Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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fürsagen

fürsagen,
s. vorsagen.
1)
vor jemand sagen, vor jemand reden, erzählen. mit dat. der person und acc. der sache. mhd.
maniger hande mære
dëm herzogen ër fürsagte.
Ottocar 353ᵃ;
sô vil ër im dës fürseit.
739ᵇ.
nhd. eben so wol mit dat. der sache, wenn zu einer solchen an der stelle einer person geredet wird: der wand fürsagen, erfolglos oder vergeblich vor und zu jemand reden. Kirsch (1723) 2, 125ᵇ. aber statt des acc. auch mit ausdrücklicher anführung dessen, was gesagt wird:
die eltern gehn nun durch die auen
und sagen ihren kindern für:
hier war der jagdschirm anzuschauen,
dort war des königs hauptquartier.
Picander ernstscherzh. ged. 3, 19.
vor und zu jemand sagen: auch demselben löblichen frawenzimmer viel suͤssere holdseligere dinge fürsagte, als Ovidius jemahls geschrieben. hist. von Lazarillo de Tormes s. 83. dann vor und zu jemand sagen, sei es nun blosz zur kenntnis oder zum nachsprechen oder nachschreiben. vorsagen et fürsagen, voce praeire. Stieler 1667. fürsagen, dictare, dictitare. Weismann 2, 136ᵇ, der aber eben so wol vorsagen hat. fürsagen, praeire verbis. Kirsch (1723) 2, 125ᵃ, dessen nachtreter Matthiä (1748) 2, 152ᵃ, wie bereits auch Steinbach 2, 334, fürsagen, vorsagen verzeichnet, dann s. 414ᵃ vorsagen noch besonders. Hederich und Nieremberger verweisen auf dieses bei fürsagen, das dann nur noch mundartlich sich erhält. wetterausich âm eabbĕs fîrsân, d. i. hochd. einem etwas fürsagen.
2)
laut zu wissen thun, verkündigen. mit dat. der person und acc. der sache oder einem satze statt dieses letzten: dasz du anbetest frömd götter und inen dienst, so fürsag ich dir heut, dasz du wirst verderben. Schade sat. u. pasqu. 3, 6, 30, nach 5 Mos. 30, 17 u. 18, wo bei Luther verkündige. preconisare, verkunden, bedeuten, fursagen, furbedeuten. Eychman q 1ᵇ.
3)
im voraus sagen, eher als sein soll sagen, im sprechen vorgreifen: mhd.
„nû sage, von wiu?“ daʒ weiʒ ich wol
und sageʒ sô ichʒ sagen sol.
dës ënist noch niht zît.
wie bîtelôs (ungeneigt zu warten) ir sît!
wër solt sîn mære fürsagen?
Erec 7829;
swëlich man sô bœse ist
daʒ ër suochet zaller vrist
werwort ze vürsagen
unde phlît sîn nôt ze klagen ...
welsch. gast 14305,
mit entschuldigung zuvorzukommen.
4)
vorbereitend sagen, einleitend sagen. ahd. vurisagên, introducere. Graff 6, 105. s. fürleiten.
5)
vorhersagen, prophezeien. vorsagen et fürsagen, praedicere. Stieler 1667. vgl. fürsager.
6)
verneinen, in abrede stellen, versagen. ahd. furisagên, denegare, dissimulare (Graff 6, 103).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 791, Z. 56.

fürsagen, n.

fürsagen, n.,
praedictio. Steinbach 2, 334. es ist der inf. fürsagen als subst.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 792, Z. 27.

vorsagen, verb.

vorsagen, verb.,
vgl. fürsagen th. 4, 1, 1, sp. 791; ahd. fora-, furisagên Graff 6, 104; mhd. vürsagen mhd. wb. 2, 2, 22ᵇ; Lexer 3, 587; mnld. voreseggen Verwijs-Verdam 9, 1070; ags. foresecgan; vgl. auch an. fyrirsegja; dän. foresige unter deutschem einflusz. predicere vorsagen Diefenbach gl. 453ᵇ; vorsagen, vorhinsagen Maaler 476ᵇ; vor- et fürsagen Stieler 1667; ebenso Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 415ᵃ; Steinbach 2, 334; vorsagen Adelung; Campe.
1)
vor jemandem sagen, damit er es höre, aufnehme, glaube, sich darnach richte, es befolge u. ä.; es ist deutlich zu erkennen, dasz nach der gegenwart hin dieser ganz allgemeine gebrauch immer mehr zurücktritt und von anderen verben übernommen wird. in älterer sprache kann das verbum auch einen emphatischen klang haben, etwa wie verkündigen.
a)
preconare vorsagen Diefenbach gloss. 452ᶜ; prescribere 456ᶜ; pronunciare 465ᵃ; von vil schöner lere, die er den iuden vorsaget d. erste dt. bibel 1, 436 K.; so mag ich dir auch nit lugen vorsagen Schaidenraiszer Odyssea (1537) 49ᵃ; was man dergleichen mehr den leidigen zu trost vorsaget Moscherosch ges. (1650) 2, 295; du weist ja, dasz dieses versprechen du mir nicht ein, sondern etlichemahl schon mit dem munde hast vorgesaget Buchholtz Herkuliskus (1665) 459; zum andern muste er öffentlich aufftreten und auf des inspectoris vorsagen laut widerruffen Riemer polit. maulaffe (1679) 231;
bekêr en mit gebete,
sage im die wârheit vor
Daniel 2677 Hübner;
wol auff, herr, das ist perayt,
was du uns has vorgesayt
passionssp. aus Tirol 23, 327 Wackernell;
disz als thut uns die schrifft vorsagen
zu einem spiegel von den alten,
von hurerey uns zu enthalten
H. Sachs 1, 197 K.;
man sagts manchem gar gut vor,
wann er folgt, so ist er ein thor
Lehman floril. polit. (1662) 2, 789.
aussagen: als dann Eberly jude selbs ouch bekannt und vorgeseit hat Endinger judenspiel 97 ndr.
b)
auch später noch bis ins 19. jh. hält sich dieser beweglichere gebrauch: (manier, nach welcher er) das alte kind Polonius seinem sohn Laertes abschiedsregeln vorsagen läszt Herder 5, 234 S.; (dem er) die erhabensten gesinnungen vorsagt Athenäum 1, 2, 151; wenn die Franzosen sich mausig machen, so will ich es ihnen noch vor meinem seligen ende recht derb und deutlich vorsagen Göthe gespräche 7, 282 B.; wanns einem mädel zwölf wörter vorsagen, sind dreyzehn davon erlogen Bäuerle kom. theater (1820) 5, 5; jetzt sagt euch blosz eure empfindung dieses vor Stifter (1904) 2, 28; die zeit, wo ich euch nach und nach meine erlebnisse im einzelnen vorsagen werde G. Keller (1889) 4, 27;
so wurde mirs im kloster vorgesagt
Schiller Piccolomini 3, 8;
wie vorerzählen auch von schriftlichem bericht: so setz ich mich nun hin, da es nacht ist, dir mancherley vorzusagen Göthe III 1, 242 W.
c)
sehr häufig wird der gegenstand durch eine wendung mit von angegeben: was die ihnen von einer andern regierung vorgesaget A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 3, 938; (liebste,) der er von seiner herzhaftigkeit vorgesagt hätte Gottsched crit. dichtk. (1751) 164; man musz groszen herren nichts von arm werden vorsagen Gellert (1839) 4, 19; mein freund, der mir vieles von den verdiensten dieses bildes vorsagte Göthe 19, 212 W.; dasz er ihnen wieder von heiligen märtyrern vorsagen möchte Tieck (1828) 16, 23; (haben) mir vorgesagt von ihrer lieblichkeit und treue Fouqué zauberring (1812) 1, 65;
(der priester) pflanzt sich zu ihm am bett; will eifrig mit
sagt viel vom troste vor ihm bethen,
Triller poet. betracht. (1750) 1, 283;
nur dasz ers nie gewagt,
und, wie ers oft gewollt, von lieb ihr vorgesagt
J. A. Schlegel verm. ged. (1787) 2, 139.
d)
natürlich kann der gegenstand auch durch einen satz ausgedrückt sein: so man inen vorsagt, sie söllen es meiden Eberlin v. Günzburg 1, 31 ndr.; (habe ich) ihr vorgesagt, wie man in der gantzen stadt von nichtes andern redete, als von ihrer vollkommenheit schausp. engl. comöd. 274 Cr.; hast du mir darum ... immer vorgesagt, dasz ein mensch leben müsse, als wenn er hundert jahre alt werden wollte Göthe 17, 93 W.;
wie du den purpurhut mit klugheit schon getragen,
braucht meine wenigkeit dir hier nicht vorzusagen
Neukirch ged. (1744) 186.
e)
als object treten im älteren nhd., besonders im 18. jh. zum verbum gern verbindliche ausdrücke wie schmeichelei, oder solche, die sich auf werbung und liebesleben beziehen, offenbar, weil der sinn des verbums sich leicht verschlimmert: (die) im schmeichwort vorsagen, als ob die war syen buch d. beispiele 49 lit. ver.; ir sovil guͦts vorsaget, dasz sie sich gäntzlich zuͦ seinem willen ergabe Lindener rastbüchl. 23 L.; dasz wir keine schmeicheley, die man uns vorsagt, vor gantz ungegründet halten d. vernünft. tadlerinnen (1725) 2, 158; ihm allerhand artige tändeleyen vorzusagen v. Loen ges. kl. schr. (1749) 1, 29; wie viel schöne sachen hat er mir nicht vorgesagt Lessing 2, 18 M.; der allen frauenzimmern süszigkeiten vorgesagt hätte Nicolai Seb. Nothanker (1773) 3, 111; ihnen so viel schönes vorzusagen Schubart bei D. Fr. Strausz 1, 9; schmeicheleien, die er ihnen ... vorsagte Schiller 4, 149 G.;
wie viele haben da ihr leyden sich geklagt
und manch verliebtes nichts einander vorgesagt
König ged. (1745) 53;
mancher schäferin
sagst du was süszes vor, wenn ich nicht bei dir bin
Göthe 9, 4 W.
vgl. aber: dieser tugend zu liebe würde ich meinem gegenstande keine grobheit vorsagen können Petrasch lustsp. (1765) 1, 46; dasz Astarte sich wunderte, wie man ihr so schwarze dinge von einem so gefälligen, sanften und liebenswerthen manne hätte vorsagen können Klinger (1809) 5, 84.
f)
das wort kann dann wie vorreden geradezu den sinn der täuschung annehmen: wente se ome voresede, dat de rad to Brunswick hedde oren man to unrechte dodet dt. städtechron. 16, 405 (Braunschweig); den leuthen vorsagend, als ob es Valentinianus selbsten ... gethan (sich erhängt) hätt Brandis des tirolischen adlers ehrenkräntzel (1678) 63; wagte es also, ihm ganz dreist vorzusagen: der ritter habe die erlaubnisz zugestanden G. Forster (1843) 5, 37; als ihm aber der priester eine täuschung vorgesagt dt. sagen (1891) 2, 55.
g)
jemandem etwas im wortlaut oder inhaltlich bestimmtes und begrenztes, z. b. verse, ein märchen vortragen. dem sinne von aufsagen sich nähernd: ein mährlein vorsagen Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 415ᵃ; wie Moyses dem volck dye gebot gottes sünderlich vorsaget d. erste dt. bibel 4, 442 K.; parabel, so er gemainem volckh vorgesagt Berth. v. Chiemsee t. theologey 98 R.; (er) bittet um erlaubnisz, ihr seine glosse vorsagen zu dürfen Lessing 10, 51 M.; verschiedene derselben (gedichte) hab ich in Hannover und auch hier vorgesagt Hölty 216 Halm; da könntest du die namen in reime bringen und sie dem herren vorsagen Göthe 13, 1, 260 W.; hat ihr charaden und sonnette vorgesagt Schiller 14, 197 G.; er soll sie (die fabel) ihnen vorsagen Freytag (1886) 2, 267;
so pflegen sie (dichter) ihr lied dem eichbaum vorzusagen
Zachariä poet. schr. (1763) 1, 198.
in diesem sinne mit dem dativ auch in der sprache der gegenwart gebräuchlich.
h)
sich vorsagen kann im eigentlichen und uneigentlichen sinne von sagen gebraucht werden: er sagte sich in einer fülle von prächtigen worten die erhabensten gesinnungen vor Göthe 21, 46 W.; der sich alle tage zehnmal vorsagte, es zieme seinem ernsten mannesalter ..., eine gewisse zurückhaltung anzunehmen Fouqué gefühle, bilder (1819) 1, 117; ich lief umher, ... um meine rolle mir selbst vorzusagen Holtei vierzig jahre 2 (1843) 363; was er sich schon bei einleitung seines unternehmens immer im stillen vorgesagt hatte Laube (1875) 2, 63.
2)
häufiger wird im entwickelten nhd. das wort in eingeschränkter bedeutung gebraucht.
a)
jemandem etwas vorsprechen, damit er es nachspreche: in concepta verba jurare schweren, wie einem wirt vorgesagt nomencl. lat.-germ. (1634) 270; einem kinde das abc vorsagen Adelung; man sage und spreche es (das tischgebet) ihnen deutlich vor, von sylb zu sylbe Moscherosch insomnis cura par. 99 ndr.; dieses nein spräche ich nicht nach, und wenn mir es ein engel vom himmel vorsagte Lessing 13, 120 M.; sprachen alles was wir ihnen davon vorsagten, mit bewunderungswürdiger fertigkeit ganz genau nach G. Forster (1843) 2, 166; (in bezug auf ausdruck und ton:) seyd so gut und haltet die rede, wie ich sie euch vorsagte (as I pronounced it to you) Shakespeare Hamlet 3, 2; sagte mir ... ein kleines altes volksgebet vor, mit der aufforderung, es jetzt und in zukunft nachzubeten G. Keller (1889) 1, 44;
wie man ihm vorgesaget, so sagt der papagey
Logau 451, 33 E.
in freierer anwendung, wobei es sich nicht um wörtliches nachsprechen handelt: dasz sie (die bürger in Schilda) blosz das nachsagten, was ihnen ihr vorphilosophirer vorsagte Tieck (1828) 9, 53; statt geistlos nachzubeten, was Englands essayisten uns vorgesagt Treitschke hist. u. polit. aufs. (1886) 1, 37. — zur übersetzung: manchmal übersetzte er das, was wir ihm vorgesagt, ganz fehlerhaft Steub drei sommer in Tirol (1895) 2, 318.
b)
flüsternd vorsprechen und einhelfen: da er (der souffleur) sie (die rolle) mir wort vor wort vorsagte Göthe 22, 169 W. — vorsagen, gewöhnlich ohne objekt, ist ein typisches wort der schülersprache für leises einhelfen: Wanda war immer die faulste von uns und liesz sich vorsagen Fontane I 5, 18; vgl. Kretschmer wortgeographie 553; Eilenberger pennälerspr. 54.
c)
vorsagen, damit es jemand nachschreibt: einen brief vorsagen, dictare literas Stieler 1667; er schrieb nur; ich sagt es ihm vor Kästner verm. schr. (1755) 2, 211; schrieb alles, was er mir vorsagte, wort für wort auf Gaudy (1844) 2, 90.
3)
vor- in zeitlichem sinne.
a)
in allgemeiner anwendung, vorhersagen, voraussagen: das sie ir (der verhafteten person) nit vorsagen, durch wen oder wie sie angetzaigt sei Tengler d. neu laienspiegel (1518) 131ᵃ; du weist und hab dir vorgesagt und angezeigt genuͦgsam Schade sat. u. pasqu. 3, 14; du solt auch nit sagen, es sey dir nit vorgesagt (neque tu haud dices tibi non praedictum Andria 205) Boltz Terenz deutsch (1539) 7ᵃ;
ich hab ims alles vorgesagt
Hätzlerin 247, 289;
hab ich die ding nicht vorgesagt?
H. Sachs 12, 77 K.;
hab ich es nit vorgesagt,
also wirds ergehen?
Ditfurth volksl. d. bayer. heeres 31.
nd. förseggen ten Doornkaat-Koolman 1, 543ᵇ.
b)
besonders ist das part. prät. häufig, verbal, attributiv oder substantiviert, auch rückweisend in schriftlicher darlegung: vorgesagt, vorgemäldet, praedictus Maaler 475ᵇ. — denn wie vorgesagt Luther 18, 527 W.; hirumme wo vörgesecht, wo solche erkentnisse ... by uns gerestituert ys Rotmann restitution 28 ndr.; Marius, von dem vorgesagt, hat grosze ... thaten gethan Kirchhof wendunm. 2, 23 Ö.;
hergegen andre sind (wie vorgesagt) zu finden,
die allzu gar genau uns suchen einzubinden
Rachel sat. ged. 119 ndr.;
umb die zwo vorgesagten ursach Luther 7, 345 W.; den vorgesagten buben 19, 363; temperir es mit dem vorgesagten wasser Thurneyszer magna alchymia (1583) 46; vorgesagte redliche räthe Wedel hausb. 70 lit. ver. — das ist nu alles leichte zuverstehen aus dem vorgesagten Luther 19, 420 W.; wer vorgesagtes in gedanken festhält Göthe 33, 212 W. (oft bei ihm).
c)
zukünftiges vorhersagen auf grund einer wirklichen oder vermeinten besonderen begabung oder wissenschaft; divinare eyn ding vorsagen Diefenbach gl. 188ᵇ; vorsagen, vorhinsagen, weyssagen Maaler 476ᵃ; vgl. Fischer schwäb. wb. 2, 1669; Campe bezeichnet diesen gebrauch als 'niedrig'; vorgesagt, indovinato, vaticinato Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 415ᵃ: die astronomy hetten ez gut wil den lüten vorgesagt dt. städtechron. 4, 110 (Augsburg); ich vorsag dir heut, daz du verdirbst und stirbst in eim lützeln zeit (so verkündige euch heute 5. Mos. 30, 18) d. erste dt. bibel 4, 230 K.; wie in Jacob patriarch vorgesagt hat Berthold v. Chiemsee t. theologey 68 R.; Christus hat vorgsagt, es sol ein solcher yrsal auf ertrich kommen Eberlin v. Günzburg 3, 75 ndr.; der vogel seines eignen heils selber unwissend, wie solt er uns den auszgang unsers weges vorsagen können Heyden Plinius (1565) 161; ward ihm von einer alten loupidonischen vettel vorgesagt, dasz ihm sein reich wider soll werden Fischart geschichtkl. 426 ndr.; schwartze weissager nur allein im vorsagen des gewitters sich offt grob biszher gestoszen Guarinonius grewel d. verw. (1610) 31; dasz sein ordensbruder Gotfried im j. 1267 zu Worms eine sonnenfinsternisz vorgesaget M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 3, 122; in einer höhle des bergs Libanon wohne ein alter Caldeer, der jedem die zukunft vorsage schr. d. Götheges. 7, 182 (journal v. Tiefurt);
da sie (sterndeuter) den herren und nationen
wöllen vorsagen künfftig sachen
und lügen, das die himmel krachen
Fischart praktik 30 ndr.
in verbindung mit der bedeutung 1:
als du aus hohem geiste
die worte mir prophetischen vorgesagt,
dasz ich dir einst das becken halten würde
Tieck (1828) 3, 242.
in freierer anwendung: mein gmüt sagt mir etwas böses vor Maaler 476ᶜ; mein hertz ... mir dessen einen glücklichen ausgang vorsagte theatrum amoris (1626) 111; es muste ja dem edlen Italus sein gemüte vorsagen, dasz allhier ... das grab seiner wartete A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 762; mein herz will mir doch ein unglück vorsagen Hafner lustsp. (1812) 2, 38;
was hofnung dir hat vorgesagt,
soll in der that erfüllet werden
Rist friedejauchzende Teutschl. (1653) 54.
voraussage durch das wetter bestimmter tage: (man meint,) dasz Urbani, Mariae himmelfahrt ... schön oder gewitterreich ein gut oder schlechtes weinjahr vorsagen Hohberg georg. curios. (1682) 1, 192;
ein heller sanct Paulustag anzeigt ein gutes jahr,
bekommt er aber wind, so folget kriegsgefahr,
die dicken nebel dann dem vieh sterben bedeuten,
schnee oder regen, kalt, vorsagen theure zeiten
Grässe jägerbrevier 80.
in besonderer wendung: es ist höchst wahrscheinlich, dasz die schönheiten der seele durch schöne züge im gesichte vorgesagt werden Haller tageb. (1787) 2, 61.
4)
Stieler 1667 glossiert vorsagen mit vor der zeit sagen, intempestive, alienissimo tempore dicere. wenn auch hier konstruiert, findet sich eine ähnliche anwendung bei mhd. vürsagen, vgl. Haupt zu Erec 7829, Rückert zum wälschen gast 14305.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1937), Bd. XII,II (1951), Sp. 1433, Z. 72.

vorsägen, verb.

vorsägen, verb.
Campe: 'der holzhacker sägt sich erst eine menge holz vor, ehe er anfängt zu spalten'.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1937), Bd. XII,II (1951), Sp. 1437, Z. 62.

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Zitationshilfe
„fürsagen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/f%C3%BCrsagen>, abgerufen am 03.08.2021.

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