Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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fürschwatzen, fürschwätzen

fürschwatzen, fürschwätzen,
s. vorschwatzen, vorschwätzen. vor- sive fürschwatzen. Stieler 1959. fürschwatzen, praedicare, dictitare. Kirsch (1723) 2, 125ᵇ und danach Matthiä (1761) 2, 161ᵃ. noch wetterauisch fîrschwätze, d. i. hochd. fürschwätzen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1871), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 805, Z. 6.

vorschwatzen, verb.

vorschwatzen, verb.,
vor- sive fürschwatzen Stieler 1959; ebenso beide formen bei Kramer teutschital. dict. 2 (1702) 705ᵇ; Steinbach 2, 538; vorschwatzen Adelung; Campe.
1)
veraltetes fürschwatzen ist oben th. 4, 1, 1, sp. 805 nur lexikographisch belegt: was ihr die procuratores fürgeschwatzet haben Schupp schr. (1663) 301; als wenn man einem kinde etwas vom Ruppert fürschwatzt J. G. Schmidt rockenphilosophie (1706) 2, 66; indem er ihnen viel von den göttlichen vollkommenheiten fürschwatzte Ernst fasznachtsbr. (1703) 149.
2)
über die umgelautete form des verb. s. oben schwatzen th. 9, sp. 2349; die heutige schriftsprachliche form ist auch bei dem zusammengesetzten verb. vorschwatzen; vorschwätzen gehört besonders süddeutscher umgangssprache an und wird immer noch gelegentlich in die schriftsprache aufgenommen; dabei ist zu beachten, dasz schwätzen einen milderen ton hat als schwatzen (s. auch schwätzeln); vgl. vorschwätzen Fischer schwäb. wb. 2, 1672; schweiz. idiot. 9, 2260; luxemb. ma. 471; vorschwätzen Frisch nouv. dict. (1730) 647; Braun dtsch. orthogr.-gramm. wb. (1793) 293ᵃ. in älterer sprache sind entsprechend dem gebrauch des einfachen verb. umgelautete formen sehr häufig: wenn er ihr von der ehe ... vorgeschwätzet Widmann Fausts leben 407 K.; glaub nit als, was dir vorgeschwetzt wirt Kirchhof wendunm. 1, 404 Ö.; ich mochte ihr vorschwätzen, was ich wolte A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 449; durch vorschwätzen v. Hohberg georg. curios. (1682) 1, 78; betrügerey, so die alte mir vorgeschwätzet Lindenborn Diogenes (1742) 1, 32; ihre erzieherinnen schwätzen ihnen von nichts so häufig vor als von liebe Bode Montaigne (1793) 5, 180; schon lange haben mir die kerls vorgeschwätzt: lasz's drucken Göthe gespr. 1, 27 Biedermann; wann ich denen kindische dinge vorgeschwäzt habe Bettine dies buch gehört d. könig (1843) 1, 86; vorschwätzen und erzählen Schopenhauer 2, 241 Gr.;
man schwätzet mir viel vor
Rachel sat. ged. 141 ndr.;
was hat der thoren schaum dem kayser für zu schwetzen? (: setzen)
Lohenstein Ibrahim sultan (1680) 90;
bald (wird) der zarten braut was harbes vorgeschwätzt (: gesetzt)
Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 4, 251.
3)
liegt schon bei dem einfachen verb. eine verschlimmerung des sinnes etwa gegenüber plaudern vor, so geht diese entwicklung bei vorschwatzen weiter, s. unter 4. indessen kann natürlich auch dieses in dem neutralen derben sinn des einfachen verb., auch noch milder in gemütlichem oder heiterem tone gebraucht werden (vgl. auch unter 5): da er mir diz weitleuftig gnug vorgeschwatzet, fraget ich wiederumb Gabr. Rollenhagen indian. reysen (1603) 125; die mutter ... ihrem lieben kind zu nutz etwas ander vorschwatzt Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 1, n 2ᵇ; (als sie) ihnen von den europeischen und indianischen fremden dingen ... etwas vorzuschwatzen wusten Er. Francisci d. alleredelste unglück (1670) 92; mein geheimnis erst meinem bruder ... vorzuschwatzen Thümmel reise (1791) 5, 118; (du sollst) mir in müszigen stunden etwas vorschwatzen Tieck (1828) 5, 34; ich will ihnen vorschwatzen, was ich weisz O. Ludwig (1891) 3, 755; hat mir stundenlang von seiner grundsteuercommission vorgeschwatzt Bismarck br. an s. braut u. gattin 196;
der richter schwatze solchen leuten
viel von den dreyen fingern (beim schwur) vor ...
trifft er doch nur ein taubes ohr
Triller poet. betracht. (1750) 1, 301;
du? schülerin des Plato!   nicht begreifen,
was dir ein neuling vorzuschwatzen wagt?
Göthe 10, 113 W.
4)
die weitergehende verschlimmerung des sinnes besteht darin, dasz abgesehen von der unnötigen wortfülle zudringlichen redens auch die nichtigkeit, albernheit oder unzuverlässigkeit, besonders aber auch die unwahrhaftigkeit des inhalts, der versuch der betörung oder täuschung bezeichnet wird: vor- ò fürschwatzen, dar ... à credere ad uno con chiacchere e cantafavole Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 705ᵇ; einem leichtgläubigen viel vorschwatzen Steinbach 2, 538; o die liebe ist viel ein ander ding, als mir der pfaffe vorgeschwatzt schausp. engl. comöd. 268 Cr.; denen sie vorschwatzen, dasz die geister solche speisen essen Dapper Africa (1671) 413ᵃ; schwatzten mir sachen davon vor, die ich nur für listige erfindungen halte d. discourse d. mahlern (1721) 2, 133; von jenem feinde, der dem ersten weibe im paradiese von einer geheimen moral und ihren götterfolgen vorschwatzte Herder 15, 169 S.; die uns mit unverschämter dreistigkeit von wundergaben vorschwatzen Bode Montaigne (1793) 2, 111; armen mädchen etwas vorgeschwatzt und gelogen Tieck (1828) 13, 218; ob du von einem grafen abstammst, wie eine dumme betrügerin dir vorgeschwatzt Holtei erz. schr. (1861) 1, 31;
dasz ich dem kaiser offt viel lügen vorgeschwatzt
Günther ged. (1735) 1035;
ich meine, denen
könnt man vorschwatzen, auszer Russland sei
die welt zu ende
Immermann 15, 184 B.
in besonderer wendung: mein fehler war, dasz ich mir die festung weit schwächer vorschwatzen liesz, als ich sie nun finde Kretschmann (1784) 3, 2, 68.
5)
das verb. kann auch auf schriftliche äuszerung bezogen werden, wie das mildere plaudern. der schriftsteller oder briefschreiber kann dabei seine mitteilungen herabsetzen oder sich den anschein davon geben: lieber leser, ich musz dir hierbey ... noch was erfreulichers vorschwätzen Prätorius d. abentheuerl. glückstopf (1669) 96; mich zu verhindern, ihnen etwas mittelmäsziges von dieser materie vorzuschwatzen (in einem briefe) Lessing 17, 115 M.; wie viel, meine werthen freunde, habe ich euch nun vorgeschwatzt Caroline 2, 341 Waitz; ich musz dir deshalb von meiner freude ein wenig vorschwatzen und erzählen E. M. Arndt schr. für u. an s. l. Deutschen (1845) 1, 213; verblassend: nun habe ich ihnen aber mit meiner müden und deshalb so undeutlichen und ungleich kritzelnden hand genug vorgeschwatzt W. Scherer an Müllenhoff briefw. 80.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1938), Bd. XII,II (1951), Sp. 1534, Z. 24.

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Zitationshilfe
„fürschwatzen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/f%C3%BCrschwatzen>, abgerufen am 20.01.2022.

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