Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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fürschreiben

fürschreiben,
s. vorschreiben.
1)
schreiben, um das geschriebene vor augen zu haben. so gehe nu hin und schreibs jnen fur, auff eine tafel. Jes. 30, 8; disen wunder schönen vers hat er (Luther) mit seiner eygnen hand jhm (sich) an alle wende fürgeschrieben. Mathesius Luther (1566) 106ᵇ.
2)
aufschreiben zur befolgung für das verhalten. dann überhaupt: in beziehung auf das verhalten bestimmen, zur befolgung festsetzen. ahd. furiscrîpan (Graff 6, 569). furgescriben, furgegeben wirt. Eychman q iijᵃ. hab ich dirs nicht manchfeltiglich furgeschrieben mit raten und leren. spr. 22, 20; gesatz stellen oder fürschreyben und anrichten. Frisius (1556) 285ᵇ. eim fürschreyben und verordnen was er thuͦn sölle. 377ᵃ. prœscribere, vorschreyben oder fürschreyben, einem vor sagen wie er sich sölle halten. 1044ᵇ. nach diesen beiden letzten stellen und andern dann bei Maaler 149ᵈ u. 150ᵃ.
und wer jhr (der frau Milde) gnad gefelt,
dem gibt sie bald ohn schmertzen
ausz freywilligem hertzen,
wie jhr Paulus fürschrieb.
H. Sachs I (1590) 203ᵇ.
eine stelle von Fischart s. unter fundschwanger. der psalmist hat hohen und niedern eine sehr nützliche weise lehre in bündnüssen fürgeschrieben, da er sagt: nolite considere in principibus. Schuppius 46; sondern dacht, dasz er (Hiob) ein mann, sie aber ein weib ... sey. gleichwol aber liesz er ihme nicht von ihr fürschreiben. sondern dachte, dasz er ihr mann und nicht ihr knecht sey. 149;
frau muhme, thun sie doch das gute werck an mir
und schreiben mir die kunst, verliebt zu werden, für.
Picander ernstscherzh. ged. 2, 353.
Stieler 1927 setzt „für- sive vorschreiben“ an, hat aber in den beispielen nur vorschreiben, eben so der spätere Steinbach 2, 511. Wilhelmi, Rädlein, Weismann bringen gleichfalls beide wörter, jedes an der ihm in der alphabetischen ordnung zukommenden stelle, während Dentzler 2, 118ᵇ das verbum fürschreiben, aber s. 338ᵃ, im V, nur das subst. vorschreiben verzeichnet. bei Kirsch und dem ihm nacharbeitenden Matthiä findet sich blosz fürschreiben aufgenommen, dagegen verweisen Hederich und der ihm folgende Nieremberger bei diesem worte ohne weiteres eingehn auf vorschreiben, das nunmehr herschendes wort geworden war.
3)
schreiben zur nachbildung.
4)
durch ein schreiben empfehlen, schriftlich fürsprache thun, schriftlich ein gutes wort einlegen. nun hat Balthazar Kuchenmeister itzo und zum jungsten die burgkman zu Geylnhawszen (Gelnhausen) beschrieben ... und gebeten, jnen by mir zufurschryben, damit er widderumb durch mich eingesatzt ... werden. ungedrucktes schreiben des abtes Marcellinus in Seligenstadt an den grafen Ludwig zu Ysenburg v. j. 1509 (in dem fürstl. archiv zu Büdingen). vgl. fürschrift 4).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 801, Z. 61.

fürschreiben, n.

fürschreiben, n.,
der inf. fürschreiben als subst., im besondern: 1) ein schriftlicher befehl. 2) ein empfehlungsschreiben.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 802, Z. 30.

vorschreiben, verb.

vorschreiben, verb.,
vgl. fürschreiben th. 4, 1, 1, sp. 801; ahd. furigiscrîban Graff 6, 568; prescribere vor-, vurschriben, nd. vorscriven; prescriptus vorgeschriben Diefenbach gloss. 456ᶜ; vorschreyben, praescribere Maaler 476ᶜ; vorschreiben, prescrire, prescrivere Hulsius-Ravellus (1616) 389ᵇ; Reyher thes. (1686) o 3ᵃ; für- sive vorschreiben, praescribere, exemplum alicui scribere, et metaphor. imperare, praecipere, edicere Stieler 1927; Spannutius (1720) 352; für- et vorgeschrieben, ich schreibe vor Steinbach 2, 511; vorschreiben Frisch 2, 225ᵇ; Adelung; Campe; mnld. vorschriven Verwijs-Verdam 9, 1069; dän. foreskrive ist lehnwort. vgl. noch schweiz. idiot. 9, 1517.
1)
vor etwas schreiben: einem buche seinen namen vorschreiben Adelung; den nullen eine eins vorschreiben Campe; vorschreiben, fürschreiben, scrivere in primo luogo ò à capo Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 661ᶜ; unser getrüwer, williger dienst sy üch von uns all zit vorgeschriben briefeingang von 1386 schweiz. idiot. a. a. o.; als hab ich ... mich erkühnet, diesem newen wercklein dero hohen gesellschafft namen vorzuschreiben Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 1, a 3ᵃ; und schicke ihnen daher unter vorgeschriebner adresse beygehende zwey briefe Lessing 18, 215 M.; (die reinschrift einer partitur) hat die für die singstimmen und das orchester erforderliche anzahl systeme, deren jedem die entsprechende bezeichnung vorgeschrieben ist O. Jahn Mozart (1856) 3, 443; ebenso sagt man, einer note ist ein kreuz, ein b vorgeschrieben. — nd. he hett em dor n P vörschreven, hat ihm gehindert Mensing schlesw.-holst. wb. 5, 478; Österreich hatte ... Preuszen nun ein P vorgeschrieben E. M. Arndt (1892) 1, 213. versuche einer erklärung bei Mensing a. a. o. 3, 943.
2)
im gegensatze zu nachschreiben: vorschreyben, den kinden eyn vorgeschrifft machen Maaler 476ᶜ; einem etwas vorschreiben, damit mans nachschreibe Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 661ᶜ; einem kinde das abc vorschreiben Adelung; das vorgeschriebene nachschreiben Campe.
3)
freier, wobei es nicht mehr auf das blosze nachbilden der zeichen ankommt: ich habe sie (die apophthegmata) ... nachgeschrieben, wie ichs vorgeschrieben gefunden Zinkgref apophthegmata (1628) 1, b 5; zuweilen schrieb der alte (Hippus) selbst ein solches kunstwerk (ein verfängliches geschäftsdokument) vor und lies es den schüler abschreiben Freytag (1886) 4, 129. — vorschreiben 'sagt der zimmermann für die unmittelbar auf seine hölzer gemachten linien, nach denen er arbeiten soll' Schönermark-Stüber hochbaulex. (1902) 875.
4)
in älterer sprache besonders im part. prät. rückweisend für vorher geschriebenes oder gedrucktes, vgl. Richthofen altfries. wb. 728; Verwijs-Verdam 9, 988; 1068: der vorgeschriben spruch Lucani Konrad v. Megenberg buch d. natur 224 Pf.: in ein urkunde dieser vorscrebenen redde Bauer-Collitz waldeck. wb. 301 (von 1332); als is vorgeschreben stet d. Marienb. treszlerb. 5 J.; so du nun usz dem vorgeschriben verstan macht Steinhöwel de claris mulieribus 98 lit. ver.; und fleucht er zuͦ einer der vorgeschriben stelle (in dieser stedte eine 5. Mos. 19, 12) d. erste dt. bibel 4, 195 K.; was vorgeschriben ist, enbüt ich mich vor got und allen creaturen rechnung und antwurt darüber zu geben Zwingli von freiheit d. speisen 40 ndr.; in der vorgeschribenen cimentpulffer eines Ercker beschr. aller mineral. ertzt (1580) 86ᵇ; vorgeschriebene personen Schweinichen denkw. 537 Ö.
5)
schreiben, schriftlich niederlegen, damit man es lese, nütze, dann besonders, damit man sich darnach richte; letztere anwendung leitet dann zu dem im entwickelten nhd. häufigsten gebrauch des wortes über: de scripto dicere ausz dem buch reden, wie es im vorgeschriben ist, läsen Frisius dict. (1556) 410ᵇ; ich mag es aber nicht alles vorschreyben, das ich erfaren han, wann ich alles nicht indechtig bin Schiltberger reiseb. 1 lit. ver.; wie er auch seinem sone etliche deutsche fabeln zum argument vorschribe Mathesius 3, 192 Loesche; bisz ich dir hiervon ein besonder tractätlein vorschreibe Rauw kosmographia (1597) 227; seinem sohn ... schrieb er mit eigner hand diese lehren vor Zinkgref apophth. (1628) 1, 111; wie dan zu solchem ende ich euch dieses newejahrsgebettlein letzthien vorgeschrieben Moscherosch insomnis cura par. 29 ndr.; was der könig von Polen allen rechtschaffenen hoffbedienten ... mit güldenen buchstaben vorgeschrieben hat: mors bona initium vitae Chr. Weise polit. redner (1677) 502; ich kann nicht mit diesem (buch) ... einigen unterricht in der haushaltung ... vorschreiben Hohberg georg. cur. (1682) 1, vorr. a 2;
dein vater schrieb dir vor. die abschrift seiner thaten
ist in der tochter fleisz vollkommen wohl gerathen
Stoppe Parnasz (1735) 52.
auf die musikalische notierung und zeichengebung bezogen: nach den vorgeschribenen und ins gedechtnusz gefasseten noten Cyr. Spangenberg v. d. musica 33 lit. ver.; nach vorgeschriebenen basso, welcher alhier an stat der tabulatur steht Königsb. dichterkreis 69 ndr.; es ist p, pp, allegro, adagio vorgeschrieben, wobei aber an die bezeichnung durch die schrift nicht mehr gedacht zu werden braucht, vgl. die folgenden abschnitte.
6)
dieses zurücktreten der vorstellung des schreibens ist für die entwicklung des gebrauchs charakteristisch, es ist besonders deutlich, wenn das verbum mit einem unpersönlichen subject verbunden wird, s. unter 6 i. vorschreiben ist an sich schwächer als gebieten, befehlen u. ä., obgleich es auch im sinne dieser verba gebraucht werden kann (vorschrift des gesetzes), vielfach aber bezeichnet es auch eine mehr oder minder dringende und erfolgreiche einwirkung auf den willen anderer, denen ein bestimmtes verhalten als notwendig oder nützlich hingestellt wird.
a)
früher häufig, in der sprache der gegenwart seltener steht es ohne object: ich begehre dir nicht vorzuschreiben Stieler 1927; die macht haben, einem vorzuschreiben Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 662ᵃ; (nicht) ihm vorzuschreiben, sondern vielmehr zu gehorsamen Buchholtz Herkuliskus (1665) 46; es ist aber hiermit niemandem vorgeschrieben, und stehet jedem frey, hievon nach belieben zu glauben S. v. Birken d. verm. Donaustrand (1684) 17; dir vorzuschreiben! — schreibet man dem himmel vor, wenn man ihn in tiefster unterwerfung anflehet? Lessing 10, 24 M.; so hat der schöpfer der welt es immer besser geordnet, als wir ihm vorschreiben Herder 13, 42 S.; wir haben vorzuschreiben theater d. Deutschen (1768) 12, 368; sie sollen mir nicht vorschreiben. am wenigsten die mama Bauernfeld (1871) 3, 184;
nicht, dasz wir dir vorzuschreiben
uns hiemitte nehmen für.
nein, freund, es steht ganz bei dir
Fleming dt. ged. 1, 365 L.;
wer darf mir halt gebieten? wer dem geist
vorschreiben, der mich führt?
Schiller jungfrau v. Orleans 2, 4.
b)
unter den verbindungen mit dem acc. des objects sind einige als besonders häufig gebraucht hervorzuheben; einem gesetze vorschreiben Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 662ᵃ; die vorstellung des schreibens ist dabei gewöhnlich völlig aufgegeben: der andern gesetze vorschreibet und doch selbst nicht beobachtet Neumark poet. u. musik. lustw. (1652) xiᵇ; als wolten sie allen gewalten der welt gesetze vorschreiben Grimmelshausen 4, 665 Keller; ich werde mir von euch keine gesetze vorschreiben lassen d. vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 23; so ist es von je her nicht anders gewesen, als dasz der schwächere ... sich mus gesezze vorschreiben lassen Heilmann gesch. d. pelop. krieges (1760) 89; man hat ... dem strome der empfindung dämme und gesetze vorgeschrieben Schubart ästhetik d. tonkunst (1806) 272; sich selbst gesetze vorzuschreiben Göthe 41, 2, 279 W.; die gesetze, welche der urheber der natur den weltkörpern vorgeschrieben hat F. Th. v. Schubert (1823) 1, 112; die protestanten dachten nicht daran, der welt neue gesetze vorzuschreiben Ranke (1867) 3, 435.
hat Rom im lieben uns gesätze vorzuschreiben?
Lohenstein Sophonisbe (1680) s. 33;
jetzt ists an uns, gesetze vorzuschreiben
Schiller Wallensteins tod 4, 7.
mit dem sing.: einem ein gesetze vorschreiben Steinbach 2, 511; nachdem der grosze schöpfer ... ein ernstes gesetze, das gemeine leben zu erhalten, vorgeschrieben hat Chr. Weise polit. redner (1677) 48; ihr werdet mir kein so schweres gesetz vorschreiben können Stranitzky ollapatrida 186 Wiener ndr. — Preuszen erfaszte die (iniative) des handelns und schrieb dadurch für die ganze zeit dem gegner das gesetz vor Moltke (1892) 1, 29.
c)
andere häufigere verbindungen, bei denen auch im acc. des objects die vorstellung des richtung weisens, anbefehlens liegt: ein könig soll herr über ein land seyn und den unterthanen gebote vorschreiben A. Olearius pers. rosenthal (1696) s. 98; (wenn sie) mir verhaltungsbefehle vorschreiben wollte Bräker (1789) 1, 177. — regeln vorschreiben: den regenten und amptleuten im Parnasso ist die regul vorgeschrieben, dasz ... Lehman floril. polit. (1662) 2, 909; mit unterthänigster bitt, er wolle ihnen doch ein regel vorschreiben Abr. a s. Clara mercks Wien (1680) 123; die regeln der kunst, so der Aristoteles vorgeschrieben Morhof unterricht von d. dt. spr. (1682) 1, 172; ein academisches frauenzimmer ist freylich keine nonne: was will man uns denn vor ordensregeln vorschreiben? d. vernünft. tadlerinnen (1725) 2, 21; diejenigen regeln, die Phyllis von den gleichnissen vorschreibet Bodmer samml. crit. poet. schr. (1741) 1, 103; (hatte) ihnen regeln des betragens vorgeschrieben Klinger (1809) 8, 26;
habt ihr gebirge fortgerückt,
den strömen regeln vorgeschrieben?
Gottsched ged. (1751) 28;
es wird keiner grosz dadurch, dasz er sich eine norm vorschreibt Hegner (1828) 8, 302. — dafern wir die richtschnur, die unserm wandel ist vorgeschrieben worden, nicht überschreiten Prätorius Saturnalia (1663) 19. — dieses war der plan, den sich herr S. vorgeschrieben hatte Göthe 37, 194 W.
d)
häufig ist bedingungen vorschreiben: wenn er bedingungen vorzuschreiben gehabt hätte Herder 23, 422 S.; ich sehe nicht, ... warum ich mir von irgend einem menschen sollte bedingungen vorschreiben lassen Göthe 23, 242 W.; (Polen) hat das recht nicht, dem sieger bedingungen vorzuschreiben Moltke (1892) 2, 169. — vgl.: ich will dir hiermit fünff articul vorschreiben (die bedingungen, die der teufel dictiert und Faust niederschreibt) Widmann Fausts leben 112 Keller. — gleichwie die päbste von geraumer zeit her den kaisern ... eine art von kapitulation vorschrieben M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 3, 399. — der sieger schreibt den frieden vor, zwingt zum frieden und setzt die bedingungen fest: da sie nun endlich alle abgemattet und krafftlos waren, so ward ihnen ein friede vorgeschrieben v. Fleming d. vollk. t. soldat (1726) vorbericht 6; dasz sein heer gegen Rom zog, um ... dem feinde den frieden vorzuschreiben Ranke (1867) 1, 276. — einem masz und ziel vorschreiben Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 662ᵃ; einem oder andern masz und ziel vorzuschreiben, wie weit er sich verpflichten solte, oder nicht Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 115; wer kann einem gerechten zorne ziel und maasz vorschreiben? Heinse 3, 311 Sch.
e)
vom arzte, in der sprache der gegenwart wird es weniger auf die mittel des receptes bezogen, wofür lieber verordnen gebraucht wird (vgl. aber auch verschreiben 8 th. 12, sp. 1158), als auf die verhaltungsmaszregeln, die er dem kranken giebt; von dieser anwendung aus dann auch übertragen: der arzt schreibt dem krancken vor, wie er sich im essen und trincken halten soll Steinbach 2, 511; weil die medicinische facultät darwieder mit nutzen ihre artzney vorschreibet und appliciret Prätorius anthropod. pluton. (1666) 1, 41; ihnen eine gehörige diät vorschreiben v. Fleming d. vollk. t. soldat (1726) 322; (podagrist,) dem man die hungerkur vorgeschrieben hat Lessing 14, 139 Petersen; weil man wegen der kostbarkeit des mittels die dosen viel zu geringe vorgeschrieben hatte G. Forster (1843) 1, 25; der dichter ist ja auch arzt, und wird ihm schon diät vorgeschrieben haben Schiller 2, 371 G.; keine bessern arzneien für alle seelenübel, als die, die wir uns selbst vorschreiben Gentz (1838) 11, 7.
f)
dann in allgemeiner, nicht zu erschöpfender anwendung; der acc. des objects kann den inhalt des gebotenen oder anempfohlenen angeben, aber auch unbestimmt sein oder durch den zusammenhang näher bezeichnet werden; entsprechend in passiven wendungen: nun wollen wir anhören, was der apostel den ehefrawen vorschreibe Barth weiberspiegel (1565) d 3ᵃ; ja wie die cantzelärmel der unformularigen und unconcordierenden welt heut gebettformular vorschreiben Fischart geschichtklitt. 247 ndr.; was habt ihr kerls mir vorzuschreiben? Schottel friedens sieg 27 ndr.; und will ich hierüber niemand etwas vorschreiben Buchner anl. zur dt. poeterei (1665) 155; andern leuten seine eigne meinung vorzuschreiben Leibniz dt. schr. (1838) 2, 321; du hast ihr (meiner muse) die zarten schwingen beschnitten und ihrem fluge die gemessene höhe vorgeschrieben Bodmer samml. crit. poet. schr. (1741) 1, 84; ich wollte wünschen — — denn noch habe ich ihnen nichts vorzuschreiben Lessing 2, 91 M.; verschiedene haufen, denen Usong ihre stellorte vorschrieb A. v. Haller Usong (1771) 94; dem genie ist nichts vorzuschreiben Göthe 45, 188 W.; man schrieb preise vor Dahlmann gesch. d. franz. revol. (1845) 53; dem herzen seine wege vorschreiben zu wollen Fontane I 4, 86; vorschreiben liesz sich die Stasia nun einmal nichts Cl. Viebig d. schlaf. heer (1904) 2, 473;
die wege der gerechtigkeit,
die du uns vorgeschrieben
Neukirch ged. (1744) 89;
was schreibt doch noch der deutsche dichterchor
für eine versart sich zur strafe vor
Drollinger ged. (1743) 296;
und schreibt dem stein in allen seinen grüften
die festen formen vor
Göthe 1, 128 W.;
der kaiser schreibt mir mein betragen vor
Schiller Piccolomini 5, 1.
passivisch: allen solchen wird die unstäte lebensart vorgeschrieben Göthe 25, 60 W.; evangeliumlesen war ihm vorgeschrieben Fontane I 4, 306;
doch was mir längst ist vorgeschrieben,
das ist der freye weg im lieben
bei Gottsched crit. dichtkunst (1751) 707.
g)
in gleichem sinne auszerordentlich häufig das part. prät. in attributiver anwendung: nach vorgeschribnen satzungen Eberlin v. Güntzburg 3, 50 ndr. (vgl. 6 b); die vorgeschriebne uberlegung des schwammes Wirsung artzneybuch (1588) 80 (vgl. 6 e); die vorgeschriebene schrancken der capitulation Chemnitz schwed. krieg 1 (1648) 3 (vgl. 6 d); es hat ... das tantzen eine gewisse vorgeschriebene regel und arth Abr. a s. Clara etwas für alle 1 (1699) 180 (vgl. 6 c); wegen der vorgeschriebenen reime Neukirch anfangsgründe z. t. poesie (1724) 840; den vorgeschriebenen weg seines heutigen tages Lessing 13, 415 M.; abweichung von vorgeschriebenen religionsmeinungen W. v. Humboldt 1, 52 akad. ausg.; nach vorgeschriebenem maasz und ziel Schopenhauer 1, 19 Gr. (vgl. 6 d); die drei durch das gesetz vorgeschriebenen urkundspersonen G. Büchner nachgel. schr. (1850) 254; mit dem (für den kirchgang) vorgeschriebenen nonnenartigen kopftuch G. Keller (1889) 6, 167;
(wenn sich im tanze) bald nach den vorgeschriebnen zügen
der fusz gehorsam setzt und hebt
König ged. (1745) 100;
und ihre vorgeschriebne reise
vollendet sie (die sonne) mit donnergang
Göthe Faust 245.
h)
mit untergeordnetem satze oder solcher satzgruppe verbunden: (das gesinde) will schier seiner herrschafft alles vorschreiben, was sie ihnen geben und wie sie sie warten sollen viehbüchl. (1667) 69; soll ein solcher milchbart mir vorschreiben, was ich reden soll? Hauff (1890) 1, 81; er habe ihnen ... vorgeschrieben, das evangelium allen völkern zu verkündigen D. Fr. Strausz (1876) 6, 37;
scholde wi uns laten vörschriven,
wat wi willen dregen mit unsen wiven
Lauremberg scherzged. 2, 311;
wir hielten durch die pflicht uns vorgeschrieben
(we did think it writ down in our duty),
die sach euch kund zu thun
Shakespeare Hamlet 1, 2;
unsre reize zu verhüllen,
schreibt die strenge mutter vor
Novalis 4, 156 Minor.
i)
auszerordentlich häufig ist die verbindung des verbums mit einem unpersönlichen subject, wobei das verblassen der ursprünglichen bedeutung besonders deutlich wird (vgl. im gesetz ist vorgeschrieben neben das gesetz schreibt vor).
α)
gesetzliche ordnung irgend welcher art: also schreiben es uns die gesetze vor Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 662ᵃ; vollziehen sie eiligst, was die gesetze vorschreiben Holtei erz. schr. (1861) 3, 154; es ist, als ob ein ceremonialgesetz auch hier jeden schritt der abenteuer vorgeschrieben hätte Gervinus gesch. d. dt. dicht. (1853) 1, 372; (wie) der buchstabe des gesetzes mir vorschreibt Chph. v. Schmid (1858) 6, 47; soweit nicht das gesetz ein anderes vorschreibt handelsgesetzb. § 10;
wie von anbeginn
die zunftgesetze vorgeschrieben
Pfeffel poet. veruche (1812) 2, 162;
ich liesz geschehen, was für deine ruhe
vorschreibt der kirche heilig ritual
Freiligrath ges. dicht. (1870) 2, 15.
β)
die natur: die natur habe sich das gesetz der stätigkeit ... vorgeschrieben Nicolai lit. br. 2, 357; (handlungsweise,) welche die natur dieser schönen seele vorgeschrieben hat Göthe 23, 307 W.
γ)
innere kräfte und triebe: Milton überschreite mit seinem flug der phantasie das ziel, das die vernunft in der abhandlung heiliger materien vorschreibt Bodmer abhandl. von d. wunderbaren (1740) 49; in dem graden gleise ..., das ihm vernunft und tugend vorschreiben Lessing 10, 151 M.; du (vernunft) bewegtest deinen fischschwanz und schriebst dir damit eine rechtläufige bahn durch die wogen vor Jean Paul 3, 126 H.; weil mirs mein herz so vorschreibt Fontane I 6, 58;
die liebe schreibt mir vor gesetze maas und ziel
schausp. engl. comödianten 84 Creizenach;
weil die redlichkeit zum lieben
mir gesetze vorgeschrieben
Günther ged. (1735) 256.
δ)
und so allgemein in freiem, reich entwickeltem gebrauch: dasz der todt ein regel ohne unterscheid allen vorschreibe Abr. a s. Clara mercks Wien (1680) 14; unser stand schreibt uns ganz andre regeln vor d. neueste aus d. anmuth. gelehrsamk. (1751) 8, 218; diese in so groszen verhältnissen angelegte vorhalle schien für das ganze werk einen andern stil ... vorzuschreiben Herder 12, 387 S.; über die schnur hinaus ..., die der wohlstand vorschreibt Bode gesch. d. Thomas Jones (1786) 5, 185; wenn die musik die bewegungen des körpers leitet ... und ihnen zugleich das masz vorschreibt Göthe 21, 208 W.; folgen wir der direction, welche die plastik der hochgebirgsketten ... für die nordgrenze dieser halbinselbildung vorschreibt Ritter erdkde (1822) 4, 897; aber der falter hält sich manchmal nicht an die grenzen, die ihm das gestein vorschreibt W. Weigand d. gärten gottes (1930) 230.
7)
hinzuweisen ist auf die ausdrücke unvorschreibend Frisch 2, 225ᵇ, unvorschreiblich Adelung, im sinne von unmaszgeblich; vgl. vorschreiblich.
8)
veraltet ist vorschreiben für älteres fürschreiben (s. dieses 4 th. 4, 1, 1, sp. 802), im sinne von schriftlich empfehlen: recommendiren einen vorschreiben, loben, beliebt machen Belemnon curiös. bauernlex. (1728) 161 (einen irrthümlich für einem); gewöhnlich als subst. inf., s. das folgende wort.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1938), Bd. XII,II (1951), Sp. 1501, Z. 33.

vorschreiben, n.

vorschreiben, n.
1)
im üblichsten sinne des verbums wie vorschrift: nur verbitt ich mir jedes vorschreiben von künftigem thun und lassen Meissner Alcibiades (1781) 1, 129.
2)
veraltet, empfehlungsschreiben: vorschreiben, anbefehlung, commendatio; einem ein vorschreiben machen Dentzler clavis ling. lat. (1716) 338ᵃ; vgl. vorschreiben 8, schweiz. idiot. 9, 1518 und zeitschr. f. dt. wortf. 12, 64: vorschreiben an einen bedienten bey hof Harsdörffer t. secretarius (1656) 2, 29; er möchte bey kayserlicher hoheit durch ein vorschreiben ihm zu wege bringen Buchholtz Herkuliskus (1665) 804; die bitte, durch ein kleines vorschreiben bey ihnen eingeführt zu werden Lichtenberg br. (1901) 2, 377; das ging eine weile so fort, bis ich ihn um ein vorschreiben bat, dasz ich zurückkehren könnte Göthe 13, 2, 289 W. (öfters bei ihm).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1938), Bd. XII,II (1951), Sp. 1506, Z. 32.

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Zitationshilfe
„fürschreiben“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/f%C3%BCrschreiben>, abgerufen am 02.08.2021.

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