Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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fürschützen

fürschützen,
s. vorschützen.
1)
gegen das flieszende wasser dadurch abschlieszen, dasz dieses in seinem laufe gehemmt und gestaut wird. ein mühlwerk, ein hammerwerk fürschutzen, zueschutzen, ihm durch aufstauung das wasser entziehen. Schmeller 3, 424.
2)
zum schutz oder zur abwehr vor sich halten. zumeist aber: zum schutze, zur abhaltung als beweggrund oder absicht vorbringen. für- oder vorschutzen. Schmeller ebenda.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 804, Z. 71.

fürschützen

fürschützen,
könnte statt fürschieszen I 2) c) und II 1) und 2) vorkommen, wie fürschutz für fürschusz 1) und 2). einen beleg aber vermag ich nicht beizubringen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 805, Z. 1.

vorschützen, verb.

vorschützen, verb.,
fürschützen th. 4, 1, 1, sp. 804 (nur lexikalisch belegt); vorschützen, praetendere Reyher thesaurus (1686) o 3ᵃ; vorschützen, propr. aggeribus obstruere, cataractis munire, metaph. autem quocunque modo prohibere, ursachen vorschützen, causas praetendere, fingere, praetexere Stieler 1947; in gleichem sinne Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 692ᵃ; für- et vorgeschützt, ich schütze vor Steinbach 2, 530; vorschützen Adelung; Campe; gewagte trennung:
also er, ohne nutz, ursachen für auch schützet,
damit er das zu gott allein gerichts gemüth
und allerkeuschtes hertz verderb und gar zerrüth
Dietrich v. d. Werder ras. Roland (1636) 245;
ob nutzen vor gleich schlaue klugheit schützt
Grillparzer 1, 191 Cotta.
1)
im eigentlichen sinne: einen schutz, schutzwehr vormachen Schwan nouv. dict. (1783) 2, 975ᵇ (vgl. oben Stieler); 'als einen schutz, eine schutzwehre vor sich her aufführen' Adelung.
treulich führt dich ein armer im drängenden haufen des volkes
und vorschützend die händ öffnet er sichere bahn
Voss bei Campe;
er sieht wieder mit vorgeschützter hand, in die ferne hinaus H. v. Kleist 2, 367 E. Schm.; Oleander schwang sich hinter Siegbert her und schützte diesen vor, um sich vor der rute zu retten Gutzkow im wb. von H. Paul.übertragen: das hat er nun mit seinen fürgeschützten zeugen ... dargethan Ayrer hist. proc. juris (1600) 231;
wenn des gesetzes donner knallt
und wenn mir in das ohr
der fluch aus Mosis büchern schallt,
so schütz ich Jesum vor
bei Fischer-Tümpel kirchenlied 4, 495ᵃ.
mit dem dat. dessen was geschützt werden soll (vgl. 2 b β): einen mächtigen patronen ..., dessen namen ... ich dieser meiner arbeit vorschützen könnte Chemnitz schwed. krieg (1648) 1, widm. 4; also hat auch der allerhöchste himmelskönig seiner allgemeinen weltordnung seinen namen fürschützen und damit gleich anfangs sein gesetz umbzäunen wollen Dannhawer catechism.-milch (1657) 1, 67; so auch bei anwendung im eigentlichen sinne:
zum grunde, der den bau ertregt,
hat er die weite see gelegt
und ihm die flüsse vorgeschützet
Opitz ps. 24, 1.
vgl. verschützen im sinne von tueri th. 12, sp. 1187.
2)
im entwickelten nhd. wird die anwendung im eigentlichen sinne ungewöhnlich, die bedeutung eingeschränkt: etwas vorhalten, vorbringen, das zur verteidigung, rechtfertigung, entschuldigung eines verhaltens, einer ansicht u. ä. dienen soll; zunächst in neutralem sinne. noch Adelung bemerkt, dasz dabei unentschieden bleibe, ob die rechtfertigung begründet sei oder nicht, wodurch vorschützen sich von vorgeben und vorwenden unterscheide, aber Campe beobachtet schon, dasz man es 'doch mehr von ungegründeter rechtfertigung gebraucht', und in dieser verengung der bedeutung wird vorschützen in der sprache der gegenwart, gleichbedeutend mit vorgeben, vorwenden angewendet.
a)
in dem älteren, weiteren sinne: allein dieser hatte an seiner vorgehabten expedition sich ... nicht irren lassen, sondern seine habende ordre vorgeschützet Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 159; es were denn, dasz der nachbar hierüber andere gerechtigkeit wisse fürzuschützen Lehman florileg. polit. (1662) 1, 70; da wird die und die glosse, die und die vorgeschützte autorität nicht mehr gelten Petersen d. warheit d. herrl. reiches Jesu Christi (1693) 2, 103; und wird die würde des predigamts nicht übel vorgeschützet Thomasius kleine dt. schr. (1894) 204; (sich) marschfertig zu halten und weder seine engbrüstigkeit noch andere natürliche fehler vorzuschützen Schwabe belust. (1741) 4, 121; freylich könnte ich meinen sehr verzeihlichen wahn vorschützen Lessing 13, 218 M.; da der erste (der Grieche) seine wissenschaft, der zweite (der Römer) werke, der dritte (der Lutheraner) glauben vorschützte, ward des streites (über den wert ihrer religionen) noch mehr Herder 16, 304 S.; ganz auszer schuld bist du nicht, wenn du gleich geschäfte vorschützen kannst Miller briefw. dreier akad. freunde (1778) 1, 93;
wir wollen, was sie itzt vorschützend wendet ein,
dem kayser tragen für
Lohenstein Agrippina (1685) s. 15.
b)
meist nun aber in verschlimmertem sinne, die entschuldigung, rechtfertigung wird vorgetäuscht oder ist doch nur halbwahr; mindestens soll es unentschieden bleiben, ob das vorgebrachte begründet ist.
α)
mit dem accus. des objects, das fast immer unpersönlich ist; der verschlimmerte sinn tritt besonders in wendungen des gesellschaftlichen verkehrs hervor (unwohlsein, ein geschäft vorschützen u. ä.): er sein erdichtes misztrauen wiederumb vorschützete Grimmelshausen Simpl. 4, 762 Keller; sobald nun die tafel aufgehoben, sehützte mein printz einige unpäszlichkeit vor Ziegler asiat. Banise (1689) 202; sehr viel leuth, die in allweg noth und armuth vorschützen, als wär nicht ein kreutzer geld im gantzen vermögen Abr. a s. Clara etwas für alle (1699) 1, 714; er muszte einen anstosz von übelkeit vorschüzen, um sich eine zeitlang aus der gesellschaft wegzubegeben Wieland Agathon (1766) 1, 236; wenn ich mich beklage, wird er eine geheime instruction vorschützen Göthe 8, 235 W.; welcher abends zuvor seine müdigkeit vorgeschützt hatte, um auf dem zimmer bleiben zu dürfen Immermann 5, 92 B.; indem er den drohenden regen als vorwand vorschützte Hebbel br. 3, 121 W.; er (der gesandte) reist ab, schützt eine sendung vor Bauernfeld (1870) 2, 159; schulaufgabenüberlastung vorschützend blieb einer nach dem andern aus Carossa verwandlungen einer jugend (1928) 53. — das object nach dem infin. im genit.: (dasz sie) durch das vorschützen der mutterpflichten die lücken verdecken muszte, die sie in sich selber fühlte Gutzkow ritter v. geiste (1850) 6, 171. — im allgemeineren sinne. mit zweifel: (eine heilige, welche) sehr viel offenbahrungen und ecstasen soll vorgeschützet haben Amaranthes frauenz.-lex. (1715) 422ᵇ.
β)
seltener mit persönlichem subject:
doch da ers nun verschmäht, auf meinem thron zu sitzen,
und seinem meyneid dünkt die götter vorzuschützen
J. E. Schlegel (1761) 1, 119.
die verbindung mit dem dat. dessen, das entschuldigt, gerechtfertigtwerden soll (s. oben unter 1), ist veraltet, vgl. noch mit unpersönlichem object: seiner grobheit schützt er die schamhaftigkeit vor Steinbach 2, 530; wo man göttermacht vorschüze den freveln Voss antisymb. 1 (1824) 405.
γ)
häufig ist das part. prät. in attribut. oder prädicat. stellung: (dasz sie) alle mit vorgeschützter unpäszlichkeit ... abweisen liesz Lohenstein Armin. (1689) 2, 57ᵃ; die theils zwar nur vorgeschützte, theils ... allzuwahrhafte nothdurft der stände Leibniz dt. schr. (1838) 1, 155; sie gestehet jetzt, dasz ihre vorgeschützte reise auf das land blosz ein vorwand war Ayrenhoff (1814) 4, 250; die regierung verschanze sich nicht etwa hinter eine vorgeschützte unmöglichkeit Bismarck polit. reden 2, 18 Kohl; alles was er vorbrachte, war nur vorgeschützt u. ä.
δ)
mit untergeordnetem satze oder solcher wortgruppe: weil der ausfall bey hellem mittage geschehen, und sie also gar nicht, als wan sie unversehens überrumpelt weren, vorschützen können Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 109; gegen die gäste vorschützend, sein hang zur einsamkeit sey unüberwindlich H. v. Chézy erz. u. nov. (1822) 2, 215; (er) brach auch das gespräch ab, indem er vorschützte, zur gesellschaft zu müssen Gutzkow ritter v. geiste (1850) 8, 133;
vorschützende: sie sey des kaysers huld nicht werth
Lohenstein Ibrahim sultan (1680) s. 52.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1938), Bd. XII,II (1951), Sp. 1530, Z. 64.

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Zitationshilfe
„fürschützen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/f%C3%BCrsch%C3%BCtzen>, abgerufen am 03.08.2021.

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