling. (1598) 1168ᵃ; vorrede, eine rede, durch welche man sich den weg zur hauptsache bahnt Krünitz öconom. encycl. 231, 436; dis erst stuck genant vindung hat sechs teil, nemlich vorred, verkündung, zerteilung, bekrefftigung, verwerffung und beschlusz Riederer spiegel d. waren rhetorik (1493) a 6ᵃ; Nestor, nach einiger vorrede, verlangt, dasz man den Achill zurückrufe Göthe 41, 1, 284 W.; freier, mit zwischenpause nach der vorrede: (du) läszt dir von meinen frauenzimmerchen manches erzählen als vorrede zu dem, was ich bey meiner rückkunft mündlich zu überliefern gedenke IV 23, 66 W.
5)
Calepinus dict. XI ling. 1168ᵃ glossiert prologus mit ein vorred, herold; er denkt dabei an das durchaus für den vortrag bestimmte schuldrama (vgl.: vorred desz herolds schweiz. schausp. d. 16. jh. 1, 17 Bächtold); ebenso erklärt es sich, wenn mit vorrede argumentum, thema, historia glossiert wird, die argumenta der röm. komödie wurden als theile des stückes angesehen und mit vorgetragen: diejenigen knaben, welche die vor-, zwischen- und nachrede ... getahn Schottel friedens sieg 58 ndr.
6)
praefatio in liturgischem sinne, s. th. 4, 1, 1, sp. 788: (der priester darf nicht sprechen) pater noster, er enhabe des ein vorrede und ein entschuldigen und spreche ze vorderest: oremus preceptis salutaribus moniti Tauler pred. 253 Vetter; er hat neue vorreden insz meszbuch gemacht und verordnet, dasz derselben eine, nach dem es der tag mit sich brächte, solte gesungen werden Fabricius grempelmarck (1619) 82.
7)
vorrede wird leicht als aufhaltend gedacht, wenn man auf die hauptsache gespannt ist, wobei von dem feierlichen sinn von rede abgesehen wird; ohne vorrede, gradezu, ohne umschweife: abrupte, gählingen, ohn alle vorred Calepinus dict. XI ling. (1598) 11ᵃ; merck, wie langsam, mit wie vil vorred kumpt sie uff das, das sie in bitt hinweg zu ziehen Terenz deutsch (1499) 11ᵇ glosse; die lange vorrede hättest du bey mir ersparen können Cronegk (1771) 1, 134; was für vorreden, rief Lothar, was für eine unnütze captatio benevolentiae E. Th. A. Hoffmann 9, 16 Gr.; keine vorreden! sie sind verliebt gewesen Grabbe 1, 448 Bl.; ersuchte ihn dann ohne weitere vorrede um einen seiner alten, abgelegten röcke Immermann 2, 111 B.; nur heraus damit ohne lange vorreden Holtei erz. schr. (1861) 35, 140; freiere wendung: sollen wir frisch dran (zu singen), ohne uns zu räuspern oder auszuspeyen oder zu sagen, dasz wir heiser sind, womit man immer einer schlechten stimme die vorrede hält (which are the only prologues to a bad voice)? Shakespeare wie es euch gefällt 5, 3. besonders in Norddeutschland ist gebräuchlich: halte dich nicht, nicht so lange mit der vorrede auf, sag grade heraus, was du zu sagen hast, vgl. Meyer d. richtige Berliner 148ᵇ; Mensing schlesw.-holst. wb. 5, 476.
8)
gewöhnlich in neuerer sprache von einer gesonderten, einführenden, berichtenden ausführung vor einer schriftlichen darlegung, einem druckwerk (vgl. vorwort); von einem vorbericht erwartet man, dasz er kurz, von einer vorrede, dasz sie länger sey Eberhard synonymik (1795) 6, 308: vorred Ulrichs von Hutten Hutten 1, 447 B.; das nicht die vorrede gröszer werde denn die gantze historia 2. Macc. 2, 33; welches jetzt in der vorred zu lang were zu erzelen Schumann nachtbüchlein 7 Bolte; die namen der authoren und scribenten findet man verzeichnet nach der vorrede theatr. diabol. (1569) titelbl.; damit wir nicht die gräntzen einer vorrede allzu weit ausstecken Lohenstein Armin. (1689) 1, a 2; dieses sind noch lange nicht alle fehler aus der bloszen vorrede Lessing 8, 6 M.; gewafnete vorreden Klopstock gelehrtenrep. (1774) 46; eine rechtfertigung über die ökonomie meines schauspiels selbst würde wohl keine vorrede erschöpfen Schiller 2, 7 G.; siehe die vorrede und nachrede, welche Zwingli ... hinzufügte Ranke (1867) 3, 42; das sind schlechte leser, die von vorreden nichts wissen wollen Fontane I 6, 220;
waz unzher ist gelesen,
daz ist ein vorred gewesen
Heinrich v. Neustadt Apollonius 2304.
9)
das schriftwerk, dem die vorrede vorausgeht, steht im genit. oder wird durch präpos. angeknüpft:
a)
Plinius ... in seiner vorrede der natürlichen historien Nigrinus von zäuberen, hexen (1592) 140; vorrede und erklärung des folgenden meines buches Schweinichen denkw. 6 Ö.; in der forrede seines poetischen lustgartens Zesen verm. Helikon (1656) 1, 6; Lukas schrieb, und zwar als gelehrter; daher die vorrede seines buchs Herder 19, 218 S.; im november schrieb er die vorrede einer hebräischen grammatik Ranke (1867) 1, 275.
b)
die vorrede des arbeitsamen Johnsons zu seinem englischen wörterbuche Herder 3, 198 S.; besonders artige vorrede zum 2. theil Göthe III 3, 240 W.; wenn ihr eine vorrede dazu wollet geben, könne er das werk drucken A. v. Arnim 15, 197; in seiner vorrede zu Maria Magdalena O. Ludwig (1891) 5, 360.
c)
veraltet, wie die folgenden verbindungen: die vorred Romuli philosophi in das buch Esopi Steinhöwel Äsop 78 Ö.; vorrhede ynn die predigten Mart. Lutheri über das erst buch Mose Luther 24, 16 W.; hie facht an die vorred in die zehen alter Gengenbach 54 G.; vorred und gemeyne einleytung in die teutsch apoteck Ryff confectbuch (1548) a 1ᵃ; die vorreden und einleitungen in die übrigen biblischen bücher Göthe IV 27, 236 W.
d)
vorrede Jesu Syrach auff sein buch Luther bibel 5, 65 Bindseil; vorrede auff den Eulenspiegel Fischart 2, 22 H.; d. Lutherus in den vorreden auff die bücher Judith und Tobia Dedekind d. christl. ritter (1590) a 7ᵇ.
e)
her schrîbit in der vorrede über Mathêum myst. 1, 210 Pfeiffer; hie endet die erste und hebt an die ander vorrede über Matheum d. erste dt. bibel 1, 5 K.; in der vorrede über die affenteurlichkeit des Pantagruelischen Rabelais Fischart 3, 19 H.; vorred über das erst hundert der evangelischen unwarhait Nas d. antipap. eins u. hundert 1 (1567) überschrift.
10)
beziehung zum leser. a) im entwickelten nhd. gewöhnlich mit an: eine vorrede machen an den leser Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 293ᶜ; ein vorrede an christliche bergkherrn Mathesius Sarepta (1571) inhaltsangabe 1, a; vorred an den christlichen leser volksbuch v. dr. Faust 6 ndr.; vorred, an den teutschen leser Zinkgref apophth. 1 (1628) vorr.; vorrede an den groszgünstigen leser Chemnitz schwed. krieg 1 (1648) 1; vorrede an den geneigten leser Grimmelshausen 4, 505 Keller. b) veraltet: vorredt zum leser Thurneyszer magna alchymia (1583) 1.
11)
selten wird das wort in freier und übertragener anwendung gebraucht: und oft ist die erste verbeugung, die haarfrisur, das kleid die vorrede des menschen Hippel über d. ehe (1792) 82; die logik ist weder die vorrede, noch das instrument der philosophie Athenäum 1, 2, 23; alle weltbegebenheiten sind ihm nur gleichsam vorrede W. Scherer litteraturgesch. 73.
12)
bei Schmeller-Frommann 2, 54 ist vorrede aus mundartlichem gebrauch im sinne von fürsprache bezeugt; vgl. vorreder 2, vorredner 5.
13)
vorrede- als erstes glied von zusammensetzungen, die allerdings z. th. auch auf vorreden bezogen werden können:
vorredebrief
man hat auch einen andern vorredebrieff, so an Francion gestellet gewesen, gefunden
Sorel v. d. leben d. Francion (1662) a 6ᵇ.
vorredebruchstück
vorredebruchstücke
Jean Paul 59/60, 144 H.
vorredemagazin
anfang zu einem vorredemagazin
allg. dt. bibl. 32, 140.
vorredeweg
das mir unerläszliche 'geboren zu Calcar' auf dem herkömmlichen vorredewege zu ihrer freundlichen kenntnis zu bringen
Fontane I 1, 466.
vorreden- dagegen durchaus auf vorrede zu beziehen: das vorredenartige einschiebsel im ersten kapitel Holtei erz. schr. (1861) 21, 81. — der vorredenkürze wegen Jean Paul 1, 10 H. — stark im vorredenschreiben Nicolai Seb. Nothanker (1773) 1, 102. — in der gewöhnlichen vorredensprache allg. dt. bibl. anhang zu 25-36, 1425. — nun aber geh ich meinen eignen vorredenweg Jean Paul 40/41, 119 H.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1937), Bd. XII,II (1951), Sp. 1404, Z. 39.

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Zitationshilfe
„fürrede“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/f%C3%BCrrede>, abgerufen am 20.10.2021.

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