Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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fürschreit, fürschret, adj.

fürschreit, fürschret, adj.
verschrien, berüchtigt. das part. praet. des schwachbiegenden, gewöhnlich nur in diesem part. vorkommenden verschreien (s. d.), in übeln ruf bringen (Schmeller 3, 503), dessen ver- hier in für umgebildet wurde. ein grosser furschreiter mann. Agricola sprichw. 383ᶜ; disz etwan grausam fürschret volck, der arbeyt ungedultig. Frank weltb. 43ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 802, Z. 50.

vorschreien, verb.

vorschreien, verb.,
praeclamo vorschreyen Calepinus dict. XI ling. (1598) 1126ᵃ; gridare innanzi Hulsius (1618) 2, 183ᵃ; über- sive vorschreyen, occlamitare, vincere clamore et obstrepere Stieler 1934; vorschreyen Adelung.
1)
in älterer sprache in neutralem sinne, laut rufen: preconare vorschreyen Diefenbach gloss. 452ᶜ; und die fürer dez heres süllen vorschreyen durch alle rott, das daz höre daz gantz hör (aber die amptleute sollen mit dem volck reden und sagen 5. Mos. 20, 5) d. erste dt. bibel 4, 196 var. K.
2)
gewöhnlich aber verschlimmert von überlauter stimmgebung; vorschreien stärker als andere schreien: 'unter mehrern stimmen schreyet eine vor, wenn man ihr schreyen vor allen andern stimmen höret' Adelung; das vorschreien einzelner würde als ein verstosz gegen die guten sitten erscheinen Niemeyer beobachtungen auf reisen (1820) 1, 160; vorschreiende maulhelden Fr. L. Jahn 1, 253 E.; der vorschreiende staar Herder 30, 211 S.; vom ton selbst, und dann oft in bildlicher und übertragener anwendung: eine herrschende kirche ist ein vorschreiender ton in einem schadhaften orgelwerk, der immer vor- und mitheulet Herder 23, 126 S. (öfters bei ihm); je stärker die kausalität vorschreit, je weniger ist raum für poesie O. Ludwig (1891) 5, 94; (keine) vorschreienden töne ... stören die himmlische harmonie (der kindheitserinnerung) Bog. Goltz ein jugendleben (1852) 1, 27.
3)
jemandem etwas vorschreien, sodasz er es hören musz: was umb die osterzeit die pfaffen insgemein dem armen gemeinen volck in einer unbekannten sprache vorzuschreien pflegen Curio d. entzückte Pasquinus (1667) 192; vorschreien will er der menge nicht Herder 22, 105 S.; vorsänger, der aus seinem buche immer den andern eine oder ein paar zeilen vorschrie Nicolai reise (1783) 1, 110; schreiet ihre wichtigsten personalien der seniorin vor Jean Paul 1, 379 H.
(bestach ich) mit golde deiner zofe mund,
mein lob dir stündlich vorzuschreien?
Gökingk ged. (1780) 1, 95;
allein nun geht er hin
und schreit von greuel,
von barbarei der baronesse vor
Göthe 12, 234 W.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1938), Bd. XII,II (1951), Sp. 1507, Z. 10.

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Zitationshilfe
„fürschreit“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/f%C3%BCrschreit>, abgerufen am 17.01.2022.

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